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19.01.2009
Es gibt demnächst zwei Termine, die vielleicht ein wenig was ändern könnten, im Zusammenhang mit der offiziellen Diskriminierung transsexueller Menschen durch das deutsche Transsexuellengesetz und die medizinische "Behandlung" nach den sogenannten Standards Of Care. Wir erinnern uns: eine transsexuelle Frau wird in Deutschland (und nicht nur da) als "geschlechtsidentitätsgestörter Mann" angesehen, wobei hier die Hauptakteuere in Sachen offizieller Transphobie gerne ein angeblich biologisches Geburtsgeschlecht anführen, von dem die Geschlechtsidentität abweiche. Dass ein Mensch niemals wie das andere Geschlecht "fühlen" kann, wie gerne behauptet, sondern nur wie er selbst wird genauso ignoriert, wie die Tatsache, dass dieses "Gefühl" das eigentliche Wissen um das Geburtsgeschlecht darstellt und tatsächlich ab und an z.B. Mädchen geboren werden, die zum Zeitpunkt der Geburt einen Penis und Hoden (und einen xy-Chromosomensatz) besitzen.

Die Termine, welche die Transphobie behandeln, die in Deutschland per Gesetz stattfindet sind folgende:

Sitzungen in Genf bei der UN, CEDAW-Abkommen

26. Januar 2009

Meeting und "Oral Statement" von Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. vor dem CEDAW-Komitee zum NGO-Bericht über die "Situation transsexueller Frauen in Deutschland"

2. Februar 2009

Fragen des CEDAW-Komitees an die Bundesregierung mit der anschliessenden Erstellung vom Empfehlungen an die Bundesrepublik Deutschland.

Der Inhalt des NGO-Berichtes findet sich hier:

Alternativbericht CEDAW deutsch

Dieser Text ist nun auch dem Menschenrechtskomissar des Europarates, Thomas Hammarberg bekannt, dessen Büro an ATME e.V. folgende Mail geschickt hat:

"Dear Kim Schicklang,

On behalf of Commissioner Hammarberg I would like to thank you for your kind e-mail and the report link. We will use your and other reports for
our ongoing work on highlighting the problems transgender persons face.

Thank you very much.

Best regards,

Dennis van der Veur
Advisor Office of the Commissioner for Human Rights

Council of Europe"


Dass er hier das Wort "transgender" verwendet hat, ist noch ein wenig problematisch, da wir in dem NGO-Bericht uns explizit mit der Situation transsexueller Frauen beschäftigen. Zwar mag es nämlich Menschen geben, die das Konzept, welches sich hinter dem Begriff "transgender" befindet für sich als stimmig empfinden, dennoch darf eine Kritik an dem Konzept "transgender" nicht unerwähnt bleiben. Die Hauptproblematik der transgender-Logik besteht nämlich genau darin, dass hier von mancher Vertretern der "transgender"-Zunft angenommen wird, dass es ein angebliches "biologisches Geschlecht" gäbe (sex), von welchem dann die Geschlechtsidentität (gender identity) abweiche.

Hierzu einmal eine Definition von "Queering Gender" , welche die Unlogik gut aufzeigt:

What is the difference between sex and gender?

"Sex" is a biological definition -- it strictly pertains to what's between your legs. So your sex is your penis, vagina, or intersexed genitalia.

"Gender," however, is an emotional or mental concept of what you believe your sex to be -- for some people, this means that, even though they have a vagina, they feel more comfortable identifying as male. For others, they have a penis and are comfortable identifying as male. And for others still, no matter what their genitalia is, they don't feel comfortable identifying as any of the "traditional" genders. What's important with gender is that it is an individual's self-defined concept of gender, and it is what makes them feel comfortable.


Dass die Geschlechtsidentität, das Wissen über das eigene Geschlecht, aber ja in Wirklichkeit einen Hinweis auf das eigentliche Geburtsgeschlecht ist und das biologische Geschlecht nicht aus einem einzigen Faktor - eben der sichtbaren Genitalien - besteht, sondern hier schon bei der Geburt unterschiedliche Geschlechtsfacetten bestehen, die auch unterschiedlich und unabhängig voneinander zu betrachten sind, (so gibt es u.a. Menschen die mit xy-Chromosomensatz und Vagina geboren werden), wird hier nicht bedacht. Ein Grund zu fragen, ob hier die Logik, die sich hinter "transgender" befindet nicht sogar diejenigen Ansichten fördert die letzendlich zu Transphobie und Diskriminierungen führen - denn da, wo gesagt wird: Ein Mensch fühlt sich anders als sein angeblich "biologisches Geschlecht" - ohne hier objektiv zu sein, was denn das "biologische Geschlecht" überhaupt ist - ist es ein leichtes zu sagen: Der Mensch hat eine abweichende "Geschlechtsidentität", ist also z.B. ein Mann der "fühlt wie eine Frau". So gesehen ist der Begriff "transgender" tatsächlich sehr tückisch, da er hier denen den Rücken stärken kann, die an dem Begriff "Geschlechtsidentitätsstörung" festhalten wollen und meinen transsexuelle Menschen wären nicht sie selbst, wenn sie äussern wer sie sind.

Der Bericht von ATME e.V. sagt aber: Transsexuelle Frauen sind Frauen - und eben keine "Männer, die sich fühlen wie Frauen".

Wir dürfen gespannt sein, ob der Inhalt des NGO-Berichtes vom UN-Komitee verstanden wurde und hier der Bundesregierung Empfehlungen mit auf dem Weg gegeben werden, die dazu führen werden, das das Gutachterverfahren im Deutschen Transsexuellengesetz gestrichen wird, bei welchem heute noch transsexuelle Frauen zu "Männern mit Identitätsstörung" erklärt werden, obwohl sie niemals Männer waren - und auch keine gewesen sein können, wenn man in der Lage ist Geschlecht objektiv zu betrachten.

Interessenterweise gibt es zu "transgender" auch unterschiedliche Definitionen, so dass es sich auch hier lohnt genauer hinzuschauen. So gibt es Menschen, die hier von "the sex assigned at birth" sprechen, wobei hier ja mit "assigned" bestimmt bzw. zugeordnet gemeint ist. Damit sieht die Sache wieder völlig anders aus, da eine Zuordnung ja auch falsch gewesen sein kann und meiner Ansicht nacht bei Transsexualität auch falsch sein muss. Wie gesagt: Ein Mensch kann sich nur wie sich selbst fühlen - die Annahme man könne sich wie jemand anders fühlen, ist eine ziemlich seltsame, will ich mal meinen. Gerade die Interpretierbarkeit des Begriffes "transgender" in beide Richtungen, nämlich hin zur "Identitätsstörung" einerseits und der "Identität ohne Störung" andererseits macht ihn zu einem wenig geeigneten, um hier klar Position für die Rechte transsexueller Menschen beziehen zu können.

Noch was neues: Wir haben ja nun eine transsexuelle Frau zur Zeit in den Medien, nämlich Lorielle London, die am "Dschungelcamp" teilnimmt. Da hier einige Zeitungen von "er" geschrieben und manche Radiosendung von "er" gesprochen haben, haben wir mit dem Verein ATME e.V. mittlerweile zu über 20 Zeitungen Beschwerdemails an den Presserat - und analog dazu bei den Radiostationen an Landesmedienanstalten - geschickt und darum gebeten, die transphobe Berichterstattung zu rügen.

Die Bearbeitung der Zeitungsfälle wird laut Antwortmail des Presserates noch etwas dauern, die Medienanstalten scheinen hier schneller zu sein. Hier eine Antwortmail von Jutta Baumann von der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien:

"Sehr geehrte Frau Schicklang,

per E-Mail vom 09. Januar 2009 hatten Sie sich bei uns, der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen) über einen Bericht auf der Webseite des Radiosenders Hit Radio FFH zu der neuen Staffel der Show "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" beschwert.

Ich darf Ihnen mitteilen, dass wir den Sender schriftlich darauf hingewiesen haben, das Thema Transsexualität behutsam zu behandeln und die korrekte geschlechtliche Identität von Betroffenen in der Berichterstattung zukünftig zu berücksichtigen, um eine Fehldarstellung in den Medien zu vermeiden.

Ich möchte Ihnen für Ihren Hinweis danken. Mit Ihrer Kritik unterstützen Sie die Landesmedienanstalten bei der Wahrnehmung ihrer Aufgabe, ein den medienrechtlichen Bestimmungen entsprechendes Programm zu gewährleisten.

Mit freundlichen Grüßen,

Jutta Baumann"


Na also, es tut sich doch was in 2009. Wenn's dann noch mit der Anerkennung transsexueller Frauen als Frauen (und transsexueller Männer als Männer) klappen wird, dann ist's fein.

 
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