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21.02.2009
Im Februar 2009 ging es vor dem Oberlandesgericht Dresden wieder um den Fall Schwanczar. Dieser Fall ist, neben anderen, ein Beispiel für die Mißstände im Zusammenhang mit der Behandlung transsexueller Menschen, die gerne verdrängt und verschwiegen werden. Er ist ein Beispiel dafür, was passiert, wenn Menschen zu "geschlechtsidentitätsgestört" erklärt werden, obwohl sie es nie waren, da die Erfindung "Geschlechtsidentitätsstörung" nur Theorie ist, die nicht nur nicht bewiesen wurde, sondern sogar im Widerspruch zu zahlreichen wissenschaftlichen Erkenntnissen steht. Genauso steht der Fall exemplarisch dafür, wie Gutachter, gestützt durch das deutsche Transsexuellengesetz, ihre Macht missbrauchen, Druck und Zwang ausüben und nötigenfalls selbst vor Lügen nicht zurückschrecken. Neben dem psychischen Leid, dass das System Transsexualität in vielen Fällen erzeugt, wird wieder einmal aufgezeigt, wie mangelnde medizinische Aufklärung und genitale Zwangsoperationen noch zum Alltag der geschlechtlichen Fremdbestimmung in Deutschland gehören, natürlich alles hinter verschlossenen Türen und ohne, dass bisher gesellschaftlich davon gross Kenntnis genommen wurde.

Wäre es nur ein Einzelfall, würde man eventuell die Geschichte kaum glauben - doch mut23 liegen Erzählungen und Erfahrungsberichte mehrerer transsexueller Menschen vor, die ähnliches erlitten haben (bis zur sexueller Nötigung durch deutsche Transsexuellengutachter). Die Namen der beteiligten Menschen aus dem Medizin- und Gutachterwesen überschneiden sich, so dass es sich lohnen würde, hier einmal näher hinzuschauen, welch' schmutziges System sich hinter dem deutschen Transsexuellengesetz verbirgt.

Hier zum aktuellen Dokument im Fall Schwanzcar: Befangenheitsantrag

Weitere Missbrauchsfälle finden sich hier auf der Website.

Dass die Bundesregierung bisher keine Notwendigkeit gesehen hat, hier näher hinzuschauen, ist ein Armutszeugnis. Wir erinnern uns, im Jahr 2006 startete auf mut23 der "Ticker" . Dieser war gedacht, als Dokumentation der Vorgänge, beginnend mit dem Datum 24. Oktober 2006. Zu diesem Zeitpunkt gingt eine Sammlung der menschenrechtlichen Problematiken bei der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung ein. Reaktion bisher: Keine. Öffentlich spricht das DGfS-Mitglied Sophinette Becker sogar noch 2008 im deutschen Fernsehen von "Männern die Frauen werden wollen und Frauen die als Männer leben wollen".

Anfang 2007 wurde der Bundesverband der Psychologen über die Problematiken, die im Alltag im Zusammenhang mit der Behandlung transsexueller Menschen auftauchen, in Kenntnis gesetzt. Reaktion: Keine, aus der ersichtlich wäre, dass der BDP an einer Überprüfung des Verfahrens interessiert gewesen wäre (Die BDP-Pressesprecherin Christa Schaffmann damals: "Aus meiner Sicht hat sich Ihre Anfrage damit erledigt".)

Mitte 2007 ging eine Anfrage an die Kanzlerin, die von über eintausend Personen unterstützt wurde. Inhalt war unter anderem folgende Frage:

"Warum wird ein [transsexueller Mensch] durch Verknüpfung von Medizin und Recht Willkürentscheidungen von Dritten (Psychologische Gutachter) ausgeliefert, in dem er über das komplette medizinische Verfahren kein Existenzrecht in dem Geschlecht zuerkannt bekommt, dem er als Betroffener eigentlich angehört?"


Die damalige Antwort beinhaltete unter anderem folgende Aussage: "das Transsexuellengesetz von 1981 regelt rechtliche Fragen, die sich aus dem von Ihnen angesprochenen Problem ergeben." Eine zynische Antwort, wenn man bedenkt, dass hier nach den Problemen gefragt wurde, die sich aus dem TSG erst ergeben.

Weitere Anfragen gingen noch an die verschiedensten Stellen (u.a. an die Ärztekammern). Reaktion: Keine.

Wir haben nun 2009 und Aussagen der internationalen Gemeinschaft zu dem Thema: Die UN kritisiert das Transsexuellengesetz und bekräftigt, dass es ein Paradoxon ist, wenn eine transsexuelle Frau sich per Diagnose zu einem "identitätsgestörten Mann" erklären muss, um rechtlich als Frau anerkennt zu werden. So erkennt die UN an, dass eine Vermischung von Medizin und Recht hier entgegen aller Schönfärbereien nicht Leid verhindert, sondern im Gegenteil sogar hervorruft. Der Autor und Rechtsanwalt Dr. Oliver Tolmein schreibt in der FAZ hierzu:

"Unter Punkt 61 ... wird ausdrücklich bedauert, dass das Verlangen von Organisationen intersexueller und transsexueller Menschen, den Dialog über die Wahrung ihrer Menschenrechte aufzunehmen, von der Bundesrepublik Deutschland nicht positiv aufgegriffen worden ist. Unter Punkt 62 verlangt das Komitee daher ausdrücklich, dass der Unterzeichnerstaat Deutschland mit den NGOs von intersexuellen und transsexuellen Menschen den Dialog aufnimmt, um deren Anliegen besser zu verstehen und 'um effektive Anstrengungen zu unternehmen, deren Menschenrechte zu schützen.'"

Angesichts des bisherigen mangelnden Problembewusstseins seitens der Bundesregierung, hier menschenrechtlich tätig zu werden und sich kritisch mit dem Verhalten der medizinischen Verantwortlichen auseinanderzusetzen, ist jeder einzelne Fall, bei dem das Menschenrecht verletzt wird, wichtig erwähnt zu werden um den Mantel des Schweigens ein wenig zu lüften. Daher ist eben auch die Geschichte von Sabrina Schwanczar so wichig - sie zu verstehen, heisst ein wenig mehr davon wahrzunehmen, was für Verbrechen in Deutschland immer noch Alltag sind.

Zum Beispiel diese hier: Eins
Das auch: Zwei
Oder dies hier: Drei

Übrigens, noch was anderes. Der Deutsche Presserat hat heute mitgeteilt, die Fälle der von ATME e.V. angemahnten problematischen Berichterstattungen mehrerer Zeitungen über das Dschungelcamp, in denen Lorielle London als Transvestit bezeichnet wurde, doch dem Beschwerde-Ausschuss vorzulegen.

 
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