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12.05.2008
In den letzten Tagen wurde von der American Psychiatrists Association eine Liste bekanntgegeben, auf denen zu erkennen ist, wer die Mitglieder der Gruppe sein werden, die für die Reform des Abschnittes "Geschlechtsidentitätsstörungen" im DSM V verantwortlich sein sollen. Das DSM ist das Manual der psychischen Störungen, welches indirekt auch auf die medizinische Behandlung in Deutschland Einfluss hat, da sich viele Behandlungsmethoden und Sichtweisen des DSM schon seit jeher in den Deutschen Standards zur Behandlung transsexueller Menschen wiederfinden lassen. Dies verwundert kaum, da die Vernetzung der deutschen psychoanalytischen Sexologie mit der APA vorhanden ist. Welche Zusammenhänge es gibt, lässt sich u.a. daran erkennen, dass der deutsche Psycholanalytiker Friedemann Pfäfflin - nicht zufällig ein Bekannter von Sopinette Becker, welche die deutschen Standards of Care verfasste - in den 90er-Jahren mitverantwortlich dafür war, dass der Begriff "Transsexualität" im DSM IV nicht mehr vorkommt, dafür aber einzig und alleine nur noch von einer "Geschlechtsidentitätsstörung" gesprochen wird. Wenn man bedenkt, dass bislang die Psychoanalyse dem deutschen Gesetzgeber Texte und Gesetze diktiert hat, dann ist es bedenklich, wen sich die APA in seiner Revision um den DSM zur fünften Version, die im Jahr 2012 erscheinen soll, für die Leitung der Gruppe ausgedacht hat. Es handelt sich um Kenneth J. Zucker aus Kanada.

Ken Zucker wird vorallem dafür kritisiert, dass er behauptet, eine Therapiemethode entwickelt zu haben, die zum einen verspricht Homosexuelle vom Schwulsein heilen zu können, aber eben auch, und das ist für die Behandlung transsexueller Menschen von nicht minderer Informationswichtigkeit, glaubt, transsexuelle Kinder davon heilen zu können, dem "Gegengeschlecht angehören zu wollen". Das was die meisten Psychoanalytiker in Deutschland bestreiten, dass es Menschen gibt, die mit ihrem vom Geburtsgeschlecht abweichenden Genitalien geboren werden, wird also noch um einen Schritt erweitert: Es wird nicht nur behauptet, dass es "Geschlechtsidentitätsstörungen" gibt (eine Erfindung der Psychoanalyse), es wird von Ken Zucker sogar noch gesagt, man könne diese Störung heilen. Der Mann nennt dann sowas: Reparative Therapie.

Zur Verdeutlichung:

Die Psychoanalytiker (auch die in Deutschland - hierauf basiert ja das Transsexuellengesetz) nennen Mädchen, die mit Penis und Hoden geboren werden "Jungs mit Geschlechtsidentitätsstörung", weil sie sich ihrer Ansicht nach wie Mädchen verhalten und sogar noch behaupten sie seien Mädchen. Wäre das nicht schon unglaublich genug, so gehört Ken Zucker zu denen, die jetzt behaupten, dass diese Mädchen sich, wenn sie sich in eine reparative Therapie begeben, anfangen würden sich mit ihrem Penis zu identifizieren und eine männliche Identität enwtickeln. John Money lässt grüssen (Siehe: Fall David Reimer ).

Zur reparativen Therapie, die Zucker erfunden hat, gehört nun, dass man transsexuellen Mädchen, die mit Penis und Hoden geboren wurden, zum einen verbietet, mit typisch weiblichen Spielsachen zu spielen und zum anderen unterbindet, dass sie mit anderen Mädchen spielen können (er geht ja davon aus, dass der Körper geschlechtsbestimmend ist und, weil ein Penis vorhanden ist, dieses Mädchen ein gebürtiger Junge sein müsse). Dass Zucker hier mit seinen Umerziehungsversuchen schwere psychische Störungen überhaupt erst hervorruft, verdrängt er bewusst. Eltern eines transsexuellen Mädchens, die ihren "Jungen" nun so erziehen sollten, berichten folgendes über ihre Tochter:

"Er wollte mit nichts mehr spielen und begann damit Bilder zu malen. Ich dachte er ist wirklich verloren, alle Spiele die er vorher spielte waren ja nun aus dem Haus verbannt, und nun malte er den ganzen Tag lang. Seine Bilder zeigten nun aber die Aktivitäten, Spiele und Gegenstände, zu denen er keinen Zugang mehr hatte - Prinzessinen mit langem Haar, Elfen, rosa Regenbogen."

Wenn es nach Zucker ginge, hätten die Eltern dies auch noch unterbinden müssen um ihren "Sohn" therapieren zu können. Da es sich aber um ein gebürtiges Mädchen handelt, eines, dass trotz Penis und Hoden ein Mädchen ist, wäre es höchste Zeit, wenn Eltern die eigentliche Scharlatanerie erkennen würden, um ihre Kinder vor denen zu schützen, die Geschlechtstheorien aufrecht erhalten wollen, die das Geschlecht eines Menschen an seinen Genitalien festmachen. Dass diese Theorien auch in Deutschland die zur Zeit noch gültige psychoanalytische Sichtweise ausmachen, soll hier nur nebenbei erwähnt werden. Es lohnt sich hier einmal kritisch zu hinterfragen, was z.B. Psychoanalytiker meinen, wenn sie von folgendem sprechen:

"Dem Wunsch, dem Gegengeschlecht angehören zu wollen"

oder wie Sophinette Becker noch Anfang 2008 in einer ZDF-Sendung meinte, dass es wichtig wäre zu überprüfen ob die "Frauen als Männer leben können" oder "die Männer als Frauen". Was ist für die Psychoanalytiker geschlechtsbestimmend? Der Penis eines Menschen? Dass Sigmund Freud phalluszentriert war, ist ja kein Geheimnis, dass aber Menschen, welche ihm in seiner Penisanbetung zu folgen scheinen, hier die Standards of Care zur Behandlung transsexueller Menschen und die Gesetzgebung so massiv in ihrem Sinne beinflusst haben, ist ein Skandal. Um diesen Skandal als solchen zu erkennen, ist ein wacher Geist notwendig; ebenso wie das Erkennen internationaler Verflechtungen, die mehr Macht, Geld und Ruhm in ihrer Motivation haben, als tatsächlich transsexuellen Menschen helfen zu wollen.

Da lohnt sich doch der Blick auf folgendes: Eine Petition, die ins Leben gerufen wurde, um Ken Zucker als Leiter des DSM V-Komitees zu verhindern. Innerhalb von drei Tagen gab es bereits über 1300 Stimmen. Was aber nun wirklich interessant ist, sind die Kommentare derer, die abgestimmt haben. Sie zeigen, dass fast alle Beteiligten den Begriff "Geschlechtsidentitätsstörung" für eine Lüge halten. Warum hier in Deutschland, einem Land, in dem einige Psychoanalytiker genau diese Theorien in ein Gesetz haben einfliessen lassen - nämlich dem Transsexuellengesetz von 1980 - der Protest noch so klein ist, verwundert. Vielleicht liegt das daran, dass in einem Land wie Deutschland, in dem die Existenz von Menschen, die mit gegengeschlechtlichen Körpermerkmalen geboren werden, per Gesetz geleugnet wird, und diese Menschen leider daher noch zu wenig Gehör finden. Da aber nun ein Klick im Internet schnell geht, und sowas manchmal sehr wichtig ist...

Hier der Link zur Petition: http://www.thepetitionsite.com/petition/412001300

Die Liste der APA-Gruppen zum DSM V findet sich hier (pdf-datei der APA-Version): Klick.
 
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