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01.05.2008
Ausgehend von einer Pressemitteilung, die im Zusammenhang mit der 32. Jahrestagung der Akademie für Sexualmedizin veröffentlicht wurde (findet zur Zeit in Leipzig statt), gab es wiedereinmal einen Grund einem Psychoanalytiker einen Brief zu schreiben. Es wurde in der Pressemitteilung nämlich wieder behauptet, es gäbe Geschlechtsumwandlungen bzw. "Geschlechtsidentitätsstörungen".

Hier der Brief an Prof. Dr. med. Dr. phil. Klaus M. Beier, dem Direktor des Instituts für Sexualmedizin an der Berliner Charité:

Hallo Herr Beier,

interessanterweise und gleich vorweg wundert es mich nicht, dass sie Psychoanalytiker sind - es ist nämlich auffällig, dass gerade Vertreter der Psychoanalyse hier wie bis in die 70er im Zusammenhang mit Homosexualität (die ja damals von der Psychoanalyse noch "sexuelle Orientierungsstörung" genannt wurde), bei Transsexualität die selben Fehler machen: Sie erfinden eine psychische Störung, hier: Geschlechtsidentitätsstörung, die zwar vielleicht in die psychoanalytische Gedankenwelt passen mag und den Ideologien Sigmund Freuds gerecht werden kann, aber mit der Realität wenig gemein hat. Ich würde mir wünschen, hier ein wenig mehr Realitätsverhaftung im Zusammenhang mit Transsexualität zu beobachten, muss aber leider feststellen, dass sich einige Vertreter der Sexualwissenschaften immer noch Paradoxien hingeben, die sich bei genauer Betrachtung als das eigentliche Dilemma bei der Behandlung transsexueller Menschen entpuppen: Die Nichtakzeptanz der Tatsache, dass das Gehirn das wichtigste Organ des Menschen ist und Transsexualität - ebenso wie Homosexualität - nichts ist, was ein Mensch sich aneignen kann, sondern angeboren ist.

Genausowenig wie beispielsweise ein Mann, der in seiner sexuellen Orientierung auf  "Männer gepolt" ist, sich nun zu einem  Frauenliebhaber umerziehen lässt, genauso wenig ist es möglich, dass ein transsexuelles Mädchen, welches mit Penis und Hoden geboren wurde und immer Mädchen war, weil ihr Gehirn nun mal weiblich ist, sich zum Jungen umerziehen lassen kann. Leider wird aber nun genau dieses Mädchen von der Psychoanalyse als Junge bezeichnet, der eine "Geschlechtsidentitätsstörung" haben soll - die Aussage des Mädchens "ich bin im falschen Körper geboren" wird von der Psychoanalyse zur Lüge erklärt. Aber warum?

Wenn sie transsexuellen Menschen wirklich helfen wollen, anstatt sie weiterhin in ihrer geschlechtlichen gebürtigen Existenz zu leugnen, würde ich mich über einen ernstzunehmenden Dialog mit ihnen freuen.

Vielen Dank,

Kim Anja Schicklang
Menschenrecht und Transsexualität

Warum sind es ausgerechnet immer wieder die Psychoanalytiker, welche die Existenz von transsexuellen Menschen leugnen? Nochmal vielleicht als Hinweis: Psychoanalyse ist die Lehre Sigmund Freuds und ist nicht gleichzusetzen mit "Psychologie". Kritisiert wird die Psychoanalyse auch von vielen Psychologen, da die Thesen und Ideen von Freund sich bislang nicht wissenschaftlich überprüfen liessen, ihre Annahmen werden aber trotzdem gerne als "Wahrheit" verkauft. Wer genau hinschaut, wird bemerken können, dass die Psychoanalytiker bislang aber die Standards im Zusammenhang mit der Behandlung transsexueller Menschen diktiert haben - zum Leidwesen der Betroffenen, die noch heute unter einem menschenverachtenden medizinischen und rechtlichen Verfahren zu leiden haben, bei dem sie entgegen des Geschlechts behandelt werden, in dem sie sich selbst verstehen. Viele Negativerlebnisse von betroffenen Frauen und Männern rühren genau da her: in der Leugnung ihres eigenen geschlechtlichen Selbst. Wer z.B. Mädchen als Jungen mit "Identitätsstörung" behandelt, der wird medizinisch notwendige Massnahmen wie Hormoneinnahmen, chirurigische Eingriffe wohl eher als verhinderungswürdig betrachten, anstatt zu verstehen, worum es nun genau geht.
 
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