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16.10.2008
Eigentlich wollte ich bereits gestern die News updaten und hätte dabei dann zum Beispiel angesprochen, wie Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung immer noch durch die Lande ziehen, um den Leuten Theorien über die sogenannten "Geschlechtsidentitätsstörungen" anzudrehen.

In einer Ankündigung zu einem Vortrag der Psychoanalytikerin Sophinette Becker, der Erstellerin der deutschen Standards of Care auf einem Kongress der DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde), der vom 26. November bis zu, 29. November in Berlin stattfinden wird, heisst es beispielsweise unter dem Titel "Diagnostik und Behandlung von Geschlechtsidentitätsstörungen (GIS) im Kindes- und Jugendalter und Transsexualismus im Erwachsenenalter" immer noch:

"Transsexualität ist keine Krankheitsentität sondern die gemeinsame Endstrecke ganz unterschiedlicher psychischer bzw. psychopathologischer Entwicklungen."

Was soviel heissen soll: Mädchen, die mit Penis und Hoden geboren werden und Jungs, die mit einer Gebärmutter und Vagina auf die Welt kommen, soll es nicht geben.

Ein weiteres Thema wäre gewesen, dass die Apotheken-Umschau einen Artikel über Transsexualität verfasst hat, in welchem ein Münchner Psychiater zitiert wird:

"Für die Diagnose ist es wichtig, zu sehen, wie der Patient die angestrebte Rolle lebt und ob es sich wirklich um eine konstante Identitätsstörung handelt".

Dass es ziemlich heftig ist, z.B. einem Mädchen, das mit Penis und Hoden geboren wurde zu sagen, dass es ein Junge ist, der lediglich "glaubt" dem "Gegengeschlecht" anzugehören ist ziemlich heftig. Und was soll andauernd die klischeehafte Reduzierung von Geschlecht auf irgendwelche wahrzunehmenden Rollen? Rock=Frau und Hose=Mann? Kann ja nicht sein...
 
Und schon wären wir bei dem Grund, warum ich die News noch einmal überarbeitet habe: Einem Interview. Am Montag in dieser Woche gab eine transsexuelle Frau im bayerischen Rundfunk ein Interview. Nicht, dass die Sendung nicht interessant gewesen wäre... aber, was mich sehr irritiert hat: die Interviewte fand es nicht weiter störend, dass der Moderator sie sinngemäss "als Mann, der zur Frau wurde" angesehen hat. Im Ankündigungstext hiess es:

"Schon als kleiner Junge wollte er sich im Fasching am liebsten als Rotkäppchen verkleiden aber sein Vater hat es verboten!"

Junge? Sein? Für die Interviewte schien das kein Problem zu sein, so dargestellt zu werden...

Download O-Ton (aus dem Interview)

Liebe Interviewte, ich möchte Ihnen ein paar Fragen stellen...

1. Wenn sie sagen, sie waren früher ein Mann, warum wollten sie dann "eine Frau werden"?
2. was sagen sie denjenigen Frauen, die wie sie auf Grund der medizinischen Sichtweise als "Männer mit Identitätsstörung" behandelt werden, wenn sie wegen dieser Sichtweise psychische Probleme bekommen, die sie vorher nicht hatten?
3. was sagen sie kleinen Mädchen, die mit Penis und Hoden geboren wurden und äussern "ich bin ein Mädchen"? Etwa Junge?
4. was sagen sie dazu, dass vielen dieser Mädchen heute immer noch angeraten wird, "erstmal als Junge" zu leben, obwohl sie sich weder jemals verhalten hätten, noch so aussahen wie Jungs?
5. was sagen sie den transsexuellen Frauen, die auf Grund eines männlicheren Aussehens unterstellt wird, sie wären Männer?
6. was sagen sie dazu, dass heute noch transsexuelle Frauen vor Gericht einem Gutachten zustimmen müssen, welches sie zu "identitätsgestörten Männern" erklärt?
Oder zusammengenommen: Welche Verantwortung glauben sie zu haben, für das Schicksal anderer transsexueller Frauen und Mädchen?

Manchmal habe ich den Eindruck, dass diejenigen die von Transsexualität betroffen sind, oftmals die hartnäckigsten Gegner ihrer eigenen Anerkennung sind. Muss das sein? Sich freiwillig falsch einordnen lassen? Nein. Manchmal ist es nämlich auch für das eigene Selbst wichtig, an das Schicksal anderer zu denken und seine eigene Verantwortung zu erkennen. Ein gesundes Selbstvertrauen ist da wichtiger, als eine mehr oder weniger gelungene Selbstdarstellung. Wie gut, dass es hier Menschen gibt, bei denen beides zusammenpasst... und diese Menschen sind wirklich klasse. Es sind die, welche an einere bessere Welt glauben. Und gut zu wissen, dass die sich nicht billig verkaufen lassen, sondern sich einsetzen für den Respekt für die Geschlechtsidentität transsexueller Menschen. Weil sie sind, wer sie sind.
 
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