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01.09.2011
Vor kurzem habe ich einen Kommentar erhalten, aus dem sich ein kleiner email-Austausch ergeben hat. Es ging um Friedemann Pfäfflin. Dass ich ihn für einen Menschen halte, der mitverantwortlich dafür ist, dass transsexuelle Menschen immer noch nicht selbstbestimmt leben dürfen, müsste bekannt sein. Genauso denke ich, dass er zu den Menschen gehört, die immer noch keinen Plan haben, was Transsexualität ist. Anfang der 90er war es Pfäfflin, der sich stark gemacht hatte dafür, den Begriff "Transsexualität" im DSM durch "Geschlechtsidentitätsstörungen" zu ersetzen. Pfäfflin ist Mitglied der Gruppe im DSM, die unter Kenneth Zucker an einer Neufassung des DSM-Abschnitts "gender identity disorders" arbeitet. 2013 sollte der neue DSM 5 erscheinen. Bevor ich zu dem gerade angedeuteten Kommentar komme, nun ein paar Zitate:

1. Friedemann Pfäfflin "Klinische Aspekte der Transsexualität" (1997, "Sexualität - ZWischen Phantasie und Realität", Peter Buchheim):

"Weil zur psychotherapeutischen Fachausbildung Selbsterfahrung gehört, darf man voraussetzen, daß Psychotherapeuten merken, wenn sie sich mit Patienten verstricken, sich mit deren Anliegen identifizieren oder es zurückweisen. Sie sind geschult, die interaktionellen Kräfte zu erkennen und therapeutisch zu nutzen. Weil jedoch, zumindest in den dynamisch orientierten Therapien, Handlungen des Patienten oder Handlungen des Therapeuten für und mit dem Patienten schnell  dem Verdacht unterliegen, es werde agiert, und weil Agieren überwiegend negativ besetzt ist, werden Patienten mit transsexuellem Begehren oft erst gar nicht in Psychotherapie genommen. Ihr Anliegen wird nicht als kreative Phantasie verstanden, sondern als pathologischer Wunsch entwertet. Kollegen, die den Geschlechtsumwandlungswunsch aktiv fördern, indem sie z. B. Kostenübernahmeanträge für somatische Behandlungen stellen, unterliegen derselben Bewertung, und nur der Psychotherapeut, der sich zum Ziel setzt, den Patienten dazu zu bewegen, seinen Geschlechtsumwandlungswunsch aufzugeben, gilt als koscher. Übersehen wird dabei, daß unter dieser Voraussetzung ein tragfähiges Arbeitsbündnis in den meisten Fällen gar nicht zustande kommen kann. Denn auch der Psychotherapeut, der sich gar nicht auf Patienten mit transsexueller Symptomatik einläßt, entgeht der Verstrickung nicht."

Er meint damit:
a) Transsexuelle Menschen hätten einen "Geschlechtsumwandlungswunsch"
b) Ihr "Anliegen" sei eine "kreative Phantasie", also die Geschlechtlichkeit transsexueller Menschen unecht bzw. irreal

Antwort:
Transsexuelle Menschen sind sehr wohl real. Da Geschlecht nicht aus einem einzigen Faktor besteht und die Biologie des Menschen nicht einem stereotypen Adam-Eva-Weltbild entspricht, haben transsexuelle Menschen nicht den Wunsch sich "umwandeln" zu lassen, sondern körperlich im Einklang mit ihrem eigenen Selbst zu stehen. Geschlechtsuwmandlungen gibt es nicht.

2. Friedemann Pfäfflin "Transsexuelles Begehren" (2008, "Sexualitäten", Springer, Anne; Münch, Karsten; Munz, Dietrich (Hrsg.))

"Transsexualität hat mit sexuellem Begehren wenig zu tun. Angedeutet ist dies bereits in der Vorsilbe »Trans«, die sagen will, dass es bei der Transsexualität um etwas geht, das möglicherweise  jenseits der sexuellen Sphäre zu suchen ist, sofern ein solches Jenseits überhaupt denkbar ist. Sicher ist, dass transsexuelles Begehren vielfältige Gestalten annehmen kann. Das klassische transsexuelle Begehren könnte man auf die interaktioneile Formel bringen: Mache mich zu der/dem, die/ der zu sein ich schon lange behaupte bzw. die/der ich schon lange bin (vgl. Lindemann 1993).  In einer früheren klinischen Arbeit habe ich dieses Verlangen als alloautoplastische Verschränkung charakterisiert (Pfäfflin 1984)."

"Erfunden wurde das, was wir heute Transsexualität nennen, etwa um die gleiche Zeit wie die Psychoanalyse. Ob der Gründer der Psychoanalyse davon etwas bemerkt hat, muss offen bleiben. Geäußert hat er sich dazu nie, obwohl er mit  den sexualwissenschaftlichen Strömungen außerhalb der Psychoanalyse gut vertraut war."

"Es ist eine phänomenologische Diagnose, in der zwar nicht vom Begehren die Rede ist, aber von drei Wünschen, nämlich erstens dem Wunsch, als Angehörige/r des andern Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden, zweitens dem Wunsch  nach hormoneller Behandlung und drittens dem Wunsch nach chirurgischer Geschlechtsangleichung. Keine einzige andere Diagnose der ICD-10 speist sich aus Wünschen oder ist gar - wie im Märchen - aus drei Wünschen abgeleitet und darüber definiert. Wunsch und Wirklichkeit werden auf einer handgreiflichen Ebene so gut wie in eins gesetzt und es bleibt kein Raum für die Entfaltung einer Symbolik."


Er meint damit:
a) Transsexuell zu sein bedeute, wenn ein Mann zu einer Frau transsexualisiert wird (oder eine Frau zu einem Mann), hinüber von einem Geschlecht zum anderen
b) Da die ersten genitalen Operationen Anfang des 20. Jahrhunderts stattfanden, gebe es erst seit dieser Zeit transsexualisierte Menschen.
c) Menschen, die keine "Geschlechtsumwandlung" haben durchführen lassen, seien nicht transsexuell, sondern Menschen, die Wünsche, wie im Märchen haben

Antwort:
Friedemann Pfäfflin verkennt damit, dass Geschlecht nicht stereotyp auf einzelne Merkmale reduziert werden kann. Zwar mag der "Gründer der Psychoanalyse" Sigmund Freud seine Religion namens Psychoanalyse aus einem stereotypen Geschlechterbild abgeleitet haben, dennoch hat dies mit der biologischen Realität wenig zu tun. Natürlich existieren transsexuelle Menschen schon seit dem es Menschen gibt. Es kommt eben darauf an, wie man den Begriff "Transsexualität" versteht. Das klassische Missverständnis, dem Pfäfflin (und viele seiner psychoanalytischer Kollegen) aufgesessen sind ist, unter "transsexuell" so etwas wie "geschlechtsumgewandelt" zu verstehen. Magnus Hirschfeld, dem die Vielfalt von Geschlecht vertraut war, da er in den 20er Jahren viele Patienten hatte, die als geschlechtlich abweichend galten, verstand unter "transsexuell" etwas völlig anderes. Hirschfeld sprach 1923 vom "seelischen Transsexualismus", eine geschlechtliche Abweichung, die bereits ohne medizinische Behandlung existiert (Jahrbuch der sexuellen Zwischenstufen, 1923).

3. Friedemann Pfäfflin "Sexuelle Identität ins Grundgesetz?" (R&P 2010):

"Bezüglich der Geschlechtsidentitätsstörungen, die einen zentralen Aspekt des Themas betreffen, forderte die Mehrzahl der Kommentatoren, diese ganz aus dem DSM-5 herauszunehmen. Vornehmlich beriefen sie sich darauf, dass Geschlechtsidentität in jeder ihrer Varianten etwas Natürliches sei und daher nicht in die Zuständigkeit der Psychiatrie falle. Wie bei der Homosexualität, die ja früher auch als DSM- und ICD-Diagnose geführt worden war, komme es einer Diskriminierung gleich, würde man diese Diagnose im DSM-5 belassen."

"Die Diskussion um die Beibehaltung oder Abschaffung der Geschlechtsidentitätsstörungen wird mit großem Nachdruck und z. T. polemisch geführt, woraus man ablesen kann, dass es dabei nicht um eine rein akademische Sachfrage geht. Ganz offensichtlich geht es um Identität. Dass es überhaupt eine solche Diagnose gibt und dass sie womöglich fortgeschrieben werden soll, wird von vielen als Angriff auf ihre Identität erlebt, als anmaßende Attacke von Psychiatern auf die freie Selbstbestimmung und -entfaltung, wie sie in der amerikanischen Verfassung und auch im deutschen Grundgesetz garantiert werden."

"Eingedenk dessen, dass Krankenversicherungen nicht zuständig sind für Phänomene, die keiner Diagnose bedürfen, und daher für deren Behandlung nichts zu erstatten brauchen, fordert eine ebenfalls beträchtliche Gruppe von Kommentatoren, Geschlechtsidentitätsstörungen den körperlichen Krankheiten zuzuschlagen, um so wenigstens die Finanzierung hormoneller und chirurgischer Eingriffe für Transsexuelle zu sichern."


Er meint damit (in diesem Artikel, in dem er nicht empfielt, "sexuelle Identität" ins Grundgesetz aufzunehmen):
a) Es gebe "Geschlechtsidentitätsstörungen" (da er transsexuelle Frauen z.B. für Männer hält, die diese psychische Störung hätten)
b) Dass Geschlechtsidentität natürlich sei, heisst für ihn, dass das Gefühl sich z.B. als Mann als "Frau zu fühlen" natürlich sei, nicht aber, dass dieser Mensch eine natürliche Variation einer Frau sei
c) Transsexualität sei nur als psychische Störung behandelbar

Zusammenfassend:

Pfäfflin leugnet, dass es transsexuelle Menschen per se (!) überhaupt gibt. Für ihn, wie viele andere Psychoanalytiker ist eine transsexuelle Frau ein Mann mit "Geschlechtsumwandlungswünschen" (und ein "geschlechtsumgewandelter Mensch" dann aus seiner Sicht "transsexuell"). Pfäfflin glaubt, dass er, guter Mensch, der er ist, diesen "Männern" helfen muss, um mit ihrer "Phantasie" besser umgehen zu können (oder im anderen Falle diesen Frauen, die "Männer werden" wollen). In Pfäfflins Welt ist es kaum vorstellbar, dass z.B. eine transsexuelle Frau sehrwohl ohne psychische Diagnose medizinisch behandelt werden kann, nämlich sobald sie rechtlich als Frau anerkannt ist. Dafür ist es aber nötig zu verstehen, dass transsexuelle Menschen nicht "umgewandelte Menschen" sind, sondern ihr Inting/Outing ihr Wissen über ihre eigene Geschlechtlichkeit bedeutet, die von vorwiegend in patriarchalen Gesellschaften stereotypen Vorstellungen über die Biologie abweicht. Da der Begriff "Geschlechtsidentität" auch auf zweierlei Weise interpretiert werden kann, nämlich als "da ist ein Mann, der wie eine Frau fühlt" (Psychoanalytiker) und gleichzeitig als "ich bin eine Frau", verwende ich den Begriff nicht mehr, da er zu den üblichen Missverständnissen führt, die heute noch ermöglichen z.B. transsexuelle Frauen als "Männer mit psychischer Störung" zu betrachten, anstatt sie als Frauen anzuerkennen. An anderer Stelle hatte ich mich dazu bereits geäussert.

Und nun zu den bereits oben angedeuteten Kommentaren und den Antworten dazu. Silvano schrieb im August 2011 folgendes:

Silvano 1:

Hallo, ich möchte mich gerne hier zu Wort melden, da ich sagen muss, ich kann die Kritik die hier an Professor Pfäfflin angeführt wird nicht nachvollziehen.

In der Kritik hier wird ein Zitat aus dem  Buch "Sexualitäten" angeführt. Dieses Zitat so aus dem Zusammenhang gegriffen suggeriert jedoch ein gänzlich falsches Bild. In diesem Abschnitt (im Originaltext nachzulesen) beschreibt er lediglich wertefrei die Diagnosekriterien im ICD-10, welche zugegebender Maßen, im Vergleich zu sämtlichen anderen Diagnosekriterien im ICD-10, wirklich Märchenhaft anmuten mögen, rein medizinisch gesehen (aber Diagnosen sind zwangsläufisch medizinischen Gesehen). (Die Diskussion ob man überhaupt eine Diagnose für Transsexualität braucht sei an dieser Stelle dahingestellt.)

Desweiteren bewertet Professor Pfäfflin in diesem Text so gut wie gar nicht, sondern fasst lediglich sehr viele unterschiedliche Quellen, auch seine eigenen, zusammen. Er versucht quasi einen Überblick, über verschiedene Materialien die das Thema Transsexualität beschreiben, zu geben. Erst Ende des Abschnitts Klinische Aspekte gibt er einen wirklichen Einblick in seine Behandlungsüberzeugung.

Natürlich mag man unter Umständen aus dem gesamten Text evtl. raus hören, dass er es nicht 100%ig nachvollziehen kann wie es ist transsexuell zu sein, aber wer kann das schon abgesehen von transsexuellen Menschen an sich? Und macht es da unterschiede ob es biologisch begründet ist oder nicht? Ich zum Beispiel habe beide Hände und werde daher egal ob biologisch begründet oder nicht, nie wirklich 100%ig verstehen wie sich eine Person fühlt die nur mit einer Hand geboren wurde.

Prof. Pfäfflin wertet aber nicht ab sondern versucht auch klar zu machen, dass es unterschiedliche Menschen gibt, die unterschiedliche Behandlungsformen brauchen und möchten egal ob es eine biologische Begründung dafür gibt oder nicht. Zitat: " ..., weil sie aus der behaupteten biologischen Verankerung des Transsexualismus die Begründung für dessen medizinische Behandlung ableitet, als bedürfe es dieser Rechtfertigung."

Meiner Meinung nach hat er mit diesem Satz nicht ganz unrecht. Nur weil etwas biologisch begründet ist muss es nicht gleich einher gehen mit einer medizinischen Behandlung. Nur weil jemand beispielsweise nur eine Hand zu Verfügung hat (weil er so geboren wurde) heißt das nicht zwangsläufig, dass es ihm besser geht wenn man ihm jetzt eine zweite Hand annähen könnte. (Vielleicht ja, vielleicht aber auch nicht... auch in so einer Situation gibt es unterschiedliche Menschen die eine unterschiedliche Behandlung wünschen)


Weiter schreibt er: "Eine gemeinsame Ätiologie beziehungsweise Psychodynamik für Transsexualismus lässt sich nach meiner Beurteilung ebenso wenig ausmachen wie ein gemeinsames Begehren. In der Übertragungsbeziehung entscheidend ist, dass sich der Patient in seiner behaupteten Identität angenommen erlebt."

Hier bezeichnet er etwas wesentliches das wir uns alle in jedem Bereich der Medizin heutzutage wünschen, nämlich eine individuelle Medizin, eine individuelle Betrachtung was für den jeweiligen Menschen die richtige Hilfe ist und dass der Patient für voll genommen und angenommen wird. Natürlich lässt sich streiten ob ein transsexueller Mensch Hilfe braucht. Jedoch aus seinem Standtpunkt heraus bezieht er sich natürlich nur auf hilfesuchende Patienten, da unstreitbar, ja auch nur Personen zu einem Arzt (hier synonym gebraucht mit Psychoanalytiker) gehen welche Hilfe auf die eine oder andere Art begehren.

Zum Schluss möchte ich den gesamten letzten Abschnitt zitieren, da ich persönlich finde dieser Abschnitt ist der wichtigste und vorallem der letzte Satz sollte Beachtung finden:

"Solange der Psychoanalytiker oder Psychotherapeut das Ziel verfolgt, dem Patienten die Symptome wegzumachen, werden sie sich verfestigen. Fühlt sich der Patient dagegen akzeptiert, kann er eigene Zweifel entwickeln und möglicherweise vom Ziel einer Geschlechtsumwandlung ablassen. Denkbar ist aber auch, dass er im Rahmen einer  Psychotherapie seine Zweifel in der Weise bearbeiten kann, dass er sich in der erlebten Geschlechtsidentität stabilisiert, das Ziel der Geschlechtsangleichung bzw. -Umwandlung weiterhin verfolgt und schließlich auch erreicht. Wie immer das Ergebnis ausfallen mag, es kommt darauf an, dass der Patient mit seinem Leben so gut wie möglich zurechtkommt, nicht darauf, dass wir ihm nachweisen, sein Lösungsmodell sei illusionär und unsere Theorie schon immer besser gewesen."

Ich hoffe ich konnte meine Kritik an der Kritik verständlich machen.


Antwort von Kim zu 1:

Lieber Silvano,

Aussagen die Menschen in Büchern tätigen, bekommen, vorallem wenn es um Transsexualität geht, erst dann eine vollkommende Bedeutung, wenn man sie mit dem abgleicht, was Menschen für persönliche Erfahrungen gemacht haben. Gleicht man diese Erfahrungen noch mit den historischen Hintergründen rund um Transsexualität ab, dann wird am Ende ein Gesamtbild entstehen. Bei Herrn Pfäfflin besteht dieses Gssamtbild eben aus:

- seinen Veröffentlichungen
- Veröffentlichten Interviews
- Mitarbeit in Organisationen und seine Tätigkeit in diesen
- Persönlichen Erfahrungen
- Berichten von Betroffenen

Das Fazit, das ich ziehe, basiert auf jahrelanger Recherche. Es gibt hier eine Datenbank mit mehreren hundert Texten zum Thema. Diese dürften ausreichen, um zu beweisen, dass eine Riege von Sexologen bewusst oder aus Unwissenheit gegen Menschenrecht verstossen hat.

Liebe Grüsse,

Kim

Soll ich den Kommentar dennoch veröffentlichen?


Silvano 2:

Hallo Kim,

ich gebe dir Recht, das man immer ein großes Gesamtes anschauen sollte. Jedoch sollte man das dann auch so kennzeichnen und nicht nur eine Sache ohne Zusammenhang zitieren und den Eindruck erwecken, dass es nur oder hauptsächlich daran liegt.

Was Prof. Pfäfflin betrifft, kann ich auch aus eigener Erfahrung sprechen, dass er ein sehr intelligenter Mensch ist und sicher keine Menschenrechte verletzen möchte. Jedoch ist er Wissenschaftler und Psychoanalytiker und versucht aus seiner Position heraus seinen Patienten, wertefrei, eine Unterstützung zu bieten, egal wie jetzt der Hintergrund (ob biologisch oder nicht) aussehen mag. Kurz zu meinem Hintergrund, ich bin selbst transsexuell, FzM und war im Rahmen meiner Umwandlung bei Prof. Pfäfflin.

Was meinen Kommentar betrifft würde ich mich freuen wenn du Ihn veröffentlichen würdest. Gerne auch mit deiner Antwort darauf und meiner Antwort hier.

Lg
Silvano


Antwort von Kim zu 2:

Lieber Silvano,

ich gehöre nicht zu den Menschen, die an Geschlechtsumwandlungen glauben. Für mich bedeutet Geschlecht mehr als körperliche Merkmale oder das Wechseln von Geschlechtsrollen (die in Gesellschaften meist auf Stereotypen basieren). Ebenso gehöre ich nicht zu den Menschen, die anderen in ihrem Handeln böse Absichten unterstellen. Dennoch glaube ich, dass auch Menschen die in guter Absicht handeln, schreckliche Dinge ermöglichen, wenn sie ihre Weltvorstellung auf Ideologien aufbauen, anstatt offen der Viefalt zu begegnen, die um sie herum existiert. Wenn Menschen dann ihre private Religion - und für nichts anderes halte ich die Psychoanalyse - für Realität halten und daraus Regelwerke erschaffen, die Menschen ausschliesst, die nicht an Religion glauben, dann ist das sehr wohl ein grosses Problem.

Transsexuelle Menschen geniessen bis heute weniger Menschenrechte, da einst Psychoanalytiker ihre Thesen zu Regelwerken machten, die von der Politik in Gesetze gegossen wurden. Bis heute kann ein transsexueller Mensch in Deutschland nicht frei und selbstbestimmt über seine Papiere entscheiden. Welchen rechtlichen Status ein transsexueller Mensch geniessen soll, wird in Deutschland von einem Richter und Psychologen entschieden, die ihre Entscheidung von stereotypen Kriterien und seltsamen Vorstellungen über Geschlecht und Geschlechtsrollen abhängig machen. Transsexuelle Menschen müssen sich bis heute diesen Vorstellungen beugen, wollen sie als sie selbst rechtlich anerkannt werden. Beugen sie sich diesen Ideologien nicht, verweigert man ihnen ihre rechtliche Anerkennung.

Die meisten transsexuellen Menschen - und Du gehörst da ja auch dazu - haben wenig Probleme damit, sich zu den Vorstellungen auf denen Gesetze wie das Transsexuellengesetz beruhen, einverstanden zu erklären. Es gibt aber transsexuelle Menschen, die damit aus gutem Grund nicht können.

Transsexuelle Männer gelten heute nach wie vor als gescheiterte Frauen, die - und darauf basieren ja die Fragestellungen der sogenannten "Gutachter" - in ihrer Kindheit bereits ein gender-atypisches Verhalten gezeigt haben sollen. Da diese gescheiterten Mädchen auch später nicht davon ablassen - so die Vorstellung von Menschen, die an dem Begriff der "Geschlechtsidentitätsstörungen" mitgearbeitet haben - sich "männlich" zu vehalten, sagt man, diese Mädchen seien so schlimm psychisch krank, dass man ihnen eine "Geschlechtsumwandlung zum Mann" ermöglicht. Und genau das ist der Quatsch, den viele transsexuelle Menschen nicht mehr bereit sind, zu ertragen: Dass man ihnen eine Geschlechtlichkeit unterstellt, die sie nie hatten um nacher behaupten zu können, dass ein psychisch kranker Mensch angeblich sein "Geschlecht wechseln" muss, um zu psychischer Gesundheit zu kommen.

Um es noch einmal deutlich zu machen: Für mich sind transsexuelle Männer schlichtweg Männer - und eben keine psychisch kranken Frauen. Und Menschen die transsexuelle Männer für psychisch kranke Frauen halten (und transsexuelle Frauen für psychisch kranke Männer) erachte ich eben als Menschenrechtsverbrecher; da diese Menschen ihre stereotype Geschlechtervorstellung mit der Realität verwechseln und bewusst ignorieren, dass da Menschen sind, die sagen: Seht her, die Welt ist vielfältig und Geschlecht nicht auf wenige Merkmale reduzierbar.

Es geht also nicht primär um die Frage ob Transsexualität einen biologischen Hintegrund hat oder nicht, sondern erst einmal um die Frage wieviel Selbstbestimmungsrecht ein transsexueller Mensch bezogen auf sein Geschlecht haben soll, oder nicht. Menschen die hier meinen, dass transsexuelle Menschen auf Grund einer angeblichen, und in der Realität nicht existierenden "Geschlechtsidentitätsstörung" von vorne herein weniger in der Lage sein sollen über ihre eigene Geschlechtlichkeit im Klaren zu sein als "normale" Menschen und von daher weniger Rechte geniessen sollen, halte ich für Menschen, die wenig Interesse daran haben, transsexuellen Menschen zu helfen. Wer Menschen in Unfreiheilt hält und dann sagt, dass er Dir hilft mit dieser Unfreiheit umzugehen, ist in meinen Augen verlogen und handelt unredlich.

Liebe Grüsse,

Kim

 
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