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25.02.2009
Interessant was sich im Internet alles für Märchenbücher finden. Das geht ganz einfach... in google mal nach "Geschlechtsidentitätsstörungen im Kindesalter" gesucht und schwupps taucht unter anderem folgende Buch auf:

Sexualität: Störungen, Abweichungen, Transsexualität von Brigitte Vetter

Es hilft vielleicht, sich einmal genauer mit solchen Büchern zu befassen, besonders dann, wenn man sich vor Augen hält, dass es Menschen gibt, die z.B. von sich wissen, eine Frau zu sein (Aussage von Person A) und andere Menschen, dann zu diesen Menschen sagen "du bist ein Mann" (Aussage von Person B). Person A ist in diesem Fall Frau Vetter und Person B eine transsexuelle Frau. Also haben wir nun zwei Personen, deren Aussagen sich gegenüberstehen. Aber schauen wir mal, was Frau Vetter zu Mädchen sagt, die mit Penis und Hoden geboren werden:

"Kinder mit Geschlechtsidentitätsstörungen äußern von sehr früher Kindheit (2.-4. Lebensjahr) an, dass sie mit ihrem eigenen Geschlecht nicht zufrieden sind und dass sie lieber dem anderen Geschlecht zugehören möchten."


Wir merken also: Frau Vetter hört nicht zu. "Ich bin ein Mädchen" oder "Ich möchte, dass der Penis verschwindet" heisst nämlich nicht unbedingt, dass da ein Junge "Mädchen werden" will. Wenn ein Mensch sagt, was er ist - eben z.B. ein Mädchen - sollte man sich einmal fragen, warum Frau Vetter hier diese Aussage nicht als wahr betrachten kann. Ach so, wir erinnern uns noch an ein mut23-Interview mit Bernd Meyenburg "Ja sie sehen doch, das Kind hat einen Penis, also ist es kein Mädchen" . Und was, wenn es doch eines ist?

Aber weiter im Text:

"Sie beschäftigen sich beständig mit Tätigkeiten, Spielen oder Aufmachung des anderen Geschlechts und lehnen die Aktivitäten und äußeren Merkmale des eigenen Geschlechts ab. Auch bevorzugen sie in ausgeprägter Weise Spielgefährten des anderen Geschlechts (s. Tab. 30-1)."

Wenn ein Mädchen, das mit Penis und Hoden geboren wird mit anderen Mädchen spielt, ja dann meint Frau Vetter, wäre das ein Junge, der mit Mädchen spielt. Klar "das Kind hat einen Penis, also ist es kein Mädchen", würde Herr Meyenburg sagen. Schauen wir mal, was sonst noch so kommt:

"Erwähnt werden soll jedoch, dass neben der Erhebung der Fremdanamnese durch beide Elternteile bei der Exploration des Kindes vor allem herausgefunden werden sollte, ob das Kind um die Existenz zweier Geschlechter weiß, ob es sie unterscheiden kann, ob es die Konstanz der Geschlechtszugehörigkeit kennt, wie es sich selbst einordnet und welche Geschlechterrollenvorstellungen das Kind von Mädchen und Jungen hat."

Zusammengefasst: Frau Vetter glaubt an die Kraft des Penis, ist einer da, dann sei es ein Mann, ist keiner da, dann sei es eine Frau. Klare Sache Frau Vetter, und was ist mit Menschen, die mit uneindeutigen Genitalien geboren werden? Hmmm... was sagt Frau Vetter denn sonst noch so? Du musst dich als Kind mal richtig gut mit "Geschlechterrollen" beschäftigen, verhälst du dich falsch, dann, ja dann... vielleicht wird man dann schwul? Oder manchmal auch transsexuell...

"Längsschnittsuntersuchungen (Green 1987) von Jungen mit mädchenhaftem Verhalten im Kindesalter ergaben, dass 75 % später im Erwachsenenalter eine homosexuelle Orientierung ohne Geschlechtsidentitätsstörung aufwiesen."

Soso. Homosexualität soll also eine schwache Form der Transsexualität sein. Echt? Wie denn das?

"In seltenen Fällen ist bei beiden Geschlechtern die Geschlechtsidentitätsstörung mit einem anhaltenden Nichtanerkennen des angeborenen Geschlechts verbunden."..."Bei Jungen kann es zu Äußerungen kommen wie, dass sie sich körperlich zu Frauen entwickeln werden, dass die Geschlechtsteile abstoßend seien und verschwinden werden oder dass es besser wäre, keinen Penis und keine Hoden zu haben."

Und, Frau Vetter, was, wenn es sich bei den seltenen Fällen, einfach nur um Menschen handelt, deren körperlich-geschlechtlichen Merkmale von ihrem Geburtsgeschlecht abweichen. Was ist daran so seltsam, dass ein Mädchen ersteinmal annimmt, dass es sich körperlich zu einer Frau entwickeln wird? Hmmm... Jaja, Freund Bernd würde sagen: "das Kind hat einen Penis, also ist es kein Mädchen".
 
So und nun wird noch ein bisschen "biologische Farbe" über die Thesen geleert:

"Bei ca. 20 % der Jungen lässt das mädchenhafte Verhalten während der frühen Adoleszenz nach und es entwickelt sich eine hetero-sexuelle Geschlechtspartnerorientierung mit einer dem biologischen Geschlecht entsprechenden Identität. Bei etwa drei Viertel der Jungen mit einer Geschlechtsidentitätsstörung in der Kindheit entwickelt sich während und nach der Adoleszenz eine homo- oder bisexuelle Orientierung, jedoch ohne gleichzeitige Identitätsstörung. Nur bei ca. 5-6 % (Zucker und Bradley 1995) entsteht im zunehmenden Alter eine transsexuelle Geschlechtsidentitätsstörung."

Aha. Der Herr Zucker. Der Kenneth Zucker, welcher der Arbeitsgruppe für eine Reform des weltweit angewandten Manuals der psychischen Störungen vorsitzt, die sich mit Geschlechtsidentitätsstörungen beschäftigt (wir erinnern uns: Geschlechtsidentitätsstörungen sind bislang nur eine Theorie, trotzdem wird seit Jahrzehnten behauptet, dass es sie gibt). Es ist aber auch der Kenneth Zucker, der meint, man könne solange Homosexualität sowie Transsexualität heilen, wenn die Kinder noch klein sind, und daher alles noch als "Geschlechtesidentitätsstörung" bezeichnet wird. Anderes Label drauf - und schon sind Schwule und Lesben genauso heilbar, wie transsexuelle Menschen. Reparative Therapien nennt man das. Ach so, deswegen ist es auch der Herr Zucker, der genau wegen seiner Konversionstherapien gerade massive Probleme hat, weil sich mehrere von ihm behandelte Menschen nun bereits öffentlich zur Wehr setzen. Dass er mit Hilfe von Rechtsanwälten versucht, hier zum Beispiel Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs an Patienten abzuwehren, nur am Rande. Ebenso auch nur am Rande, dass auch ähnliche Missbräuche in Deutschland vorkommen.

Es ist übrigens sehr interessant, sich die DSM-Reform-Group einmal näher anzuschauen, nur mal als Tipp.

Zurück zum Internetfundstück, dem Buch von Brigitte Vetter. Wie heisst es in einer Kaufempfehlung von amazon?

"Das Buch richtet sich an Psychotherapeuten und Ärzte sowie weitere Fachleute aus dem psychologischen, medizinischen, sozialen und juristischen Bereich. Aber auch Betroffene und interessierte Laien werden es mit Gewinn lesen und als Nachschlagewerk benutzen."

Gut. Jetzt wissen wir auch, wie das geht. Buch schreiben und hoffen, dass niemand hinhört, wenn z.B. ein transsexuelles Mädchen, das mit Penis und Hoden geboren wurde sagt "Ich bin ein Mädchen". Frau Vetter ist übrigens kein Einzelfall, sie ist nur eine von vielen, sie lieber Märchen weitererzählen anstatt wahrzunehmen. Die Genitalien eines Menschen sind nicht geschlechtsbestimmend - es gibt Mädchen, die mit Penis und Hoden geboren werden. Auch wenn ich das schon oft geschrieben habe, es kann ja nicht schaden daran noch einmal zu erinnern.

Link zum Buchkapitel "Geschlechtsidentitätsstörungen im Kindesalter" von Brigitte Vetter

Widmung (und Grund warum ich den obigen Abschnitt überhaupt geschrieben hatte):

Dieser Text über das Buch von Frau vetter ist allen Menschen gewidmet, die zwar wissen, welchem Geschlecht sie angehören aber trotzdem Sätze äussern wie... "Dann lieber eins am Sträusschen, öhm F64.0 in der Krankenakte, und ich kann im Oktober endlich zur GA-OP." Wie demütigend und würdelos. Lieber man belügt wohl den Therapeuten, damit Menschen wie Frau Vetter weiter Märchenbücher schreiben, die allen transsexuellen Menschen abverlangt, sich ebenso billig zu verhalten. Nö, keine Lust dazu. Daher noch ein Tipp: In folgendem Link findet sich einer der Begründungen, warum transsexuelle Menschen Hilfe von ihren Krankenkassen erhalten. Es hat weder mit dem Begriff "Geschlechtsidentitätsstörungen", noch mit dem Transsexuellengesetz zu tun. Dass das TSG oder die Verrücktheitsdiagnose die Leistungspflicht der Krankenkasse begründet, ist wieder so ein Märchen.

Hier mal ein Auszug aus dem Urteil des LSG Stuttgart von 1981:

"Eine Krankheit liegt jedoch nicht nur dann vor, wenn der Körperzustand eines Versicherten vom Leitbild eines körperlich gesunden Menschen abweicht oder wenn seine Psyche nicht dem Leitbild eines psychisch gesunden Menschen entspricht, sondern weitergehend auch dann, wenn bei einem Versicherten das Verhältnis des seelischen Zustandes zum körperlichen Zustand nicht dem bei einem gesunden Menschen bestehenden Verhältnis des seelischen Zustandes zum Körperzustand entspricht. In diesem Sinne ist die Transsexualität eine Krankheit."

Das Urteil

Ich möchte hier übrigens noch einen Link zu einem schönen Artikel, der hier ganz gut dazu passt posten. Er stammt vom Blog von Sarah: Hier.

 
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