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11.04.2010
Wenn mensch über Transsexualität schreibt, ist es leider immer noch so, dass es ein einfaches ist über Negatives zu berichten - ist es doch leider noch alltäglich, dass transsexuelle Menschen auf Grund ihres Soseins vom täglichen Missbrauch durch Mediziner und Behörden bis hin zu Gewaltverbrechen, allen möglichen Angriffen ausgesetzt sind. Dass nicht alle diese Angriffe überleben, wird gerne von offiziellen Medien verschwiegen. Gerade deswegen ist es um so wichtiger, uns nicht dem schönen Schein des "Ist doch alles in Ordnung" hinzugeben (etwas, das besonders in Deutschland gerne zur üblichen Verdrängungstaktik gehört), sondern Verbrechen immer wieder zu nennen. Denn auch wenn wir meinen, wir hätten mit all den Opfern nichts zu tun, so tragen wir durch unser eigenes Verhalten eine grosse Verantwortung dafür, wie es um unsere Rechte bestellt ist.

Wer schweigt, oder sich sogar darüber freut, wenn Menschen zum Schweigen gebracht werden, hilft nicht den Opfern, sondern stellt sich auf die Seite der Täter. Es darf nicht verschwiegen werden, dass es leider sogar transsexuelle Menschen selbst gibt, die sich hier lieber vom eigenen vermeintlichen Vorteil kaufen lassen... vielleicht ist das einer der Gründe, warum vieles, was längst in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden sollte, immer noch hinter der Mauer des Schweigens verweilt. Umgekehrt sollte aber auch dies uns sagen: Es liegt auch an uns, wie wir mit Hassverbrechen und Opfern eines Weltbildes, in welchem transsexuelle Menschen als geisteskrank und nicht-existent angesehen werden, umgehen wollen und wie wir daran mitwirken wollen, selbstbewusst für unsere Menschenrechte einzutreten.

Nun wieder einmal zu aktuellen Fällen:

Ende März wurde in New York (im Stadtteil Queens) erneut eine transsexuelle Frau ermordet.

Hier ein O-Ton eines Fernsehberichtes: Download.

In der mexikanischen Stadt Chihuahua wurde am 4. April der Körper eine transsexuelle Frau tot aufgefunden, der Kopf war vom Rest des Körpers abgetrennt worden.

Hier die Meldung von Diario Digital Transsexual als PDF: Download .

Manch einer wird sich fragen: was hat das mit Deutschland zu tun?

Die Antwort wäre: Eine ganze Menge. Auch deutsche sogenannte Sexualwissenschaftler (welche das sind, wir auf mut23 immer wieder mal genannt) sind stark involviert in der Arbeit an internationalen medizinischen Klassifikationssystemen, in denen quasi das "offizielle Bild" über transsexuelle Menschen gezeichnet wird. So berufen sich Medien und Öffentlichkeit gerne auf dieses "offizielle Bild", welches transsexuelle Frauen nicht als Frauen und transsexuelle Männer nicht als Männer sehen will, sondern als Menschen, die gerne "dem anderen Geschlecht" zugehören wollen oder sich irgendwie wie "das andere Geschlecht fühlen". Dass transsexuelle Menschen tatsächlich, dem Geschlecht angehören, von dem sie spüren, dass sie ihm angehören, wird vorallem von psychoanalytisch geprägten deutschen Sexologen immer noch abgestritten (auch dazu gibt es hier auf der Seite O-Töne und Originalzitate).

Wenn mensch weiss, dass die Hassverbrechen an transsexuellen Menschen meist darauf basieren, dass transsexuellen Menschen abgesprochen wird, "echt" zu sein, und transphobe Täter gerne behaupten, sie wären von ihren Opfer was das Geschlecht angeht, "angelogen" worden (und hätten quasi damit das Recht gehabt, ihre Tat zu begehen) dann wird einem klar, dass eine offizielle Leugnung der Echtheit transsexueller Menschen durch Sexual"wissenschaftler" immer noch mit zum ideologischen Hintergrund für transphobe Hassverbrechen gehört.

Gut, dass diese Zusammenhänge langsam erkannt werden - auch wenn andere Länder uns, was das Bewusstsein der transsexuellen Menschen selbst angeht, bereits einiges voraus haben. In Frankreich gilt Transsexualität offiziell seit diesem Jahr nicht mehr als "Geisteskrankheit" (womit dann auch deutlicher wird, dass z.B. transsexuelle Frauen Frauen sind, und eben keine Männer, die "wie Frauen fühlen") - und als nächstes Land Europas könnte Spanien folgen. Das spanische Parlament hat sich dafür ausgesprochen Transsexualität nicht weiter als "Geisteskrankheit" anzusehen.

Hier ein Zitat aus Spanien (Laut einer Meldung von STP - Stop Trans Pathologization 2012):

"Die spanische Regierung teilt die Ansicht, dass die Einordnung von Transsexualität als Geisteskrankheit nicht weiter fortgeführt werden sollte".

Link zur Originalmeldung: Klick .
Und zu STP2012: Link .

Eine weitere gute Nachricht im Sinne der Menschenrechte ist, dass am 31. März 2010 nun der Europarat eine Erklärung herausgegeben hat, in der Transphobie strikt verurteilt wird. In dieser Erklärung werden die Staaten Europas aktiv aufgefordert, geeignete Mittel einzusetzen um gegen Transphobie stärker und besser vorzugehen. Besonders erwähnenswert ist, dass hier in diesem Papier u.a. auch erstmals so deutlich auch Praktiken verurteilt werden, die deutsche Sexologen heute noch in Deutschland anwenden - wie z.B. reparative bzw. Umpolungstherapien an transsexuellen Kindern (wie z.B. an der Charite in Berlin unter Klaus M. Beier oder Bernd Meyenburg in Frankfurt).

Bernd Meyenburg zu reparativen Therapien im O-Ton von 2008: Download

Buchausschnitt von Klaus M. Beier zu "geschlechtskonformen" und "geschlechtsatyptischen" Verhaltensweisen: hier.

Und nocheinmal Bernd Meyenburg zum "Hauptvertreter" der reparativen Therapien Kenneth Zucker: Download

In der Erklärung CM(2010)4 add3rev2 des Ministerkomitees des Europarates heisst es:

"therapy to force transgender persons to accept their birth gender should be abandoned"

...was eben dann nicht weniger bedeutet, als dass Umpolungstherapien, die das Ziel haben, transsexuelle Menschen mit ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht (gender) zu "versöhnen" vom Menschenrechtskomitee des Europarates verurteilt werden.

Link zum Papier des Europarates: Hier.
Hintergrundpapier zu reparativen Therapien auch im Menschenrechtsbericht von ATME e.V: Da.

Schön wäre es, wenn in Deutschland auch langsam mal wieder klar wäre, dass es wichtiger ist seinen Mund aufzumachen, anstatt "Juhu" zu rufen, wenn jemand es geschafft hat, sich der schweigenden Masse "anzupassen". Dieser gedankliche Reform des eigenen Selbstverständnisses würde den Print, Funk und TV-Medien genauso stehen, wie auch uns transsexuellen Menschen selbst.

 
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