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17.05.2008
Neulich gab es eine Diskussion im Fernsehen zum Titel "Pille, Viagra, Designbabys: Kommt die nächste Sexrevolution?". Sandra Maischberger unterhielt sich mit ihren Gästen über einiges, aber das was wirklich interessant ist, auch über Transsexualität. Unter anderem zu Gast waren der Erfinder der Anti-Baby-Pille Carl Djerassi und die konservative Frauenärztin Gabriele Marx. Zwar standen sich beide in ihrer Meinung über die Antibabypille gegenüber, doch einig zeigte man sich in der Definition des Geschlechts über körperliche Merkmale. Angesprochen auf Thomas Beatie, der in den amerikanischen Medien als schwangerer Mann u.a. zu Gast war bei Oprah Winfrey, behauptete Djerassi, dass ein Mann nicht schwanger werden könne und lieferte damit die Vorlage für Frau Marx, deren Aussage deutlich machte, wie respektlos und transphobisch sich Menschen zu Menschen äussern können, die mit Körpermerkmalen geboren werden/wurden, die dem eigentlichen Geburtsgeschlecht gegenüber stehen:

Download: Audioausschnitt "Menschen bei Maischberger" vom 13.05.2008

"Ich denke, sie ist eine Frau. Denn sie hat empfangen und sie hat ein Kind bekommen, bekommt ein Kind. Und sie wollte auch ein Kind. Und sie hat diese geschlechtliche Identifikation, da hat sie Probleme. Letzendlich erlebt man immer wieder bei diesen Umoperationen, dass das ganz schwierig ist für diese Menschen, insofern weil es eine Verstümmelung ist und weil man am Ende nach so einer Operation nicht mehr richtig Frau und nicht mehr richtig Mann ist."


Wieder einmal wird ein Mann als "sie" bezeichnet (so wie es andersherum allzu oft vorkommt, dass eine transsexuelle Frau als "er" bezeichnet wird"). Warum? Vielleicht, so vermute ich einmal, liegt das daran, dass es einerseits zwar einige Menschen gibt, die das Gehirn als das wichtigste Organ des Menschen ansehen (und somit wissen müssen, dass Mädchen auch mit Penis und Hoden geboren werden können und Jungs eben auch mit einer Gebärmutter), andererseits aber andere Menschen für sich das Gehirn nicht als das wichtigste Organ definieren. Irgendwie merkt man das dann an den Aussagen dieser Menschen. Wie zum Beispiel eben an der Antwort von Frau Marx. Hier noch einmal eine Aussage von Thomas Beatie, die verdeutlicht, welche geschlechtliche Identität hier von Marx und Djerassi ignoriert wird:

Download: Audioausschnitt "Oprah" April 2008

"Ich habe eine sehr stabile männliche Geschlechtsidentität, ich sehe eine Schwangerschaft als einen Prozess - ich fühle, dass es kein männliches oder weibliches Verlangen ist, ein Kind haben zu wollen, es ist ein menschliches Verlangen."

Nachdem mangelnder Respekt vor dem eigentlichen Geschlecht transsexueller Menschen auch in einigen Medienbeiträgen wiederzufinden ist (siehe: hier ), hatte ich der Redaktion von Maischberger eine Mail geschrieben und war überrascht, als dann folgende Antwort im mut-email-postfach landete:

"Sehr geehrte Frau Schicklang,

im Namen der gesamten Redaktion und auch im Namen von Sandra Maischberger bedanken wir uns für Ihre kritischen Zeilen. Ihre Meinung ist uns wichtig. Erst dadurch sind wir in der Lage unsere Sendung auf die Wünsche unserer Zuschauer abzustimmen.

Ihre Kritik wird in der nächsten Redaktionsbesprechung zur Diskussion gestellt werden.
       
Mit freundlichen Grüßen

i. A. Redaktion Menschen bei Maischberger"


Ich hatte nicht mit einer Antwort gerechnet und frage mich deswegen also nun: Ändert sich langsam etwas? Werden die Interessen und Anliegen transsexueller Menschen langsam ernster genommen? Wird die Kritik an bislang unhinterfragten Sichtweisen wie z.B. der deutschen Sexologie, die sich Transsexualität immer noch als psychische Störung und den "Wunsch dem Gegengeschlecht anzugehören" vorstellt, langsam als glaubwürdiger und beachtbarer angesehen? Kommt die Problematik langsam an? Ich bin noch skeptisch, aber da in dieser Woche gleich eine zweite ähnliche Reaktion auf eine Mail auftauchte, macht mir das langsam Hoffnung. In einem Vorwort zu einer Tagung des transgender-netzwerks Berlin, welche vor kurzem stattfand, sprach die Berliner Senatorin Frau Dr. Knake-Werner von:

"Die Möglichkeit für Transsexuelle, ihre vom Geburtsgeschlecht abweichende Identität rechtlich anerkennen zu lassen, ...."


Und nun folgt die Reaktion auf die Kritik, dass es sich damit ja um eine Aussage handelt, die Geschlecht an den körperlichen Merkmalen festmacht, weil hier gesagt wurde, die "Identität" weiche vom "Geburtsgeschlecht" ab. Bitteschön:

"Sehr geehrte Frau  Schicklang,

die Senatorin Frau Dr. Knake-Werner hat Ihr eMail-Schreiben vom 7. Mai erhalten und mich gebeten, Ihnen in ihrem Namen zu antworten. Sie haben recht, dass die von Ihnen kritisierte Formulierung (Die Möglichkeit für Transsexuelle, ihre vom Geburtsgeschlecht abweichende Identität rechtlich anerkennen zu lassen, ....) in dem Grußwort nicht korrekt war.

Richtig müsste es heißen: "Die Möglichkeit für Transsexuelle, ihre Identität, die von dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht abweicht, rechtlich anerkennen zu lassen, .......".

Die Senatorin bedauert diesen Fehler und wird sich in künftigen Stellungnahmen korrekt ausdrücken.

Mit freundlichem Gruß

im Auftrag

Lela Lähnemann

Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen"


Diese zwei Mails in dieser Woche sind doch ein Grund noch ein bisschen mutiger der Zukunft entgegenzublicken. Sollte es schon bald möglich sein, dass die Thesen über die Psychoanalyse-Erfindung "Geschlechtsidentitätsstörung" öffentlich diskutiert und kritisch beleuchtet werden? Ich wünsche es mir, und ein bisschen sieht es ja schon danach aus...
 
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