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Das Geschlechts-Verbrechen der Psychoanalytiker
Mein Eindruck ist, dass es ziemlich viele transMenschen gibt, die selbst mit der Kritik an bestehenden Geschlechterideologien nicht klar kommen, da sie annehmen, man könne zwar einerseits dafür sein, die Zweigeschlechtlichkeit zu hinterfragen, andererseits aber trotzdem noch an einem eindimensionalen, zweipoligen biologischem Ent-Oder-Weder-Geschlechterverständnis festhalten, das eigentlich in der Natur so gar nicht vorkommt. Die Paradoxie im Denken findet sich immer dann, wenn ein angebliches biologisches Geschlecht eines Menschen postuliert wird (Grundlage der Argumentation) von dem dann ein transMensch angeblich in seinem Gefühl abweiche. Beispielsatz: "Ein biologischer Mann, der wie eine Frau fühlt".

Ich setzte mich nun nicht dafür ein, den ultimativen Beweis dafür zu finden, dass transsexuelle Frauen Frauen sind, sondern argumentiere dafür, dass Menschen in ihrem Selbst anerkannt werden, egal wie dieses Selbst dann aussieht. Bewiesen werden muss Geschlecht nun nicht, sondern es genügt einen Menschen in seinem Selbst zu respektieren, und seiner Selbstaussage über sein Geschlecht als wahr anzuerkennen.

Ich bin, was Psychotheorien angeht, eher geneigt dem Herrn C.G. Jung, dem Begründer der Analytischen Psychologie, der einst mit seinem psychoanalytischen Ziehvater Sigmund Freud gebrochen hatte, zu folgen, der das Selbst quasi als den Kern des Menschen ansieht, eben als das, was einen Menschen einzigartig macht.

"Das Selbst ist immer da, es ist jenes zentrale, archetypische Strukturelement der Psyche, das als Anordner und Lenker der seelischen Ereignisse von allem Anfang an in uns wirkt. Sein a priori vorhandener Zielcharakter und der Drang, dieses Ziel zu verwirklichen, bestehen auch ohne Teilnahme des Bewußtseins"
(Jacobi 1971, S. 63).

Dieses Selbst muss, damit C.G. Jungs Vorstellungen Sinn machen, ein Kern-Geschlecht besitzen. Nun gehöre ich aber nicht zu den Menschen die Geist und biologische Gehirnaktivitäten voneinander trennen, sondern sehe das eine als den körperlichen "Spiegel" des anderen. Wenn ein Mensch ein Selbst hat, dann ist dies keine Erfindung, Wunsch, oder Phantasie sondern Teil der Realität/Natur/Biologie. Das Selbst hält Jung im Gegensatz zum Ich im übrigen für fest stehend - das Ich sei der Teil des Selbst, der das Selbst betrachtet bzw. Teile des Selbst im Aussen darstellt.

"Der Terminus ,Selbst' schien mir eine passende Bezeichnung zu sein für den unbewußten Hintergrund, dessen jeweiliger Exponent im Bewußtsein das Ich ist. [...] Wie das Unbewußte, so ist das Selbst das a priori Vorhandene, aus dem das Ich hervorgeht. Es präformiert sozusagen das Ich'" (Jung, in Jacobi 1971, S. 62 f).

"Der zentrale Begriff der menschlichen Psyche ist das Selbst. Dieses Selbst ist die Ganzheit der menschlichen Psyche und umfaßt bewußte und unbewußte Persönlichkeitsteile und strebt eine Harmonisierung der Psyche an. Bewußt ist lediglich das Ich-Bewußtsein und ist somit lediglich ein winziger Teil dessen, was die menschliche Persönlichkeit ausmacht."

([werner.stangl]s arbeitsblätter)

Was ich damit sagen will, ist folgendes: Einen Menschen in seinem Selbst zu akzeptieren, heisst diesen Menschen in seinem eigentlichen Geschlecht anzuerkennen. Und in der Tat gibt es Theorien und Ideologien die dieser Anerkennung im Wege stehen... es geht mir also weniger darum, dass die eine Aussenzuschreibung (geistige Störung vs. körperliche Störung) durch eine andere abgelöst wird, als vielmehr darum, aufzuzeigen, dass die Idee einer "Geschlechtsidentitätsstörung" nur in dem Falle anwendbar ist, wenn ein Mensch das geschlechtliche Selbst eines transsexuellen Menschen ignoriert und Geschlecht auf wenige Faktoren reduziert (z.B. einen Penis), obwohl biologisch längst bewiesen ist, dass Geschlecht viele biologische Facetten aufweist. Wenn man will, ist Transsexualität überhaupt keine Störung, sondern eine biologische geschlechtliche Variante - wenn aber etwas aus Sicht eines transsexuellen Menschen als "Störung" empfunden wird, dann kann es nicht das eigene Selbst sein (obwohl sich manche Menschen ja selbst diese negative Sicht gefallen lassen), sondern eben immer nur die Körpermerkmale, die dem eigenen Selbst nicht entsprechen. Insofern ist Transsexualität eine in der Natur vorkommende körperliche Abweichung, die dann der "Reparatur" bedarf, wenn ein Leidensdruck vorhanden ist. Bevor ich anfing Bücher über das Thema zu lesen und zu recherchieren, dachte ich, das wäre auch so medizinisch definiert - ist es aber leider nicht.

Individuation:

"In der Entwicklung des Menschen ist die Individuation ein Schritt, zu dessen Bewältigung ein Konflikt verarbeitet werden muss. In diesem Konflikt geht es darum, sich über die Normen und Wertvorstellungen anderer (z.B. der Eltern) hinwegzusetzen und zu eigenen Normen und Werten zu finden. Dabei ist es nötig, die Erwartungen anderer zu enttäuschen, Verbote zu übertreten und ein eigenes Maß zur Überwindung ungesunder Anpassung zu finden. Das Ergebnis dieses Entwicklungsschrittes bildet sich als innere Repräsentanz ab und nimmt Einfluss auf die Organisation der Persönlichkeit. Je nach Qualität und Ausreifung dieser inneren Repräsentanz verbessert sich die innere Struktur des Menschen. Man kann davon ausgehen, dass die Verarbeitungsmöglichkeiten im späteren Leben weiter verbesserungsfähig sind."


Zitat (1933) des Psychoanalytikers Carl Gustav Jung: "Individuation bedeutet: zum Einzelwesen werden, und, insofern wir unter Individualität unsere innerste, letzte und unvergleichbare Einzigartigkeit verstehen, zum eigenen Selbst werden. Man könnte "Individuation" darum auch als "Verselbstung" oder als "Selbstverwirklichung" übersetzen."
(wikipedia.de)

Auch wenn ein transsexueller Mensch nicht unbedingt schon bereits in der Kinderheit Begriffe dafür hat, wie er fühlt und das Kind beim Namen nennen kann, da ein Wissen ja etwas anderes ist als ein (wie immer ausgeprägtes) "Gefühl" muss spätestens mit Inting/Outing ein Mensch das Recht haben, in seinem (selbstempfundenen) Geschlecht umgehend anerkannt zu werden. Das Gegenteil geschieht aber heute: Da hast du dein Outing und dann wird dir als erstes gesagt, du hättest eine schlimme Identitätsstörung die sich "Geschlechtsidentitätsstörung" nennt, da du dich nicht fühlst/verhälst/denkst/bist wie dein Genital. Diese Verdrehung des selbstbewussten Intings/Outing (Selbstbewusstsein heisst ja: Wissen über sein eigenes Selbst) ins Gegenteil, in eine Störung, ist in der Tat ein schlimmes Verbrechen, da es einen wissenden, mündigen Menschen, der glücklich ist, endlich sein eigenes Selbst annehmen zu können (nach C.G. Jung ein sehr wichtiger Prozess) per Definition zu einem unwissenden, unmündigen Menschen macht. Eine selbstbewusste Frau, die endlich versteht, dass sie kein Mann ist und war wird beim Gang zum Psychodoc (die meisten von Ihnen, die sich bei Transsexualität als Experten verkaufen, arbeiten nach Sigmund Freuds psychoanalytischen Geschlechtertheorien) zu einem identitätsgestörten Mann erklärt.

Eigentlich sollte der Respekt vor dem Selbst eines Menschen doch anders aussehen, vorallem wenn mensch eher geneigt ist C.G.Jung zu folgen:

"Ist das Ich in einen anscheinend ausweglosen Konflikt verstrickt (und nur dann) [...] so soll man der inneren Instanz, dem Selbst, die Führung überlassen".
(Jacobi 1971, S. 119)

Wer sich selbst zu etwas erklärt, was er durch sein Inting/Outing gerade abgelegt hatte, liefert die besten Argumente dafür, dass Ausgrenzung überhaupt möglich ist. Ausgegrenzt wird in meinen Augen also in aller erster Linie (und auch in dieser Reihenfolge) erst einmal von den psychoanalytisch orientierten "Experten", welche die Theorien rund um die "Geschlechtsidentitätsstörung" eingeführt haben, an zweiter Position von den transsexuellen Menschen selbst, die sich das gefallen lassen (und sogar oft mitmachen in dem Theaterstück, oft auch organisiert in Vereinen) und erst danach von der sogenannten "Allgemeinheit". Viele Menschen, die sich nämlich nicht mit Transsexualität auskennen, haben es nämlich sogar oft leichter, unverfälschter und ohne Geschlechterideologien-Brille aufzuhaben einen Menschen einfach nur so wahrzunehmen, wie er ist (und welchem Geschlecht dieser Mensch zugehört).

Selbst diejenigen Typen, die dann z.B. Morde an transsexuellen Frauen begehen, nehmen ja zuallererst einmal das richtige wahr und ihr Gefühl ist stimmig. Problematisch wird es dann, wenn diese Leute später meinen, sie hätten aus irgendeinem Grunde falsch gefühlt und seien betrogen worden (wie z.B. Transenmörder, die dann sagen "ich bin doch nicht schwul" oder "es hat mich betrogen, es ist ein Mann" u.ä.). Genau aus diesem Grunde ist es wichtig die bestehende genitalfixierte psychoanalytische Geschlechterideologie, die immer noch in den Köpfen der Leute spukt als unwissenschaftlichen Quatsch zu outen und klar zu machen: Eine transsexuelle Frau IST eine echte Frau (auch biologisch) - da Geschlecht eben nicht nur aus Genitalien besteht. Es geht also darum der "Allgemeinheit" klarzumachen, dass sie tatsächlich ihrem Gefühl im Umgang mit transsexuellen Menschen vertrauen darf... und dass es keinen Grund gibt, dieses Gefühl über das eigentliche Geschlecht eines transsexuellen Menschen als "falsch" ansehen zu müssen, bloss weil in irgendeinem Buch irgendein "Experte" etwas davon schreibt, dass es sich bei transsexuellen Frauen "eigentlich ja nur um biologische Männer" handelt.

Genau das ist der Grund, warum es wichtig ist die "Geschlechtsidentitätsstörungs"-Theoretiker als Scharlatane zu outen und ihre Theorien als unwissenschaftlich und falsch zu entlarven. Je umfangreicher dies geschieht, desto besser.

"Lieber Herr Professor!

Ich möchte Sie [...] darauf aufmerksam machen, daß Ihre Technik, Ihre Schüler wie Ihre Patienten zu behandeln, ein Mißgriff ist. Damit erzeugen Sie sklavische Söhne oder freche Schlingel [...]. Ich bin objektiv genug, um Ihren Trick zu durchschauen. Sie weisen rund um sich herum alle Symptomhandlungen nach, und damit setzen Sie die ganze Umgebung auf das Niveau des Sohnes und der Tochter herunter, die mit Erröten die Existenz fehlerhafter Tendenzen zugeben. Unterdessen bleiben sie immer schön oben als Vater. Vor lauter Untertänigkeit kommt keiner dazu, den Propheten am Barte zu zupfen und sich einmal zu erkundigen, was Sie denn zu einem Patienten sagen, welcher die Tendenz hat, den Analytiker zu analysieren anstatt sich selber? Sie fragen ihn doch: ‚Wer hat denn eigentlich die Neurose?'

Sehen Sie, mein lieber Herr Professor, solange Sie mit diesem Zeugs laborieren, sind mir meine Symptomhandlungen ganz wurscht, denn die wollen nichts bedeuten neben dem beträchtlichen Balken, den mein Bruder Freud im Auge trägt."


(C. G. Jung an Sigmund Freud am 18. Dezember 1912. In: Sigmund Freud/C. G. Jung: Briefwechsel. Herausgegeben von William McGuire und Wolfgang Sauerländer. Frankfurt am Main 1974, Seite 594)

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