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12.05.2012
Am 10. Mai fand in Berlin die 178. Sitzung des Deutschen Bundestages statt. Hier ging es auch um die Frage der Intersexualität. Nun gab es ja eine Expertise des Deutschen Unethikrates zum Thema, in der erneut behauptet wurde, transsexuelle Menschen seien unnatürlich. Der Verein Aktion Transsexualität und Menschenrecht kritisiert bereits seit 2008, ich persönlich sei nunmehr 6 Jahren diese Ignoranz und Nichtanerkennung transsexueller Menschen in Deutschland. Viel ist seither passiert, sogar die Vereinten Nationen haben sich hierzu mehrfach geäussert. Trotzdem können es die Deutschen nicht lassen, transsexuelle Menschen als z.B. "biologische Männer", die sich angeblich "wie Frauen fühlen" zu bezeichnen, um transsexuelle Frauen nicht als Frauen anerkennen zu müssen. Diese Woche habe ich einen Brief von der SPD-Bundestagsabgeordneten erhalten, die wieder einmal bekräftigt, dass daher transsexuelle Menschen kein Recht darauf hätten, ihren juristischen Status ohne Begutachtung korrigieren zu lassen.

Anfang Mai haben Vertreter der Medizin, hier der Sexologie, klar gemacht, wie sie in Zukunft transsexuelle Menschen ansehen will. Nämlich immer noch z.B. als "Männer, die sich wie Frauen fühlen". Die Drafts zum DSM, dem Manual der psychischen Störungen, werden nun zu den neuen Diagnosen einer "gender dysphorie". An der Arbeit zu den neuen Formulierungen im DSM waren auch Vertreter der deutschen Medizin beteiligt.

Nimmt man das zusammen, dann fällt auf: Transsexuelle Menschen werden nach wie vor staatlich wie medizinisch diskriminiert, fremdbestimmt. Die Opfer psychiatrischer Begutachtungen, die täglich sexuellen wie psychischen Missbrauch durch Gutachter eleben können, interessiert wieder mal niemanden. Daher klingen die Worte zu Intersexualität in der 178. Sitzung des Bundestages doch sehr doppelzüngig und wie blanker Hohn.

Christel Humme (SPD):
"Wir müssen dafür sorgen, dass der Medizin die Deutungshoheit über das Phänomen Intersexualität entzogen wird. Es muss Schluss sein mit der Vorstellung, mit chirurgischen Mitteln eine vermeintliche Normalität herstellen zu können."

Mit psychotherapeutischen Umpolungsprogrammen derer, die von einer "gender dysphorie" oder einer "gender identity disorder" als Definition von Transsexualität sprechen eine vermeintliche Normalität herstellen zu können, geht andererseits völlig in Ordnung, wenn man Gabriele Fograscher glauben mag. Wo ist denn die Forderung der SPD danach auch transsexuelle Menschen vor dem Zugriff durch Medizinmissbrauch zu schützen? Seltsam.

Sibylle Laurischk (FDP):
"Wir halten für „normal“ oder „natürlich“, was wir erlebt haben, was unserer Gewohnheit, unserer Neigung und unseren Vorlieben entspricht. Die Gesellschaft, Traditionen, Religion und selbst die Wissenschaft sind oft sehr leichtfertig und vorschnell dabei, bestimmte Entwicklungen zu ihrem Maßstab zu machen und alles Abweichende für „unnormal“, „unnatürlich“ oder „krankhaft“ zu erklären."

Das sagt gerade die Partei, die ebenso meint, transsexuelle Mädchen seien "Jungs, die sich wie Mädchen fühlen" und das sogar auf CSD-Veranstaltungen (CSD 2010, Stuttgart) so öffentlich äussern. Klar, dass auch die FDP weiterhin will, dass Mediziner transsexuelle Frauen als widernatürlich ansehen können. So von wegen "Männer, die sich wie Frauen fühlen" weil sie einen an der Waffel haben, oder so.

Interessant, was die Grünen dazu meinen, die in NRW transsexuelle Frauen vor kurzem noch als "Biologische Männer" bezeichnet haben, und so tun, als seinen transsexuelle Frauen, Männer, die in der Frauenrolle leben wollen (Transgender). Klar doch. Transsexuelle sind die, die man nicht ernst nehmen muss, weil sie eine psychische Störung haben. Habe ja nichts mit dem sogenannten "Biologischen Geschlecht" zu tun. Ehrlich? Daher auch das da:

Monika Lazar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
"Im Ergebnis wurde 2010 dem Deutschen Ethikrat der Auftrag erteilt, den Dialog mit den von Intersexualität betroffenen Menschen und ihren Selbsthilfeorganisationen fortzuführen und ihre Situation und die damit verbundenen Herausforderungen umfassend und unter Einbeziehung der ärztlichen, therapeutischen, sozialwissenschaftlichen und juristischen Sichtweisen aufzuarbeiten und dabei klar von Fragen der Transsexualität abzugrenzen."

Abgrenzen, ausgrenzen, aussondern, Geschlecht schon in Schubladen packen, dann nachmessen, wer das Prädikat "natürliche Geschlechtsvariation" genehmigt bekommt, und wer nicht. Klar, dass dann erstmal die Mediziner wieder messen müssen. Und die, die dann ausgesondert werden (in Zukunft ja auch Menschen mit AGS), sind dann die mit "gender dysphorie". Dazu gibt es ja dann den DSM 5. Da stehen intersexuelle Menschen, oder besser: die, die so genannt werden, bereits drin. Passt irgendwie alles zusammen. Christliches Adam-Eva-Weltbild bestätigt (Der Ethikrat besteht mehrheitlich aus Vertretern amtskirchlicher Weltanschauungen), die Fremdbestimmung wird in Zukunft nett verpackt und keiner merkt es dann, dass die Pläne für die Ausweitung geschlechtlicher Fremdbestimmung weit mehr Menschen umfassen als vorher. Der Trick ist schon gut... man nennt Fremdbestimmung einfach "Selbstbestimmung", lässt sich das von einem christlichen Ethikrat absegnen und schon ist man fein raus aus der Angelegenheit.

Ach ja. Transsexuelle (entgegengeschlechtliche) Menschen existieren trotzdem. Auch wenn ihr immer noch der Ansicht seid, sie einfach wegdefinieren zu können. Das wird nicht klappen. Was ist, ist. Auch wenn ihr weiterhin Menschenrechtsverletzungen an transsexuellen (und intersexuellen) Menschen begehen wollt. Es gibt Menschen geschlechtlicher Normabweichung, die bereit sind, sich zu emanzipieren. Wenn ich die letzten Jahre betrachte hat sich zumindest das geändet, selbst wenn ihr noch immer genauso menschenverachtend über transsexuelle Menschen denkt, liebe deutsche Politiker, wie vor über einem halben Jahrzehnt.

Übrigens: Intersexualität, Transsexualität und Homosexualität lassen sich nicht streng voneinander abgrenzen. Menschen bestehen nämlich nicht aus Sorten(Rassen?), sondern aus Individuen. Und bei Individuen gibt es keine Schubladen. Nur mal so zum drüber nachdenken.
 
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