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Auszüge aus: http://ai.eecs.umich.edu/people/conway/TS/DE/TSDE.html

Die Hypothese, dass soziale Einflüsse die Geschlechtsidentität bestimmen, wurde widerlegt:

Nachdem bekannt geworden war, dass John Money viele Jahre lang Beweise zurückgehalten hatte, die belegten, dass seine Theorien falsch waren, wendete sich die medizinische Fachwelt schnell von ihm ab. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte war der Fall von "John/Joan", nachzulesen im Buch As Nature Made Him: The Boy Who Was Raised as a Girl von John Colapinto.
 
Vor Jahrzehnten hatte John Money Eltern geraten, ihren Sohn, dessen Penis bei einer Beschneidung geschädigt worden war, einer Genitaloperation zur Schaffung weiblicher Genitale zu unterziehen. Die zugrundeliegende Theorie war, "sie" würde dann wie ein normales Mädchen aufwachsen und nicht als ein "verstümmelter Junge". Das war ein bemerkenswerter Fall für Forscher, denn das Kind hatte einen eineiigen Zwilling, der als Vergleich dienen konnte. Als erster Schritt wurde das Kind kastriert und der Rest des Penis entfernt. Es wurde dann als Mädchen aufgezogen. Das Kind hatte jedoch immer eine männliche Geschlechtsidentität und erklärte, dass es ein Junge sei und wehrte sich gegen Bemühungen, ihm mädchenhafte Verhaltensweisen aufzuzwingen. Zum Zeitpunkt der Pubertät, immer noch im Unklaren hinsichtlich der durchgeführten Genitaloperation, verweigerte "das Mädchen" die weitere Verweiblichung mit Östrogen und weitere Operationen. Schließlich unterzog "sie" sich einer Geschlechtsangleichung zum Mann, genauso, wie es ein FzM Transident tun würde. Das Aufziehen eines Jungen als Mädchen mit weiblichen Genitalien veränderte in diesem Fall nicht das angeborene Gefühl seines wahren Geschlechtes.
[Anmerkung der Übersetzerin: David Reimer, der Mann, der als Junge geboren und als Mädchen erzogen wurde, starb am 4. Mai 2004. Er war 38 Jahre alt. Seine Familie gab bekannt, dass er Selbstmord beging. Seine Mutter, Janet Reimer, sagte, dass ihr Sohn noch leben würde, wenn an ihm nicht dieses verheerende Experiment durchgeführt worden wäre. Vivian Silver, M.D., Ph.D.]

Viele Jahrzehnte behauptete John Money, dass der John/Joan- Fall ein Erfolg gewesen wäre, indem er Fakten erfand. Niemals "erlaubte" Money Jemandem, an "Joan" heran zu kommen, um mehr Details über ihr Leben zu erfahren. Er gab an, das geschehe zum Schutz des Privatlebens. Der Fall wurde so berühmt, dass er der Eckpfeiler für Moneys gesamte Theorie wurde.

Dann kam die erschütternde Nachricht, dass John Money genau gewusst hatte, dass die Geschlechtsänderung des Kindes nicht erfolgreich war. Schlimmer noch, Money hatte Beweise, die seine Theorie widerlegten, Jahrzehnte lang zurückgehalten - Jahrzehnte, in denen Tausende von Kindern genital verstümmelt worden waren. Es war Professor Milton Diamond, der Wissenschaftler, der als Absolvent bereits Jahrzehnte früher gegen Moneys Theorie auftrat, der den Betrug entdeckte.

Professor Diamond war immer misstrauisch, was Moneys Studienergebnisse betraf. Jahrelang hatte er versucht, mit zahlreichen Studien und Veröffentlichungen andere dazu zu bringen, wenigstens in Betracht zu ziehen, dass die Geschlechtsidentität angeboren ist. Die Dominanz Moneys auf diesem Gebiet verhinderte jedoch, dass er sich durchsetzen konnte.

In den frühen 90ger Jahren gelang es Diamond endlich, das Kind "Joan", das nun eigentlich eine erwachsene Frau sein müsste, zu finden. Das Kind, dessen Geschichte den Grundstein von Moneys Ansichten war. Diamond wollte nur eine Bestätigung darüber, wie es dem Kind ergangen war. Stattdessen fand er den unglaublichen Fakt heraus, dass "sie" sich nie als Mädchen gefühlt hatte und nun ein verheirateter Mann war!

Diamond und sein Kollege Sigmundson arbeiteten daraufhin unermüdlich daran, zu dokumentieren, was in diesem Fall passiert war und wollten die Ergebnisse veröffentlichen. Der Artikel war aber so kontrovers, dass viele Zeitschriften seine Annahme ablehnten. So groß war der Einfluss von Money und die Ehrfurcht vor seiner nun etablierten Lehrmeinung hinsichtlich der Geschlechtsidentität. Die Herausgeber der Zeitschriften konnten einfach nicht glauben, was sie da sahen.

Der Artikel: "Sex Reassignment at Birth: Long Term Review and Clinical Implications" von Milton Diamond und H. Keith Sigmundson wurde 1997 endlich in "Archives of Pediatric and Adolescent Medicine" abgedruckt. Es gab stürmische Reaktionen in den Medien und der Fachwelt. John Money war öffentlich überführt worden, Beweise gefälscht zu haben und auch Gegenbeweise zurückgehalten zu haben und das in einem Fall, der der Eckpfeiler seiner gesamten Theorie über Geschlechtsidentität war. Zwei Jahre später veröffentlichte John Calapinto detailliert die gesamte Geschichte, um sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Geschichte von John/Joan erhielt öffentliche Aufmerksamkeit durch einen Artikel von John Colapinto in The Rolling Stone (11. Dezember 1997) mit dem Titel "Die wahre Geschichte von John/Joan". Hier ist ein Auszug aus der letzten Seite des Artikels:

" - - - Seine Geschichte hat die Anschauungen, die auf John Moneys Theorien aus den 50ger Jahren basieren, bis in die Grundmauern erschüttert. Ein zentraler Fehler in der Theorie, der die meiste Zeit des zwanzigsten Jahrhunderts herumgeisterte, wurde aufgedeckt. Es war Sigmund Freud, der als erster behauptete, dass eine gesunde psychologische Entwicklung des Kindes als Junge oder Mädchen zum großen Teil vom Vorhandensein oder Nicht- Vorhandensein des Penis abhängt - diese Behauptung war zentral in Moneys Theorie zur sexuellen Entwicklung und der hauptsächliche Grund, dass John Thiessen zum Mädchen gemacht wurde. Heute wird diese Behauptung auch von der neurobiologischen Forschung in Frage gestellt. Das führt Wissenschaftler zu der Schlussfolgerung, dass (wie Dr. Reiner ausführt) "das wichtigste Geschlechtsorgan nicht die Genitalien sind, sondern das Gehirn ..."

John Money, Ph.D.

Theoretiker, der behauptete, dass die Geschlechtsidentität sozial entsteht.

Er verbreitete seine Ansichten durch persönliche Dominanz auf diesem Gebiet und Fälschung von Daten, sowie Zurückhaltung von Daten, die gegen seine Ansichten sprachen.
    
Milton Diamond, Ph.D.

Professor für Anatomie und reproduktive Biologie, der Moneys Theorie widerlegte.

Seine Arbeiten weisen darauf hin, dass die Geschlechtsidentität bei der Geburt biologisch vorgegeben ist.

Professor Diamond hat für seine Arbeiten viel Anerkennung erhalten. Als Leiter des Pacific Center for Sex and Society an der Universität von Hawaii hat er viel über Geschlechtsidentität und Operationen bei Intersexuellen geschrieben. Seine Veröffentlichungen sind sehr zu empfehlen (z.B. Sex and Gender are Different: Sexual Identity and Gender Identity are Different und An Emerging Ethical and Medical Dilemma: Should Physicians Perform Sex Assignment on Infants with Ambiguous Genitalia? ).

Die Widerlegung von John Moneys Theorien hat schließlich zu einem Paradigmenwechsel geführt, nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch bei den Medizinern, obwohl der Fortschritt bei letzteren wegen des immer noch bei den Älteren vorhandenen Einflusses von Moneys Ansichten langsamer vonstatten geht. Es kommt auch zu rechtlichen Auseinandersetzungen wegen "Genitalkorrekturen", die noch von "traditionellen Chirurgen" durchgeführt werden. Besonders in einem kürzlich erschienenen Artikel im Yale Law Review kommt das entstehende Verständnis von medizinisch- rechtlichen Fragen auf diesem Gebiet zum Ausdruck.

Die Hypothese, dass vor der Geburt entstandene Strukturen des Gehirns und des ZNS das Gefühl der Geschlechtszugehörigkeit bestimmen:

Nun, wenn es nicht die Gene sind, die die Geschlechtsidentität bestimmen (Die Existenz der Mädchen mit testikulärer Feminisierung widerlegt das.) und auch nicht Genitalien und Erziehung (Die Jungen mit Blasenekstrophie sprechen dagegen.), was zum Teufel bestimmt dann die Geschlechtsidentität eines Menschen?

Es gibt zunehmend wissenschaftliche Hinweise darauf, dass bestimmte Hirnstrukturen im Hypothalamus (die BSTc Region) die geschlechtsspezifischen Gefühle und die angeborene Geschlechtsidentität bestimmen. Diese Strukturen werden vor der Geburt während der frühen Schwangerschaft fest in den unteren Hirnzentren des Zentralnervensystems (ZNS) während eines Hormon- modulierten Prägungsprozesses vernetzt.

Es scheint so zu sein, dass, wenn diese Hirnstrukturen durch Hormone im Fetus maskulinisiert (vermännlicht) werden, das Kind eine männliche Wahrnehmung und eine männliche Geschlechtsidentität haben wird, unabhängig davon, ob die Gene oder die Genitalien männlich sind. Wenn diese Strukturen nicht maskulinisiert werden wird das Kind unabhängig von den Genen und den Genitalien eine weibliche Wahrnehmung und eine weibliche Geschlechtsidentität haben. Wie auch bei den nicht eindeutigen Genitalien von Intersexuellen gibt es zweifellos auch in den Hirnstrukturen viele unterschiedliche Ausprägungen der abweichenden Geschlechtsidentität. Während manche eine vollständig abweichende Geschlechtsidentität haben, ist bei anderen die Abweichung nur partiell.

Neuere Forschung deutet darauf hin, dass sich das Gehirn bei männlichen und weiblichen Embryos sogar noch früher differenziert, möglicherweise, bevor die embryonalen Sexualhormone überhaupt eine Rolle spielen. Die hierfür zugrunde liegenden Mechanismen sind noch nicht bekannt. Die Geschlechtsidentität wäre somit ein komplexes Ergebnis der frühen Hirndifferenzierung und des späteren Einflusses embryonaler Hormone. Mehr hierzu könnt ihr in folgender Publikation lesen:

"Brain development: The most important sexual organ", Nature magazine, 29. Januar 2004  (Nature 427, 390 - 392)

So kann erklärt werden, warum es möglich ist, dass manche Kinder eine Geschlechtsidentität haben, die nicht ihrem genetisch vorliegenden Geschlecht entspricht. Bei den Kindern mit testikulärer Feminisierung sind wahrscheinlich auch die Hirnstrukturen resistent gegenüber den maskulinisierenden Effekten des fetalen Testosterons (wie auch ihre Genitalien). Deshalb entwickeln sie Hirnstrukturen mit einer weiblichen Geschlechtsidentität, obwohl sie ein Y- Chromosom haben.

Auf diese Weise kann auch erklärt werden, warum manche Kinder eine Geschlechtsidentität haben, die nicht den Genitalien und der Erziehung entspricht. Bei Jungen mit Blasenekstrophie wurden die Hirnstrukturen vermutlich maskulinisiert durch fetales Testosteron, was zur Ausprägung einer männlichen Geschlechtsidentität führte, obwohl sie als Kleinkinder chirurgisch "zu Mädchen gemacht" wurden und auch als solche aufgezogen wurden.

Diese Beobachtungen hinsichtlich der Blasenekstrophie sind von enormer Bedeutung für die medizinische Forschung. Sie sind für die Sexualmedizin so wichtig wie Galileos Beobachtungen der Monde des Jupiters für die Astronomie.

Es sind unbestreitbare Beobachtungen, die auf einem Wissenschaftsgebiet, in dem es sehr viel Missinformation und Tabus gab, zum Paradigmenwechsel führen. Bei Galileo änderte sich das Weltbild von einem Universum mit der Erde im Zentrum zu einem Universum mit der Sonne im Zentrum. In der Sexualmedizin besteht die Veränderung in der Widerlegung der Theorie von Genitalien und Erziehung als bestimmend für die Geschlechtsidentität und der Akzeptanz der Theorie der vorgeburtlichen neurobiologischen Entwicklung der Geschlechtsidentität im Zentralnervensystem.

Dieser Paradigmenwechsel ist von weitreichender Bedeutung, insbesondere für Menschen, die an Transidentität leiden. Die Geschlechtsidentität ist kein psychologisches, sondern ein neurologisches Phänomen.

Lest aufmerksam die Schlussfolgerungen von William Reiner, M.D. einem Kinderarzt und Wissenschaftler am Johns Hopkins Hospital, bezüglich seiner Arbeit mit intersexuellen Kindern (Reiner ist an der Follow-up- Studie zur Blasenekstrophie beteiligt, welche diese Schlussfolgerungen bestätigt.):

"Es sind letztendlich die Kinder selbst, die herausfinden können und müssen, wer und was sie sind. Es ist unsere Aufgabe als Ärzte und Wissenschaftler, ihnen zuzuhören und zu lernen. Klinische Entscheidungen dürfen weder von anatomischen Gegebenheiten noch vom 'Funktionieren' der Sexualorgane abhängig gemacht werden, weil hierfür nicht Moral oder soziale Konsequenz im Vordergrund stehen sondern das wahrscheinlichste psychosexuelle Entwicklungsmuster des Kindes. Anders gesagt, kritisch für die psychosexuelle Entwicklung und Anpassung sind nicht die äußeren Genitalien, sondern es ist das Gehirn."

William Reiner, M.D., To Be Male or Female--That is the Question, 151 Arch Pediatr. Adolesc. Med. 225 (1997)].

Es ist erstaunlich, dass Psychiater in der Vergangenheit all das nicht wussten und so lange annahmen, dass die Geschlechtsidentität bei der Geburt neutral sei und erst später durch soziale Interaktionen entsteht. Leute mit abweichender Geschlechtsidentität haben schon lange berichtet, dass ihr Problem nicht in Gedanken besteht, sondern in geschlechtsspezifischen Wahrnehmungen und Körpergefühlen des anderen Geschlechts. Schon als Kleinkind gibt es geschlechtsspezifische Gefühle. Sie beeinflussen die Bewegungsabläufe des Körpers, wie man reagiert, wenn man berührt wird, wie aggressiv oder anschmiegsam man ist und wie man mit anderen kleinen Kindern umgeht. Dann nach der Pubertät hat man Gefühle, wie man sexuell erregt wird (männlich: Drang, einzudringen oder weiblich: die Vorstellung, in sich eindringen zu lassen).

Über diese vom ZNS erzeugten sexuellen Gefühle denkt man nicht nach, man empfindet sie einfach. Die Wahrnehmungsmuster sind in den Hirnstrukturen geprägt und können nicht mit psychiatrischen Methoden verändert werden, wie man auch das Gefühl von Hitze nicht in das Gefühl von Kälte umwandeln kann und umgekehrt.

Welche Einflüsse im Uterus auch immer eine Rolle spielen, die geschlechtsspezifischen Gefühle und die Geschlechtsidentität der Menschen befinden sich im Mittelpunkt ihrer Existenz. Die Geschlechtsidentität ist von Geburt an unumkehrbar festgelegt und kann nicht medizinisch oder psychologisch verändert werden. Wir wissen auch, dass es nur eine Möglichkeit gibt die Geschlechtsidentität eines Menschen herauszufinden. Man muss ihn danach fragen. Geschlechtsidentität ist eine Wahrnehmung. Jeder kann nur selbst sicher wissen, wie diese Wahrnehmung ist. Niemand anders kann das bestimmen.

Audiobeitrag:

Edit des Filmbeitrags "The Boy who was Turned into a Girl" First shown: BBC2 9.00pm Thursday 7th December 2000




 

Wichtiger Hinweis: Der Begriff "Geschlechtsidentität" in älteren Artikeln auf dieser Website meint etwas völlig anderes, als das, was offiziell unter "gender identity" verstanden wird. "Geschlechtsidentität" meint auf mut23 das Wissen um seine eigene Geschlechtszugehörigkeit bzw. einfach nur Geschlecht. Da die Verwechslungsgefahr zu "gender identity" aber gross ist, kommt der Begriff "Geschlechtsidentität" in neueren Artikeln nicht mehr vor. Übrigens: Eine "gender identity" gibt es nicht. Die Vorstellung einer "gender identity" basiert auf Geschlechtsrollen-Klischees, der Vorstellung von Mann-Frau-"Verhaltensweisen" und gehört Geschlechtsstereotypen, die transphobe Gesellschaften dazu missbrauchen, transsexuellen Menschen ihr Recht auf ihr Geschlecht zu verwehren. Der Begriff "gender identity" wurde von John Money erfunden, und dient bis heute als Grundlage für geschlechtliche Zwangszuweisungen wie der Verstümmelung intersexueller Menschen und der Psychiatrisierung transsexueller Menschen.

 

Kommentare
Geschrieben von am 2009-03-22 00:34:16
Alles Gute, 
Herzlichst, 
 
Vivian Silver

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