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10.09.2013
Als ich diese Seite 2006 begonnen hatte, wurde sie aus der Notwendigkeit geboren, einen Missbrauch nicht in sich hineinzufressen, sondern aktiv dafür zu kämpfen, dass diese und ähnliche Missbräuche durch die deutsche Sexologie in Zukunft beendet werden. Zugegeben: Beendet sind diese Missbräuche immer noch nicht. Genauso gibt es immer noch Menschen, die versuchen, transsexuellen Frauen als "Männer, die sich wie Frauen fühlen", zu bezeichnen. Aber es hat sich wenigstens ein bisschen was getan: Die Sexologen, die damals im Stilllen und Heimlichen eine transsexuelle Frau nach der anderen als psychisch krank diagnostiziert hatten, sind selbst zum Thema geworden.

Friedemann Pfäfflin, Sexologe aus Ulm, der die Psychopathologisierung transsexueller Menschen mitentwickelt hat, gehört zu den Gutachtern die Gustl Mollath fehlbegutachtet hatten. Gustl Mollath sass zu Unrecht in der Psychiatrie. Das Bundesverfassungsgericht hat dies bestätigt. Klaus Beier, der zusammen mit seinen Kollegen Hartmut Bosinski und Kurz Loewit in einem Buch beschreibt, wie er transsexuelle Menschen umpolen will, ist als Vertreter einer Harcorefraktion in Berlin auffällig geworden, da er transsexuelle Kinder lieber therapiert, als ihnen medizinische Hilfe zukommen zu lassen.

Seit ein paar Jahren - das war 2006 noch nicht so - wird das Thema geschlechtliche Fremdbestimmung als Menschenrechtsthema diskutiert, sei es in Europarat, als auch bei den Vereinten Nationen. Es gibt noch ein paar Dinge mehr, die heute anders sind als 2006, aber ich möchte es mal dabei belassen... vielleicht nur so viel: Es gibt immer noch Sexologen, die Behaupten, dass transsexuelle Menschen biologisch das eine seien und sich wie das andere fühlten. Es gibt immer noch ein massives Versagen (bisher) der deutschen Medien diese Natürlich-Widernatürlichkeits-Trennungs-Ideologien kritisch zu hinterfragen und sich mit den Folgen dieser Weltanschauung zu beschäftigen.

2006 (das ist zum heutigen Zeitpunkt) 7 Jahre her, hatte ich beim Bundestag eine Petition zur Änderung des TSG eingereicht. Sie wurde darauf hin immer wieder verschoben, verschoben, verschoben und nicht veröffentlicht. Das ist auch 2013 noch so. Vielleicht ist das auch gar nicht mehr nötig... denn es kam ein Schreiben des Petitionsausschusses, das ich hier veröffentlichen will. Damit möchte ich es hier an dieser Stelle (mut23) ersteinmal gut sein lassen.

Hier der Brief:

Deutscher Bundestag Petitionsausschuss

Die Vorsitzende
Kersten Steinke, MdB
Platz der Republik 1
11011 Berlin
Telefon: +49 30 227-35257
Fax: +49 30 227-36027

Sehr geehrte Frau Schicklang,

der Deutsche Bundestag hat Ihre Petition beraten und am 27. Juni 2013 beschlossen:
Die Petition
a)  der Bundesregierung - dem Bundesministerium des Innern. dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem Bundesministerium der Justiz und dem Bundesministerium für Gesundheit - als Material zu überweisen,
b) den Fraktionen des Deutschen Bundestages zur Kenntnis zu geben.
Er folgt damit der Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses (BT-Drucksache 17/14167), dessen Begründung beigefügt ist.
Mit dem Beschluss des Deutschen Bundestages ist das Petitionsverfahren beendet.

Mit freundlichen Grüßen

Kersten Steinke

Begründung

Mit der Petition wird das Transsexuellengesetz kritisiert und die Schaffung einer gesetzlichen Regelung begehrt, die im Einklang mit dem Grundgesetz steht.

Zu diesem Anliegen liegen dem Petitionsausschuss weitere Eingaben mit ähnlicher Zielsetzung vor, die wegen des Sachzusammenhangs einer gemeinsamen parlamentarischen Beratung unterzogen werden. Es wird in diesem Zusammenhang um Verständnis dafür gebeten, dass nicht auf alle vorgetragenen Aspekte im Einzelnen eingegangen werden kann.

Zur Begründung des Anliegens wird im Wesentlichen Folgendes ausgeführt:

Das geltende Transsexuellengesetz (TSG) verstoße wegen der Verquickung von Recht, Justiz und Medizin gegen das Grundgesetz. Es berücksichtige nicht die im Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 11. Oktober 1978 erwähnte Entscheidung des Kammergerichts Berlin, nach der das psychische Geschlecht eines Menschen sogar in stärkerem Maße als die körperlichen Geschlechtsmerkmale die Fähigkeiten des Menschen zur Einordnung in die sozialen Funktionen der Geschlechter bestimme.

Das BVerfG habe 1978 festgelegt, dass kein Mensch gegen seinen Willen nach dem Geschlecht behandelt werden dürfe, dem dieser Mensch aufgrund seiner Psyche nicht angehöre. Das geltende TSG verstoße - obwohl eigentlich aufgrund dieses Urteils entstanden - gegen diesen Grundsatz, da das medizinische Verfahren bisher diese Erkenntnis ausklammere: Das TSG ermögliche die Entscheidungsgewalt Dritter - medizinisch-psychologischer Gutachter- über das psychische Geschlecht. Diese Vermischung von Recht und Medizin sei nicht mit der Menschenwürde vereinbar, deren Schutz die Aufgabe des Gesetzgebers sei. Der Staat habe alles zu unterlassen, was die Menschenwürde beeinträchtigen könnte. Er müsse durch Gesetze darauf hinwirken, dass nicht nur die öffentliche Gewalt, sondern auch Dritte die Menschenwürde jedes Einzelnen achteten.

Die Einhaltung des Gleichheitssatzes und die Aufgabe des Staates, diesen durchzusetzen, könnten nur bedeuten, eine gesetzliche Regelung zu schaffen, die es transsexuellen Menschen ermögliche, ihren Personenstand unabhängig von einem Ein-fluss Dritter ändern zu lassen. Ein betroffener Mensch müsse die Möglichkeit haben, auch während des medizinischen Verfahrens nach dem Geschlecht behandelt zu werden, dem er sich psychisch zugehörig fühle.

Die falsche Logik des TSG, wonach diese Menschen als „psychisch Gestörte" behandelt würden, entspreche nicht mehr dem aktuellen Wissensstand.

Das TSG diskriminiere mit seinem Verfahren transsexuelle Menschen, besonders solche, die im Ausland lebten, und lasse die Mittellosigkeit mancher Transsexueller außer Acht, die die entsprechenden Gutachten nicht bezahlen könnten.

Wegen weiterer Einzelheiten zu dem Vorbringen wird auf die eingereichten Unterlagen verwiesen.
Der Petitionsausschuss hat der Bundesregierung Gelegenheit gegeben, ihre Ansicht zu der Eingabe darzulegen.

Das Ergebnis der parlamentarischen Prüfung stellt sich unter Einbeziehung der seitens der Bundesregierung angeführten Aspekte zusammengefasst wie folgt dar:

Der Deutsche Bundestag nimmt die Problematik der Transsexualität sehr ernst.

Das mit der Petition vorgetragene Anliegen wurde und wird in verschiedenen parlamentarischen Gremien des Deutschen Bundestages intensiv erörtert und ist Gegenstand zahlreicher parlamentarischer Fragen und Initiativen.

In der 16. Wahlperiode hat der Petitionsausschuss den Innenausschuss des Deutschen Bundestages, dem der Antrag „Selbstbestimmtes Leben in Würde ermöglichen - Transsexuellenrecht umfassend reformieren" (Drucksache 16/947) einer Fraktion zur Beratung vorlag, gemäß § 109 der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages gebeten, zu der vorliegenden Petition eine Stellungnahme abzugeben.

Entsprechend der Beschlussempfehlung des Innenausschusses auf Drucksache 16/13410 wurde der Antrag auf Drucksache 16/947 und der Gesetzentwurf einer Fraktion zur Reform des Gesetzes über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen (TSG) auf Drucksache 16/4184 vom 16. Deutschen Bundestag in seiner 228. Sitzung am 19. Juni 2009 für erledigt erklärt. Der Gesetzentwurf einer Fraktion zur Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit (ÄVFGG, Drucksache 16/13154) sowie die Anträge „Transsexuellengesetz aufheben - Rechtliche Gestaltungsmöglichkeiten für Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle schaffen" (Drucksache 16/12893) und „Reform des Transsexuellengesetzes für ein freies und selbstbestimmtes Leben" (Drucksache 16/9335) wurden abgelehnt.

Angenommen hat der 16. Deutsche Bundestag hingegen den Gesetzentwurf mehrerer Fraktionen zur Änderung des Transsexuellengesetzes (Transsexuellengesetz-Änderungsgesetz - TSG-ÄndG) auf Drucksache 16/13157, mit dem den Vorgaben des BVerfG durch Streichung des Erfordernisses der Ehelosigkeit als Voraussetzung für die Feststellung der Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht nach § 8 Abs. 1 Nr. 2 des TSG Rechnung getragen wurde.

Der Petitionsausschuss stellt fest, dass das inzwischen fast 30 Jahre alte TSG nicht mehr in jeder Hinsicht medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht und daher unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des BVerfG auf eine neue zeitgemäße Grundlage gestellt werden soll, um den betroffenen Menschen ein freies und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Die in den Petitionen aufgeworfene Frage, inwieweit die selbst erfahrene oder im Laufe des Lebens gewonnene geschlechtliche Identität eines Menschen durch ein staatliches Verfahren überprüft und bestätigt werden kann, wird bei der Reform des TSG geprüft.

Ferner weist der Petitionsausschuss darauf hin, dass er in der 17. Wahlperiode den Innenausschuss des Deutschen Bundestages, dem der Gesetzentwurf einer Fraktion über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechterzugehörigkeit (ÄVFGG - Drucksache 17/2211) sowie der Antrag „Sexuelle Menschenrechte für Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle gewährleisten - Transsexuellengesetz aufheben" (Drucksache 17/5916) zur Beratung vorlagen, gemäß § 109 der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages um Abgabe einer Stellungnahme gebeten hat.

In diesem Zusammenhang macht der Ausschuss zudem auf die Antworten der Bundesregierung auf mehrere Schriftliche Fragen verschiedener Fraktionen betreffend den Umsetzungsstand der beabsichtigten Reform des Transsexuellengesetzes (vgl. Drucksachen 17/3736 Nr. 20, 21; 17/5568 Nr. 15; 17/8958 Nr. 23; 17/11787 Nr. 95; 17/12764 Nr. 13) sowie auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage einer Fraktion „Rechte und Hilfen für transsexuelle, transgender und intersexuelle minderjährige Menschen" (Drucksache 17/8964) aufmerksam. Darüber hinaus weist der Ausschuss auf den Antrag einer Fraktion „Queere Jugendliche unterstützen" (Drucksache 17/12562) hin.

Alle erwähnten Drucksachen und die Plenarprotokolle können über den Internetauftritt des Deutschen Bundestages unter www.bundestag.de aufgerufen und ausgedruckt werden.

Aufgrund der dringenden Regelungsbedürftigkeit dieser Materie besteht nach Ansicht des Petitionsausschusses gesetzgeberischer Handlungsbedarf.

Das TSG entspricht nicht mehr aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und neueren gesellschaftlichen Entwicklungen. Die Rechte von Transsexuellen müssen nach Auffassung des Ausschusses weiter gestärkt und vorangetrieben werden.

Ferner merkt der Ausschuss in diesem Kontext an, dass die gesellschaftliche wie rechtliche Situation transsexueller Menschen auch auf europäischer Ebene kritisch betrachtet wird. So sprach sich das Ministerkomitee des Europarates für eine reguläre Überprüfung der nationalen Gesetze zwecks Vermeidung unnötiger Voraussetzungen für eine Geschlechtsanpassung sowie für ein schnelles, transparentes und zugängliches Verfahren zur Vornamensänderung aus (Recommendation CM/Rec (2010)5). Auch die Parlamentarische Versammlung des Europarates hat am 29. April 2010 alle Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, gesetzgeberische Vorkehrungen zu treffen, die den transsexuellen Menschen das Recht auf Ausstellen amtlicher Dokumente mit Angabe des gewünschten Geschlechts einräumen, ohne zuvor einen operativen Eingriff bzw. eine Hormontherapie durchführen zu müssen (Resolution 1728 (2010)).

Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Petitionsausschuss, die Petition der Bundesregierung - dem Bundesministerium des Innern, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem Bundesministerium der Justiz und dem Bundesministerium für Gesundheit - als Material zu überweisen, damit sie in die Überlegungen zur Reform des TSG einfließen kann. Zugleich empfiehlt er, die Eingabe den Fraktionen des Deutschen Bundestages zur Kenntnis zu geben, weil sie als Anregung für eine parlamentarische Initiative geeignet erscheint.
 
20.04.2013
Es ist Zeit deutlich zu machen, dass ich mittlerweile glaube, dass etwas wie eine "Geschlechtsidentität" in seiner Bedeutung als "gender identity" nicht existiert. Unter "Gender Identity" stellt sich die Psycho-Sexologie seit den 60er-Jahren eine soziale Geschlechtsidentität vor. "Gender" ist dabei das "soziale Geschlecht" des Menschen. "Gender Idenity" wurde in einer Zeit erfunden, in der das abweichende, unnormale Verhalten mancher homosexueller Menschen erklärt werden sollte und man nicht bereit war, Homosexualität als natürliche Normvariante anzuerkennen: Anfang der 60er-Jahre. Psychologen behaupteten damals äussere Einflüsse (wie eine falsche Erziehung durch die Eltern) wären für Homosexualität verantwortlich. Sie behaupteten damit auch, dass Homosexualität etwas sei, das erst entstünde.

Mittlerweile weiss man es besser und hat, auch auf Grund zahlreicher Proteste von gay-Rights-Organisationen in den USA, sich von solchen Thesen verabschiedet - zumindest sieht es erst einmal danach aus. Bei näherer Betrachtung haben die Thesen, die auf der Annahme einer sogenannten "psychosexuellen Entwicklung" basieren, überlebt. Diejenigen, die immer noch psycho-pathologisiert werden sind die homosexuellen Menschen, die sich nicht heterosexuell genug verhielten und transsexuelle Menschen. Transsexuelle Menschen sind diejenigen, die noch heute weiterhin von den Ideologien der 60er-Jahren betroffen sind. Sie sind es deswegen, da immer noch behauptet wird, Sexualität sowie Geschlecht hätte etwas mit einer "Geschlechtsidentität" zu tun.

Eine "Geschlechtsidentität" bzw. "gender identity" gibt es aber nicht.

Ich will erklären, warum nicht. Es ist ganz einfach:

Jedes Coming Out ist eine persönliche Befreiung von äusseren geschlechtlichen Erwartungen und Normen.

Ein Mensch, der sich sozial wie seine Genitalien verhalten soll - zumindest wollen das ja stereotype Gesellschaften - erkennt: "da ist etwas anders. Ich muss ehrlich zu mir und meiner Umwelt sein". Er befreit sich von dem Glauben, dass die Genitalien oder andere Körpermerkmale immer eine Aussage über Sexualität oder Geschlecht eines Menschen treffen. Dass müssen sie nämlich nicht.

Ein Coming Out ist also der Prozess der Selbstbewusstwerdung gegen äussere Widerstände. Zu diesen Widerständen gehört eben das Konzept einer "Gender Identity". Das muss deswegen so sein, da "gender" das soziale Geschlecht bedeutet und "Geschlechtsidentität" etwas mit der Umwelt zu tun haben soll. Wenn ein homosexueller oder ein transsexueller Mensch ein Coming Out erleben, dann hat dies aber mit einem Sich-Annehmen, Sich-AKzeptieren und Sich-Selbst-Bewusstwerden gegen soziale Zwänge zu tun.

"Gender Identity" bzw. "Geschlechtsidentität" ist also ein Begriff, der nach wie vor dazu genutzt wird, geschlechtliche Normabweichungen zu psychopathologisieren. Die Begriffe stammen historisch von Psycho-Medizinern und werden heute noch verwendet, wenn es um die Verfügbarmachung von Geschlecht geht. Eine transsexuelle Frau wird von der Psycho-Sexologie als "biologischer Mann" mit "weiblicher Geschlechtsidentität" bezeichnet, um eine transsexuelle Frau nicht als biologische Normvariante, eben als transsexuelle Frau anerkennen zu müssen. Begriffe wie "Transgender" und "Transidentität" kommen der Psychosexologie in ihrer psychopathologisierenden Sicht entgegen, da beide auch davon ausgehen, dass ein Mensch sich wie ein anderer fühlen oder zu einem anderen Menschen werden könne. Betrachtet man die Realität ist beides Unsinn.

Ein Mensch ist, wer er ist.

Genau aus diesem Grund sollte jeder Mensch, der sich aktiv für die Anerkennung geschlechtlicher Normvarianten einsetzt, die ja in der Natur existieren, aber in vielen Gesellschaften immer noch staatlich verfolgt oder als nicht-existent definiert werden (eben auch in Deutschland), kritisch mit den Thesen der Psycho-Sexologie auseinandersetzen, die von einer "Geschlechtsidentität" sprechen. Denn "Geschlechtsidentität" ist ein Begriff, der geschlechtliche Vielfalt unsichtbar machen will.

Achtung: In alten Texten auf dieser Website ist auch von "Geschlechtsidentität" die Rede. Damit war niemals eine soziale Geschlechtsidentität gemeint. Mir war zum damaligen Zeitpunkt nicht klar, dass der Begriff mit einem Weltbild verbunden ist, das geschlechtliche Vielfalt ablehnt. Ich bitte darum, falls ihr über den Begriff stolpert, ihn mit "Wissen über das eigene Geschlecht" zu übersetzen und immer daran zu denken, dass "Geschlechtsidentität" genau DAS nicht heissen soll bzw. nicht heissen kann. Der Begriff "Geschlechtsidentität" ist das Paradoxon, dessen Un-Logik der Hauptgrund für die Pathologisierung geschlechtlicher Normvarianten ist. Es ist deswegen ein Paradoxon, da ein Wissen über sich selbst etwas anderes ist, als ein Wissen über den geschlechtlichen Platz, den eine Gesellschaft für einen selbst zur Verfügung stellen will.

Eine "Gender Identity" kann also NIE das Wissen eines Menschen über sein eigenes Geschlecht bedeuten. Daraus folgt, dass so etwas wie eine "Geschlechtsidentität" als solche nicht existieren kann.
 
08.12.2012
Nachdem die Fremdbestimmung transsexueller Menschen und die Selbstverleugnungstendenzen gerade wieder zunehmen, wollte ich mal wieder einen Text schreiben. Er handelt von Emanzipation. Dem ein oder anderen wird auffallen, dass ich hier ausnahmsweise das deutsche "ß" verwende, da der Text für eine Zeitung geacht war. Ob er erscheinen wird, ist nicht klar, daher gibt es ihn erstmal hier zu lesen. Bitte sehr:

Es ist nicht einfach in einem Land zu leben, in dem Logik weniger zu zählen scheint, als Ideologien. Stereotype Geschlechtsvorstellungen und die Verleugnung geschlechtlicher Normabweichungen haben zur Zeit Hochkonjunktur. Und so begegnet ein Land, in welchem Menschen, die aus dem geschlechtlichen Rahmen fallen und wissen, dass die Vorstellungen, die über sie existieren falsch sind, diesen Menschen mit den alten Unwahrheiten und Vorurteilen. Doch transsexuelle Menschen gibt es. Geschlechtsumwandlungen nicht.

Als Magnus Hirschfeld, ein jüdischer Sexualwissenschaftler in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts geschlechtliche Normabweichungen beobachtete, nannte er diese Abweichungen "sexuelle Zwischenstufen". Er beobachtete, dass jeder Mensch biologisch nicht dem Stereotyp Mann oder Frau entspricht und untersuchte Frauen mit männlicher Körperbehaarung, Männer mit kleinen Penissen, Menschen bei denen auf Grund des Körpers eine Zuordnung schwer fällt und solche bei denen diese Zuordnung auf Grund der reduzierten Betrachtung des Äußeren eine Fehlzuweisung hervorbringen muss. Hirschfelds Wissen wurden in den 30er-Jahren von den Nationalsozialisten vernichtet und fortan galt, dass es nur eindeutige Frauen und Männer geben darf. Homosexualität wurde als widernatürliche Verhaltensweise definiert, die man mit Zucht und Ordnung austreiben könne. Mit körperlich uneindeutige Menschen, den Intersexuellen, wurden in der Zeit des Nationalsozialismus grausame Vereindeutigungsversuche in Form genitaler Operationen unternommen und transsexuelle Menschen, die sagten, beispielsweise eine Frau zu sein, aber einen als männlich zu deutenden Körper besaßen wurden für verrückt erklärt oder landeten wie die anderen in den Konzentrationslagern.

Wer denkt, dass mit Ende der Regierungszeit der Nationalsozialisten auch die Verfolgung geschlechtlich von der Norm abweichender Menschen ein Ende gefunden hätte, irrt. Im Nachkriegsdeutschland wurde das, was in den 30er- und 40er-Jahren ihren Anfang nahm, die Kontrolle und Fremdbestimmung geschlechtlicher Minderheiten durch Medizin und Gesetze, konsequent fortgeführt. Die NS-Sexualforscher Hans Giese und Hans Bürger-Prinz sind die Gründungsväter der sexualwissenschaftlichen Institute in Frankfurt und Hamburg, und auch die immer noch existierende Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung, die heute noch als Expertengremium in Sachen Geschlecht angesehen wird, geht auf das Engagement dieser ehemaligen NS-Mediziner zurück.

Nun könnte man die berechtigte Frage stellen, ob in den 60er-Jahren, einer Zeit des gesellschaftlich propagierten Wandels, nicht auch ebenso ein Wandel in der Frage der Behandlung geschlechtlicher Normvarianten stattgefunden hat. Ehemalige Giese-Schüler wie Volkmar Sigusch und Kollegen wie der ehemals in Hamburg stationierte Friedemann Pfäfflin, welche in der Zeit der 70er-Jahre unter anderem als Shooting-Stars der Transenbehandler-Szene galten, gaben zwar immer wieder vor, sich von ihrer Vorgänger-Generation zu distanzieren, doch obwohl man annehmen könnte, dass sie es nun sein müßten, die den Bruch mit der nationalsozialistischen Widernatürlichkeitstheorie geschlechtlicher Normabweichungen, nun am deutlichsten und lautesten vertreten, sieht die Praxis bis heute anders aus. Transsexuelle Menschen beispielsweise, werden von diesen Herren bis heute beispielsweise als Männer bezeichnet, die sich wie Frauen fühlten, anstatt das Selbstwissen transsexueller Frauen als Teil der geschlechtlichen Wahrheit anzuerkennen.

Erst vor ein paar Tagen veröffentlichte die APA, die amerikanische Vereinigung der Psychiater eine Neufassung des DSM, des Manuals der psychischen Störungen, das auch in Deutschland häufig zum Einsatz kommt, wenn man transsexuelle Menschen begutachtet. Verstand Hirschfeld, der diesen Begriff zum ersten mal 1923 erwähnte, unter "Transsexualität" noch Entgegengeschlechtlichkeit, also eine in der Natur vorkommende geschlechtliche Variation, die dem Bereich der sexuellen Zwischenstufen zuzurechnen sei, spricht man nun in der Neufassung des DSM, der ab Mai 2013 gelten soll, von "Gender Dysphorie", der Unstimmigkeit zwischen angeblichem Geburtsgeschlecht und sogenannter "Gender Identity". Zu der Gruppe der "Experten", die dem Zirkel derer angehören, welche über die Neufassung des DSM debattierten, gehörte auch der oben bereits erwähnte Friedemann Pfäfflin, der sich als Transsexuellengutachter, wie andere aus seinem Fach, heute noch von Betroffenen dafür bezahlen lässt, wenn er diesen ihre - bislang "Geschlechtsidentitätsstörung" genannte - "Dysphorie" bestätigt, damit diese ihre Papiere ändern lassen können. Dass transsexuelle Menschen sich damit gleichzeitig ihr Wissen über ihr eigentliches Geschlecht als widernatürlich bestätigen lassen müssen, da hier Transsexualität als "Wunsch" und nicht als Entgegengeschlechtlichkeit verstanden wird, und der Gesetzgeber bis heute im sogenannten "Transsexuellengesetz" psychiatrische Begutachtungen fordert, nur als Information am Rande.

Sophinette Becker, selbst Sexologin und Verwalterin des Nachlasses von Volkmar Sigusch, dessen Frankfurter Institut für Sexualwissenschaft bis 2006 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main existierte, führt in einem Artikel aus dem Jahr 2012 aus, dass es heute vielfältige Lösungswege gebe für Menschen mit Geschlechtsidentitätsstörungen, die ja nun in Zukunft Menschen mit "Gender Dysphorie" genannt werden sollen, wobei der Begriff "Gender Dysphorie" selbst bereits in den 70er in der Fachliteratur verwendet wurde, um "Geschlechtsidentitätsstörungen" zu beschreiben. Menschen mit "Geschlechtsdysphorie", so Hertha Richter-Appelt, eine Sexologin vom UKE Hamburg-Eppendorf, die immer mal wieder Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung war, in einer noch recht frischen Veröffentlichung der Bundeszentrale für politische Bildung, sei eine "Irritation des subjektiven Geschlechtserlebens".

Von Anerkennung geschlechtlicher Normvarianten, die in der Natur vorkommen, und bereits von Hirschfeld erforscht und festgehalten wurden, ist von den Damen und Herren Sexualwissenschaftlern bis heute wenig zu hören. Eine Geschlechtervorstellung, in der Homosexualität als Lifestyle und Entwicklung einer "psychosexuellen Entwicklung" in der Kindheit, Intersexualität als Störung der Geschlechtsentwicklung (DSD, disorders of sex differentiation) und Transsexualität als nicht existent, sondern lediglich als "Geschlechtsumwandlung" von Menschen mit "Gender Dysphorie", angesehen wird, ist wenig anders als die Vorstellung derer, die Magnus Hirschfelds Forschung schon damals in den 20er-Jahren nur als Theorie ansahen und geschlechtliche Normvarianten aus dem öffentlichen Bewußtsein tilgen wollten.

Da die kritischen Stimmen im öffentlichen Bewußtsein bis heute fehlen oder wenig gehört wurden, und zudem eine Aufarbeitung der Medizinverbrechen, die aus geschlechtlicher Fremdbestimmung bis heute hervorgehen, in Deutschland nur halbherzig betrieben wird, ist kaum verwunderlich, dass in der öffentlichen Wahrnehmung transsexuelle Menschen immer noch als "geschlechtsumgewandelt" verstanden werden und selbst angesehene Zeitungen und Medienhäuser weiterhin unreflektiert behaupten können, eine transsexuelle Frau wäre mal als Junge geboren worden. Dass sich in den meisten Medienbeiträgen Männer auch ganz selbstverständlich "fühlen können wie Frauen", obwohl kein Mensch auf dieser Welt in der Lage ist, dieses Gefühl tatsächlich zu beschreiben, weil man nur wie sich selbst fühlen kann und dies genauso wenig hinterfragt wird, wie der Begriff "Geschlechtsumwandlung", der ja bedeuten müßte, dass die Veränderung eines Stücks Fleisch bereits eine Veränderung des Geschlechtes wäre, zeigt, dass da etwas vorhanden sein muß, was Freud Verdrängung nennen würde. Wenn eine komplette Gesellschaft sich darauf geeinigt hat, diese Verdrängung gemeinsam zu betreiben, ist Kritik unerläßlich.

Diese Kritik ist sogar selbst oder gerade dann um so notwendiger wenn auch transsexuelle Menschen, die Klischees, die über sie existieren, annehmen und sich selbst als "umgewandelt", als "ehemalige Männer" oder "ehemalige Frauen" bezeichnen. Wenn geschlechtliche Vorstellungen über Geschlecht sich nicht mehr an biologischen Realitäten orientieren und wissenschaftliche Erkenntnisse über geschlechtliche Normvarianten keine Rolle mehr spielen sollen und sich daraus ergibt, dass Stereotype wichtiger werden, als die Realität, gerade dann ist der Zeitpunkt für Emanzipation genau der richtige. Wenn Emanzipation bedeutet, sich frei zu machen von Klischees und Fremdbestimmung, dann sind diejenigen, die sich emanzipieren, immer gegen den vorherrschenden Zeitgeist selbst-bewußt und niemals mit ihm. Der Einsatz der Frauenbewegung war deswegen nicht etwa falsch, obwohl es genügend Frauen gegeben hatte, die sich frewillig mit der Rolle als Hausfrau am Herd abgefunden hatten, sondern genau deswegen richtig. Und genauso richtig ist es heute, dass es auch in Reihen der für nicht-existent erklärten transsexuelle Menschen welche gibt, die sagen, dass sie existieren, obwohl sie von der deutschen Sexologie bis heute als nicht-existent erklärt werden oder man sie als "gender dysphorisch" umdeutet um sie damit unsichtbar zu machen.

Transsexuelle Menschen sind weder „geschlechtsumgewandelt“, transsexuelle Frauen waren keine Männer und transsexuelle Männer keine Frauen. Man kommt nicht mit einem Vornamen zur Welt, sondern er wird einem gegeben, und der Beginn eines transsexuellen Coming Outs ist keine „Irritation des Geschlechtserlebens“ sondern die Bewußtwerdung des eigenen Geschlechts. Wer damit ein Problem hat, ist der, der ein Problem hat und nicht umgekehrt. Es wird Zeit, sich mit diesem Problem zu beschäftigen.
 
17.10.2012

Unterstützt folgende Petition:


Ich bin nicht krank, ich bin großartig.

Aber die Weltgesundheitsorganisation (WHO) besteht darauf, mich als "psychisch krank" zu bezeichnen. Transsexualität ist immer noch auf der WHO-Liste unter psychischen Krankheiten gelistet. Transsexuelle Menschen als "psychisch krank" zu nennen, verstärkt die Diskriminierung.

Zahlreiche Länder haben die WHO bereits aufgefordert, den Begriff von der Liste zu streichen. Sogar das Europäische Parlament hat im September 2011 eine Resolution verabschiedet, in der die WHO aufgefordert wird, Transsexualität nicht länger als psychische Krankheit zu betrachten. Trotzdem hat sich bis heute nichts geändert.

Die WHO ist aktuell dabei, die Klassifizierung erneut zu prüfen. Es ist an der Zeit, laut und deutlich zu fordern: Transsexuelle Menschen sind NICHT psychisch krank. Genauso wie Homosexualität 1990 von dieser Liste gestrichen wurde, ist jetzt der Moment gekommen, transsexuelle Menschen nicht länger zu diskriminieren.

Der 20. Oktober ist der Aktionstag für die Entpathologisierung von transsexuellen Menschen und Transgendern. Unterzeichnen Sie jetzt diese Petition und fordern Sie die Weltgesundheitsorganisation dazu auf, Transsexualität nicht länger als psychische Krankheit zu listen.

Auch Menschen, die von einer geschlechtlichen Norm abweichen, brauchen einen Anspruch auf medizinische Leistungen, ohne als psychisch krank zu gelten.

Unterzeichnen Sie die Petition. Wir sind nicht psychisch krank. Wir sind Menschen.


PETITION HIER MITZEICHNEN: KLICK

Unterstützer in anderen Ländern:

In Italien wird die Petition von der italienischen Politikerin Vladimir Luxuria unterstützt. Auf die Frage, warum sie diese Petition unterstützt, schrieb sie:
"I AM NOT CRAZY. I have been member of the italian parliament, actress, writer and performer. [...] WE are people who just want to adapt the body we happened to be born with to our intimate soil and self perception.
Please help us to ask WHO to review its manual.
I am not crazy, I am just crazy for love, happiness and truth."

In Kanada steht das Model Jenna Talackova Patin für diese Kampagne. In einen Artikel der Zeitung Metro (Vancouver) wird sie wie folgt zitiert:
“‘I’m not sick at all,‘ she says in an email urging supporters to sign the petition at change.org. ‚This is ridiculous, especially coming from a UN agency, and only increases the stigma and discrimination trans people face every day.‘”

 
12.08.2012
In der letzten Zeit werden wieder viele Begriffe durcheinander gebracht oder synonym verwendet, die aber alle andere Bedeutungen haben. Da gibt es Zeitungsartikel, in denen transsexuelle Menschen mit Transvestiten verwechselt werden:

"Die ehrwürdige Universität Oxford hat beschlossen, dass nun endlich auch Frauen beim Examen Hosen tragen dürfen – und Männer Röcke. [...] Die Begründung lautet nämlich, dass geschlechtsspezifische Garderobe unfair sein könnte gegenüber transsexuellen Studenten."
(Die Zeit, Jens Jessen 10.08.2012)

Moment, liebe Zeit: Wenn es z.B. um Männer geht, die Kleidung tragen, die dem "weiblichen Geschlecht" zugeordnet wird, nennt man diese Männer "Transvestiten" bzw. "Crossdresser". Gut. Aber auch die Verwechselung von Transsexualität mit Transidentität ist wieder ziemlich hip gerade.

Was aber ist der Unterschied zwischen "Transidentität" und "Transsexualität"?

"Transsexualität" ist ein Begriff, der auf Magus Hirschfeld zurück geht. 1923 beschrieb er Menschen, die körperliche Merkmale des einen Geschlechtes hatten, aber sagten, sie gehörten dem anderen an. "trans" steht dabei für "entgegen" und "sexualität" für "das Geschlecht" (sexus). Übersetzt bedeutet "Transsexualität" also "Entgegengeschlechtlichkeit". Da 1923 genitale Operationen alles andere als üblich waren (und Hirschfeld in erster Linie Beobachter von Menschen war, die er als Angehörige der "sexuellen Zwischenstufen" beschrieb), leuchtet es ein, dass Hirschfeld wohl annahm, dass es transsexuelle Menschen per se in der Natur gibt, und transsexuelle Menschen sich zu ihrer Entgegengeschlechtlichkeit dann irgendwann äussern. Heute würde man sagen: Ein transsexueller Mensch löst sich von äusseren Zwängen, und erlebt irgendwann sein Coming Out. Beispiel: Eine transsexuelle Frau erkennt, dass sie trotz Penis (genitalien) und männlicher Rolle (gender) eine Frau ist. Da die meisten transsexuellen Frauen diese Selbsterkenntnis auch nach Aussen zeigen wollen, lehnen sie es ab, mit ihrer angeblich "männlichen Rolle" oder mit ihren "männlichen Genitalien" in Verbindung gebracht zu werden.

Wichtig ist nun zu verstehen, dass die die Idee und der Begriff "Transsexualität" davon ausgehen, dass Geschlecht vielfältig ist (im Sinne Hirschfelds "Zwischenstufen"), und es hier allerlei biologische Abweichungen zu der Vorstellung einer Adam-und-Eva-Weltvorstellung gibt. "Transsexualität" meint: Da gibt es Mädchen, die mit Penis und Hoden geboren werden und Jungs, die mit Vagina und Gebärmutter auf die Welt kommen.

"Transidentität" geht von einer völlig anderen Vorstellung aus. Leider wird gerade von denen, die an das Konzept "Transidentität" glauben, immer wieder behauptet "Transidentität" und "Transsexualität" wären das selbe. Dies ist aber wei weitem nicht so. "Transidentität" geht davon aus, dass ein Mensch geboren wird, und später eine "Geschlechtsidentität" entwickeln wird. Diese "Geschlechtsidentitätsentwicklung" nennt die Psychoanalyse beispielsweise "Psychosexuelle Entwicklung". Nun wird gesagt, dass es Menschen gibt, bei denen diese angebliche Entwicklung nicht so abläuft, dass diese zu den geschlechtlichen Normvorstellungen passt. Die Psychologen nennen dann eine von der Norm abweichende "Geschlechtsidentitätsentwicklung" dann in der Regel "Gender Dysphorie" oder klassifizieren das dann als "Geschlechtsidentitätsstörung". Eine "Transidentität" entsteht also - im Gegensatz zu "Transsexualität" - erst. Z.B. durch Einflüssen der Erziehung, aber auch biologische Prädispositionen werden hier gerne angeführt.

Anhänger der "Transidentitäts"-Theorie sind dann häufig Menschen aus der Psychologie oder Menschen, die sich den Weltanschauungen bestimmter Psychologen bzw. Psychoanalytiker unterordnen. So tauchen u.a. in einem Zeitungsartikel des Kölner Stadtanzeiger vom 9.8.2012 ein paar Namen auf, die davon ausgehen, dass "Transidentität" erst entstünde:

Jenseits der Geschlechtergrenze

Sexologen wie Friedemann Pfäfflin aus Ulm, aber auch Unterstützer wie Augstein und Lessenich, die in dem Artikel zitiert werden, waren in Vergangenheit massgeblich dafür mitverantwortlich, dass das Wissen um die Existenz transsexueller Menschen langsam einer "Transidentitäts"-Weltsicht weichen konnte, indem sie "Transsexualität" nicht als besondere Geschlechtlichkeit, sondern als "Gefühl", "Empfinden" oder Entwicklung beschrieben. Möglich sogar, dass dies in ihren eigenen Lebensläufen so gewesen ist. So ist auf der Website von Jean Lessenich folgendes zu lesen:

"Lessenich nimmt wohltuend Abstand von den hartnäckigen transsexuellen Stereotypen, 'immer schon' eine Frau gewesen zu sein oder eine weibliche Seele in einem männlichen Körper zu haben."

Dass die Vorstellung von Geschlechtsumwandlungen per OP-Schere, sowie der Glaube an Geschlechtsrollen viel stereotyper ist, als per se existente geschlechtliche Vielfalt anzuerkennen (wie Magnus Hirschfeld, der diese "sexuelle Zwischenstufen" nannte und geschlechtliche Vielfalt anerkannte), möchte ich nur mal so nebenbei erwähnen. Viel ärgerlicher ist es, dass Menschen wie Pfäfflin, Augstein und Lessenich, die an ein "Transidentitäts"- und "Geschlechtswechselkonzept" glauben, immer noch als tonangebend auf Redakteure in Deutschen Zeitungshäusern wirken können, obwohl ihre Weltvorstellung längst als Irrnisse einer gestrigen Generation bezeichnet werden könnten. Dass Augstein und Pfäfflin dabei ganz vergessen, dass sie ja mitverantwortlich für das Transsexuellengesetz sind, das heute noch auf dieser stereotypen Geschlechtsumwandlungs-Weltanschauung basiert und für regelmässige Diskriminierungen sorgt, verwundert genauso, wie das, wie sie diese Verantwortung heute verstanden haben wollen. So äussert Friedemann Pfäfflin in dem Artikel des Kölner Stadanzeigers dreist:

"Früher mussten Transsexuelle dafür kämpfen, operiert zu werden und den Namen ändern zu dürfen, heute kämpfen sie gegen den Zwang, sich operieren lassen zu müssen"

Dass der Mann immer noch nicht verstanden hat, dass Namensänderung und genitale Operationen zweierlei sind, und lediglich die Verknüpfung von TSG und OP- wie Begutachtungszwang von den Betroffenen kristisiert wird, da diese mittlerweile verstanden haben, dass nicht das TSG oder eine OP sie transsexuell macht, sondern sie tatsächlich existieren, spricht dabei Bände. Es zeigt, dass manche Menschen immer noch nicht anerkennen können, dass Transsexualität nichts mit Identitätsproblematiken zu tun hat, sondern tatsächlich Menschen existieren, die geschlechtlich von einer Norm abweichen. Es mag Pfäfflin kränken, dass transsexuelle Menschen sich von ihm, wie von anderen Psycho-Gutachtern, die Transsexualität nicht als geschlechtliche Normvariante anerkennen wollen, mittlerweile abwenden und seiner Eitelkeit zu verdanken sein, dass er sich dabei sogar noch als Gewinner sieht. Besser wäre aber, wenn die Generation "Geschlechtsumwandlung" langsam abtreten würde, anstatt so zu tun, als hätte sie dafür gesorgt, dass es transsexuellen Menschen heute besser ginge.

In der Realität war es nämlich genau andersherum: Immer wieder mussten transsexuelle Menschen ihre Rechte einklagen, weil das, was Sexualwissenschaftler, die in den 70ern aktiv waren, ausgedacht hatten, in der Realität auf Grund seiner Paradoxidität zwangsläufig schief gehen musste. Ein TSG, das auf der Annahme von "Geschlechtsumwandlungs"-Ideen, sowie der Vorstellung von Männern, die "Frauen werden" und Frauen, die zu "Männern werden", basiert, wird immer Unsinn bleiben müssen, da eine Weltanschauung in der von "Biologisch eindeutigen Geschlechtern" (was ja u.a. auch Hertha Richter Appelt in Hamburg gerne in Bezug auf transsexuelle Menschen äussert) einerseits und angeblich davon abweichenden Empfindungen andererseits (was dann von den Leuten, die an diese Teilung glauben, "Gender Dysphorie" genannt wird) in sich immer das Problem beinhaltet, das am Ende doch wieder interpretiert wird, was als "biologisch" zu gelten hat und damit automatisch immer geschlechtliche Fremdbestimmung dabei herauskommt.

Der Glaube an "Geschlechtsumwandlungen" und so etwas wie eine "psychosexuelle Enwicklung" führt also zu geschlechtlicher Fremdbestimmung. Und dass transsexuelle Menschen keine Lust mehr auf diese Fremdbestimmung haben, liegt nicht an den Verdiensten von Pfäfflin und Augstein, sondern daran, dass viele einzelne transsexuelle Menschen sich in ihrem eigenen Leben immer mutiger gegen Fremdbestimmung zur Wehr setzen. Immer mehr transsexuelle Menschen lässen sich nicht mehr gefallen, wenn sogeannnte "Sexualwissenschaftler" sie als psychisch krank erachten. Das ist nicht etwa ein Verdienst der "Sexualwissenschaft", sondern ein Verdienst des Selbstverständnisses, das transsexuelle Menschen - entgegen der wirren Theorien einer geschlechtsumwandlungsgläubigen Sexualwissenschaft - mittlerweile gewonnen haben. Sie wissen, dass sie existieren.

Klar, dass der sogenannte "Backlash", die Rückkehr zu konservativen Vorstellungen da nicht weit ist, und so etwas wie ein Versuch existieren wird, in der Öffentlichkeit das Bild vom "geschlechtsumgewandelten" Menschen zu propagieren, wenn man selbst Anhänger dieser Theorien ist. Liebe Zeitungsredakteure, macht es nicht Sinn, genau hier kritisch zu sein, und genau hin zu schauen? Manchmal macht Recherche nämlich Sinn. Es ist ja nicht so, dass diese nicht möglich wäre. Da wäre es ja schon mal ein Anfang, sich darüber Gedanken zu machen, was die Begriffe "Transsexualität", "Transidentität" und "Transvestiten" unterscheidet. Und wenn man bereit ist zur Recherche stösst man da eventuell auf etwas.

Ich möchte es mal versuchen, den Unterschied zwischen "Transsexualität" und "Transidentität" noch einmal kurz zusammenzufassen:

"Transvestiten" = Es gibt Menschen, die sich bezogen auf ihre Selbst- und Fremdwahrnehmung wie das "Gegengeschlecht" kleiden

"Transsexualität" = Es gibt Menschen, bei denen bestimmte körperliche Merkmale vom eigentlichen Geschlecht abweichen

"Transidentität" = Es gibt Menschen, die sich mit dem Gegengeschlecht (bezogen auf ihr biologisches Geschlecht) identifizieren

Das der Begriff "Transgender" wieder etwas anderes bedeutet und auch nicht jeder transsexuelle Mensch zwangsläufig "transgender" (gender = soziales Geschlecht, Rolle) sein muss, lasse ich jetzt einfach mal weg. Denn das ist dann eine andere Geschichte. Schön wäre aber, wenn hier nicht immer Begriffe synonym verwendet würden, die nichts miteinander zu tun haben, und sogar völlig konträre Weltanschauungen beinhalten. Für transsexuelle Menschen ist es in der Regel ziemlich verletzend zu behaupten, sie auf stereotype Kleidungsvorlieben zu reduzieren oder zu behaupten, sie hätten eine "Gender Dysphorie", weil bei ihnen angeblich ihr "Empfinden" vom "biologischen Geschlecht" abweiche. Denn bei transsexuellen Menschen ist genau das gerade nicht der Fall.

Letztlich aber, wäre es einfach nur schön, wenn Zeitungsschreiber anerkennen könnten, was vor gut 100 Jahren bereits Wissen war: Dass transsexuelle Menschen existieren. Die Idee einer "Geschlechtsidentitätsentwicklung"/"psychosexuellen Entwicklung" braucht es dazu gar nicht. Man muss nur in der Lage sein, anzuerkennen, dass das Konzept Adam und Eva nichts mit der geschlechtlichen Natur des Menschen zu tun hat und jeder Mensch sich in vielen Kontinua zwischen männlich und weiblich befindet.

Manche Menschen sind eben transsexuell. Einfach so.
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Anmerkung: Friedemann Pfäfflin ist ein Sexologe und Gutachter, der sich auch in mehreren Fällen gegen die medizinische Behandlung transsexueller Menschen ausgesprochen hat und hält Transsexualität bis heute nicht für eine geschlechtliche Normvariante, sondern für eine psychische Befindlichkeit. Die Menschenrechtsorganisation ATME e.V. fordert, dass Sexologen, die abstreiten, dass transsexuelle Menschen per se existieren nicht weiter aus Bundes- sowie Landesgeldern finanziert werden.
 
26.06.2012
Nur so viel...
Ein wichtiger Link, der Unterstützung verdient:

http://www.tsgreform.de/deine-unterschrift/

Bitte weitersagen.
 
21.06.2012
Es ist schon erstaunlich. Da denkt man erst, wir wären schon viel weiter in Sachen Transsexualität und öffentliches Bewusstsein, doch seltsamerweise dreht sich dann doch so manches im Kreis. Spannend ist, wie das zur Zeit so läuft. Im öffentlichen Bewusstsein gibt es immer wieder diese Geschichten von Transsexualität und es erscheinen 'ne Menge Artikel zum Thema. oder sagen wir mal so... der Begriff "Transsexualität" dient immer häufiger als Aufhänger für Geschichten, in denen es dann doch nicht um Transsexualität geht. Das erfährt man dann, wenn man solche Geschichten liest. Da heisst es dann, dass es eigentlich um "Transidentität" ginge, oder sogar um "Transgender". Und schwupps geht es plötzlich auch nicht mehr darum, dass eine transsexuelle Frau beispielsweise eine Frau ist, sondern eigentlich ein biologischer Mann, der sich irgendwie als "Frau fühlt" und das dann als vom Geburtsgeschlecht abweichende Geschlechtsidentität verstanden und verkauft wird. Wenn das dann mit Geschlechtsrollen (oder besser deren Klischees) garniert wird, heisst das dann "Transgender", also das Auftreten in einer vom Geburtsgeschlecht abweichenden Geschlechtsrolle.

Das traurige daran ist, dass es im Kern also gar nicht mehr um Transsexualität geht, auch nicht darum transsexuelle Menschen als existent anzuerkennen, sondern so zu tun, als wäre das "biologisch" genannte Geschlecht eine 1-zu-1-Kopie eines Zweigeschlechterweltbildes, und Menschen, die dann feststellen, dass die geschlechtlich anders sind, dann als "abweichend" zu einer behaupteten "Biologie" genannt werden (und man diese Abweichung dann als Verfehlungsweise bezeichnet). Aus einer tatsächlich existierenden Vielfalt wird dann per Definition eine subjektive Befindlichkeit. Und für subjektive Verbindlichkeiten braucht eine Gesellschaft, so wohl der Plan, keine Verantwortung mehr. Zweigeschlechtermodell gerettet - die die abweichen, obwohl sie einfach nur sie selbst sind, sind dann Menschen, die nicht zur als "biologisch" behaupteten Realität gehören sollen.

Interessant, dass wir das alles hatten, als ich 2006 mit diesem Blog begonnen hatte. Das Karussell ist also einmal im Kreis herum, und wir sind wieder da, wo wir begonnen hatten. Die Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt scheint also eine sehr schwere Angelegenheit zu sein.

Was abweicht von der behaupteten "Biologie" muss dann natürlich auch erfasst und kontrolliert werden. Dazu gibt es seit jeher die sogenannte "Sexualwissenschaft". Ging es den Sexologen seit der Nazizeit (die dann ja u.a. auch die bundesdeutsche Sexualwissenschaft mitbegründet hat wir Hans Giese oder Bürger-Prinz, beides NS-Angehörige) immer auch um Homosexualität oder Intersexualität, so ist eben auch Transsexualität eines der Gebiete, die nicht einfach so existieren darf, sondern man dafür erst eine Beurteilung durch selbsternannte Experten benötigt. Es könnte ja die Welt untergehen, wenn man Menschen einfach nur so lässt, wie sie sind.
Und so haben wir heute homosexuelle Menschen, die solange schwul oder lesbisch sein dürfen, solange sie im Alltag damit nicht auffallen und schön in ihren Schwulenbars bleiben. Wir haben intersexuelle Menschen, die in den letzten Jahren dafür gekämpft haben, dass auch sie denn "rosa Winkel" tragen dürfen - von wegen Kampf um Anerkennung des sogenannten "3. Geschlechts", was bei näherer Betrachtung die nächste Ausgrenzung (hier sogar selbstgewählt) bedeutet und somit automatisch immer medizinische Kontrolle mit sich bringt... denn wo ein 3. Geschlecht als Mitte zwischen zweien Verstanden wird, kann man bestimmten Menschen nach bestimmten Kriterien eben ein medizinisches Label auf die Stirn pappen - und wir haben Menschen, die unter dem Thema "Transsexualität" eine Identitätsproblematik verstehen und so tun, als wäre ein transsexueller Mensch "biologisch eindeutig" das "eine" Geschlecht, fühlten sich aber wie das "andere".

Nein, machen wir uns nichts vor. Das Hamsterrad ist noch lange nicht verlassen. Es ist die mangelnde Konsequenz, die dazu führt, dass wir uns immer noch in ihm befinden. Man kann nicht gleichzeitig homosexuell sein, aber hetereosexuelle Werte vertreten. Man kann nicht intersexuell sein, und gleichzeitig medizinische Definitionen von Intersexualität akzeptieren, die wieder nur Kontrolle und Machtmissbrauch bedeuten. Man kann auch nicht transsexuell sein, und gleichzeitig so tun, als wäre man es nicht.

Edit/Nachtrag:

Auf meinen Text hin bekam ich die Frage, was Giese und Bürger-Prinz den getan haben, ausser Bürger eines nationalsozialistischen Staates gewesen zu sein. Daher möchte ich ein paar Buchzitate und Infos nachliefern.

In "Halali 1" von Moritz Priol (Orpheus, 2009, Seite 48ff) steht:

"Hans Bürger-Prinz aus Weinheim war 35 Jahre alt und Oberarzt der Universitätsklinik Leipzig, als Adolf Hitler in Berlin die Regierungsmacht übernahm."

Er wurde 1933 Mitglied nicht nur des NS-Ärztebundes, des NS-Dozentenbundes und des NS-Lehrerbundes, sondern u.a. auch der NSDAP und der SA. 1937 dann folgte die Ernennung zum Ordinarius und Leiter des Hamburger Universitälskrankenhauses Eppendorf, "wo er mit Insulin und Cardiazol schon 1937 sogenannte Schockbehandlungen einführte. Die Sterberale seiner Patienten war 'extrem hoch') und erreichte 1941 ihren Rekord.", schreibt Priol in seinem Buch.

Weiter heisst es: "Als ehrenamtlicher Richter am Erbgesundheitsgericht war Bürger-Prinz jetzt auch 'an Euthanasie-Projekten insofern beteiligt, als er Patienten kategorisierte und wissen mußte, was mit denen geschah, die er als hoffnungslose Fälle eingestuft und verlegt hatte. [... ] Viele Patienten gingen in Vernichtungslager'"

Sybille Steinbacher führt in "Wie der Sex nach Deutschland kam" (Siedler Verlag, 2011, Seite 243ff) aus:

"Der Psychiater Hans Bürger-Prinz hatte 1936 die Leitung der Psychiatrischen Klinik und Nervenklinik der Universität Hamburg übernommen und war dort Mitglied eines Erbgesundheitsgenchts gewesen, das Urteile in sogenannten Euthanasiefällen sprach." und "Giese, der sich gern von Bürger-Prinz unter die Fittiche nehmen ließ, war dessen Auffassung sehr vertraut. Aus dem Dritten Reich ging auch er ohne Blessuren hervor. Giese war als Amtsleiter für politische Kameradschaftserziehung an der Universität Frankfurt und in derselben Funktion in der örtlichen Gaustudentenführung tätig gewesen [...]"

Zu der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung, die Giese nach dem Krieg gründete, schreibt sie:

"Gieses Institut firmierte unter dem Dach der, ebenfalls von ihm initiierten, Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung; zum Vorsitzenden wählte die Erste Sexualwissenschaftliche Arbeitstagung Hans Bürger-Prinz. Giese zögerte nicht, dessen Homosexualitätsvorstellungen zu übernehmen, die dieser einst dem NS-Staat als wissenschaftliches Konzept über das Wesen und die »Staatsgefährhchkeit« von Homosexuellen geliefert hatte. Viele Begriffe und Bewertungen von Bürger-Prinz bildeten die Grundlage von Gieses eigenen Überlegungen  und fanden sich (nicht selten ohne Nachweis) in seinen Studien wieder [...] Die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung beteiligte sich am institutionalisierten Sittlichkeitskampf".

Im Buch "Homosexuelle Männer in Berlin nach 1945" von Andreas Pretzel (LIT Verlag Münster, 2002, Seite 293-294) heisst es:

"Auch Hans Giese war dieser Auffassung. Allerdings lehnte der Frankfurter Psychiater die These vom Angeborensein der Homosexualität ab, wie sie Becker oder Klimmer in Anlehnung an Hirschfeld propagierten. Bereits in der NS-Zeit war es zur Auseinandersetzung über diese Frage gekommen. Zunehmende Deutungshoheit und Anerkennung hatten die Auffassungen von Psychiatern, u. a. des Hamburger Professors Hans Bürger-Prinz erlangt, die eine genetische Veranlagung zurückwiesen und statt dessen soziale Einflüsse und pathologisch erscheinende individuelle Verfehlungsweisen favorisierten. Dieser Auffassung hatte sich auch der Medizinstudent Hans Giese während der NS-Zeit zugewandt."


Die Widernatürlichkeitsargumentation in Sachen geschlechtliche Abweichungen hält sich bis heute.
 
17.05.2012
Kritische Gedanken zum 17. Mai, dem Tag auch gegen Transphobie, oder, warum ich die "Transgender"-Ideologie selbst für transphob halte:

Es gibt Menschen, die Transsexualität nicht als natürliche geschlechtliche Normvariante verstehen und sich gesellschaftlichen Klischeevorstellungen über Geschlecht häufig unterordnen, in dem sie eine Trennung zwischen dem, was sie "körperlich-biologisches Geschlecht" nennen einerseits und dem psychischen (dem ihrer Ansicht nach "unbiologischen") Geschlecht andererseits propagieren. So sagen sie, es gebe beispielsweise "biologische Männer, die sich wie Frauen fühlen". Dieses "Fühlen-Wie" leiten sie aus gesellschaftlichen Prozessen ab und nennen dieses Geschlecht "gender". "Gender" meint hier soziales Geschlecht und das "Fühlen-Wie" nennt sich "Gender Identity" bzw. "Geschlechtsidentität". Wer sein soziales Geschlecht wechselt, da er sich mit einem "anderen" sozialen Geschlecht als dem sogenannten Geburtsgeschlecht identifiziert, sei "transgender".

Vertreter dieser Weltanschauung fallen in der Regel dadurch auf, dass sie entweder Biologie und Nicht-Biologie trennen, oder sogar sagen, dass es so etwas wie ein "biologisches Geschlecht" gar nicht gibt. Beiden gemeinsam ist, dass die Ableitung, die sie aus ihrer Wunschvorstellung treffen in der Folge entweder stereotype Vorstellungen über das, was als "biologisches Geschlecht" zu gelten hat, bestätigen oder sogar, analog der Behauptung es gebe kein "biologisches Geschlecht", Geschlecht lediglich als Ausdruck des Handelns, dem, was als "doing gender" bekannt ist, zulassen wollen. Wer in einem bestimmten Geschlecht wahrgenommen werden will, muss eine geschlechtliche Handlung vollziehen, um als er selbst wahrgenommen zu werden, so die These. Die Folgen dieser Ideologie sind fatal, wenn es um in der Natur vorkommende geschlechtliche Abweichungen geht - denn wer nicht bereit oder willens ist, geschlechtlich zu Handeln, sondern darauf hofft, dass eine Aussage wie z.B. "ich bin ein Mädchen" auch ohne geschlechtliche Beweise akzeptiert wird, wird, insofern er auf einen Anhänger der "transgender"-Ideologie stösst, bitter enttäuscht werden.

Die "transgender"-Idee stammt aus der Zeit, in der die Psychopathologisierung transsexueller Menschen als Menschen mit "gender dysphorie" in medizinisch-diagnostische Manuale Einzug hielt: Ende der 60er-Jahre, Anfang der 70er des letzten Jahrhunderts. Seit dieser Zeit wird beispielsweise im Manual der psychischen Störungen eine "gender identity disorder" (oder in Fachbüchern auch "gender dysphoria") an behaviouristischen Merkmalen - also an dem, was ein Mensch für eine "geschlechtliche Handlung" zeigt - festgemacht. Bei Kindern werden diese geschlechtlichen Verhaltensweisen an Spielzeug, Kleidung und Vorlieben gemessen. Aber auch erwachsene Menschen, die transsexuell sind, werden seit dieser Zeit verstärkt darin getestet, welche "geschlechtliche Rolle" sie in der Gesellschaft spielen wollen und ihr geschlechtliches Verhalten als Voraussetzung für medizinische und rechtliche Behandlung vorgeschrieben. Transsexuelle Menschen kennen diese Voraussetzungen, die sich streng nach der Ideologie des "doing gender" richten, unter dem Namen "Alltagstest".

Man könnte annehmen, dass die Theorien, die Geschlecht als Folge von Handlung erachten und in der Folge zu massiven Menschenrechtsverletzungen geführt haben (wie z.B. der Annahme, dass Menschen hier solche geschlechtlichen Handlungen als Kriterium heranziehen dürfen, um über medizinische Behandlung oder juristischen Stand von Aussen zu entscheiden) längst Vergangenheit sind und als unrühmliches Kapitel einer stereotyp-verstaubten Phase des letzten Jahrhunderts längst abgehakt sind. Doch weit gefehlt.

Auch wenn seit Jahrzehnten bekannt ist, dass Geschlecht in der Natur vielfältig ist, und daher eine Selbstaussage eines Menschen, der von einer geschlechtlichen Norm abweicht, immer auch, konsequenterweise, eine Aussage über sein "biologisches Geschlecht" sein muss, tauchen, wenn es um die rechtliche und medizinische Handhabe (über Menschen!) geht, häufig immer noch diejenigen auf, die Vertreter dieser konservativen und fremdbestimmenden Haltung sind. Eine Weltanschauung, die von einem Menschen mit geschlechtlicher Normabweichung verlangt, sich geschlechtlich zu verhalten, und ihm seine geschlechtliche Anerkennung so lange verwehrt wird, solange er sich für Aussenstehende nicht ausreichend genug geschlechtlich verhalten hat (im Sinne eines "doing gender"), muss zwangsläufig zu Menschenrechtsverletzungen führen. Wer Geschlecht an gesellschaftlichen Merkmalen, also Klischees, festmacht und "gender" als Kriterium der geschlechtlichen Zuordnung heranzieht, anstatt einen Menschen in seinem geschlechtlichen Selbst zu akzeptieren, betreibt geschlechtliche Fremdbestimmung.

Als logische Folge dieser Überlegung möchte ich folgende konsequente These treffen: Die "Transgender"-Idee ist immer ein Versuch der geschlechtlichen Fremdbestimmung. Wer selbst Angehöriger dieser Weltanschauung ist, will Menschen von Aussen zuordnen, anstatt ihnen ihr Recht auf Anerkennung ihrer geschlechtlichen Existenz zu gewähren. In dem, was als Handlung von Menschen, die sich selbst in ihrem Geschlecht der Fremdbestimmung - und damit einem hierarchischen System - unterwerfen, erkennbar ist, gehört dann meist auch das Ansinnen dazu, Menschen mit geschlechtlichen Normabweichungen einem gemeinsamen Gedankengebäude unterzuordnen (was sich dann in der Aufstellung diverser Oberbegriffe wie z.B. "transgender" zeigt), vermutungsweise um diese dann besser kontrollieren und fremdbestimmen zu können.

Auffällig ist, dass Menschen, die selbst stereotype Geschlechtsvorstellungen im Kopf haben, wie die Anhänger der "transgender"-Ideologie, häufig Probleme damit haben, anzuerkennen, dass es z.B. um Frau zu sein, den "performativen geschlechtlichen Akt" überhaupt gar nicht benötigt, sondern z.B. transsexuelle Menschen während ihres Coming-Outes einen Prozess der Selbstanerkennung ihres eigenen Geschlechts durchmachen, der sich noch nicht unbedingt mit einem Outing zeigen muss, aber trotzdem schon das Wissen über das eigene Geschlecht hervorbringen kann - quasi als Selbsterkenntnis über die eigene geschlechtliche Existenz, aus der erst in Folge so etwas werden kann, wie ein Sich-Äussern und ein Sich-Zeigen. Ein Outing eines transsexuellen Menschen und erst die Veräusserlichung des eigenen Wissens durch z.B. medizinische Schritte als "geschlechtliches Werden" oder einen "Geschlechtswechsel" zu verstehen, wertet das Coming-Out eines transsexuellen Menschen als reine psychische Befindlichkeit, ja sogar als Phantasie, irreal eben als "gender dysphorie" bzw. "Geschlechtsidentitätsstörung" ab.

Insofern gehen "transgender"-Ideologie und "gender identity disorder", also die Beurteilung des Selbstwissens eines transsexuellen Menschen über sein geschlechtliches Selbst als psychische Störung/Befindlichkeit immer Hand in Hand - ja, man kann sagen, dass die "transgender"-Idee und die Anerkennung natürlich-geschlechtlicher Normabweichung wie z.B. Transsexualität (aber auch Intersexualität) genau das Gegenteil voneinander darstellen. Kein Wunder daher, dass die Menschenrechtsverletzungen an transsexuellen Menschen - eben die sich aus einer "doing-gender"-Ideologie ergebenden gesetzlichen wie medizinischen Regelungen, in denen geschlechtliche Handlungen verlangt werden, um in seinem eigentlichen Geschlecht anerkannt zu werden - daher in einer Welt, in der Fremdbestimmung hoch gehalten wird, meist ignoriert werden und so getan wird, als wäre "transgender" und "Transsexualität" dasselbe.

Ich bin der Ansicht, dass die Kritik an geschlechtlicher Fremdbestimmung gerechtfertigt ist, und Menschen, die Ideologien für stereotyp und menschenverachtend halten, aus denen sich in der Folge geschlechtliche Unfreiheit ergibt, ein Recht darauf haben, in ihrer Kritik gehört zu werden. Wer hier so tut, als gebe es diese Kritik nicht, ignoriert die geschlechtliche Realität dieser Welt. Und er will nicht wahrhaben, dass die Welt vielfältig ist, und Menschen durchaus in der Lage sind, selbstbewusst zu sein.

Der 17. Mai ist ein Tag, an dem auch an die Opfer von Transphobie gedacht wird. Es ist ein guter Tag um daran zu erinnern, das geschlechtliche Selbstbestimmung da anfängt, wo einem Mensch das Recht zugestanden wird, dass sein Wissen, dass dieser über sein Geschlecht hat, wahr ist. Auch ohne, dass er handelt.

Hinweis für diejenigen, die meinen, dieser Artikel richtet sich gegen Menschen, die sich selbst als "transgender" bezeichnen: Nein, dem ist nicht so. Dieser Artikel richtet sich gegen eine Ideologie die sich "transgender" nennt, und Geschlecht an stereotyp-geschlechtlichen Handlungen festmacht, anstatt Menschen zuzugestehen, dass ein geschlechtliches Selbstwissen möglich ist - und das ganz unabhängig von geschlechtlichen Normen oder Stereotypen. Wer frei ist von geschlechtlicher Fremdbestimmung, kann sich nennen, wie er will. Aber er sollte sich bewusst darüber sein, welche Ideen er unterstützt, wenn er sich einem Begriff unterordnet. Da wohl kein Mensch auf der Welt im Besitz der ultimativen Wahrheit ist, sehe ich meinen heutigen Text als Teil einer Kritik an, die vielleicht dazu geeignet ist, dass sich jemand, der sich das durchliest, ein etwas differenzierteres Bild machen kann um dann seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Übrigens: Ich persönlich halte jegliche geschlechtliche Fremdbestimmung als Grund für Diskriminierung, Hass, Ausgrenzung und Gewalt.

Ergänzung:

Der Artikel wurde inspiriert von Texten, die Geschlechtlichliche fremdbestimmung legitimieren, da sie fast ausnahmslos zwischen echten/biologischen Geschlechtern und gefühlten Geschlechtern (Identität) unterscheiden. Es handelt sich um eine Broschüre der Bundeszentrale für Politische "Bildung":
http://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/135428/geschlechtsidentitaet?blickinsbuch

Als Autoren kommen zu Wort: U.a. Hertha Richter-Appelt, eine Sexologin die zwischen biologisch-körperlichem Geschlecht und psychischem Geschlecht scharf trennt und durchblicken lässt, dass sie eine psychiatrische Diagnose einer "gender dysphorie" auch in Zukunft für legitim erachtet, dann schreibt Reiner Herrn etwas darüber, dass er transsexuelle Menschen für Crossdresser erachtet und deutet in seinem Artikel dafür die Historie um und zu guter letzt kommt Arn Sauer, transmann aus Berlin zu Wort, der in seiner Bertrachtung über die Menschenrechtssituation von "trans*-Menschen" damit nicht transsexuelle Menschen zu scheinen mag, da er die Menschenrechtsprozesse und Berichte transsexueller Menschen der letzten Jahre (von der Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V.) und die wichtigen Reaktionen der Vereinten Nationen darauf völlig ausklammert. Tja, trans* heisst eben doch, dass man transsexuelle Menschen damit nicht meint.

Hier mal der Text mit Anmerkungen von ATME e.V.:

Veröffentlichung der Bundeszentrale für politische Bildung, kommentiert
 
12.05.2012
Am 10. Mai fand in Berlin die 178. Sitzung des Deutschen Bundestages statt. Hier ging es auch um die Frage der Intersexualität. Nun gab es ja eine Expertise des Deutschen Unethikrates zum Thema, in der erneut behauptet wurde, transsexuelle Menschen seien unnatürlich. Der Verein Aktion Transsexualität und Menschenrecht kritisiert bereits seit 2008, ich persönlich sei nunmehr 6 Jahren diese Ignoranz und Nichtanerkennung transsexueller Menschen in Deutschland. Viel ist seither passiert, sogar die Vereinten Nationen haben sich hierzu mehrfach geäussert. Trotzdem können es die Deutschen nicht lassen, transsexuelle Menschen als z.B. "biologische Männer", die sich angeblich "wie Frauen fühlen" zu bezeichnen, um transsexuelle Frauen nicht als Frauen anerkennen zu müssen. Diese Woche habe ich einen Brief von der SPD-Bundestagsabgeordneten erhalten, die wieder einmal bekräftigt, dass daher transsexuelle Menschen kein Recht darauf hätten, ihren juristischen Status ohne Begutachtung korrigieren zu lassen.

Anfang Mai haben Vertreter der Medizin, hier der Sexologie, klar gemacht, wie sie in Zukunft transsexuelle Menschen ansehen will. Nämlich immer noch z.B. als "Männer, die sich wie Frauen fühlen". Die Drafts zum DSM, dem Manual der psychischen Störungen, werden nun zu den neuen Diagnosen einer "gender dysphorie". An der Arbeit zu den neuen Formulierungen im DSM waren auch Vertreter der deutschen Medizin beteiligt.

Nimmt man das zusammen, dann fällt auf: Transsexuelle Menschen werden nach wie vor staatlich wie medizinisch diskriminiert, fremdbestimmt. Die Opfer psychiatrischer Begutachtungen, die täglich sexuellen wie psychischen Missbrauch durch Gutachter eleben können, interessiert wieder mal niemanden. Daher klingen die Worte zu Intersexualität in der 178. Sitzung des Bundestages doch sehr doppelzüngig und wie blanker Hohn.

Christel Humme (SPD):
"Wir müssen dafür sorgen, dass der Medizin die Deutungshoheit über das Phänomen Intersexualität entzogen wird. Es muss Schluss sein mit der Vorstellung, mit chirurgischen Mitteln eine vermeintliche Normalität herstellen zu können."

Mit psychotherapeutischen Umpolungsprogrammen derer, die von einer "gender dysphorie" oder einer "gender identity disorder" als Definition von Transsexualität sprechen eine vermeintliche Normalität herstellen zu können, geht andererseits völlig in Ordnung, wenn man Gabriele Fograscher glauben mag. Wo ist denn die Forderung der SPD danach auch transsexuelle Menschen vor dem Zugriff durch Medizinmissbrauch zu schützen? Seltsam.

Sibylle Laurischk (FDP):
"Wir halten für „normal“ oder „natürlich“, was wir erlebt haben, was unserer Gewohnheit, unserer Neigung und unseren Vorlieben entspricht. Die Gesellschaft, Traditionen, Religion und selbst die Wissenschaft sind oft sehr leichtfertig und vorschnell dabei, bestimmte Entwicklungen zu ihrem Maßstab zu machen und alles Abweichende für „unnormal“, „unnatürlich“ oder „krankhaft“ zu erklären."

Das sagt gerade die Partei, die ebenso meint, transsexuelle Mädchen seien "Jungs, die sich wie Mädchen fühlen" und das sogar auf CSD-Veranstaltungen (CSD 2010, Stuttgart) so öffentlich äussern. Klar, dass auch die FDP weiterhin will, dass Mediziner transsexuelle Frauen als widernatürlich ansehen können. So von wegen "Männer, die sich wie Frauen fühlen" weil sie einen an der Waffel haben, oder so.

Interessant, was die Grünen dazu meinen, die in NRW transsexuelle Frauen vor kurzem noch als "Biologische Männer" bezeichnet haben, und so tun, als seinen transsexuelle Frauen, Männer, die in der Frauenrolle leben wollen (Transgender). Klar doch. Transsexuelle sind die, die man nicht ernst nehmen muss, weil sie eine psychische Störung haben. Habe ja nichts mit dem sogenannten "Biologischen Geschlecht" zu tun. Ehrlich? Daher auch das da:

Monika Lazar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
"Im Ergebnis wurde 2010 dem Deutschen Ethikrat der Auftrag erteilt, den Dialog mit den von Intersexualität betroffenen Menschen und ihren Selbsthilfeorganisationen fortzuführen und ihre Situation und die damit verbundenen Herausforderungen umfassend und unter Einbeziehung der ärztlichen, therapeutischen, sozialwissenschaftlichen und juristischen Sichtweisen aufzuarbeiten und dabei klar von Fragen der Transsexualität abzugrenzen."

Abgrenzen, ausgrenzen, aussondern, Geschlecht schon in Schubladen packen, dann nachmessen, wer das Prädikat "natürliche Geschlechtsvariation" genehmigt bekommt, und wer nicht. Klar, dass dann erstmal die Mediziner wieder messen müssen. Und die, die dann ausgesondert werden (in Zukunft ja auch Menschen mit AGS), sind dann die mit "gender dysphorie". Dazu gibt es ja dann den DSM 5. Da stehen intersexuelle Menschen, oder besser: die, die so genannt werden, bereits drin. Passt irgendwie alles zusammen. Christliches Adam-Eva-Weltbild bestätigt (Der Ethikrat besteht mehrheitlich aus Vertretern amtskirchlicher Weltanschauungen), die Fremdbestimmung wird in Zukunft nett verpackt und keiner merkt es dann, dass die Pläne für die Ausweitung geschlechtlicher Fremdbestimmung weit mehr Menschen umfassen als vorher. Der Trick ist schon gut... man nennt Fremdbestimmung einfach "Selbstbestimmung", lässt sich das von einem christlichen Ethikrat absegnen und schon ist man fein raus aus der Angelegenheit.

Ach ja. Transsexuelle (entgegengeschlechtliche) Menschen existieren trotzdem. Auch wenn ihr immer noch der Ansicht seid, sie einfach wegdefinieren zu können. Das wird nicht klappen. Was ist, ist. Auch wenn ihr weiterhin Menschenrechtsverletzungen an transsexuellen (und intersexuellen) Menschen begehen wollt. Es gibt Menschen geschlechtlicher Normabweichung, die bereit sind, sich zu emanzipieren. Wenn ich die letzten Jahre betrachte hat sich zumindest das geändet, selbst wenn ihr noch immer genauso menschenverachtend über transsexuelle Menschen denkt, liebe deutsche Politiker, wie vor über einem halben Jahrzehnt.

Übrigens: Intersexualität, Transsexualität und Homosexualität lassen sich nicht streng voneinander abgrenzen. Menschen bestehen nämlich nicht aus Sorten(Rassen?), sondern aus Individuen. Und bei Individuen gibt es keine Schubladen. Nur mal so zum drüber nachdenken.
 
31.03.2012
In den letzten Wochen ist ja eine ganze Menge los gewesen, in Deutschland. Ein transsexuelles Mädchen aus Berlin hat eine Mutter, die ihr helfen will - darf aber nicht, weil ein Berliner Gericht meint, dass es besser ist, wenn das Kind zu Herrn Beier, dem Leiter der Sexologischen Abteilung der Charite, kommt***. Beier ist dafür bekannt, dass er sich an das hält, was im DSM, dem Buch der psychischen Störungen steht (einem Buch, an dem viele Sexologen auch aus Deutschland beteiligt sind): Transsexuelle Mädchen sind "Biologische Jungs" mit "gender identity disorder"/"gender dysphorie". Und das klare Therapieziel heisst hier:

Transsexuelle Menschen müssen mit ihrem "biologischen" Geburtsgeschlecht versöhnt werden.

Nun gab es in Berlin am Montag eine Demonstration. Knapp 300 Leute waren da und haben gegen die Fremdbestimmung über das Geschlecht und für das Selbstbestimmungsrecht des Mädchen protestiert. Das ist an sich schon mal toll, aber irritiert bin ich doch ein wenig über die Reaktionen auf die Proteste. Denn da gibt es nun diejenigen, die ebenso der Ansicht sind, dass - wahrscheinlich glauben sie auch nicht, dass es in der Natur geschlechtliche Abweichungen von einer gesellschaftlichen Norm gibt - dass das Mädchen ein "biologischer Junge" ist. Andere hingegen meinen, dass nur der Herr Beier der böse ist, und ansonsten transsexuelle Menschen in Deutschland im Paradies leben, da es ja die guten Sexologen in Hamburg oder Frankfurt gibt.

Dumm nur, dass auch in Hamburg und Frankfurt ein transsexuelles Mädchen als "geborener Junge" gilt, und nicht als geschlechtliche Normabweichung. Das hat Hertha Richter-Appelt ja jüngst selbst wieder zugegeben, als sie mit dem Ethikrat, der neulich über Intersexualität eine Stellungnahme veröffentlicht hat, die transsexuelle Menschen als widernatürlich erklärt und hier von "eindeutig biologisch" spricht, womit dann gemeint ist: Ein transsexuelles Mädchen, sei "biologisch eindeutig Junge". Ein Junge mit "Gender Dysphorie" (siehe auch dazu die Diskussion um den DSM V, der geplanten Neufassung des Buchs der psychischen Störungen). Hier fängt es an gemein zu werden. Denn ein Mädchen ist ein Mädchen, und eben kein Junge.

Dass der Ethikrat hiermit eher die Bezeichnung Unethikrat verdient hätte, da er die alten Lügen über transsexuelle Menschen bekräftigt und somit die Menschenrechtsverbrechen an transsexuellen Menschen, die Sexualwissenschaftler an ihnen begehen, legitimiert, nur am Rande. Kurzer Einwurf: Ihr solltet euch schämen, eine pseudo-biologistische Weltsicht zu stützen, die transsexuelle Menschen weiterhin für widernatürlich erklärt. Früher galt ja Homosexualität als widernatürlich. Und wir sind auf dem besten Weg dazu, dass Ethikräte in Deutschland keine Ethik im Sinn haben und Richter kein Recht sprechen. Dass es so eine Zeit schon ein mal gab, und man aus der Geschichte hätte lernen können... ach, wem sag ich das. Die alten Widernatürlichkeits- und Unzuchttheorien scheinen immer noch durch die Köpfe zu spuken.

Nun, was mich wirklich beschäftigt ist die Frage: Wie sieht es denn ausserhalb von Berlin aus, in Sachen Umpolungstherapien an transsexuellen Menschen?

Das Ziel war ja: Transsexuelle Menschen müssen mit ihrem "biologischen" Geburtsgeschlecht versöhnt werden.

Berühmtestes Beispiel für eine "gelungene" Umpolungstherpaie in Sachen Transsexualität ist in meinen Augen Kim Petras. Als Kind äusserte sie "ich bin ein Mädchen", dank Therapie in Frankfurt sagt sie nun heute, sie sei ein Junge gewesen, der sich schon immer "als Mädchen gefühlt hat". Umpolungstherapie gelungen. Transsexueller Mensch hat sich mit seinem Geburtsgeschlecht versöhnt. Und als dank dafür, darf dieser Mensch, der sich nun mit seinem angeblichen Geburtsgeschlecht versöhnt hat, nun in der Frauenrolle leben. Toll gemacht. Da soll einer sagen, solche Umpolungstherapien hätten keinen Erfolg. Und vorallem soll noch mal einer ankommen und sagen, dass es nur in Berlin so zugeht.

Der Unterschied zwischen Berlin und den anderen Anlaufstellen (die auf ihren Webseiten ja u.a. auch darauf hinweisen, dass sie mit Berlin zusammenarbeiten, aber das nur nebenbei erähnt), ist vielleicht die Art und Weise, wie versucht wird, ein transsexuelles Mädchen dazu zu bringen, sich selbst wieder für einen "biologischen Jungen" zu halten. Klaus Beier ist da möglicherweise ein bisschen ehrlicher, als seine Kollegen, da er offen zugibt, was Kollegen von ihm Betroffenen gegenüber verheimlichen. Er sagt, was im DSM steht und was mit "gender identity disorders" gemeint ist, wohingegen z.B. andere Behandler zwar in Studien oder auf Fachtagungen deutlich sagen, dass sie transsexuelle Mädchen für biologische Jungs mit psychischer Störung halten, dies aber ihren Patienten verheimlichen und ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie nicht zu dieser Sorte Mediziner gehören.

Beispiel 1: Das Deutsche Kollegium für Psychosomatische Medizin hat erst letzte Woche eine Tagung abgehalten, an der es "Im Zelt vor dem Audimax" um das "Körperbild von Personen mit Geschlechtsidentitätsstörung" ging. Wer steht als Name darunter? Hertha Richter-Appelt.

Beispiel 2: Die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung bietet vom 07. - 09. September 2012 ein Seminar an, bei der es um "Trans-/ Intersexualität und Geschlechtsidentitätsstörungen" geht. Ansprechpartner für diese Tagung ist die immer-mal-wieder-Leiterin der DGfS, Hertha Richter-Appelt.
(da gibt es noch weitere Veranstaltungen, das ist nur ein kleiner Ausschnitt)

Interessant. Jemand der gegenüber transsexuellen Menschen so tut, als stünde er auf ihrer Seite, aber dann doch mit seiner Pseudolehre von "Geschlechtsidentitätsstörungen" durchs Land zieht... irgendwie ziemlich zweigesichtrig, würde ich sagen. Das bringt mich dann auch zu der Aussage, dass es zwar Unterschiede gibt, in der Art und Weise, wie das Therapieziel einen transsexuellen Menschen mit dem angeblichen "Geburtsgeschlecht zu versöhnen erreicht werden soll, das Ziel ist aber dasselbe: Die Aufrechterhaltung eines geschlechtlichen Weltbildes in das transsexuelle Menschen nicht hineinpassen, weswegen Sexologen ihre Selbstaussagen über ihr Geschlecht als psychische Störung definieren um nicht zugeben zu müssen, dass Geschlecht in der Natur weit vielfältiger ist, als das eine hetereosexistisch-biologistische Normierungsmedizin wahrhaben will.

Dagegen dürft ihr ruhig auch protestieren. Auch wenn 300-gegen-Beier wichtig sind, wäre ein allgemeiner Protest gegen die Menschenrechtsverbrechen der Sexologie noch viel, viel wichtiger. Denn transsexuelle Menschen brauchen einen Schutz vor der Fremdbestimmung einer stereotypen-fixierten und machtgeilen Sexologie. Und den gibt es nur, wenn Gesetze sich ändern und anerkannt wird, dass ein Mensch das Recht dazu hat, zu sagen: "Ich bin", ohne dass ein Sexologe das in Frage stellt.

Nachtrag:

Ich habe einen interessanten Text darüber gelesen, welche Gruppen ein grosses Interesse daran hatte, geschlechtliche Normabweichungen als "widernatürlich" zu erachten: Die Nationalsozialisten. War es bis Anfang der 30er Jahre noch so, dass jüdische Forscher wie Hirschfeld oder Goldschmidt, beispielsweise auch Homosexualität (und somit auch Transsexualität) als natürliche geschlechtliche Zwischenstufen erachteten, waren es insbesondere die Nationalsozialisten, die an diesen Theorien kein Interesse hatten. In der NS-Zeit setzte man alles daran, dass es Männer auf der einen Seite und Frauen auf der anderen Seite gibt.

Susanne zur Nieden vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte schreibt in ihrer Arbeit zu "Erbbiologische Forschungen zur Homosexualität an der deutschen Forschungsanstalt dür Psychiatrie während der Jahre des Nationalsozialismus", dass die Nationalsozialisten wenig Interesse daran hatten, biologische Zwischenstufen anzuerkennen, da diese ihre Mann-Frau-Ideologie in Frage stellen würden. Was natürlich ist, hätte man schlichtweg nicht als "widernatürlich" bezeichnen, und schon gar nicht durch Erziehung und Einschüchterung der Bevölkerung als ein heilbares Verhalten bezeichnen können.

Spannend ist auch, welches NSDAP-Mitglied sich stark gegen die Anerkennung geschlechtlicher Zwischenstufen aussprach: Hans Bürger-Prinz, der Begründer der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung.

"Weitaus grundsätzlicher noch stellte der Hamburger Psychiater Hans Bürger-Prinz (1897-1976) 1938 erbbiologische Erklärungen in Frage. Bürger-Prinz stützte sich auf seine Erfahrungen als forensischer Gutachter in einem Sammelverfahren, in dem über 30 Männer aufgrund eines Verstoßes gegen § 175 StGB angeklagt waren. In Abgrenzung zu erbbiologischen Erklärungen von Homosexualität, stellte er die soziale Genese homosexuellen Verhalten und die Gefahr der Verführbarkeit zur Homosexualität in den Mittelpunkt seiner Überlegungen."

Der Leipziger Psychiater Paul Schröter ünterstützte Bürger-Prinz, indem er äusserte, solche Überlegungen geben "letzten Endes nur den unendlich vielen Nahrung für die Behauptung bzw. den Glauben, daß sie eine besondere Klasse, ein besonderes Geschlecht unter den Menschen darstellen, daß sie einmal so sind, und nicht anders können".

Die Nationalsozialisten hatten aber anderes vor: Die Heilung des "Volkskörpers" durch Drill, Erziehung und staatliche Massnahmen. So zitiert Susanne zur Nieden einen Leitartikel der Zeitschrift "Das Schwarze Korps" von 1937 in welchem es heisst, der Masse (Anm. der homosexuellen Menschen) fehle „jede Haltung, jede Äußerung eigenen Willens, jeder Ansatz zur Charakterbildung. Von anderen Menschen abgeschlossen, unter strenger Bewachung, zu systematischer Arbeitsleistung angehalten, trete 'mit erstaunlicher Pünktlichkeit eine Wandlung ein. Der ‚Kranke‘ wird gesund. Der ‚Anormale‘ erweist sich als durchaus normal.'"

Auch heute noch scheinen sich die Thesen der Nationalsozialisten, dass es in der Natur vorkommenden geschlechtlichen Normvarianten nicht gibt, und damit auch transsexuelle Frauen "biologische Männer mit psychischer Störung" bzw transsexuelle Männer "biologische Frauen mit psychischer Störung" sein müssten, immer noch zu halten. Gruselig, wie lange geschichtliche Verklärung anhalten kann.

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***Mail vom 2. April 2012 von Christian Schenk:

"in Deinem blog schreibst Du u.a. "...weil ein Berliner Gericht meint, dass es besser ist, wenn das Kind zu Herrn Beier, dem Leiter der Sexologischen Abteilung der Charite, kommt...."
 
falls Du das urteil des kammergerichts vom 15.3.12 meinst, so ist diese aussage falsch. hier der link zu PE und urteil: 
http://www.berlin.de/sen/justiz/gerichte/kg/presse/archiv/20120329.1450.368160.html
 
an dem spruch gibt es einiges zu kritisieren, nicht aber, dass verfügt worden sei, das kind solle zu beier in die charité - darum ging es in der entscheidung nicht."


Stimmt. Es ging darum, wer entscheidet, was mit dem Kind passieren soll (hier: eben auch nicht die Mutter) und um eine "weitere Diagnostik", die dann, laut aktuellem Wissensstand, mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Herrn Beier dem Leiter der Sexologischen Abteilung der Charite, stattfinden wird. Bei den psychischen Schäden, die transsexuellen Menschen alleine bereits durch die "Diagnostik"-Verfahren, die sogenannte Sexualwissenschaftler durchführen, zugefügt wird, frage ich mich, ob es in der Sache wirklich Sinn macht, die drohenden Folgen von Gerichts-Entscheidungen einfach auszuklammern. Ich meine: Nein.

Ach so. Es gibt ja Leute, die sich vielleicht fragen: Warum veröffentlichst Du einen Kommentar von "Christian Schenk"? Wer ist das eigentlich? Stimmt. Könnte gut sein, hier ein wenig Hintergrundinfos anzuführen.

Christian Schenk tritt zusammen mit anderen des sogenannten G-Institutes immer wieder auch auf Tagungen (u.a. sog. trans*-Tagung Berlin) zum Thema auf. Dem sogenannten G-Institut gehören dann z.B. auch Deborah Reinert (eine Rechtsanwältin und Vorstandsangehörige des LSVD Köln) und Annette Güldenring (Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie) an. Im Januar 2009 veröffentlichten Annette Güldenring und Deborah Reinert, zusammen mit den Sexologen Wolfgang Senf, Sophinette Becker, Hertha-Richter-Appelt und anderen das Papier "Sexuelle Identitäten" (Thieme Verlag 2009).

Güldenring schreibt in dieser Veröffentlichung, in der es auch um transsexuelle Kinder geht, u.a. ein transsexuelles Mädchen, sei ein "biologischer Junge", der den Wunsch habe, Frau zu werden (Seite 27). Sophinette Becker, Sexologin aus Frankfurt spricht davon, dass Transsexualität nichts natürliches sei, sondern erst durch psychische Prozesse entstünde. So schreibt sie, dass "der transsexuelle Wunsch sich (früher oder später) im Verlauf ganz unterschiedlicher psychischer Entwicklungen organisiert" (Seite 12) und nennt das dann "Geschlechtsdysphorie" und auch Deborah Reinert spricht bei Transsexualität von "Wunschgeschlecht" (Seite 52) und schliesst sich damit Sophinette Becker an.

Christian selbst war Mitglied des Bundestages und ist trans*-politisch aktiv.
 
10.03.2012
Es gibt da eine Frau, die der Ansicht ist, dass transsexuelle Menschen nicht existieren. Dass es sie gibt - es ist ja nachgewiesen, dass es geschlechtliche Abweichungen gibt und Mädchen auch mit Penis und Hoden geboren werden können oder Jungs mit Vagina und Gebärmutter - stört Frau Richter-Appelt dabei nicht weiter. Um den eugenischen Gedanken der Fortpflanzung in den Mittelpunkt des menschlichen Daseins zu stellen, darf es laut Frau Richter-Appelt keine transsexuelle Menschen geben.

Deswegen behauptet Frau Richter-Appelt, die gerade auf einem Vernichtungsfeldzug gegen transsexuelle Menschen unterwegs ist (und sich gerade den Fremdzugriff auf intersexuelle Menschen durch ihre Werbemassnahme beim Deutschen Ethikrat gesichert hat) auch, dass es

a) transsexuelle Menschen nicht gibt
b) "Geschlechtsdysphorie" hier das richtiger Wort wäre
und
c) damit gemeint ist, dass ein Mensch mit "gestörter Geschlechtsentwicklung" darunter leidet, dass Körper und Psyche nicht zusammen passen und dieser Mensch dann
d) eine Geschlechtsumwandlung wünscht

Und weil diese psychische Störung zwar im DSM, dem Buch der psychischen Störung bleiben soll (wie gesagt, sieht Frau Richter-Appelt eine Aussage wie "Ich bin eine Frau" oder "Ich bin ein Mann" nicht als wahre Aussage über das eigene Geschlecht an, sondern als psychische Befindlichkeit), aber in der Öffentlichkeit viele transsexuelle Menschen als Unterstützer gebraucht werden, damit die Psychopathologisierung locker weiter gehen kann, nennt sie transsexuelle Menschen "transident" und schleimt sich bei denen ein, die immer noch nicht so weit sind, dass sie ihr Wissen über ihr Geschlecht als wahr anerkennen, also bei den transsexuellen Menschen, die mitten im Coming-Out stecken und mangelns besseren Wissens oft noch beeinflussbar von den Lügen einer psychoapthologisierenden Medizin sind. Ganz schon dreist, wie hier Menschen, die Hilfe brauchen, dann "abgegeriffen" werden um sie dann hinterher schon fremdbestimmen zu können, indem man behauptet, dass es sie ja gar nicht gibt.

Im Prinzip ist das genau die Psychopathologisierung von Menschen mit geschlechtlichen Abweichungen, die seit den 60er-Jahren existiert und deswegen existieren konnte, weil der Trick Menschen, die Hilfe brauchen für die eigenen ZWekce zu missbrauchen schon damals super funktioniert hat.

Hier die Argumente von Frau Richter-Appelt in einem Zeitungsinterview vom 10. März 2011 im Südkurier. So behauptet sie:

These 1: Transsexuelle Menschen seien in der Natur nicht existent

"Es gibt ein Geschlecht, das sich auf den Körper bezieht und in den meisten Fällen (außer bei Personen mit Intersexualität) eindeutig männlich oder weiblich ist; und ein psychosoziales Geschlecht, das sich auf das psychische Erleben einer Geschlechtsidentität, die männlich, weiblich oder dazwischen erlebt werden kann, beziehungsweise die soziale Rolle bezieht."


These 2: Die Psyche eines transsexuellen Menschen sei gestört

"Wenn der Körper nicht mit dem erlebten Geschlecht übereinstimmt, spricht man von Transsexualität oder Störung der Geschlechtsentwicklung."

These 3: Transsexuelle Menschen seien nicht sie selbst, sondern wünschten sich - auf Grund ihrer Psyche, die auf einer Störung der Geschlechtsentwicklung so ist, wie sie ist - jemand anderes zu werden. Ausserdem sei das Verändern von körperlichen Merkmalen eine Änderung des Geschlechtes.

"Viele Transsexuelle streben eine Geschlechtsumwandlung an. Dazu gehören eine Veränderung des Körpers und der Wunsch, den Namen und Personenstand zu ändern."

These 4: Auch medizinisch sollten transsexuelle Menschen vernichtet werden.

"Im Moment wird allerdings in internationalen Arbeitsgruppen erwogen, den Begriff Transsexualität ganz abzuschaffen und durch den Begriff Geschlechtsdysphorie zu ersetzen."

These 5: Da transsexuelle Menschen nicht als geschlechtliche Normvariante existierten, müsse klar werden, dass die Menschen die Behaupten, sie seien "Frauen" bzw. "Männer", die mit entgegengeschlechtlichen Merkmalen geboren wurden, ein Identitätsproblem haben und natürlich nicht die Wahrheit über sich äussern.

"Betroffene wehren sich oft gegen den Begriff Transsexualität, da sie meinen, ihr Erleben habe nicht primär etwas mit Sexualität zu tun, sondern mit dem Identitätserleben, sie bevorzugen daher Transident."


Einer der bösartigsten Eigenschaften von Menschen ist, andere Menschen die Existenz abzuerkennen. Hertha Richter-Appelt ist ein Mensch, der genau diesen Vernichtungsfeldzug betreibt. Und es wäre schön, wenn nicht immer wieder irgendwelche unvorsichtigen oder aber arglistigen Leute (wie z.B. ein Mensch der sich selbst als "transident" bezeichnet und neulich geschrieben hat "Frau Prof. Dr. Richter-Appelt ist eine erfahrene, umsichtige, helfende Persönlichkeit, die sich für unsere Belange einsetzt." Zitat vom 28. Januar 2012, Facebook) dieses Ansinnen transsexuelle Menschen vernichten zu wollen, unterstützen würden.

Es gab mal ein Graffiti in meiner Heimatstadt. Ein Satz. Und der lautete folgendermassen:

"Wehr sich nicht wehrt, lebt verkehrt!"
 
06.03.2012
Es ist ja kein neues Phänomen, dass Menschen sich manchmal frewillig für die Unfreiheit entscheiden und dies dann für ihre Freiheit halten. Schaut man sich Wahlen in verschiedenen Staaten dieser Erde an, fragt man sich manchmal, wie weit verbreitet diese menschliche Eigenschaft ist, und was Menschen dazu bringt, auf ihre Rechte zu verzichten und ihnen dieser Verzicht dann das Gefühl von Macht gibt. Ja, stimmt, man gehört dann dazu. Sei Teil des Systems und verzichte - eine Lösung, die manch' Menschen zu verlockend erscheint, denn immerhin schmeichelt es ja dem Ego, wenn man dann das Gefühl hat, irgendwie dazu zu gehören.

Dazugehören wollen - etwas das allen Menschen gemein ist, die keine Lust mehr darauf haben, auf Grund ihres Seins ausgegrenzt zu werden. Klar, ein Verständlicher Wunsch, doch bleibt oft ein etwas seltsamer Geschmack übrig, wenn man sich freiwillig zur Unfreiheit entschieden hat. Ein Geschmack, der deswegen schal und bitter ist, da jedem klar sein muss, dass eine Entscheidung zur Unfreiheit in einem System immer bedeutet, dass die Unfreiheit in einem System an sich gestärkt wird - als Prinzip toleriert. Die Opfer sind dann allzuoft diejenigen, die nicht mitmachen wollen, weil sie persönliche Freiheit als Menschenrecht erachten und ihnen die Folgen klar sind: Wenn Unfreiheit zum Prinzip erklärt wird, dann wird es auch keine Freiheit mehr geben, sich zur Unfreiheit zu entscheiden.

Transsexuelle Menschen haben ein ganz besonders grosses Interesse daran, dazu gehören zu wollen. In einem Staat, der geschlechtliche Abweichungen wie Transsexualität nicht anerkennen will, sondern diese immer noch als psychische Störungen ansieht, die er dann "Gender Dysphorie" oder "Gender Identity Disorder" nennt, in einem Staat in dem Medien, deren Beteiligte sich selbst zur Unfreiheit entschieden haben, und geschlechtliche Abweichungen wie "Transsexualität" als nicht-existent erachten, wundert es auch nicht, dass immer noch geschlechtliche Fremdbestimmung mehr "dazugehört", als geschlechtliche Selbstbestimmung. Eine transsexuelle Frau, die selbt geschlechtliche Weltbilder, in der sie nicht als existent enthalten ist, als wichtiger erachtet, um "dazuzugehören", ist für diesen Schritt der Selbstverleugnung anerkannt in Deutschland. Sie muss nur sagen, dass sie mal "ein Mann war", oder sogar "als Mann geboren wurde", dann ist ihr sicher, dass sie die Medienaufmerksamkeit erhält, die ein System das geschlechtliche Abweichungen wie Transsexualität als nicht-existent erachtet, verlangt. Freillige Unfreiheit, damit die Welt(-vorstellung) so bleibt, wie sie ist.

Die Gleichung lautet also: Bist Du bereit Dich selbst zu verleugnen, dann klopfen wir dir auf die Schulter und Du gehörst dann dazu. Wozu dann aber? Ach ja... zu der Gruppe der Menschen, die sich freiwillig für die Unfreiheit entschieden haben, und das für einen Akt der Freiheit halten.

Warum schreibe ich das alles? Es gibt zur Zeit ziemlich viele transsexuelle Menschen, die Aufmerksamkeit dafür bekommen, dass sie sich fremdbestimmenden Aussenansichten unterodnen um dazuzugehören. Bücher, Blogeinträge oder Fernsehberichte... Würde sich das dann wenigstens die Waage halten und diejenigen genauso viel Aufmerksamkeit bekommen, die ihr Coming-Out als Prozess der Selbstbewusstseinswerdung erachten (und nicht als ominöses "gender dysphorisches" Gefühl), dann wäre ja alles prima. Interessant wird es, wenn ein System diese Ausgewogenheit nicht kennt und das Prinzip der freiwilligen Unfreiheit überproportional vertreten ist. Denn dann darf die Frage gestellt werden: Warum ist das so? Und: Wann wird sich daran etwas ändern?
 
14.02.2012
In der TAZ ist wieder einmal ein Artikel zum Thema "Transsexualität" erschienen, der transsexuellen Menschen aus meiner Sicht keinen Gefallen tut, da er genau das Klischee über transsexuelle Menschen promoted, das im DSM, dem internationalen Buch der psychischen Störungen verankert ist. Menschen mit "Gender Identity Disorders"/"Gender Dysphorie", so heisst es in diesen Buch, hätten den Wunsch, dem anderen sozialen Geschlecht angehören zu wollen, was sich durch Kleidung, bei Kindern durch bestimmtes Spielzeug und Aktivitäten, zeige. Gesellschaftlich stereotype Geschlechtervorstellungen werden also zur Schablone herangezogen, um sagen zu können: Wer sich nicht an die Konventionen hält, hat eine "gender dysphorie". So weit so gut. Dumm ist es, dass diese stereotype Gender-Schablone nun dafür gelten soll, ob ein transsexueller Mensch medizinische Behandlungen erhält, oder nicht. Da in den meisten Staaten dieser Welt eine medizinische Behandlung Voraussetzung für eine rechtliche Anerkennung ist, bedeutet dies folgendes:

Ein transsexueller Mensch (den es dieser psychopathologisierenden Logik zu Folge gar nicht gibt) wird erst dann als er selbst anerkannt, wenn er die stereotype Schablone, die im DSM verankert ist, erfüllt. Ein "Experte" weist dann Geschlecht von Aussen zu. Dies ist eine menschenverachtende geschlechtliche Fremdbestimmung.

Nun gibt es trotzdem Unterstützer dieser Fremdbestimmung. Zum einen sind es häufig auch Menschen, die im Zusammenhang mit "Transsexualität" stehen wie Betroffene, welche die psychopathologisierende Logik des DSM stützen, indem sie die Klischees wiedergeben, die in dem Buch der psychischen Störungen verankert sind. Wenn man weiss, dass das Erfüllen der Klischees häufig auch persönliche Vorteile bringen kann (wie schnelle Behandlung, Einfluss bei Lobbygruppen, welche bis heute die Existenz transsexueller - also als natürlich geschlechtsvariante - Menschen abstreiten, etc.), wird einem vielleicht bewusst, wie pervers das "System Trans" oft immer noch läuft. Wer sich frewillig unterdrücken lässt, bekommt von einer transsexuellenfeindlichen Gesellschaft eine Auszeichnung dafür. Es ist nicht selten so, dass selbst Gruppen und Vereine sich dieser Unterdrückung frewillig hingeben, so dass Labels wie "transgender", "transident" und sogar oft auch "transsexuell" keine Garantie dafür bieten, auf Menschen zu treffen, die emanzipiert und selbstbewusst genug wären, sich von der oben genannten DSM-Logik zu lösen.

Auf diese frewillige Selbstkastration, ein Fremdbestimmenlassen folgt dann in transsexuellenfeindlichen Gesellschaften die sekundäre Fremdbestimmung, z.B. durch Medien. Es scheint manchen Redakteuren ein besonderes Anliegen zu sein, beispielsweise transsexuelle Frauen nicht als Frauen, sondern als ehemalige Männer darzustellen. Auch der oben angesprochene TAZ-Artikel ist da wieder ein gutes Beispiel dafür. So schreibt Gabriele Lesser über die polnische Abgeordnete von einem Menschen, der "hünenhaft" wäre und eine "sonore Stimme" hätte, natürlich ohne zu vergessen, dass die "kräftigen Hände" mit mehreren RIngen geschmückt wären. Was dann folgt, ist eine Selbstbeschreibung der transsexuellen Polin, mit der sie die Diagnose des DSM bestimmt wunderbar erfüllt: Sie habe als "Junge" schon Wimperntusche benutzt, und ihrer Mutter ihre Rüschenbluse abgestrotzt. Dann geht es um Fussball, Kleidung, und Kosmetik. Die Kriterien für "gender dysphorie" wären somit alle erfüllt. Die Autorin der TAZ nennt das:

"Mädchenhaftigkeit des Jungen"

Damit ist Gabriele Lesser tatsächlich genau an der Selbstbeschreibung von Anna Grodzka, die sich je genau so selbst beschreibt. Anna Grodzka ist mit ihrem Verein "Trans-Fuzja" Mitglied bei Transgender Europe.

Ich frage mich nun:

Was ist mit den transsexuellen Menschen, die keine Lust darauf haben, die Klischees des DSM zu erfüllen?
Muss man als transsexueller Mensch still bleiben, wenn Menschen wie Anna die Klischees des DSM erfüllen und durch Vereins- und Lobbyarbeit (z.B. bei transgender europe) auch noch so tun, als gäbe es keine anderen transsexuellen Menschen?
Was kann ein transsexueller Mensch tun, der keine Lust darauf hat, sich psychoapthologisieren und fremdbestimmen zu lassen?

Das einzig sinnvolle, das mir dazu eingefallen ist: Laut sagen, dass man den Stereotypen des DSM nicht entspricht. Und genau das habe ich bei der TAZ versucht. Ich habe einen Kommentar geschrieben. Interessant, dass er von der TAZ bis heute nicht veröffentlicht worden ist. Hier ist er:

"Das traurige an der Situation transsexueller Menschen ist, dass sie ihr häufig ihr eigenes Wissen um ihr Geschlecht als un-wahr erachten, und meinen, dass eine Veränderung der Genitalien und der Klamotten ein Wechsel des Geschlechtes wären, anstatt ihr "Gefühl" als coming-out (von etwas, das ja da gewesen sein muss, damit das Ganze eine gewisse Logik hat) zu begreifen. So werden transsexuelle Menschen Opfer ihrer eigenen Selbstverleugnung, indem sie zulassen, dass man ihnen unterstellt (natürlich von Aussen), sie wären ja früher mal (im Falle von transsexuellen Frauen) "Mann" gewesen. Ist das so?

Warum? Weil da mal ein Penis war? Weil da jemand glaubt, das biologische Geschlecht müsse das Abbild Adam und Evas sein und somit keine Abweichungen möglich? Weil eine transsexuelle Frau sich vorher "männlich" gezeigt und "männlich" gelebt hat und damit so getan wird, als gäbe es "männliches" oder "Weibliches" Verhalten und daran das Geschlecht eines Menschen zu unterscheiden?

Wie wehrt ein Mensch sich gegen so eine stereotype Weltvorstellung, der selbst transsexuell ist, aber keine Lust darauf hat, diese Klischees zu bedienen? Vielleicht einfach so: Ich habe mit Autos gespielt, fand auch Hosen prima und steh' nicht wirklich auf lackierte Fingernägel. Und vorallem: Ich habe mich als transsexuelle Frau als Kind auch nicht "als Mädchen gefühlt", sondern hatte eher eine Ahnung, wer ich bin (auch wenn ich lange keine Worte dafür hatte). Ich finde diese stereotype Früher-war-ich-ein-Mann-jetzt-trage-ich-Rock-und-nenne-mich-Elisabeth-Nummer ziemlich ätzend auf Dauer. Sie ist die zum 5000sendsten mal erzählte Geschichte über Transsexualität, die - wäre sie nicht mit so viel negativen Folgen wie z.B. struktureller Diskriminierung (es gibt nämlich eine Menge transsexuelle Menschen, die keine Lust darauf haben, diese hier dargestellten Klischees zu erfüllen. Es gibt eine Mennge transsexuelle Menschen, die keine Lust darauf haben, sich von einer transsexuellenfeindlichen Medizin als "gender variant" oder Menschen, die psychisch irgendwie anders sind, bezeichnen zu lassen) verbunden - eigentlich nur noch ein müdes Gähnen hervorrufen sollte.

Nein. Liebe Frau Lesser. Es mag zwar sein, dass Ania im Schrank gelebt hat -  tausende transsexuelle Menschen haben dies nicht. Es mag zwar sein, dass eine transsexuellenfeindliche Gesellschaft meint, dass diejenigen, welche die Diagnose "Geschlechtsidentitätsstörung" des internationalen Buches der psychischen Störungen, dem DSM, und seine Symptome (Jungs, die mit Puppen spielen, Lippenstift mögen und gerne Pumps tragen) gut und brav auswendig gelernt haben, einen Preis verdient hätten für ihre Unterwerfung (indem sie den Unsinn, den sich eine psychopathologisierende Zunft einst ausgedacht hatte, nachbeten)... Ich bin da aber völlig anderer Ansicht. Selbstbewusstsein heisst aus meiner Sicht nicht das Nachbeten irgendwelcher stereotyper Formeln, sondern lediglich das Wissen um das eigene Selbst. Und nicht ein "fühlen wie (jemand anders).

Danke für den Artikel. Er zeigt, dass transsexuelle Menschen, die keinen Bock auf solche Klischees haben, gerne noch ein wenig lauter werden dürfen."


Hier der Link zum Original-Artikel in der TAZ: Klick
 
06.02.2012
Was bei transsexuellen Menschen leider immer noch sehr weit verbreitet ist, ist mangelnde Solidarität. Die, die das Glück hatten, dass die Fremdbestimmung bei Ihnen zum richtigen Ergebnis geführt hat, loben die Psychos, die bei anderen transsexuellen Menschen durch falsche Entscheidungen grosses Leid zugefügt haben. Mit medizinischer Unterstützung kann man sich eben seine Anhänger kaufen - ein Skandal, dass dies in Deutschland so noch möglich ist. Grund dafür ist, dass in Deutschland ein transsexuelles Kind als Kind mit "psychischer Störung" angesehen wird. Ein transsexuelles Mädchen, gilt als (man sagt "biologischer") Junge, der sich als Mädchen fühlt uns als solches leben will, anstatt Transsexualität als geschlechtliche Normvariante anzuerkennen und anzuerkennen, dass ein transsexuelles Mädchen ein Mädchen IST und keines werden will.

So trifft der Psycho-Mediziner in Deutschland eine Entscheidung, als was ein transsexuelles Kind leben "darf". Ob ein transsexuelles Mädchen beispielsweise mit Hormonen behandelt wird, oder ob dieses Mädchen später mit Bart und männlicher Körperbehaarung leben darf. Entscheidend dafür ist laut internationalen Standards der DSM und klischeehafte Kriterien, bei denen das Rollenverhalten des Kindes über mehrere Jahre beobachtet wird. Spielt das Kind mit Puppen oder Autos? Hat es Mädchen oder Jungs als Freunde? Kleidet es sich lieber "weiblich" oder "männlich"? Durchläuft ein Kind diese mehrjährige Überprüfungsphase und erfüllt brav alle Klischees, dann kann es sein, dass es Glück hat und ein Mediziner dann sagt: Dieses Kind darf behandelt werden. Pech, wenn es die Klischees nicht erfüllt. Pech, wenn es sich um ein transsexuelles Mädchen handelt, dass gerne mit Autos spielt, lieber Hosen als Röcke trägt und dummerweise auch gerne mit Jungs spielt. Der DSM, das Buch der psychischen Störungen, sagt dann: Nö, das Kind ist dann nicht "geschlechtsidentitätsgestört" und hätte auch keine "gender dysphoria".

So gibt es immer noch die Situation in Deutschland, dass die "Glücklichen", die durch medizinische Massnahmen gekaufte transsexuelle Menschen die anderen transsexuellen Menschen, die das Pech hatten, sich nicht klischeehaft analog des DSM zu verhalten versuchen auszugrenzen oder sie schlecht zu machen. "Selber Schuld", "ist wohl nicht transsexuell", "sind doch eh' nur Spinner, die überall Transphobie vermuten" u.ä. Aussagen sind Sätze, die jedes Opfer des Systems Trans genauso gehört, wie am eigenen Leib erfahren hat, was mangelnde Solidarität bedeutet.

Transsexualität ist in Deutschland daher immer noch so eine Art Wettbewerb um die besten Trophäen. Und die Trophäen heissen: Medizinische Behandlung und Macht. Ein Spiel, das ich schon immer als schmutzig empfand, da ich die Leute, welche dieses Spiel mitspielen für Menschen halte, die nicht die Änderung bzw. Verbesserung der Behandlung transsexueller Menschen im Sinn haben, sondern Menschen, die ich für verantwortungslose Egoisten halte.

Entschuldigt, dass das alles nicht gerade nett klingt, aber es ist schon immer wieder sehr ärgerlich, wie sehr mit transsexuellen Menschen Spiele gespielt werden können, und sich immer irgendein transsexueller Trottel und irgendeine transsexuelle Trotteline sich finden und dieses menschenverachtende Spiel mitspielen und meinen, dass es besser ist, Werbung für Leute zu machen die glauben, dass die Entscheidung über das Geschlecht eines Menschen in der Hand eines Mediziners liegen muss, anstatt einem transsexuellen Menschen sein Wissen über sein Geschlecht als Wissen anzuerkennen.

Wer Werbung für diese Fremdbestimmung macht ist bei mir aber sowas von unten durch. So. Das musste mal gesagt werden. Wieder einmal...
 
04.02.2012
Nachrichten und Informationen (nicht nur) über Transsexualität sind ja oft gefiltert. Menschen wählen aus, was an die Öffentlichkeit soll, und was nicht. Bei einem ideologisch überladenen Thema wie Geschlecht - vorallem dann, wenn es um geschlechtliche Abweichungen geht - macht es Sinn, sich nicht darauf zu verlassen, was "einer erzählt", sondern ein Sich-Selbst-Informieren und selber recherchieren ist wichtig, um die Hintergründe besser zu verstehen und das, was berichtet wird, besser einordnen zu können. Das, was ich gelernt habe ist: Geredet wird viel, schalte Dein eigenes Hirn ein und versuche Dich umfassend zu informieren.

Klar, die Wahrheit liegt bekanntlich immer irgendwo dazwischen. Aber um überhaupt eine Näherung an dieses "Dazwischen" zu erhalten, macht es Sinn, sich mit ein paar Tools auszustatten, die einem helfen können, sich zurecht zu finden.

Auf mut23.de gibt es unter dem Link "externe News" Meldungen, die nicht von menschenhand gefiltert sind, sondern um eine Auswahl von news-feeds, die bestimmte Suchbegriffe im Internet abfragen und dann zeitlich geordnet auftauchen. Diese Seite zeigt also ungefiltert, unzensiert und unverfälscht durch eventuell politisch motivierte Übersetzungen einfach das an, was bestimmte Nesfeeds so ausspucken. Das ist schon mal nicht schlecht, aber da die Anzahl der abgegriffenen Feeds auch hier einerseits auch beschränkt ist (technisch bedingt) und zugleich hier ja auch die SUchbegriffe von mir festgelegt wurden (gesucht wird z.B. nach "transgender", "Transsexualität", "Intersexualität",...), ist fängt auch diese Informationsquelle nur einen Ausschnitt zum Thema ab.

Daher möchte ich heute mal keine Kritik am "System Trans" (dessen Beteiligte ja alle Eigeninteressen verfolgen) äussern, sondern dazu ermutigen, sich selbst schlau zu machen und Euch ein Tool an die Hand zu geben, die dazu geeignet sind, sich besser informieren zu können.

Es handelt sich um folgendes: Einen Feedreader.

Die meisten heute im Internet vorhandenen Webseiten bieten sogenannte News-Feeds an. News-Feeds sind quasi eine Art alternative Ausgabe der Webseite, die ihr in eurem Browser seht. Ihr könnt davon ausgehen, dass die Mehrheit aller Webseiten neben der normalen Darstellung z.B. eines Blogs auch news-Feeds anbietet.

Diese Feeds können zwar auch in einem normalen Browser angezeigt werden, richtig damit arbeiten, kann man aber nur mit einem Feedreader, einem Programm, das die Feeds sortieren kann und das die Möglichkeit besitzt gezielt nach bestimmten Stichworten zu suchen. Es gibt hier mehrere verschiedene kostenlose und zum Teil auch open-source-Programme, die tolle Möglichkeiten besitzen.

Hier eine Übersicht: http://www.techfacts.de/beratung/software/uebersicht-feedreader

Mein Lieblingsprogramm ist hier der "Feedreader", da das Programm einfach gehalten ist, und es zuverlässig arbeitet. Ein bisschen sieht das nach der Installation aus, wie ein Mailprogramm. In der Standard-Ansicht findet man links die Feeds, rechts oben dann die Überschriften der Feeds und rechts unten kann man sich den Inhalt der Feeds anzeigen lassen, wenn man darauf klickt. Wer mit einem email-Programm umgehen kann, findet sich bei dem Tool ziemlich schnell zurecht.

Um umfassende Nachrichten zu erhalten, die auch nichts auslassen (ich kenne Menschen, die absichtlich bei manueller Auswahl von Nachrichten aus politischen oder persönlichen Gründen z.B. grundsätzlich die Berichte der "Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V." weglassen, andere Transvereine blenden dann wieder ihre "Konkurrenz" weg, so dass dann Meldungen über TriQ nicht erscheinen, weitere haben ein Problem damit die dgti zu erwähnen, u.s.w. und so fort.***), ist es gut, viele unterschiedliche Quellen-Adressen, also die eigentlichen news-Feeds in z.B. dem Feedreader anzulegen.

Bei mir privat laufen da zur Zeit folgende (eine Auswahl, jaja... der menschliche Filter):

GenderLife Transsexual News Exchange / Published News

Google News: 1 2 3 4

IGLHRC Articles

International Gay and Lesbian Human Rights Commission

LGBT Rights

mut-ticker ()

mädchenblog

News ATME

TNUKdigest at Yahoo! Groups

TransAdvocate

Transgender News Google Group

Transgendered News

Transsexualiät Blogs Google

YouTube Videos matching query: transgender transsexuell transsexual

Zwischengeschlecht.info

Mein Tipp ist: Sucht Euch selbst News-Feeds, lasst ein Feedreader-Programm das ganze schon sortiert (nach Datum und Thema) darstellen, und denkt daran, dass dann die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen wird. Meine Erfahrung ist, dass eigene Recherche immer besser ist, als Menschen mit politischen Eigeninteressen (und da gibt es ja ganz verschiedene) zu vertrauen. Und noch etwas: Auch ich habe natürlich Eigeninteressen. Daher ist auch obige Auswahl von news-Feeds selbstverständlich auch beeinflusst. Aber das habt ihr ja selbst in der Hand, was ihr dann da eintragt.

---
*** Ich misstraue grundsätzlich Menschen, die behaupten, sie würden News zum Thema Transgender/Transsexualität veröffentlichen, aber Nachrichten, die ihnen nicht in den Kram passen, weglassen bzw. wegfiltern. Das sind dann nämlich keine Nachrichten mehr, sondern es handelt sich dann um politische Propaganda.
 
28.01.2012
2006 hatte ich ja bereits eine Petition beim Deutschen Bundestag eingerichtet, die zum Inhalt hatte, dass doch bitte das Transsexuellengesetz geändert wird und nicht weiterhin Frauen sich von einem Gutachter zu "Männern, die sich wie Frauen fühlen" psychopathologisieren lassen müssen. Diese Forderung nach Anerkennung transsexueller Menschen als existent hatte ich also bereits vor 5 Jahren. Anerkannt sind transsexuelle Menschen immer noch nicht.

Das mag daran liegen, dass es Interessensgruppen und Privatpersonen gibt, welche die These der Geschlechtsidentitätsproblematik (bezogen auf "gender", dem sozialen Geschlecht), die transsexuellen Menschen angedichtet wird, wohl ganz toll finden mögen. Gemeinsam ist diesen Personen, dass sie eine sehr eingeschränkte Sicht über das, was sie "biologisches Geschlecht" nennen, haben. So sei, so erklärte einmal vor ein paar Jahren Bernd Meyenburg, ein Behandler von transsexuellen Kindern: "Sie sehen doch, das Kind hat einen Penis - also ist es kein Mädchen".

Ein anderer, der meint, transsexuelle (und homosexuelle) Kinder vor sich selbst schützen zu müssen und der damit meiner Ansicht nach grossen Schaden anrichtet, ist Klaus Beier, der Leiter des sexualwissenschaftlichen Institutes an der Charite Berlin. Wobei dieser, ähnlich wie seine Kollegen, bei Kindern noch nicht von Homosexualität oder Transsexualität spricht, sondern beides als etwas ansieht, was erst entstünde. Diese Theorie, die meint, dass eine sogenannte "psychosexuelle Entwicklung" (Theorie der Psychoanalyse) zu Homosexualität und Transsexualität führen kann, also auch Transsexualität nicht echt, nicht in der Natur vorkommend ist, ist in Deutschland weit verbreitet.

Ich möchte die Problematik hier nicht noch weiter aufreissen, da ich die Hintergründe der Nichtanerkennung transsexueller Menschen hier schon mehrfach behandelt hatte. Vielleicht nur so viel, dass ich als wesentlichen Teil der Emanzipation transsexueller Menschen ansehe, eine Selbstaussage wie „ich bin ein Mädchen“ oder ein „ich bin ein Junge“ als wahr anzuerkennen, und diese Äusserung nur dann als wahr anerkannt ist, wenn nicht zugleich ein ABER nachgeschoben wird, das diese Aussage pervertiert, z.B. durch einen Rückgriff auf eine vermeintliche Adam-und-Eva-Biologie, die es, erkennt man geschlechtliche Abweichungen an, in dieser Form (als Adam-und-Eva-Biologie) gar nicht gibt. Sätze wie „ein Junge, der sich als Mädchen fühlt“ oder „ein Mädchen, das sich als Junge fühlt“ sind daher auf jeden Fall immer Ausdruck der Nicht-Anerkennung transsexueller Menschen und daraus gefolgert sogar für die Nicht-Anerkennung weiterer geschlechtlicher Vielfalt (z.B. Intersexualität, Homosexualität,...).

Zurück zur Petition, die seit 2006 läuft und immer wieder auf Grund leerer Versprechungen bis zum heutigen Tage zurückgehalten wurde.

Hier der Text:

"DEUTSCHER BUNDESTAG 11011 Berlin, 19.01.2012
Petitionsausschuss
Platz der Republik 1   

Betr.: Fersonenstandswesen  

Bezug: Mein Schreiben vom 04.08.2011  

Sehr geehrte Frau Schicklang,  die vom zuständigen Fachausschuss erbetene Stellungnahme liegt noch nicht vor. Der Vorsitzende dieses Ausschusses ist um Abgabe eines Zwischenberichts gebeten  worden. Sobald mir eine weitere Mitteilung zugeht, werde ich mich wieder mit Ihnen in Verbindung setzen.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag  
Kerstin Macha" 


Inhalt der Petition war, die Forderung nach Abschaffung des Gutachterverfahrens im Transsexuellengesetz, da dieses Gesetz – durch seine Leugnung geschlechtlicher Vielfalt - den Kern der Diskriminierung von Menschen mit geschlechtlichen Abweichungen in Deutschland darstellt und transsexuelle Frauen dazu gezwungen werden, sich vor dem Gesetz zu „Männern, die sich wie Frauen fühlen“ zwangsbegutachten zu lassen, um als Frauen anerkannt zu werden (bzw. umgekehrt im Falle von transsexuellen Männern).

Dieser Zwang zur Selbstverleugnung ist eine Menschenrechtsverletzung.

Nachtrag:

Auch eine andere Transsexualitäts-Verleugnerin meldet sich wieder zu Wort. Es handelt sich um Hertha-Richter-Appelt, Psychoanalytikern, welche die oben angesprochenen „Geschlechtsidentitäts“-Thesen unterstützt und bis heute der Ansicht ist, dass transsexuelle Menschen nicht existieren. So äussert sie sich in einem Artikel der taz von diesem Wochenende zu Klaus Beier folgendermassen:

„In unserer Spezialambulanz wurden in letzter Zeit etwa 70 Kinder mit diesem Problem behandelt“ und meint damit Kinder mitProbleme(n) mit der Geschlechtsidentität im Kindes- und Jugendalter“.

Weiter schreibt sie von „Wunsch nach einem Geschlechtswechsel“, den transsexuelle Menschen nicht haben (Zur Erinnerung: Transsexuelle Mädchen sind Mädchen!). Genitalien sind für Hertha-Richter Appelt in diesem Artikel „Geschlechtsteile“ und ist der Ansicht, dass eine Umbenennung von „Geschlechtsidentitätsstörung“ in „Geschlechtsdysphorie“ bereits die Diskriminierungen transsexueller Menschen beendet wären. Nein, Frau Richter-Appelt, die Diskriminierungen sind dann beendet, wenn transsexuelle Mädchen, nicht weiterhin als „Jungs, die sich als Mädchen fühlen“ angesehen werden du sie das Recht haben in ihrem eigenen Geschlecht anerkannt zu werden, ohne dass irgendwer daran vorher irgendeine Bedinung wie z.B. Therapie, körperliche Voraussetzungen oder sonst eine geschlechtliche Fremdbestimmung knüpft.

Ich hatte es bereits ja schon geschrieben, dass ich es Menschen, die behaupten, ein transsexuelles Mädchen wäre ein „Junge, der sich wie ein Mädchen fühlt“ nicht abnehme, transsexuelle Menschen anzuerkennen, sondern weiterhin an John-Money’s Theorien glaubt. Zugegeben, Frau Appelt, Sie verkaufen sich mittlerweile besser als noch vor ein paar Jahren und geben sich den Anstrich, dass sie für transexuelle Menschen sprechen. Möglich, dass Sie damit an der Naivität vieler Betroffener andocken können um weiterhin über transsexuelle Menschen fremdbestimmen zu können...

Aber: Ich glaube Ihnen nicht. (siehe oben). Und denen, die meinen dem Kind auf diese Weise helfen zu können, indem man sie als „Junge, das sich als Mädchen fühlt“ nennt und ihr „Probleme mit der Geschlechtsidentität“ andichtet (siehe ebenfalls oben) genauso nicht.

Stoppt endlich eure Fremdbestimmung über transsexuelle Menschen!

Hier der Artikel:
Viele erleben die Pubertät als Qual

Nachtrag 2:

Besonders schlimm ist der Artikel (und auch der vorherige) für das betroffene Mädchen, denn im Gegensatz zu ihr, wird Menschen, die ein spezielles Eigeninteresse verfolgen nun die Möglichkeit gegeben sich zu positionieren bevor das Mädchen überhaupt zu Wort kommt. Damit gäbe es für sie später zwei Möglichkeiten: Entweder sie bleibt ein anonymes Opfer (wie so viele bisher), oder sie geht an eine bereits vorab beeinflusste Öffentlichkeit, die ihr dann nicht mehr glauben wird, wenn sie äussert "ich bin ein Mädchen". Denn dann wurde sie ja bereits von einer "Expertin" aus Hamburg und einem "Experten" aus Berlin (aus der Gruppe der Raben, die sich nun gegenseitig die Augen aushacken) zu einem Jungen mit "Geschlechtsidentitätsproblematik" erklärt.

Wobei... es gibt auch noch eine dritte Möglichkeit. Wer den heutigen Blogeintrag gelesen hat, war bereits mitten drin. Zumindest in einem Teil davon. :-)

 
15.01.2012
Und schon kommen die nächsten, die hier die Biologie reduzieren, um geschlechtliche Abweichungen nicht als zur Natur gehörend ansehen zu können: Der Spiegel. So schreibt Autor Lazar Backovic unter der Überschrift "Marcos Fremdkörper" von transsexuellen Kindern (http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,807219,00.html). Eigentlich handelt es sich um einen Artikel, der zumindest die richtigen Personalpronomen verwendet und ansonsten auf den ersten Blick den Anschein erweckt, als ginge es hier darum, transsexuelle Menschen in ihrem Sein zu akzeptieren. Beim zweiten Blick allerdings - und der bei der Berichterstattung über transsexuelle Menschen der eigentlich wichtige - fällt hier anderes auf: Lazar Backovic setzt eine Tradition in der Fremdzuweisung von Menschen mit geschlechtlichen Abweichungen fort, die genau dies - eben die in der Natur vorkommende Existenz geschlechtlicher Abweichungen - ablehnt.

Hier ein paar Zitate aus dem Artikel:

"Er ist transsexuell, ist als Mädchen zur Welt gekommen, fühlt sich aber als Junge."

Diese Ansicht über transsexuelle Menschen ist falsch. Ein transsexueller Junge IST ein Junge und fühlt sich nicht "als" Junge. Die Theorie, sich "wie etwas zu fühlen" basiert auf sexologischen Ideologien der 60er-Jahre, hat mit der Realität transsexueller Menschen wenig zu tun. Transsexualität ist eine geschlechtliche Variation.

"Mit seinen blonden kurzen Haaren würde er auf der Straße vermutlich als Junge durchgehen."

Der Spiegel-Artikel behauptet somit: Es handelt sich nicht um einen Jungen, sondern um ein Mädchen, dass so aussieht wie ein Junge, da es kurze Haare hat. Diese Reduktion auf stereotype Rollenklischees ist eine geschlechtliche Fremdzuweisung, die mit Transsexualität nichts zu tun hat.

"Doch rein biologisch ist sein 15 Jahre alter Körper noch immer ein Mädchen: Da sind weibliche Chromosomenpaare, Ansätze eines Busens und eine Haut, zart wie ein Pfirsich."

Weder sind Chromosomen immer dazu geeignet, das Geschlecht eines Menschen zweifelsfrei festzustellen, noch macht es sinn, die Beschaffenheit von Haut dafür heranzuziehen. Der Spiegel-Artikel behauptet hier eine "biologische Geschlechtlichkeit", die so in Wirklichkeit nicht existiert und leitet daraus dann folgendes ab:

"Medizinisch gesehen ist Transsexualität eine Geschlechtsidentitätsstörung."

Auch dies ist falsch. Zwar wird seit den 60er-Jahren von Anhänger von ein paar Sexualideologen behauptet und diese erreichten es auch, dass Transsexualität heute in Büchern als "Geschlechtsidentitätsstörung" auftaucht, dennoch hat diese medizinische Diagnose nichts mit Transsexualität zu tun (was vergleichbar ist mit den 60er-Jahren, als Homosexualität ebenso als psychische Störung angesehen wurde, und ebenso wenig in Wirklichkeit keine gewesen ist). Im Gegenteil: Gerade diese Diagnose einer "Geschlechtsidentitätsstörung" ermöglicht bis heute Menschenrechtsverletzungen gerade an transsexuellen Kindern. So existieren bis heute Umpolungstherapien an transsexuellen Kindern und es wird behauptet, dass man z.B. aus einem transsexuellen Jungen ein Mädchen machen könne, weil es sich ja "rein biologisch" um ein Mädchen handele.

Es ist kein Zufall, dass der Spiegel Artikel forciert, die direkt an der "Geschlechtsidentitätsstörungs"-Theorie anknüpfen, gibt es doch mittlerweile Proteste gegen diese Ideologie und ihre Unterstützer. Da liegt es auf der Hand, dass diejenigen, die weiterhin an die Vorstellung der Wechselbarkeit von Geschlecht glauben, aber gleichzeitig geschlechtliche Vielfalt ignoieren bzw. diese sogar per medizinischer Definition und Gesetzen verhindern wollen.

Zurück zum Spiegel-Artikel. Der Autor schreibt also "rein biologisch ist sein 15 Jahre alter Körper noch immer ein Mädchen"... so rein biologisch. Letztendlich ist das der Transsexuellenhass, der spätestens seit John Money aus einer geschlechtlichen Abweichung eine "Identitätsproblematik" gemacht hat und Regelungen ermöglicht hat, die bis heute Verstümmelungen von intersexuellen Menschen zulassen und gleichzeitig transsexuelle Menschen als psychisch krank ansieht. Aus psychisch gesunden Menschen, die ein Wissen über ihre Geschlechtszugehörigkeit haben, wurden nun ab Ende der 60er Menschen, von denen man behauptet, sie seien "rein biologisch" das eine, und "fühlten sich wie" das andere.

Wer sich hier an das eugenische Gedankengut des letzten Jahrhunderts erinnert fühlt, als Geschlecht vorallem auf die Fortpflanzung reduziert wurde, kann über Menschen, die heute noch an Money glauben, nur den Kopf schütteln. Es handelt sich nach wie vor um Menschenrechtsverletzungen, die nun noch besser in bunte Watte verpackt werden. Nachdem ich das ja seit 2006 schon ein paar mal geschrieben hatte, sich die Money-Fraktion aber immer noch halten kann in Deutschland (und damit weiter Menschenversuche betreiben kann), möchte ich es trotzdem nochmal tun. Ich wiederhole mich:

Transsexuelle Jungs sind Jungs (und keine Mädchen, die sich "wie Jungs fühlen")
Transsexuelle Mädchen sind Mädchen (und keine Jungs, die sich "wie Mädchen fühlen")

Tipp für Unbeteiligte: Moneyaner erkennt ihr daran, dass sie meist von diesem wichtigen Unterschied ablenken wollen. Moneyaner verweigern bis heute die Ausseinandersetzung über diesen Unterschied und halten transsexuelle Menschen de facto für nicht existent. Wer transsexuellen Menschen helfen will, tut gut daran, sich über diesen klein erscheinenden Unterschied zwischen einem "sein" und einem "fühlen wie" klar zu machen. Beispiel: Wenn ein Mensch sagen würde "ich bin ein Mensch" und ein anderer behauptete "Du fühlst Dich wie ein Mensch, bist rein biologisch aber keiner", wäre jedem die Monströsität dieser Fremdzuweisung klar. Genau dieser menschenverachtenden Fremdzuweisung sind Menschen mit geschlechtlicher Abweichung bis heute ausgesetzt. Wir tun gut daran, dies zu beenden. Wie wäre das, Lazar Backovic?

Hintergrund zu John Money: Ein Link
 
09.12.2011
Zumindest biologisch ist Sabine Bernardi heterosexuell geboren. Dummer Satz, oder? Ach so... wer ist Sabine Bernardi. Das ist die Dame, die einen Film über einen transsexuellen Mann gedreht hat, der sich "Romeos" nennt. Und schlimm auch, meint Frau Bernardi, dass da in dieser Woche die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle) den Film erst ab 16 freigeben will. Das wäre ja sowas von homophob, aber auch. Und transphob auch ein bisschen, meint sie. Nun muss man dazu wissen, dass Frau Bernardi folgendes auf ihrer Website stehen hat:

"Getragen von der Kraft des Testosterons genießt der rebellische Lukas (21) etwas ganz besonderes: seine männliche Pubertät. Medizinisch eingeleitet, da Lukas eigentlich als Mädchen geboren wurde und sich nun als Transmann im Wechsel der Geschlechter befindet."

(http://sabine-bernardi.de/projekte, abgerufen am 9.12.2011)

Das gibt dann bestimmt eine tolle Geschichte, wenn der transsexuelle Mann dann gerade im Coming-Out steckt und der Konflikt dann daran festgemacht wird, dass es ja voll schlimm wäre, wenn da jemand die Wirklichkeit herausfinden würde. So von wegen "biologisch" als Frau geboren. Zumindest behauptet das die Frau Bernardi, die ja an Geschlechtsumwandlungen glaubt. Dass es 'ne ganze Menge transsexueller Menschen gibt, die nicht nur den Begriff "Geschlechtsumwandlung" wegen des Begriffes doof finden, sondern vorallem auf Grund dessen, dass dahinter eine ganze Menge Klischee und Fremdbestimmung steckt. Na gut. Muss man nicht mitbekommen haben. Ach so, da oben steht gar nix von "Geschlechtsumwandlung"? Gut. Übersehen, da geht es um den "Wechsel der Geschlechter". So von A nach B. War vorher A und ist jetzt B. Frau Bernardi, das meinen sie doch, oder?

"Romeos erzählt eine Liebesgeschichte, vielleicht eine ein bisschen ungewöhnliche Liebesgeschichte um den 20jährigen Lukas, der – biologisch zumindest – als Mädchen geboren wurde."

(http://www.engels-kultur.de/kinder-werdet-bloss-nicht-schwul, Interview mit Sabine B., abgerufen am 09.12.2011)

Ach was. "Biologisch zumindest". Wie meinen? "Zumindest" als "na immerhin"? Oder wie? Und nun ist Lukas zumindest zum Mann geworden, oder immernoch, biologisch zumindest, eine Frau? Ist das der Stoff, aus dem ihr Film ist, Sabine Bernardi? Dass jemand das "biologische" Geschlecht entdecken könnte, oder jemand das "biologische" Geschlecht als wichtiger erachtet, als das nicht-biologische? So? Und wie sieht es mit Ihnen aus? Wie wichtig nehmen sie's denn mit dem "biologischen" so? Sehr oder zumindest ein bisschen wichtig? Was, wenn aber das, was sie für des "Biologische Geschlecht" halten, gar nicht der biologischen Realität entspricht, da ein Halten von etwas ja auch immer eine Abbildung der Realität bedeutet und nicht als real vorausgesetzt werden kann? Könnte es sein, dass es dann eventuell doch ein "so wie ich mir das biologische Geschlecht vorstelle" ist, worum es geht... also so in ihrem Film "Romeos"?

Ich frage mich ja schon lange, warum Menschen sich das "biologische Geschlecht" so vorstellen müssen, dass transsexuelle Menschen da nicht dazupassen wollen. Also zu dieser Vorstellung. Transsexuelle? Sehen fast biologsich aus, sind es aber nicht, mögen die meinen, die so ihre Vorstellung über die Biologie haben. Muss man erstmal mit umgehen, mit so einer Vorstellung. Könnte man Transsexualität ja zur psychischen Angelegenheit erklären. Tolle Idee was? Dann bleibt alles beim Alten mit dem "biologischen Geschlecht"... ach, entschuldigung, ich meinte natürlich mit der Vorstellung über das "biologische" Geschlecht.

Ach. Ich bringe es einfach nicht fertig und ich weiss gar nicht warum. Nämlich mir vorzustellen, dass Sabine Bernardi heterosexuell geboren ist. Ich finde die Vorstellung ziemlich dumm. Da müsste ich mich ja selbst belügen. Und das wäre ziemlich traurig. Nicht wahr?
 
18.11.2011
Vielen Dank, dass ich auf einen sehr interessanten Blogeintrag im Internet aufmerksam gemacht wurde, in dem es auch um mich geht. Es ist dieser hier:

Link am 25.11.2011 gelöscht.

Kurzer Kommentar:

Es gibt Menschen, die transsexuelle Frauen für biologische Männer halten. Ich nicht. Transsexuelle Menschen existieren. Auch wenn das sowohl die Gender-, als auch die Genitalien-Fraktion (wie in diesem Beispiel oben) nicht anerkennen will. Einen kleinen Tipp habe ich für Euch noch... es scheint ja immer noch Menschen zu geben, die das nicht mitbekommen haben, warum ich 2006 angefangen habe, diesen Blog hier zu schreiben... Weil mir zwei Gruppen ziemlich auf den Keks gehen, da beide die Existenz transsexueller Menschen (als per se in der Natur existent) nach wie vor ablehnen: Die Genital-Gruppe (die transsexuelle Frauen für gebürtige Männer halten... siehe Text oben) und die Gender-Leute (die meinen, man könne Geschlecht auf Rollenklischees reduzieren).

Auch wenn die Formulierung "3. Weg" ein wenig abgegriffen ist... das, was ich seit 2006 hier mache, scheint wohl damit ganz gut beschrieben zu sein. Ein Weg, der versucht anzuerkennen, dass transsexuelle Menschen existieren (und ihre eigentliche Geschlechtszugehörigkeit und das zugehörige Wissen keiner Phantasie entspringt).
 
04.11.2011
Gerade eben ist mir ein Satz eingefallen, den ich für sehr wichtig erachte, wenn es um die Menschenrechte von transsexuellen Menschen geht:

Transsexuelle Menschen sind geschlechtlich nicht die Menschen, die sie sind, weil sie sich so oder so fühlen, sondern sie fühlen sich so, weil sie geschlechtlich so sind, wie sie sind.

Das fasst in etwa die Zeit der letzten Monate zusammen, in denen ich hier weniger geschrieben habe. Ja, es gibt zur Zeit ziemlich viele Menschen, die meinen, dass das Menschenrechtsthema in Sachen Transsexualität vielerorts angekommen ist - dennoch finde ich, dass der obige Satz dafür ausreicht zu unterscheiden, ob diejenigen, die "Menschenrechte" auf ihrer Fahne stehen haben, es ernst meinen, oder nicht.

(Edit 6.11.2011:)
Einschub:

Erschreckend, wie falsch Menschen sein können und was passieren kann, wenn inhaltliche Kritik irgendwie unbequem ist. Dann kann es passieren, dass diejenigen, die keine Lust auf inhaltliche Diskussion haben, zur Meute werden, die erst versuchen den Kritiker wegzubeissen und dann, wenn dies nicht gelingt stimm und heimlich eine virtuelle Deportation durchführen. Nicht, dass ich diese böse Seite von Menschen nicht kennen würde, da ich diese Negativerfahrungen schon an der ein oder anderen Stelle machen durfte, aber es erschreckt doch immer wieder auf's neue, wenn Leute ihre Masken fallen lassen. Vor knapp einem Jahr hatte ich dazu schon einmal etwas geschrieben (das ging es um das DGTI-Forum, in dem extrem-rechte Äusserungen geduldet wurden, und diejenige, die sich darüber aufgeregt hat, dann gesperrt wurde) und der Angriff ähnelt dem letzten: Menschen fühlen sich inhaltlich angegriffen, fangen dann an, vom Thema abzulenken, Unterstellungen und Behauptungen aufzustellen um dann einen Grund zu finden, einen Menschen loszuwerden. Da es Menschen, die mehr oder weniger transsexuell (oder "transgender") sind, die solche Verhaltensweisen regelmässig an den Tag legen, schockt mich das auch jedesmal aufs Neue. Der Ekel vor dieser Art des menschlichen Umgangs lässt sich da leider nicht unterdrücken...

Ach ja, welches Forum war es diesesmal? Das FTM-Portal.

Wer gegen Ausgrenzung ist, sollte selbst nicht ausgrenzen. Wer Mobbing nicht leiden kann, sollte selbst nicht mobben.

Da ich den kompletten Thread als pdf-Ausdrücke auf meinem Rechner habe, denke ich, dass es kaum lohnt, hier Unwahrheiten über mich zu verbreiten. Oder doch? Übrigens nehme ich es Menschen, die sich so verhalten, nicht mehr ab, wenn sie behaupten, sich für die Rechte transsexueller Menschen einzusetzen. Menschen, die sich hinter Pseudonymen verstecken, die sich zusammenrotten um unbequeme Menschen virtuell zu verprügeln und dann auch noch zu behaupten, das Opfer wäre selber Schuld daran. Und ihr wollt euch für Minderheiten einsetzen? Ihr, die ihr lieber in der Gruppe gegen einzelne vorgeht, wenn Euch eine Kritik inhaltlich getroffen hat, anstatt ein Thema in konstruktiver Auseinandersetzung abzuarbeiten?

Es muss euch wirklich sehr getroffen haben, denn auf eurer Seite steht:

"Wir Moderatoren und Admins haben uns nach langer Debatte entschieden, dass eine gelbe Karte künftig von einer dreitägigen Accountsperrung begleitet wird. Bei einer zweiten gelben Karte wird der Account 7 Tage gesperrt. Die dritte gelbe war schon immer die rote, sprich: endgültige Sperrung des Accounts."

Schön, dass ich von diese Karten überhaupt keine sehen durfte. Das ging dann doch etwas schneller. Ist ja die Kim, da darf man das. Genauso wie beim Ali, oder bei Sarah. Oder vielleicht doch bei Dabiku. Manche meinen, da ginge das auch immer... hatte ich schon erwähnt, dass ich glaube, dass es genau diese Machtspiele sind, die bislang allen transsexuellen Menschen nur geschadet haben? Denn wer solche Ausgrenzereien und Diskriminierungen betreibt, wenn es um das Thema Diskriminierung und Ausgrenzung transsexueller Menschen geht (das war ja das Thema das Threads im oben genannten Forum), der verhält sich in sich paradox. Darf ich das Heuchelei nennen?

Schade. Nun ist der Kreis derer, die ich für unredlich und unehrlich halte, ein wenig grösser geworden. Wer den Inhalt des Threads wissen will, kann sich ja gerne an mich wenden. Veröffentlichen werde ich dazu vorerst nichts. Ausser die email, die ich heute bekommen habe und die mich echt geschockt hat, da ich mit so etwas gar nicht gerechnet hatte.

"Das Moderatorenteam auf FTM-Portal.net hat beschlossen, deinen Account jetzt zu sperren"

Abschliessend bleibt vielleicht noch anzumerken, dass eine Enttäuschung auch seine guten Seiten hat: Sie ent-täuscht und macht damit das positive bis neutrale Bild (ich gehe ja prinzipiell vom Guten aus), das ich über ein paar Personen hatte, zu einer Täuschung. Damit weiss ich wenigstens nun, was wirklich ist und denke, dass das eben nur helfen kann, wenn es z.B. um Menschenrechtsarbeit bei transsexuellen Menschen geht. Wer diesen Begriff nur aus Merketinggründen (und um sich selbst Macht anzueignen) benutzt, ist mir heute klar geworden. Es ist echt traurig, machmal Recht zu haben... nun denn, das geht vorbei. Wie auch jede Unwahrheit irgendwann zur Enttäuschung führt. Bestenfalls. Also so gesehen war das heute wieder mal ein echter Glückstag.

Nachtrag: Was mir gerade so auffällt ist, dass ich mich in Zukunft gut an diese Tage erinnern kann. Da werde ich dann einfach mir selbst sagen müssen: "Das war doch damals, als deine Grossmutter gestorben ist". Schon interessant, welche Erlebnisse zeitlich zusammen hängen.
 
01.09.2011
Vor kurzem habe ich einen Kommentar erhalten, aus dem sich ein kleiner email-Austausch ergeben hat. Es ging um Friedemann Pfäfflin. Dass ich ihn für einen Menschen halte, der mitverantwortlich dafür ist, dass transsexuelle Menschen immer noch nicht selbstbestimmt leben dürfen, müsste bekannt sein. Genauso denke ich, dass er zu den Menschen gehört, die immer noch keinen Plan haben, was Transsexualität ist. Anfang der 90er war es Pfäfflin, der sich stark gemacht hatte dafür, den Begriff "Transsexualität" im DSM durch "Geschlechtsidentitätsstörungen" zu ersetzen. Pfäfflin ist Mitglied der Gruppe im DSM, die unter Kenneth Zucker an einer Neufassung des DSM-Abschnitts "gender identity disorders" arbeitet. 2013 sollte der neue DSM 5 erscheinen. Bevor ich zu dem gerade angedeuteten Kommentar komme, nun ein paar Zitate:

1. Friedemann Pfäfflin "Klinische Aspekte der Transsexualität" (1997, "Sexualität - ZWischen Phantasie und Realität", Peter Buchheim):

"Weil zur psychotherapeutischen Fachausbildung Selbsterfahrung gehört, darf man voraussetzen, daß Psychotherapeuten merken, wenn sie sich mit Patienten verstricken, sich mit deren Anliegen identifizieren oder es zurückweisen. Sie sind geschult, die interaktionellen Kräfte zu erkennen und therapeutisch zu nutzen. Weil jedoch, zumindest in den dynamisch orientierten Therapien, Handlungen des Patienten oder Handlungen des Therapeuten für und mit dem Patienten schnell  dem Verdacht unterliegen, es werde agiert, und weil Agieren überwiegend negativ besetzt ist, werden Patienten mit transsexuellem Begehren oft erst gar nicht in Psychotherapie genommen. Ihr Anliegen wird nicht als kreative Phantasie verstanden, sondern als pathologischer Wunsch entwertet. Kollegen, die den Geschlechtsumwandlungswunsch aktiv fördern, indem sie z. B. Kostenübernahmeanträge für somatische Behandlungen stellen, unterliegen derselben Bewertung, und nur der Psychotherapeut, der sich zum Ziel setzt, den Patienten dazu zu bewegen, seinen Geschlechtsumwandlungswunsch aufzugeben, gilt als koscher. Übersehen wird dabei, daß unter dieser Voraussetzung ein tragfähiges Arbeitsbündnis in den meisten Fällen gar nicht zustande kommen kann. Denn auch der Psychotherapeut, der sich gar nicht auf Patienten mit transsexueller Symptomatik einläßt, entgeht der Verstrickung nicht."

Er meint damit:
a) Transsexuelle Menschen hätten einen "Geschlechtsumwandlungswunsch"
b) Ihr "Anliegen" sei eine "kreative Phantasie", also die Geschlechtlichkeit transsexueller Menschen unecht bzw. irreal

Antwort:
Transsexuelle Menschen sind sehr wohl real. Da Geschlecht nicht aus einem einzigen Faktor besteht und die Biologie des Menschen nicht einem stereotypen Adam-Eva-Weltbild entspricht, haben transsexuelle Menschen nicht den Wunsch sich "umwandeln" zu lassen, sondern körperlich im Einklang mit ihrem eigenen Selbst zu stehen. Geschlechtsuwmandlungen gibt es nicht.

2. Friedemann Pfäfflin "Transsexuelles Begehren" (2008, "Sexualitäten", Springer, Anne; Münch, Karsten; Munz, Dietrich (Hrsg.))

"Transsexualität hat mit sexuellem Begehren wenig zu tun. Angedeutet ist dies bereits in der Vorsilbe »Trans«, die sagen will, dass es bei der Transsexualität um etwas geht, das möglicherweise  jenseits der sexuellen Sphäre zu suchen ist, sofern ein solches Jenseits überhaupt denkbar ist. Sicher ist, dass transsexuelles Begehren vielfältige Gestalten annehmen kann. Das klassische transsexuelle Begehren könnte man auf die interaktioneile Formel bringen: Mache mich zu der/dem, die/ der zu sein ich schon lange behaupte bzw. die/der ich schon lange bin (vgl. Lindemann 1993).  In einer früheren klinischen Arbeit habe ich dieses Verlangen als alloautoplastische Verschränkung charakterisiert (Pfäfflin 1984)."

"Erfunden wurde das, was wir heute Transsexualität nennen, etwa um die gleiche Zeit wie die Psychoanalyse. Ob der Gründer der Psychoanalyse davon etwas bemerkt hat, muss offen bleiben. Geäußert hat er sich dazu nie, obwohl er mit  den sexualwissenschaftlichen Strömungen außerhalb der Psychoanalyse gut vertraut war."

"Es ist eine phänomenologische Diagnose, in der zwar nicht vom Begehren die Rede ist, aber von drei Wünschen, nämlich erstens dem Wunsch, als Angehörige/r des andern Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden, zweitens dem Wunsch  nach hormoneller Behandlung und drittens dem Wunsch nach chirurgischer Geschlechtsangleichung. Keine einzige andere Diagnose der ICD-10 speist sich aus Wünschen oder ist gar - wie im Märchen - aus drei Wünschen abgeleitet und darüber definiert. Wunsch und Wirklichkeit werden auf einer handgreiflichen Ebene so gut wie in eins gesetzt und es bleibt kein Raum für die Entfaltung einer Symbolik."


Er meint damit:
a) Transsexuell zu sein bedeute, wenn ein Mann zu einer Frau transsexualisiert wird (oder eine Frau zu einem Mann), hinüber von einem Geschlecht zum anderen
b) Da die ersten genitalen Operationen Anfang des 20. Jahrhunderts stattfanden, gebe es erst seit dieser Zeit transsexualisierte Menschen.
c) Menschen, die keine "Geschlechtsumwandlung" haben durchführen lassen, seien nicht transsexuell, sondern Menschen, die Wünsche, wie im Märchen haben

Antwort:
Friedemann Pfäfflin verkennt damit, dass Geschlecht nicht stereotyp auf einzelne Merkmale reduziert werden kann. Zwar mag der "Gründer der Psychoanalyse" Sigmund Freud seine Religion namens Psychoanalyse aus einem stereotypen Geschlechterbild abgeleitet haben, dennoch hat dies mit der biologischen Realität wenig zu tun. Natürlich existieren transsexuelle Menschen schon seit dem es Menschen gibt. Es kommt eben darauf an, wie man den Begriff "Transsexualität" versteht. Das klassische Missverständnis, dem Pfäfflin (und viele seiner psychoanalytischer Kollegen) aufgesessen sind ist, unter "transsexuell" so etwas wie "geschlechtsumgewandelt" zu verstehen. Magnus Hirschfeld, dem die Vielfalt von Geschlecht vertraut war, da er in den 20er Jahren viele Patienten hatte, die als geschlechtlich abweichend galten, verstand unter "transsexuell" etwas völlig anderes. Hirschfeld sprach 1923 vom "seelischen Transsexualismus", eine geschlechtliche Abweichung, die bereits ohne medizinische Behandlung existiert (Jahrbuch der sexuellen Zwischenstufen, 1923).

3. Friedemann Pfäfflin "Sexuelle Identität ins Grundgesetz?" (R&P 2010):

"Bezüglich der Geschlechtsidentitätsstörungen, die einen zentralen Aspekt des Themas betreffen, forderte die Mehrzahl der Kommentatoren, diese ganz aus dem DSM-5 herauszunehmen. Vornehmlich beriefen sie sich darauf, dass Geschlechtsidentität in jeder ihrer Varianten etwas Natürliches sei und daher nicht in die Zuständigkeit der Psychiatrie falle. Wie bei der Homosexualität, die ja früher auch als DSM- und ICD-Diagnose geführt worden war, komme es einer Diskriminierung gleich, würde man diese Diagnose im DSM-5 belassen."

"Die Diskussion um die Beibehaltung oder Abschaffung der Geschlechtsidentitätsstörungen wird mit großem Nachdruck und z. T. polemisch geführt, woraus man ablesen kann, dass es dabei nicht um eine rein akademische Sachfrage geht. Ganz offensichtlich geht es um Identität. Dass es überhaupt eine solche Diagnose gibt und dass sie womöglich fortgeschrieben werden soll, wird von vielen als Angriff auf ihre Identität erlebt, als anmaßende Attacke von Psychiatern auf die freie Selbstbestimmung und -entfaltung, wie sie in der amerikanischen Verfassung und auch im deutschen Grundgesetz garantiert werden."

"Eingedenk dessen, dass Krankenversicherungen nicht zuständig sind für Phänomene, die keiner Diagnose bedürfen, und daher für deren Behandlung nichts zu erstatten brauchen, fordert eine ebenfalls beträchtliche Gruppe von Kommentatoren, Geschlechtsidentitätsstörungen den körperlichen Krankheiten zuzuschlagen, um so wenigstens die Finanzierung hormoneller und chirurgischer Eingriffe für Transsexuelle zu sichern."


Er meint damit (in diesem Artikel, in dem er nicht empfielt, "sexuelle Identität" ins Grundgesetz aufzunehmen):
a) Es gebe "Geschlechtsidentitätsstörungen" (da er transsexuelle Frauen z.B. für Männer hält, die diese psychische Störung hätten)
b) Dass Geschlechtsidentität natürlich sei, heisst für ihn, dass das Gefühl sich z.B. als Mann als "Frau zu fühlen" natürlich sei, nicht aber, dass dieser Mensch eine natürliche Variation einer Frau sei
c) Transsexualität sei nur als psychische Störung behandelbar

Zusammenfassend:

Pfäfflin leugnet, dass es transsexuelle Menschen per se (!) überhaupt gibt. Für ihn, wie viele andere Psychoanalytiker ist eine transsexuelle Frau ein Mann mit "Geschlechtsumwandlungswünschen" (und ein "geschlechtsumgewandelter Mensch" dann aus seiner Sicht "transsexuell"). Pfäfflin glaubt, dass er, guter Mensch, der er ist, diesen "Männern" helfen muss, um mit ihrer "Phantasie" besser umgehen zu können (oder im anderen Falle diesen Frauen, die "Männer werden" wollen). In Pfäfflins Welt ist es kaum vorstellbar, dass z.B. eine transsexuelle Frau sehrwohl ohne psychische Diagnose medizinisch behandelt werden kann, nämlich sobald sie rechtlich als Frau anerkannt ist. Dafür ist es aber nötig zu verstehen, dass transsexuelle Menschen nicht "umgewandelte Menschen" sind, sondern ihr Inting/Outing ihr Wissen über ihre eigene Geschlechtlichkeit bedeutet, die von vorwiegend in patriarchalen Gesellschaften stereotypen Vorstellungen über die Biologie abweicht. Da der Begriff "Geschlechtsidentität" auch auf zweierlei Weise interpretiert werden kann, nämlich als "da ist ein Mann, der wie eine Frau fühlt" (Psychoanalytiker) und gleichzeitig als "ich bin eine Frau", verwende ich den Begriff nicht mehr, da er zu den üblichen Missverständnissen führt, die heute noch ermöglichen z.B. transsexuelle Frauen als "Männer mit psychischer Störung" zu betrachten, anstatt sie als Frauen anzuerkennen. An anderer Stelle hatte ich mich dazu bereits geäussert.

Und nun zu den bereits oben angedeuteten Kommentaren und den Antworten dazu. Silvano schrieb im August 2011 folgendes:

Silvano 1:

Hallo, ich möchte mich gerne hier zu Wort melden, da ich sagen muss, ich kann die Kritik die hier an Professor Pfäfflin angeführt wird nicht nachvollziehen.

In der Kritik hier wird ein Zitat aus dem  Buch "Sexualitäten" angeführt. Dieses Zitat so aus dem Zusammenhang gegriffen suggeriert jedoch ein gänzlich falsches Bild. In diesem Abschnitt (im Originaltext nachzulesen) beschreibt er lediglich wertefrei die Diagnosekriterien im ICD-10, welche zugegebender Maßen, im Vergleich zu sämtlichen anderen Diagnosekriterien im ICD-10, wirklich Märchenhaft anmuten mögen, rein medizinisch gesehen (aber Diagnosen sind zwangsläufisch medizinischen Gesehen). (Die Diskussion ob man überhaupt eine Diagnose für Transsexualität braucht sei an dieser Stelle dahingestellt.)

Desweiteren bewertet Professor Pfäfflin in diesem Text so gut wie gar nicht, sondern fasst lediglich sehr viele unterschiedliche Quellen, auch seine eigenen, zusammen. Er versucht quasi einen Überblick, über verschiedene Materialien die das Thema Transsexualität beschreiben, zu geben. Erst Ende des Abschnitts Klinische Aspekte gibt er einen wirklichen Einblick in seine Behandlungsüberzeugung.

Natürlich mag man unter Umständen aus dem gesamten Text evtl. raus hören, dass er es nicht 100%ig nachvollziehen kann wie es ist transsexuell zu sein, aber wer kann das schon abgesehen von transsexuellen Menschen an sich? Und macht es da unterschiede ob es biologisch begründet ist oder nicht? Ich zum Beispiel habe beide Hände und werde daher egal ob biologisch begründet oder nicht, nie wirklich 100%ig verstehen wie sich eine Person fühlt die nur mit einer Hand geboren wurde.

Prof. Pfäfflin wertet aber nicht ab sondern versucht auch klar zu machen, dass es unterschiedliche Menschen gibt, die unterschiedliche Behandlungsformen brauchen und möchten egal ob es eine biologische Begründung dafür gibt oder nicht. Zitat: " ..., weil sie aus der behaupteten biologischen Verankerung des Transsexualismus die Begründung für dessen medizinische Behandlung ableitet, als bedürfe es dieser Rechtfertigung."

Meiner Meinung nach hat er mit diesem Satz nicht ganz unrecht. Nur weil etwas biologisch begründet ist muss es nicht gleich einher gehen mit einer medizinischen Behandlung. Nur weil jemand beispielsweise nur eine Hand zu Verfügung hat (weil er so geboren wurde) heißt das nicht zwangsläufig, dass es ihm besser geht wenn man ihm jetzt eine zweite Hand annähen könnte. (Vielleicht ja, vielleicht aber auch nicht... auch in so einer Situation gibt es unterschiedliche Menschen die eine unterschiedliche Behandlung wünschen)


Weiter schreibt er: "Eine gemeinsame Ätiologie beziehungsweise Psychodynamik für Transsexualismus lässt sich nach meiner Beurteilung ebenso wenig ausmachen wie ein gemeinsames Begehren. In der Übertragungsbeziehung entscheidend ist, dass sich der Patient in seiner behaupteten Identität angenommen erlebt."

Hier bezeichnet er etwas wesentliches das wir uns alle in jedem Bereich der Medizin heutzutage wünschen, nämlich eine individuelle Medizin, eine individuelle Betrachtung was für den jeweiligen Menschen die richtige Hilfe ist und dass der Patient für voll genommen und angenommen wird. Natürlich lässt sich streiten ob ein transsexueller Mensch Hilfe braucht. Jedoch aus seinem Standtpunkt heraus bezieht er sich natürlich nur auf hilfesuchende Patienten, da unstreitbar, ja auch nur Personen zu einem Arzt (hier synonym gebraucht mit Psychoanalytiker) gehen welche Hilfe auf die eine oder andere Art begehren.

Zum Schluss möchte ich den gesamten letzten Abschnitt zitieren, da ich persönlich finde dieser Abschnitt ist der wichtigste und vorallem der letzte Satz sollte Beachtung finden:

"Solange der Psychoanalytiker oder Psychotherapeut das Ziel verfolgt, dem Patienten die Symptome wegzumachen, werden sie sich verfestigen. Fühlt sich der Patient dagegen akzeptiert, kann er eigene Zweifel entwickeln und möglicherweise vom Ziel einer Geschlechtsumwandlung ablassen. Denkbar ist aber auch, dass er im Rahmen einer  Psychotherapie seine Zweifel in der Weise bearbeiten kann, dass er sich in der erlebten Geschlechtsidentität stabilisiert, das Ziel der Geschlechtsangleichung bzw. -Umwandlung weiterhin verfolgt und schließlich auch erreicht. Wie immer das Ergebnis ausfallen mag, es kommt darauf an, dass der Patient mit seinem Leben so gut wie möglich zurechtkommt, nicht darauf, dass wir ihm nachweisen, sein Lösungsmodell sei illusionär und unsere Theorie schon immer besser gewesen."

Ich hoffe ich konnte meine Kritik an der Kritik verständlich machen.


Antwort von Kim zu 1:

Lieber Silvano,

Aussagen die Menschen in Büchern tätigen, bekommen, vorallem wenn es um Transsexualität geht, erst dann eine vollkommende Bedeutung, wenn man sie mit dem abgleicht, was Menschen für persönliche Erfahrungen gemacht haben. Gleicht man diese Erfahrungen noch mit den historischen Hintergründen rund um Transsexualität ab, dann wird am Ende ein Gesamtbild entstehen. Bei Herrn Pfäfflin besteht dieses Gssamtbild eben aus:

- seinen Veröffentlichungen
- Veröffentlichten Interviews
- Mitarbeit in Organisationen und seine Tätigkeit in diesen
- Persönlichen Erfahrungen
- Berichten von Betroffenen

Das Fazit, das ich ziehe, basiert auf jahrelanger Recherche. Es gibt hier eine Datenbank mit mehreren hundert Texten zum Thema. Diese dürften ausreichen, um zu beweisen, dass eine Riege von Sexologen bewusst oder aus Unwissenheit gegen Menschenrecht verstossen hat.

Liebe Grüsse,

Kim

Soll ich den Kommentar dennoch veröffentlichen?


Silvano 2:

Hallo Kim,

ich gebe dir Recht, das man immer ein großes Gesamtes anschauen sollte. Jedoch sollte man das dann auch so kennzeichnen und nicht nur eine Sache ohne Zusammenhang zitieren und den Eindruck erwecken, dass es nur oder hauptsächlich daran liegt.

Was Prof. Pfäfflin betrifft, kann ich auch aus eigener Erfahrung sprechen, dass er ein sehr intelligenter Mensch ist und sicher keine Menschenrechte verletzen möchte. Jedoch ist er Wissenschaftler und Psychoanalytiker und versucht aus seiner Position heraus seinen Patienten, wertefrei, eine Unterstützung zu bieten, egal wie jetzt der Hintergrund (ob biologisch oder nicht) aussehen mag. Kurz zu meinem Hintergrund, ich bin selbst transsexuell, FzM und war im Rahmen meiner Umwandlung bei Prof. Pfäfflin.

Was meinen Kommentar betrifft würde ich mich freuen wenn du Ihn veröffentlichen würdest. Gerne auch mit deiner Antwort darauf und meiner Antwort hier.

Lg
Silvano


Antwort von Kim zu 2:

Lieber Silvano,

ich gehöre nicht zu den Menschen, die an Geschlechtsumwandlungen glauben. Für mich bedeutet Geschlecht mehr als körperliche Merkmale oder das Wechseln von Geschlechtsrollen (die in Gesellschaften meist auf Stereotypen basieren). Ebenso gehöre ich nicht zu den Menschen, die anderen in ihrem Handeln böse Absichten unterstellen. Dennoch glaube ich, dass auch Menschen die in guter Absicht handeln, schreckliche Dinge ermöglichen, wenn sie ihre Weltvorstellung auf Ideologien aufbauen, anstatt offen der Viefalt zu begegnen, die um sie herum existiert. Wenn Menschen dann ihre private Religion - und für nichts anderes halte ich die Psychoanalyse - für Realität halten und daraus Regelwerke erschaffen, die Menschen ausschliesst, die nicht an Religion glauben, dann ist das sehr wohl ein grosses Problem.

Transsexuelle Menschen geniessen bis heute weniger Menschenrechte, da einst Psychoanalytiker ihre Thesen zu Regelwerken machten, die von der Politik in Gesetze gegossen wurden. Bis heute kann ein transsexueller Mensch in Deutschland nicht frei und selbstbestimmt über seine Papiere entscheiden. Welchen rechtlichen Status ein transsexueller Mensch geniessen soll, wird in Deutschland von einem Richter und Psychologen entschieden, die ihre Entscheidung von stereotypen Kriterien und seltsamen Vorstellungen über Geschlecht und Geschlechtsrollen abhängig machen. Transsexuelle Menschen müssen sich bis heute diesen Vorstellungen beugen, wollen sie als sie selbst rechtlich anerkannt werden. Beugen sie sich diesen Ideologien nicht, verweigert man ihnen ihre rechtliche Anerkennung.

Die meisten transsexuellen Menschen - und Du gehörst da ja auch dazu - haben wenig Probleme damit, sich zu den Vorstellungen auf denen Gesetze wie das Transsexuellengesetz beruhen, einverstanden zu erklären. Es gibt aber transsexuelle Menschen, die damit aus gutem Grund nicht können.

Transsexuelle Männer gelten heute nach wie vor als gescheiterte Frauen, die - und darauf basieren ja die Fragestellungen der sogenannten "Gutachter" - in ihrer Kindheit bereits ein gender-atypisches Verhalten gezeigt haben sollen. Da diese gescheiterten Mädchen auch später nicht davon ablassen - so die Vorstellung von Menschen, die an dem Begriff der "Geschlechtsidentitätsstörungen" mitgearbeitet haben - sich "männlich" zu vehalten, sagt man, diese Mädchen seien so schlimm psychisch krank, dass man ihnen eine "Geschlechtsumwandlung zum Mann" ermöglicht. Und genau das ist der Quatsch, den viele transsexuelle Menschen nicht mehr bereit sind, zu ertragen: Dass man ihnen eine Geschlechtlichkeit unterstellt, die sie nie hatten um nacher behaupten zu können, dass ein psychisch kranker Mensch angeblich sein "Geschlecht wechseln" muss, um zu psychischer Gesundheit zu kommen.

Um es noch einmal deutlich zu machen: Für mich sind transsexuelle Männer schlichtweg Männer - und eben keine psychisch kranken Frauen. Und Menschen die transsexuelle Männer für psychisch kranke Frauen halten (und transsexuelle Frauen für psychisch kranke Männer) erachte ich eben als Menschenrechtsverbrecher; da diese Menschen ihre stereotype Geschlechtervorstellung mit der Realität verwechseln und bewusst ignorieren, dass da Menschen sind, die sagen: Seht her, die Welt ist vielfältig und Geschlecht nicht auf wenige Merkmale reduzierbar.

Es geht also nicht primär um die Frage ob Transsexualität einen biologischen Hintegrund hat oder nicht, sondern erst einmal um die Frage wieviel Selbstbestimmungsrecht ein transsexueller Mensch bezogen auf sein Geschlecht haben soll, oder nicht. Menschen die hier meinen, dass transsexuelle Menschen auf Grund einer angeblichen, und in der Realität nicht existierenden "Geschlechtsidentitätsstörung" von vorne herein weniger in der Lage sein sollen über ihre eigene Geschlechtlichkeit im Klaren zu sein als "normale" Menschen und von daher weniger Rechte geniessen sollen, halte ich für Menschen, die wenig Interesse daran haben, transsexuellen Menschen zu helfen. Wer Menschen in Unfreiheilt hält und dann sagt, dass er Dir hilft mit dieser Unfreiheit umzugehen, ist in meinen Augen verlogen und handelt unredlich.

Liebe Grüsse,

Kim

 
06.07.2011
Ich hatte mich ja immer gefragt, warum es diese zwei paradoxen Gruppen gibt: Die, die sich "echte Transsexuelle" nennen und meinen eine genitale Operation würde ihr Geschlecht "wandeln" und die anderen, die sich "Transgender" schimpfen und eine bipolare Mann-Frau-Welt gerade dadurch stärken, indem sie glauben, Geschlecht sei nur das Produkt von "Geschlechtsrollen". Beide Gruppen machen auf mich oft den Eindruck als wären ihre Anhänger Menschen, die noch nicht ganz fertig gedacht haben, und wahrscheinlich auch mit sich selbst noch so ihre Probleme zu haben scheinen.

Nö, ich glaube das Menschen lediglich das Bedürfnis haben, als sie Selbst akzeptiert zu werden. Mehr nicht.

Zurück zum Thema: Woher kommt dieser Streit zwischen "echten Transsexuellen" und "Transgendern"?

"So denke ich, dass das erste, was man berücksichtigen muss, wenn jemand eine Geschlechtsumwandlung anstrebt - und ich rede nur von Männern - ist die qualitatitve und quantitative Seite seines Sexlebens. Falls es nicht häufig vorkommt, egal ob mit Männern, Frauen oder mit beiden, könnte es sein, dass diese Person zu den 5 bis 10 Prozent gehört, für die eine Operation indiziert und richtig ist. Aber falls er grosse sexuelle Erfahrung hat, entweder mit Männern oder Frauen, und insbesondere falls es im möglich war, eine Frau zu schwängern, dann sollte es eine tiefere Untersuchung geben über die Motivation und die Ziele einer Operation, bevor sie durchgeführt wird."

Dieses Zitat stammt aus einem Artikel, der die Überschrift "Transsexuelle" und "Pseudo-Transsexuelle" trägt. Die mit der Operation seien die "Transsexuellen", und die ohne OP die "Pseudo-Transsexuellen". Schon spannend, diese Spaltung in "echt" und "unecht". Aber weiter im Text...

"Alle solche Personen kann man auf der Kinsey-Skala zwischen 0 und 6 einordnen um die sexuelle Aktivität festzuhalten. [...] Übrig bleiben die 0er und 1er auf der einen Seite und die 5er und 6er auf der anderen Seite, die dann die 90 bis 95 Prozent von den 100 ausmachen, die ich Pseudo-Transsexuelle nennen würde."

Wer seinen Dodi gut im Einsatz hat, ist also kein "echter Transsexueller". Sind das nicht die Realo-Transen, die genau so argumentieren?

"...da gibt es völlig verschiedene Gründe und Motivationen von jeder dieser Gruppen. Die eine ist 'genderal' und die andere ist 'sexual' und es ist wichtig zu erfassen, welche zu wem gehört".

...

Trennen, Spalten... usw. und vorallem: Die Reduktion von Geschlecht auf Genital und Geschlechtsrollen-Klischee. Mehr scheint es ja bis heute nicht zu geben. Die rechtliche und medizinische Bewertung von Geschlecht mag nicht so ganz davon wegkommen entweder den einen Unsinn (die Annahme, die Genitalien wären geschlechtsbestimmend) anzunehmen, oder den anderen Quatsch (die Annahme, Geschlechtsrollen und das Erfüllen von rosa-hellblauer-Klischees wäre geschlechtsbestimmend) zu predigen. Richtig absurd wird es dann, wenn diejenigen, die sich "Transgender" nennen, behaupten "transsexuelle Menschen" wären "die mit den Geschlechtsumwandlungen" und damit ja die Genitalien wieder zu geschlechtsbestimmend erklären.

Ändert sich da mal was? Wie wäre es, damit aufzuhören, Menschen in Schubladen zu stecken?

Ach ja, übrigens: Der Artikel wurde nicht von einer Realo-Transe geschrieben, sondern von Virginia Prince, die in dieser Zeit den Begriff "transgender" einführte. Er heisst "Transsexuals and Pseudotranssexuals" und erschien in den Archives of Sexual Behavior, Vol. 7, No. 4, 1978.

Und noch was... ich kann es ja verstehen, dass Menschen gerade dann, wenn sie sich falsch zugeordnet sehen, neue Bezeichnungen für sich suchen. Natürlich will der Inhalt richtig verpackt sein - doch glaubt ihr nicht, dass es sinnvoller ist, die Herausforderung darin zu sehen, möglichst wenig Verpackung zu verwenden, damit der Inhalt deutlich wird? Darum... Hört endlich auf damit, immer wieder neue Begriffe einzuführen. Jeder neue Begriff hat es ermöglicht, die Rechte nicht nur von transsexuellen Menschen sondern auch anderen Menschen mit geschlechtlichen Variationen weiter zu beschneiden.

Worte sind Verkleidung. Es geht um Rechte, nicht um Worte.
 
05.07.2011
Ob es englisch ist? Egal.

I wanted to change my gender-ID, but Germany says "no". The big joke is, that I've a female body but the politicians in this country think that it makes more sense to manage me as "man with vagina" officially. The Constitutional Court didn't see any violation against the German Constitution.

Stop the lies about Germany, that made me sick. Most of the people in the world may think Germany is a paradise for human rights.

Some people may think that Germany is a place where transsexual people have the right to correct their gender-status to their origin sex (that can differ from the genitals at birth). And yes, even Mr. Hammarberg the Council of Europe Commissioner for Human Rights doesn't want to see the whole truth what's really going on in the german human rights wonderland.

I am a woman with "male papers", and German Courts and German Politicians don't show big interest in changing this foolish game. They would call me "Man who wants to live in the female gender role". And my answer is: No. I am what I am.

There are people who are responsible for this bitter truth in Germany: People who believe in Adam and Eve or something "inbetween", People who don't want to see that sex is not one-dimensional, People who believe in ideologies and religion (either in a monotheistic religion or a modern version of patriarchy, the Freudian psychoanalysis who invented the "psychosexual development" and lead to things like scoobiedoish words and phantasms like "gender identity") instead of the diversity of nature.

This is my protest against sexual facism, racist ideologies and suppression of sexual minorities.

I exist.

 
29.06.2011
Hier ein kleiner Artikel über "gender identity":

Der Deal

Ach ja, "gender identity" gibt es nicht. Menschen sind, wer sie sind.
 
15.06.2011
In der letzten Woche gab es eine Sitzung im Bundestag, in der es um das Transsexuellengesetz ging. Grüne und Linke hatten aus menschenrechtlicher Sicht sehr gute Anträge eingebracht - z.B. die Abschaffung der Zwangsgutachten, bei denen sich paradoxerweise z.B. eine transsexuelle Frau erst damit einverstanden erklären muss, als "biologischer Mann" zu gelten, der in der Frauenrolle leben will (was ausgehend der Vorstellungen der sogenannten "Sexualwissenschaft" die Grundidee der Begutachtung ist.). Darüber will ich aber heute nicht schreiben, sondern darüber, wie wenig manche Politiker gelernt zu haben scheinen und wie wenig Interesse sie scheinbar daran haben, sich eigene Gedanken zu machen bzw. Ungereimtheiten zu hinterfragen.

Gabriele Fograscher von der SPD war es, die eine Rede zu Protokoll gegeben hat, in der sie behauptete transsexuelle Menschen hätten "ein Problem mit ihrer Identität". Irgendwie kam mir das sehr bekannt vor, diese Brücke zur Psychopathologisierung transsexueller Menschen, indem man von der eigentlichen Problematik (den gesellschaftlichen Umgang mit geschlechtlichen Abweichungen) ablenkt, und eine Identitätsproblematik behauptet. Gabriele Fograscher von der SPD war es auch, die - neben der CDU und der FDP - weiterhin eine Zwangsbegutachtung möchte, wenn eine transsexuelle Frau Papiere beantragt, auf denen sie als Frau ausgewiesen ist (trotz Bedenken der Vereinten Nationen, die diese Praktiken des deutschen Begutachtungsverfahrens im TSG ja bereits mehrfach kritisiert hat).

Nun habe ich mal geschaut, in welchen Zusammenhängen behauptet wird, transsexuelle Menschen hätten ein "Promlem mit ihrer Identität".

Treffer 1: Eine Bekannte von Sophinette Becker aus Frankfurt: Elisabeth Vlasich aus Österreich. Auch sie entstammt, wie Becker, die ja transsexuelle Menschen in Büchern als mit Borderlinern verwandt darstellt, dem Psychobereich und "therapiert" transsexuelle Menschen. Vlasich bezieht sich auf ihrer Website (abgerufen: heute) u.a. auf den DSM IV: "Es geht hierbei um eine Geschlechtsidentitätsstörung, da es sich doch vorwiegend um eine Identitätsproblematik handelt als um eine sexuelle Thematik." Transsexuelle Menschen, so behauptet sie, seien menschen die "meinen,'mit den falschen Geschlechtsorganen'" auf die Welt gekommen zu sein. Das "meinen" in diesem Satz ist kein Zufall. Genau dieses Wort unterstreicht die Idee der "Geschlechtsidentitätsstörung", die Vlasich hat.

Treffer 2: Wikipedia. Unter Trans"identität" steht hier, dass dieser Begriff synonym zu Transsexualität verwendet werde und das Phänomen beschreibe, dass die Geschlechtsidentität vom biologischen Geburtsgeschlecht abweiche. Es wird darauf verwiesen, dass "transidente" Menschen "sozial als Angehörige des 'anderen' Geschlechts" anerkannt werden wollen. Dass transsexuelle Menschen in erster Linie als sie selbst anerkannt werden wollen, und wenig Interesse daran haben, primär Geschlechtsrollenstereotype zu erfüllen (soziale Rolle), vergessen die Autoren hier.

Treffer 3: Brigitte Vetter. Sie schreibt in dem Buch "Transidentität - ein unordentliches Phänomen": "Da bleibt kein Platz für Menschen, die sich im biologisch falschen Körper fühlen und ihre Identität geschlechtskonträr empfinden". Wenn wundert es, dass Vetter auch aus dem Psychobereich stammt und behauptet, transsexuelle Menschen "fühlen" sich "biologisch im falschen Körper" und dies dann als "geschlechtskonträr" belabelt. Dass gesagt wird transsexuelle Menschen "fühlten" sich so - und zwar ohne es zu sein (!) - ist einer der Grundfehlannahmen, die dazu geführt hatten, dass einst der Begriff "Geschlechtsidentitätsstörung" überhaupt erst eingeführt wurde.

Treffer 4: Das Buch "Wenn Kinder anders fühlen – Identität im anderen Geschlecht". Unter dem Subtitel "Ein Ratgeber für Eltern" heisst es da im Klappentext: "Ihr sechsjähriger Sohn will im Kleid zur Schule zu gehen? Ihre kleine Tochter behauptet: 'Ich bin nicht 'sie', ich bin 'er'!' Handelt es sich um eine Entwicklungsphase oder könnte Ihr Kind 'transident' sein, d.h. sich nicht seinem biologischen Geschlecht zugehörig fühlen, sondern dem anderen?." Gesagt wird also: Transidentität bedeutet, zu "behaupten" jemand zu sein, nämlich jemand der sich "nicht seinem biologischen Geschlecht" zugehörig fühlt.

Allen diesen Treffern gemeinsam ist: Das "Fühlen". Dieses "Fühlen" heisst, dass derjenige, der einen transsexuellen Menschen in "transident" umbenannt hat, zwar so "fühlen mag", aber ja eindeutig so "fühlt", dass sein "Gefühl" nicht zu seinem angeblich "biologischen Geschlecht" passt. Ein toller Trick, einem transsexuellen Menschen das Wissen um seine eigene Geschlechtszugehörigkeit abzusprechen. Interessant ist, dass diejenigen, die diesen Trick seit Jahren (wenn nicht Jahzenhnten) anwenden, zugleich ein "biologisches Geschlecht" behaupten, das es bei näherer Betrachtung so überhaupt nicht gibt. Das "Biologische Geschlecht" besteht in Wirklichkeit nämlich nicht nur aus einem einzigen Merkmal, sondern aus vielen, die sogar voneinander abweichen können. Dass dieser Teil der konstruierten Gleichung, also der Bezug zum angeblichen "biologischen Geschlecht" (das in Wirklichkeit ja gar nicht gemeint ist, von denen die transsexuellen Menschen das Wissen über ihre eigene Geschlechtszugehörigkeit absprechen) aber oft gerne mal unkritisiert einfach mal stehen bleibt, ist das eigentlich erstaunliche. Erschreckend wird es dann, wenn damit Menschen Rechte verwehrt werden soll.

Gabriele Fograscher reiht sich damit ein, in die Reihe transphober Frauen, die transsexuelle Menschen gerade nicht als Teil der Realität anerkennen wollen. Ich hatte ja bereits einmal darüber geschrieben, dass ich Transphobie für weiblich halte. Transphobie spricht von "Du fühlst Dich so" und meint damit zugleich "Du bist aber nicht". Wer so denkt, hat wenig Interesse daran, dass die Zwangsbegutachtungen abgeschafft werden, die genau auf dieser "du fühlst dich so, aber bist es nicht"-Logik basieren, die transsexuellen Frauen abverlangt, sich zuerst selbst zu verleugnen, indem sie sich dieser Selbstverleugnungs-Logik beugen, tausende Euro für diese Demütigung zahlen, sich von Psychiatern an ihren Genitalien begrabschen lassen, um damit letztlich ihr eigenes Outing, ja damit letzlich sich selbst zu verraten.

Im übrigen ist Fograscher ja nicht alleine. Es gibt ja auch noch die Gleichung "gender" vs. "sex", die ähnlich motiviert ist, wie die Gleichung "transidentität" gegen "biologisches Geschlecht". Es sind nur englische Begriffe, die verwendet werden. Inhaltlich geht es denen, die diese Gleichung aufstellen auch darum, zu behaupten, es gäbe "gender" auf der einen, und das eine, leicht zu definierende, eindeutige, uns allen vertraute "biologische Geschlecht" auf der anderen Seite. Dieses ultimative Geschlecht das per Operation "geändert" werden könne, wie einige, die noch in der Adam-und-Eva-Welt gefangen sind, gerne mal glauben. Oder zumindest glauben, so behaupten zu müssen.

Geschlechtliche Vielfalt anzuerkennen, sieht anders aus.

Artikel zur Bundestagssitzung vom 9. Juni 2011 bei ATME e.V: Hier.
 
09.06.2011
Heute habe ich auf der Seite von Claudia Roth (Bündnis 90 / Die Grünen) folgenden Satz gelesen:

"Gleichstellung, Akzeptanz, Vielfalt: Die Gleichstellung von Lesben, Schwulen und Transgender ist noch lange nicht erreicht."

Sowas liest mensch ja häufiger, meist im Zusammenhang mit CSD-Veranstaltungen und regelmässig werden hier transsexuelle Menschen vergessen und ausgeblendet. Ich hatte ja bereits schon öfter erwähnt, dass "transgender" zwar eine geschlechtliche Facette transsexueller Menschen sein kann, dennoch werden transsexuelle Menschen durch dieses Wort so reduziert - auf "gender", die geschlechtliche Rolle - dass am Ende die Menschenrechtsverletzungen an transsexuellen Menschen wunderbar ignoriert werden können. Die Reduzierung von transsexuellen Menschen auf gender-Stereotype ist seit jeher eines der transphoben Phänomene: Da wird dann transphoberweise aus einer transsexuellen Frau beispielsweise schwupps ein "Mann, der in der Frauenrolle leben will" - und wenn der Mann sich dann unters Messer legt eine Frau; da "er" ja dann eine "Geschlechtsumwandlung" hat durchführen lassen. Wie stereotyp und einfältig. Und genau diese stereotype Geisteshaltung führte einst einmal dazu, dass Menschen ihr ideologischese Weltbild "transgender=die ohne Operation" und "transsexuell=die umgewandelten" verbreiteten.

Nein. Ich habe wenig Lust auf diese klischeehafte Geschlechtervorstellung, die interessanterweise besonders im christlichen, patriarchalen Abendland nachwirkt. Diese Vorstellung hat in meinen Augen nichts mit der Anerkennung von Vielfalt zu tun - vielmehr beweist diese Vorstellung, wie weiterhin geschlechtliche Vielfalt, die in der Natur vorkommt, ignoriert wird, um Menschen Rechte zu verwehren, die von diesen geschlechtlichen Abweichungen "betroffen", oder besser: mit einer geschlechtlichen Variation ausgestattet sind. Eine transsexuelle Frau ist kein "Mann, der in der Frauenrolle leben will", sondern eine Frau. Das reicht.

Daher habe ich nun Claudia Roth einen Brief geschrieben:

Liebe Claudia Roth,

ich habe den Artikel "Gleichstellung, Akzeptanz, Vielfalt" auf ihrer Homepage gelesen und frage mich: Warum erwähnen sie hier keine transsexuellen Menschen? Es ist wirklich traurig zu erleben, wie transsexuelle Menschen regelmässig vergessen werden. Möglicherweise liegt das daran, dass sie nicht in die westliche Weltvorstellung passen wollen?

Transsexuelle Menschen, also Frauen, die mit männlichen Körpermerkmalen geboren werden und Männer, die mit weiblichen Körpermerkmalen geboren werden, werden leider immer wieder ignoriert, ihre Sorgen und Nöte missachtet, und ihre Menschenrechtsverletzungen ausgeblendet. So gilt in Deutschland immer noch, dass eine transsexuelle Frau als "Mann mit Identitätsstörung" behandelt wird. Ein Grund dafür mag sein, dass Menschen hierzulande vielfach immer noch an Adam und Eva glauben, und Geschlecht als heteronormatives Modell verstehen, anstatt zu begreifen, dass geschlechtliche Merkmale wie Hormonwerte, Chromosomen, Genitalien, Körperbau, Rolle, Gehirn, sexuelle Orientierung, etc. alle voneinander abweichen können und jeder Mensch daher geschlechtlich nicht ein Teil einer Linie zwischen Mann und Frau ist, sondern eine Kombination aus den verschiedensten geschlechtlichen Attributen.

Dennoch wird - beschämenderweise gerne verstärkt auch in Berlin - immer noch behauptet, dass es "Geschlechtsumwandlungen" gibt und gesagt, transsexuelle Menschen seien die, die sich haben "umwandeln" lassen. Welch mittelalterliche und absurde Adam-und-Eva (Ken und Barbie)-Vorstellung über Geschlecht. Aber genau dieser Vorstellung entspringt dann wohl auch der Gedanke, die Sorgen und Nöte transsexueller Menschen, ja sogar ihre eigentliche Existenz, auf Genderstereotype reduzieren zu wollen.

Aus einer transsexuellen Frau wird dann im öffentlichen Raum dann ein "Mann, der sich fühlt wie eine Frau, den man daran erkennt, dass er Rock und Kleid trägt und schon als Kind lieber mit Puppen gespielt hat, als mit Autos". Welch Klischee... und vorallem... welche Ausblendung tatsächlicher geschlechtlicher Vielfalt. Denn eine transsexuelle Frau ist auch dann bereits Frau, wenn sie kein Interesse daran hat, sich geschlechterstereotyp zu verhalten. (Strengenommen ist sie dann nicht "transgender", aber das nur am Rande).

Wirkliche Vielfalt anzuerkennen, heisst doch sich von Gender-Stereotypen zu lösen und geschlechtliche Vielfalt als Teil der Realität zu begreifen. Einen Teil davon auszublenden, indem transsexuelle Menschen einfach (wieder einmal) vergessen werden, ist ein Teil der Vielfalt auszublenden. Gerade von den Grünen erwarte ich, dass sie "Vielfalt" ernst nehmen.

Mit freundlichen Grüssen,

Kim Anja Schicklang


 
02.06.2011
Auch wenn es in den Medien zur Zeit nur so wimmelt von Klischee-Berichten über "Geschlechtsumwandlungen" und von "Frauen, die früher Männer waren", und ich mich frage, wie stereotyp die Zeiten sind, in denen wir uns gerade befinden, gibt es dennoch ein paar Neuigkeiten, die aufbauend sind. Mit dem Verein Aktion Transsexualität und Menschenrecht waren wir im Mai ja in Genf um dort gegen die Diskriminierung auf Grund von gender-Stereotypen und für eine Anerkennung transsexueller Menschen als "echt" zu plädieren. Beginnend mit CEDAW, dem internationalen Frauenrechtsabkommen, über den UPR (basierend auf den allg. Menschenrechten) bis hin zu dem Sozialpakt, haben die UN seit ein paar Jahren auch die Menschenrechtsverletzungen durch das Transsexuellengesetz auf dem Schirm. Die Behauptung transsexuelle Frauen seinen "Männer, die auf Grund einer psychischen Störung wie Frauen fühlen" ist bei der UN bereits seit 2008 als diskriminierend und menschenrechtsverachtend entlarvt. Die UN-Session im Mai hat diese Haltung noch einmal bestätigt:

In den sogenannten abschliessenden Bemerkungen heisst es zu der Situation in Deutschland nun:

"Der Ausschuss bemerkt mit Sorge, dass transsexuelle und intersexuelle Menschen oft als Menschen mit geistiger Erkrankung betrachtet werden und dass die politischen Maßnahmen des Vertragsstaates, gesetzgeberische und andere, zur Diskriminierung dieser Menschen geführt haben, wie auch zu Verletzungen ihrer geschlechtlichen und reproduktiven Gesundheitsrechte. (Art. 12, 2.2).

Der Ausschuss fordert den Vertragsstaat dringend auf, Maßnahmen, gesetzgeberische oder sonstige, zur Identität und Gesundheit transsexueller und intersexueller Menschen zu ergreifen, mit dem Ziel sicher zu stellen, dass sie nicht länger diskriminiert werden und dass ihre persönliche Integrität und ihre geschlechtlichen und reproduktiven Gesundheitsrechte geachtet werden. Der Ausschuss fordert den Vertragsstaat auf, für dieses Ziel die transsexuellen und intersexuellen Menschen umfassend mit ein zu beziehen."

(Quelle: http://www2.ohchr.org/english/bodies/cescr)

Damit kritisieren die Vereinten Nationen auch die (peinlicherweise) aktuell durch das BVerfG bekräftigte Menschenrechtsverletzung, transsexuellen Menschen vor einer möglicher Änderung der Papiere noch psychiatrische Begutachtungen aufzubürden. Bislang verlang des sogenannte Transsexuellengesetz ja eine Art gender-role-test, zu dem das BVerfG noch im Januar geäussert hatte:

"Für ein Leben des Betroffenen im anderen Geschlecht ist eine Angleichung seiner äußeren Erscheinung und Anpassung seiner Verhaltensweise an sein empfundenes Geschlecht erforderlich. Dies wird zunächst nur durch entsprechende Kleidung, Aufmachung und Auftretensweise* herbeigeführt, um im Alltag zu testen, ob ein dauerhafter Wechsel der Geschlechterrolle psychisch überhaupt bewältigt werden kann."

(Quelle: BVerfG, - 1 BvR 3295/07 -)

Diese Forderung, die auf einer Ideologie basiert, die Geschlecht auf gender-Stereotypen reduzieren will (und Abweichungen von diesen Stereotypen als psychische Störung erachtet), wurde nun erneut von den Vereinten Nationen als diskriminierend eingestuft. (Übrigens verwende ich deswegen nicht den Begriff "transgender", da dieser direkt in Zusammenhang steht, mit der Ideologie, die Geschlecht auf gender reduzieren will und damit mitverantwortlich für die Psychopathologisiereung transsexueller Menschen ist. Aber das nur am Rande.)

Deutschland ist ein Land in dem transsexuelle Menschen besonders unter der "Mann-fühlt-wie-Frau"-Ideologie zu leiden haben (bzw. der "Frau-fühlt-wie-Mann"-Ideologie), was auch damit zusammen hängt, dass hierzulande Oberflächlichkei, Egomarketing und dumme Stereotypen stark zugenommen haben (in allen Gesellschaftsbereichen, auch bezogen auf die ethnische Zugehörigkeit von Menschen, im Bereich der Religionszugehörigkeit, Ausbreiten eines fragwürdigen Nationalismus - siehe Fussball-WM oder Eurovision Song Contest - usw.). Eine Thema wie "Transsexualität" kann aber nur dann richig erfasst werden, wenn Menschen hinter die Fassade zu blicken bereit sind oder, vice versa, Menschen selbstbewusst vor die Tür treten um einen Schritt an die Öffentlichkeit zu machen - ein Schritt, der erfordert, sich von Ideologien zu lösen.

Bevor ich zu sehr abschweife, noch kurz ein paar konkrete andere Infos. Ich hatte ja bantragt, dass meine Papiere an mein eigentliches (und seit 2009 auch genitales) Geschlecht (weiblich) angepasst werden. Nachdem das durch mehrere Instanzen ging, hat das BVerfG meine Klage nicht zur Entscheidung angenommen. Offiziell gelte ich also nun weiterhin als Mann mit Vagina, der einen männlichen Vornamen hat. Ohne gutachterliche Bestätigung einer "gender identity disorder" (auf dieser Disorder basiert ja die TSG-Begutachterei), in der ich zum "Mann, der als Frau leben will" erklärt würde, will man mir mein Recht auf meine Papiere in Deutschland bislang nicht gewähren. Absurd. Und wäre es nicht so traurig, darin die Unfähigkeit von vielen Menschen in Deutschland, sich von ideologischen Weltbildern zu lösen, zu erkennen, wäre es ein Grund laut loszulachen. Denn wer hat am allerweingsten davon? Diejenigen, die ja stereotype Geschlechterideologien benötigen, um sich in dieser Welt scheinbar zurecht zu finden. Diese Psychos müssen ja nun mit dem Wissen leben, dass ihre Tabellen und Datenbankeinträge, an denen sie glauben, das Geschlecht eines Menschen ablesen zu können, Fehler enthält. Frauen sind als "Männer" erfasst und Männer als "Frauen". Seltsam, dass es Parteien gibt, die diese Wirrness sogar noch beibehalten wollen (zur Zeit sind das ja vorallem noch CDU und FDP, aber auch Teile der SPD). Ich frage mich nur: Haben diese Parteien wirklich so viel Interesse daran, sich freiwillig den Blick auf die Realität zu versperren? Ist es wirklich so erstrebenswert geblendet von Nicht-Realität durchs leben zu tappen, ohne zu wissen, was in der Welt wirklich los ist? Nöö, oder?

Auch aus diesem Grund bin ich froh, dass die Vereinten Nationen hier mit den Menschenrechten und den Menschenrechtsabkommen, zu dessen Einhaltung sich auch Deutschland verpflichtet hat, eine wirklich wichtige Brücke zurück in die Realität bauen können. Wenn die UN die psychiatrischen Begutachtungen im TSG-Verfahren als Verstoss gegen Menschenrechte kritisieren, dann ist das eine ganze Menge wert. Ich habe immer noch Hoffnung, dass Deutschland aus seinem Wahn erwacht und den Schritt in die Realität zu gehen bereit ist. Eine Zeile aus Lady Gagas "Born This Way" heisst "Don't be a drag. ...". Ich hatte den Eindruck, sie meint damit genau diesen Schritt. "... Just be A Queen". Gute Idee. Längst geschehen. Überall auf dieser Welt.

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* Kleidung, Aufmachung und Auftretensweise sind Teil der Ideologien des DSM bzw. dem, was unter "Geschlechtsidentitätsstörungen" verstanden werden soll. "Geschlechtsidentitätsstörungen", so heisst es z.B. von Beier, Bosinski und Loewit (Sexualmedizin, Elsevier, 2005) seien die Voraussetzungen für eine positive Begutachtung nach TSG (Transsexuellengesetz). Link zum DSM IV: Kapitel Geschlechtsidentitätsstörungen .

 
30.04.2011
Weil Homosexualität kein Grund mehr ist, nicht heiraten zu dürfen und das TSG nicht mehr verlange, dass ein Mann sich zur Frau "umoperieren" lasse, um in der Rolle der Frau leben zu dürfen, plädiert nun Friedemann Pfäfflin für eine Abschaffung des Transsexuellengesetzes und die Möglichkeit, dass der Personenstand eines Menschen auf dem Standesamt geändert werden kann. So in etwa interpretiere ich den Text, der nun in der Zeitschrift Recht und Psychiatrie (2011, 29. Jahrgang, 2. Vierteljahr) von Friedemann Pfäfflin veröffentlicht wurde. Interessant. Denn genau betrachtet schliesst sich damit Pfäfflin nach einem halben Jahrzehnt, seit dem es die Seite mut23 gibt, vordergründig den Forderungen an, die ich hier bereits vor 5 Jahren gestellt hatte. Ob er nun das Handtuch geworden hat, und sich damit nun aus dem sinnlosen Streit zwischen den Parteien gender und genital verabschiedet hat? Da mag ich nicht daran glauben.

Hier ein Auszug:

"Um eine gleichgeschlechtliche Ehe einzugehen, braucht man keine medizinischen Gutachten. Wozu sollte man solche Gutachten und das aufwendige Verfahren des Transsexuellengesetzes  einschließlich der doppelten Begutachtung dann noch brauchen, wenn die Geschlechtsidentität der subjektiven Selbstbestimmung unterliegt? Es müsste dann doch genügen, dass sich ein Antragsteller beim Standesamt entsprechend erklärt, die Gebühren für die diversen Umschreibungen entrichtet und dann den gewünschten Personenstand erhält."


und weiter:

"Neben der geschlechtsangleichenden Operation forderte das  Transsexuellengesetz als Voraussetzung für eine Personenstandsänderung die dauernde Fortpflanzungsunfähigkeit des Antragstellers,  ohne diese Forderung näher zu begründen. Dabei stand einerseits wohl der nachvollziehbare Gedanke Pate, für Kinder könnte es verwirrend sein, wenn sie als Eltern zwei Mütter oder zwei Väter hätten. Doch spielte im Hintergrund vermutlich noch die alte Degenerationslehre der Psychiatrie eine entscheidende  Rolle, die solche Menschen von der Fortpflanzung ausschließen wollte."


Genau betrachtet existieren in der Natur vorkommende transsexuelle Menschen für Friedemann Pfäfflin damit aber immer noch nicht. Er ist immer noch nicht bereit anzuerkennen, dass eine transsexuelle Frau eine Frau ist, und kein "Mann, der sich zur Frau umoperieren lassen will". Die Veröffentlichung ist dennoch spannend, da sie zeigt, dass die Sexologie, die seit den 60er-Jahren daran bestrebt ist, Transsexualität als widernatürlich zu verkaufen und sie als psychische Erfindung zu deklarieren (stichwort: "gefühltes Geschlecht") oder als Drang in der "gegengeschlechtlichen Rolle" (gender) leben zu wollen, darauf bedacht ist, sich einen noch "netteren", transsexuellenfreundlicheren Anstrich zu verpassen, als zuvor.

Der Wettbewerb der zwei eindimensionalen Lager der gender-Gläubigen auf der einen und der genital-Gläubigen auf der anderen Seite ist damit wieder einen Schritt modernen geworden: Jetzt wird darüber gestritten, wer sich schneller und eleganter von der Bühne verabschiedet und wie lange dieser Abschied dauern wird. Was nicht vermutet werden darf ist, dass diese beiden Lager der verwirrten Ideologien von ihren Sichtweisen abrücken wird. Da wird es immer noch die einen geben, die von "Geschlechtsumwandlungen" sprechen, und damit meinen, dass ein "Mann, der wie eine Frau fühlt" sich zur "Frau umoperieren" lässt (genital-only-Fraktion), und die anderen, die meinen Geschlecht sei nur ein "Konstrukt" (gender-only-Fraktion) aber bis heute nicht erklären können, warum sie dann "Geschlecht" einen so hohen Stellenwert in ihrem Leben einräumen (was letzlich eine ähnliche Eindimensionalität im Denken offenbart).

Letztlich aber wird es letztendlich völlig unwichtig sein, für wen oder was ein Sexologe einen transsexuellen Menschen hält, wenn er das Recht hat, als der Mensch anerkannt zu werden, der er ist. Sollen sie transsexuelle Frauen doch für "biologische Männer" halten (die in der Frauenrolle leben wollen) und damit weiterhin mit verschlossenen, ideologisch verklärten Augen durch die Welt laufen, obwohl die Realität zu begreifen doch weitaus mehr hergeben würde ... aber wen interessiert das dann noch? Eben. Denn wer ist, der ist.

Hier der Text:

Plädoyer für die Abschaffung des Transsexuellengesetzes, Friedemann Pfäfflin 2011

P.S. Übrigens lässt sich der Missbrauch von transsexuellen Menschen durch die deutsche Sexologie so einfach auch nicht wegwischen. Das interessiert dann schon noch, wann ihr, liebe Psychoanalytiker, bereit seid, euch bei euren Opfern zu entschuldigen. Das wäre dann doch noch ganz nett, oder nicht?
 
20.03.2011
Die Achillesverse der Emanzipationsbewegung transsexueller Menschen ist die Unlogik, die sich hinter mancher Theorie verbirgt. Transsexuellenfeindlichkeit wird sich immer solche Schwachstellen suchen, in denen die Selbstbehauptung dem eigenen Selbst widerspricht. Beispiele:

a) ein Mensch sagt, er will die "Geschlechtergrenzen durchbrechen". So nimmt er an, dass es solche Grenzen gibt und stärkt den Glauben an diese.
b) ein Mensch sagt, er sei "zwischen den Geschlechtern". Damit behauptet er indirekt, dass es irgendetwas gibt, was sich zwischen etwas anderem befindet. Das "andere" wäre hier: Geschlecht. Dieser Mensch sieht sich also ausserhalb von etwas, das er als existent annimmt.
c) ein Mensch sagt er mache Geschlecht "nicht an den Geschlechtsteilen" fest. Nun hält er aber ja anscheinend irgendwelche Teile für "Geschlecht", obwohl er das Gegenteil behauptet.
d) ein Mensch sagt, er halte das "gefühlte Geschlecht" wichtiger als das "biologische Geschlecht" eines Menschen und behauptet, dass es beispielsweise "Männer gibt, die wie Frauen fühlen". Wenn dieser Mensch das "gefühlte Geschlecht" wirklich als wichtiger erachten würde, könnte er aber nicht behaupten, dass es "Männer gibt, die wie Frauen fühlen".
...

Dieser Gedanke lässt sich noch beliebig durch weitere Beispiele erweitern.

Warum schreibe ich das? Deswegen, weil ich glaube, dass transsexuelle Menschen selbst einen grossen Teil dafür verantwortlich sind, wie sie medizinisch und rechtlich behandelt werden. Insbesondere diejenigen unter uns, die - auf Grund ihres mangelnden Selbstbewusstseins - ähnliche wie die oben aufgeführten Paradoxien in Vergangenheit verbreitet haben (oder das teils heute noch tun). Diese Menschen als "die Bösen" zu erachten, liegt mir fern, da die Verleugnung des eigenen individuellen Selbst bei Menschengruppen, die in Gesellschaften weniger Rechte geniessen als andere Gruppen, auch nichts neues ist. Damit haben auch andere Emanzipationsbewegungen zu kämpfen gehabt...

Wenn wir aber Verantwortung übernehmen wollen, dann sollten wir uns gegenseitig auf Ungereimtheiten, die wir von uns geben, hinweisen. Denn nichts ist trügerischer, als Wundpflaster des geschlechtlichen Egos für die Gesundung des Selbst zu erachten. Transsexuelle Menschen haben meiner Ansicht nach die Aufgabe genau zu sein, wenn sie anderen transsexuellen Menschen kein Leid zufügen wollen. Dabei spielt in erster Linie die Frage eine Rolle, wieviel Respekt wir gegenüber uns selbst haben. ...
 
11.03.2011
"Ein transsexueller Mensch braucht nicht transsexuell zu sein um transsexuell zu sein." Was wie ein Paradoxon klingt, ist auch eines, denn eins der drei "transsexuell" in dem Satz ist falsch. Warum schreibe ich dann diesen Satz? Weil er aufführt, dass es immer noch Menschen gibt, die glauben, dass eine genitale Operation das Geschlecht eines Menschen verändern würde. So hat der Berliner Verein TriQ (TransInterQueer e.V.) folgendes in er aktuellen Broschüre (Trans* in den Medien Abgerufen: 11.03.2011) zu Transsexualität folgendes zu sagen:

"Transsexuelle - Als transsexuell bezeichnen sich Personen, die mittels Hormonen und geschlechtsangleichenden Operationen ihren Körper transformieren, um im 'Gegengeschlecht' des bei der Geburt zugewiesenen Geschlechts zu leben."

Behauptet wird also: Transsexuell ist ein Mensch, der seinen Körper "transformiert". Und was, wenn er es nicht tut? Wäre er dann nicht transsexuell? Wenn man drüber nachdenkt... ja tatsächlich... das ist ja wirklich ein wenig absurd. Nur, wenn also ein Mensch, der seinen Körper nicht "transformiert" nun gar nicht "transsexuell" ist, dann würde das ja bedeuten, dass die körperlichen Veränderungen ihn (der Logik der TriQ-Broschüre nach) "transsexuell" machen würden. Richtig? Oder übersetzt: Transsexuelle Menschen gibt es per se nicht, sondern es gibt Menschen, die durch Operationen "transsexuell werden"... sie "transformieren" sich und wären dann "transsexuell".

Dass TriQ damit aberkennt, dass transsexuelle Menschen in der Realität existieren, ist nicht nett. Genauso unfein ist, es wenn das häufiger vorkommt. Bereits in der Broschüre, die TriQ für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes verfasst hat, kommt durchschnittlich auf jeder 10. Seite das Wort "Geschlechtsumwandlung" vor (Expertise "Benachteiligungen von Trans*Personen, insbesondere im Arbeitsleben", Dezember 2010). Interessant das TriQ in der nun neuen Broschüre immerhin schreibt:

"Wählen Sie 'Geschlechtsangleichung' statt 'Geschlechtsumwandlung', falls Sie über medizinische Transition berichten."
(Trans* In den Medien, TriQ März 2011)

Was aber, wenn TriQ hier zwar meint, man müsse das "Geschlechtsangleichung" verwenden, aber dann trotzdem meint, ein transsexueller Mensch wäre erst dann "transsexuell", wenn er vorher eine körperliche Transformation des Körpers hätte durchführen lassen? Dann wird aus einer "Geschlechtsangleichung" plötzlich inhaltlich dasselbe wie "Geschlechtsumwandlungen" und alles ist wie vorher. Raider heisst jetzt Twix - sonst änderte sich nix.

Dass dieselben Inhalte noch auf ganz andere Weise neu verpackt werden können, zeigt auch das Wort "trans*". War es erst das Wort "transgender" dem transsexuelle Menschen sich fügen sollten, so ist es nun das Wort "trans*". Ähnlich wie vor ein paar Jahren bei "transgender" wird auch diesesmal wieder ähnlich argumentiert - Vertreter des Begriffes meinen, dass man hier doch einen Oberbegriff bräuchte, der alle "trans*Geschlechtlichkeiten" abdecke. Dass das Ding wieder zur Vereinnahmung von Interessen und zur Umdeutung der individuellen Anliegen, unterschiedlicher Menschen führt, lässt sich befürchten, wenn schon jetzt "transsexuelle Menschen" unter dem Label "trans*" zu denen werden, die erst dann existieren, wenn sie zuvor "transformiert" haben, anstatt anzuerkennen, dass transsexuelle Menschen tatsächlich existieren. Sie müssen es ja auch, da es sonst ja keinen Sinn machen würde, sich als transsexuell zu outen, Hilfe aufzusuchen und medizinische Massnahmen anzugehen, die in der Tat von aussen betrachtet zwar wie eine Transformation aussehen mögen, aber für einen transsexuellen Menschen klar als Anpassung körperlicher Abweichungen an das eigene, bewusste, und letzlich geoutete Geschlecht bedeuten.

Zum Schluss noch folgendes: Wer glaubt, dass Trans*Mensch (siehe die oben erwähnte TriQ-Broschüre) ein toller Begriff ist, glaub wahrscheinlich auch, dass ein homosexueller Mensch auch Homo*Mensch heissen sollte und ein intersexueller Mensch Inter*Mensch. Möglicherweise plädiert er auch dafür, ein blinder Menschen in Zukunft Blind*Mensch zu nennen und dass man zu einem Mensch mit Behinderung in Zukunft doch besser Behindert*Mensch sagen sollte, weil er ja Behindert* wäre. Ein Schelm, wer weiss, dass gerade viele Menschen mit Behinderung lange dafür gekämpft hatten, dass "Behinderte" als Wort ganz und gar nicht nett ist.

Übrigens noch ein kleiner Hinweis an die Medien: Ihr könnt transsexuelle Menschen auch einfach transsexuelle Menschen nennen.
 
03.03.2011
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags hat ja am 07.02.2011 geantwortet, das hätte ich fast vergessen zu erwähnen. Es geht ja immer noch um eine Petition aus dem Jahr 2006, in der ich wissen wollte, warum transsexuelle Frauen sich als "Männer mit psychischer Störung" begutachten lassen müssen, um vor dem Gesetz als Frauen anerkannt zu werden (Transsexuellengesetz). Nun teilte man mir mit, dass die Prüfung "wider Erwarten" längere Zeit in Anspruch nimmt und ich zu gegebener Zeit eine abschließende Antwort erhalte.

Nach dem die FDP und CDU ja gerade wieder einmal am TSG herumwerkeln und, so lässt sich vermuten, höchstwahrscheinlich auch in einem neuen TSG, das diese schwarz-gelbe Bundesregierung plant, weiterhin eine psychiatrische Begutachtung enthalten sein wird (es gibt ja genügend Anzeichen dafür), ist mein Anliegen immer noch aktuell - schliesslich wäre dann auch damit dann wieder dieses menschenverachtende Paradoxon noch weiterhin in einem Gesetz verankert. Dass das im übrigen dann die nächste Runde der Verfassungsklagen einleiten würde, nur am Rande. Paradoxer Unsinn funkioniert nicht, liebe Bundesregierung... wenn ihr immer noch der Ansicht seit, euch auf widersprüche Ideologien sogenannter "Fachgesellschaften" wie der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung, die immer noch an "gender identity disorders" glaubt bzw. ja zahlreiche solcher Texte veröffentlicht  hat, in denen von "Geschlechtsidentitätsstörungen" die Rede ist (u.a. von Sophinette Becker, Hertha-Richter-Appelt, ..), berufen zu müssen, dann würde das - so könnte ich das jetzt schon prophezeien - endlos so weiter gehen.

Apropos "gender identity disorder" und andere Dinge, die in Wirklichkeit nicht existieren. Ich habe einen Artikel darüber verfasst, dass ich ab sofort den Begriff "gender identity" bzw. "Geschlechtsidentität" nur noch im Zusammenhang mit den Ideologien von John Money verwenden werde. "Geschlechtsidentität" (im Sinne einer "gender identity") gibt es nämlich nicht.

Der Artikel ist hier zu finden:

Es gibt keine Gender Identity

Übrigens, so als Nachtrag: Damit gibt es auch keine "gender identity disorders" und auch keine "gender variance".


 
22.02.2011
In den letzten Tagen haben wir ja schon viel davon gehört, wie ein Verteidigungsminister namens Guttenberg (CSU) sich seine Doktorarbeit per Copy 'n' Paste um ganze Absätze erweitert hat, die er nicht als Zitate ausgewiesen hat. Es gibt Stimmen, die sprechen davon, dass seine Doktorarbeit ein Plagiat ist. Doch was hat das mit Transsexualität zu tun?

Ich habe mich nun daran erinnert, dass das im Zusammenhang mit Transsexualität ja auch schon mal so etwas gegeben hat: Nämlich als die Bundesregierung Antworten auf Fragen zum Transsexuellenrecht eins zu eins aus einem Lobbypapier der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung übernommen hatte, ohne dies - eben wie bei Guttenberg - nicht als Zitat kenntlich zu machen. Dass eine Bundesregierung sich Texte von Lobbygruppen diktieren lässt, fand ich bereits damals schon obskur, aber die Guttenberg-Geschichte erweitert meine Verwunderung um eine Frage: Wie ehrlich ist unsere Bundesregierung?

Hier die Sätze:

"Innerhalb der Wissenschaft gelten die Ursachen der Transsexualität nach wie vor als nicht geklärt und sind Gegenstand verschiedener theoretischer Ansätze. Die früher vermuteten biologisch-somatischen Ursachen sind bislang allesamt nicht verifiziert worden. Es besteht heute Konsens darüber, dass ein persistierendes transsexuelles Verlangen das Resultat sequenzieller, in verschiedenen Abschnitten der psychosexuellen Entwicklung gelegener, eventuell kumulativ wirksam werdender Einflussfaktoren ist."
(Antwort  der Bundesregierung  auf die Kleine Anfrage der FDP - Drucksache 16/8112 -  Reform des Transsexuellengesetzes vom 29.02.2008)

"Innerhalb der Wissenschaft (Medizin/Psychologie) gelten die Ursachen der Transsexualität nach wie vor als nicht geklärt und sind Gegenstand verschiedener theoretischer Ansätze. Die früher vermuteten biologisch-somatischen Ursachen sind bislang allesamt nicht verifiziert worden. Es besteht heute Konsens darüber, dass ein persistierendes transsexuelles Verlangen das Resultat sequenzieller, in verschiedenen Abschnitten der psychosexuellen Entwicklung gelegener, eventuell kumulativ wirksam werdender Einflussfaktoren ist."
(Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung von Sophinette Becker, Wolfgang Berner, Martin Dannecker und Hertha Richter-Appelt zur Anfrage des Bundesministeriums des Innern vom 11. Dezember 2000)

Interessant ist, dass diese Stelle dann auch wieder direkt bei offiziellen Papieren zur TSG-Reform auftaucht. So heisst es in einem Entwurf zum "Gesetz zur Reform des Transsexuellenrechts - Transsexuellenrechtsreformgesetz - TSRRG" vom 7.4.2009:

"Innerhalb der Wissenschaft gelten die Ursachen der Transsexualität nach wie vor als nicht geklärt. Die früher vermuteten biologisch-somatischen Ursachen sind bislang allesamt nicht verifiziert worden. Es besteht heute Konsens darüber, dass ein persistierendes transsexuelles Verlangen das Resultat sequenzieller, in verschiedenen Abschnitten der psychosexuellen Entwicklung gelegener, eventuell kumulativ wirksam werdender Einflussfaktoren ist."

Zwar wird hier erwähnt, dass es sich um eine "Auswertung einer im Jahr 2000 vom Bundesministerium des Innern durchgeführten Umfrage bei Betroffenen, Behörden der Länder, Verbänden und Sachverständigen zu ihren Erfahrungen mit dem TSG" handelt - ein Hinweis darauf, dass es sich bei dem Abschnitt um ein Copy 'n' Paste-Zitat der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung aus 2000 (siehe oben) handelt, fehlt aber auch in diesem Papier.

Es bleibt noch anzumerken, dass der Inhaltsgehalt des Satzes auch durch häufiges Kopieren nicht besser wird. Zwar mag die Lobbygruppe der DGfS hier an eine Störung der sogenannten "psychosexuelle Entwicklung" glauben (die "gestörte-Männer-die-in-der-Frauenrolle-leben-wollen-These"), diese These ist aber längst widerlegt worden, da Menschen eben biologisch nicht als Ken und Barbie geboren werden (geschlechtliche Abweichungen sind wissenschaftlich belegt) und daher ein Mensch kein "geschlechtsatypisches" Verhalten gegenüber seinem angeblichen "biologischen Geschlecht" - denn das gibt es in dieser stereotypen Form ja gar nicht - zeigen kann.

Ein Mensch kann zwar in seinem Verhalten von Gender-Stereotypen abweichen, aber eben nicht von einem "biologischen Geschlecht". Und das führt dann zu der Frage: Warum sollte es als psychische Störung gelten, wenn ein Mensch von Stereotypen abweicht? Und genau das ist das Problem der psychoanaltisch geprägten Sexualwissenschaft in Deutschland: Sie predigt ein geschlechtsstereotypes, menschenverachtendes Paradoxon. Und ich finde, es täte der Bundesregierung gut, sich nicht auf wirre Menschen, die diesen paradoxen Knoten im Kopf haben, zu berufen. Und schon gar nicht ohne Nennung der Quellen.

Es macht übrigens auch wenig Sinn Leute zu zitieren, die sowieso selbst zugeben, dass sie keine Klarheit über die Ursachen von Transsexualität besitzen (siehe Zitat oben - also egal welches von den dreien).

 
20.02.2011
Wieder einmal hat die Bildzeitung geschafft Sachverhalte treffend und vereinfachend zusammenzufassen. So schafft es die Redaktion der Bild, deutlich zu machen, was Transphobie ist. Ich vermute mal, dass dies nicht Absicht war. Aber lest selbst:

"Kim hieß damals noch Tim und war ein Junge. [...] 'Ich wusste schon immer, dass ich ein Mädchen bin', sagt sie."
(Bild, Ich war ein Junge, 20.02.2011)

Besser geht es eigentlich nicht. Damit wird ziemlich gut deutlich, was wir in Deutschland für ein Problem haben: Dass transsexuelle Menschen zwar ein Wissen über ihr Geschlecht haben, offiziell aber darauf nicht Rücksicht genommen wird und sogar das Gegenteil behauptet wird... hier: dass Kim ein Junge war.

Der Artikel, der einen wunderschönen Werbebeitrag für die deutsche Sexologie abgibt, erwähnt natürlich auch wieder den Kinderpsychologen Bernd Meyenburg aus Frankfurt, der Kim Petras ja behandelte. Bernd Meyenburg ist derjenige, der sagt: Ist da ein Penis, dann ist es kein Mädchen. Oder andersherum: Ein Mensch der einen Penis hat, ist ein Junge. Nun könne dieser sich aber (sagt ja auch die deutsche Sologie) so "fühlen wie ein Mädchen". Und man könne ihn dann "umoperieren".

Ich hatte ja schon öfter aufgeführt, dass das biologische Geschlecht eines Menschen nichts mit dem Vorhandensein oder Fehlen eines Penis zu tun hat, aber die deutsche Sexologie glaubt ja immer noch an eine sogenannte "psychosexuelle Entwicklung" und dass Transsexualität eine Abweichung der naturgegebenen, genitalabhängigen sogenannten "Geschlechtsidentität", also eine "gender identity disorder" ist. Interessant ist, wie hartnäckig die John Money-Fraktion sich in Deutschland halten kann.
 
John Money? Nun vielleicht noch einmal ein kleiner Rückblick: In einem Artikel der FAZ ging es 2006 John Money, an den mich der Zeitungsartikel der Bildzeitung über Kim Petras sehr erinnert hatte.

John Money kennt man im Zusammenhang mit dem "Fall Reimer". Reimer war der Junge, dem man - weil sein Penis nach seiner Geburt verletzt war - eine Vagina bastelte, und der als Mädchen aufgezogen wurde. David brachte sich später deswegen um, da er immer spürte, dass er nicht wirklich ein Mädchen war (auch wenn ihm das alle, auf Anraten des Sexologen John Money, erzählten).

"1967 sahen Ron und Janet Reimer dann in einer Fernsehrunde einen Doktor aus den Vereinigten Staaten, der ihnen wieder Hoffnung gab. Es war John Money, ein Psychiater vom Johns-Hopkins-Krankenhaus in Baltimore.

Money behauptete in der Sendung, man könne aus Männern ohne weiteres Frauen machen. Er hatte eine Blondine mitgebracht, die in kurzem Rock und enger Jacke, mit Stöckelschuhen, langen Wimpern, schwarz umrandeten Augen, Lippenstift und Make-up einen betont femininen, ja aufreizenden Eindruck machte: einen Transsexuellen, der sagte, er fühle sich nach seiner operativen Geschlechtsumwandlung vollständig als Frau, 'körperlich und geistig'. Die Eheleute Reimer erblickten darin die Lösung ihrer Probleme. Sie schrieben an Money, nicht ahnend, daß sie umgekehrt auch ihm etwas boten, was er dringend benötigte: die Chance, mit einem Experiment seine radikale Theorie zu beweisen."

(FAZ, „Gender Mainstreaming“ Der kleine Unterschied, 7.9.2006)

Interessant auch, wie der Artikel die Brücke zu den Genitalverstümmelungen an Menschen, die mit uneindeutigen Genitalien geboren werden, schlägt:

"Viele der Kinder, die mit fehlentwickelten Geschlechtsorganen geboren worden sind und denen von Money selbst oder infolge seiner Lehre ein Geschlecht 'zugewiesen' wurde, sind heute erwachsen. Manche haben sich in Selbsthilfegruppen organisiert. Sie beklagen die psychochirurgische Verfügung über ihr Leben."

Vor diesem Hintergrund wirkt der aktuelle Artikel der Bildzeitung wie ein billiger Werbeartikel einer menschenverachtenden sexologischen Ideologie, die heute noch in Deutschland propagiert wird (schöne Grüsse an Herrn Jauch von RTL, der sich dazu ja auch regelmässig hat einspannen lassen):

"Tim besaß, als er vier Jahre alt war, ein Sparschwein, in das er sein Taschengeld steckte. Er sparte nicht auf ein Fahrrad, nicht auf einen Hund wie andere Kinder, er wollte Geld, um ein Mädchen werden zu können."
(Bild, Ich war ein Junge, 20.02.2011)

Damit es ein bisschen deutlicher Wird, stelle ich hier einmal zwei Sätze gegenüber:

Bild: "Ein Mädchen werden" - FAZ: "Man könne aus Männern ohne weiteres Frauen machen".

Und Kim Petras als "Blondine", die hier eine passende Werbefigur für eine menschenverachtende Ideologie darstellt, der bis heute zahlreiche Menschen mit geschlechtlichen Abweichungen zum Opfer gefallen sind: Ob es sich dabei um Opfer von Genitalverstümmelungen handelt, oder um Menschen, denen man regelmässig das Etikett "Geschlechtsidentitätsstörung" auf die Stirn klebt. Die Geschichte der Menschenrechtsverbrechen an Menschen mit Geschlechtsabweichungen ist auch eine Geschichte des Versagens der öffentlichen Medien.

Deswegen wiederhole ich es gerne: Es gibt Menschen mit Geschlechtsabweichungen. Und, da bin ich froh darüber, immer mehr, die sich diese Lügen (siehe oben, Zitat aus der Bildzeitung) nicht mehr gefallen lassen wollen.
 
17.02.2011
"Ich ging zu diesem Mädel rüber und sie sagte "Hi, mein Name ist Sheela". Ich dachte sie wäre die richtige um mit ihr einen kleinen Funk Cold Media zu trinken. Sie sagte "Ich würde den Drink schon mögen", ich antwortete "Moment ich hole ihn". Und nach ein paar Schlückchen leckte sie sich über ihre Lippen und ich wusste jetzt ist sie soweit. So nahm ich sie mit in mein Bett und alles lief so gut wie geplant. Aber als sie sich auszog gab es eine grosse dreckige Überraschung: Sheela war ein Mann. So warf ich ihn raus..."
(Tone Loc - Funky Cold Medina)

Ich habe heute einen Artikel in der Zeit entdeckt. Die letzte Zeile dieses Artikels lautet: "Manche der schönsten Frauen sind eben Männer."

Treffender kann man die Motivation für Hassverbrechen an transsexuellen Frauen nicht ausdrücken. (Suchtipp: Angie Zapata) Man braucht nur zu sagen: Diese Frauen sind gar keine. Oder man drückt das etwas netter aus: Männer, die in der Frauenrolle leben. Oder, um das mal ein wenig zu konkretisieren: Männer in Frauenkleidern.

"Mehr als jeder oder jede andere vor ihm verkörpert er einen Trend, der über den Wechsel von Farben, Stoffen und Silhouetten hinausgeht: die Auflösung der Grenze zwischen den Geschlechtern. Frauen schlüpfen in die Rollen von Männern, Männer werden zu Frauen. Mitunter ist nicht einmal mehr auszumachen, wer Frau ist und wer Mann. Und es interessiert auch nicht. Die Mode steht vor der nächsten sexuellen Revolution: Nach den androgynen Looks der neunziger Jahre wird sie jetzt vollends geschlechtslos."
(Zeit, 16.2.2011)

"Geschlechtergrenzen überwinden" nennt Tillmann Prüfer, der Autor des Zeit-Artikels das. Ich würde es "Rollback der Geschlechterstereotypen" nennen. Eine ziemlich verlogene Wiederkehr alter Geschlechterklischees obendrein: In ganzen vier Sätzen kommt drei mal "Mann" vor und drei mal "Frau". Ganz schön viel Geschlecht für die angebliche Geschlechtslosigkeit...

"Für ein Leben des Betroffenen im anderen Geschlecht ist eine Angleichung seiner äußeren Erscheinung und Anpassung seiner Verhaltensweise an sein empfundenes Geschlecht erforderlich. Dies wird zunächst nur durch entsprechende Kleidung, Aufmachung und Auftretensweise herbeigeführt, um im Alltag zu testen, ob ein dauerhafter Wechsel der Geschlechterrolle psychisch überhaupt bewältigt werden kann."
(Bundesverfassungsgericht, Februar 2011)

Funky Cold Medina, würde ich sagen.

Edit, Gedanken Teil 2:

Das schlimmste für mich in Sachen Transsexualität ist, seinen Intimbereich zur schaustellen zu müssen, um überhaupt die Chance zu erhalten, als der Mensch anerkannt zu werden, der Du bist. Ich habe daher bislang darüber nichts veröffentlicht, da ich den Zwang zum "Geschlechtsbeweis" als derart demütigend erachte und deswegen schon ein paar mal kurz vor dem Nervenzusammenbruch stand. Es ist im übrigen genau der psychische und sexuelle Missbrauch, den ich dem "System Trans" vorwerfe: Mit deinem Outing wirst du automatisch zum Opfer eines perversen Systems, vor dem Du Dich gefälligst nackig gemacht haben sollst. Intimsphäre? Fehlanzeige.

Daher habe ich hier auf dieser Seite bislang auch nur meine Gedanken zu diesem medizinischen und rechtlichen Missbrauch veröffentlicht, und nichts zu medizinischen Sachen geschrieben, die mein eigenes Leben betreffen. Ich möchte heute eine Ausnahme machen. Ich weiss, dass ich mich damit einer weiteren Verletzung aussetzen kann, dennoch glaube ich, dass ich ein paar Menschen eine Antwort schuldig bin.

Ich gehöre zu den transsexuellen Frauen (ja, da gibt es noch einige andere), die zwar schon länger eine genitale Operation hinter sich haben, aber auf Grund des psychiatrischen, systematischen Missbrauchs transsexueller Menschen weder eine offizielle Vornamens- noch Personenstandsänderung haben durchführen lassen. Kein Mensch dieser Welt hat das Recht von mir zu verlangen, dass ich bei einem Spiel mitspiele, dass sich gewissenlose Sexologen überlegt haben, die mich als "Mann mit Identitätstörung" ansehen. Und ich werde auch vor keinem Gericht der Welt einer Begutachtung zustimmen, die nur das Ziel hat, diese Sichtweise zu bestätigen. Ihr könnt gerne die Psyche anderer Menschen brechen - ich mache da nicht mit.

Vor ein paar Tagen habe ich einen Antrag an das Amtsgericht gestellt, dass meine Papiere doch bitte an mein körperliches Geschlecht angepasst werden, da ich es auf Dauer ein wenig absurd finde, dass eine Frau, die einen weinblichen Körper besitzt mit männlichen Papieren durch die Weltgeschichte spaziert. Dieser Antrag wird mit Hinweis auf das Transsexuellengesetz - so teilte man mir mit - abgelehnt werden. Ich müsste doch erst zwei psychiatrische Begutachtungen durchführen lassen, die offiziell das Ziel haben zu kären, wie ernst es dem Mann ist, in der Frauenrolle leben zu wollen. Da ich kein Mann bin, habe ich dieses Ziel nicht. In irgendeiner Frauenrolle wollte ich in meinem Leben auch noch nie leben.

Sollte der Gesetzgeber weiterhin transsexuelle Frauen als "Männer, die in der Frauenrolle leben wollen" ansehen, wird es in der Bundesrepublik Deutschland auch weiterhin Frauen geben, die einen weiblichen Körper haben aber männliche Papiere besitzen. Sie werden unerkannt und unsichtbar so wie alle anderen Frauen leben und dennoch einen offiziell männlichen Geschlechtseintrag haben. Diesen Unsinn muss kein Mensch nachvollziehen können. ...
 
16.02.2011
Interessant, was es manchmal für Nachrichten gibt. Nicht, dass das jetzt irgend etwas zu sagen hätte, aber manchmal frage ich mich, wie bestimmte Menschen warum was entscheiden. Natürlich wäre es töricht davon auszugehen, dass in Deutschland nicht ab und an das Wer-Kennt-Wen-Spiel gespielt wird. Dennoch bin ich immer wieder so naiv und wundere mich eben lieber darüber, wie klein dieses Land doch wohl sein mag. Den kindlichen Glauben an den Zufall will ich mir nämlich nicht nehmen lassen.

Wie war das noch gleich in einem Artikel der Financial Times Deutschland?

"Kopf des Tages: Christine Hohmann-Dennhardt - Gesinnungstäterin. [...] Sie warnte vor einer Welt, in der das Kapital allein auf die Maximierung der Rendite setzt. Sie stärkte die Rechte von Transsexuellen."

Da in Deutschland transsexuelle Frauen immer noch als "Männer mit Identitätsstörung" definiert werden und ich ja neugierig bin, wie sich jemand für die Rechte transsexueller Menschen einsetzt - ob er z.B. verstanden hat, dass transsexuelle Frauen Frauen sind - brachte mich das dazu gleich mal nachzuschauen. Christine Hohmann-Dennhardt? Gut.

Gestolpert bin ich über folgenden Wikipedia-Eintrag:

"1977 bis 1981 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main."

Ups. Ist das nicht die Uni, an der Volkmar Sigusch und Sophinette Becker in Sachen Sexologie tätig waren bzw. sind? Um noch einmal daran zu erinnern: Sigusch, Becker und Psychoanalyse-Kollegen behaupten in ihren Büchern ja, dass Transsexualität der Wunsch wäre "sein Geschlecht zu wechseln" - ausgehend von dem, was im DSM, dem internationalen Manual der psychischen Störungen auf angebliche "Geschlechtsidentitätsstörungen" zurückzuführen sei. Sigusch war einer der Hauptverantwortlichen für die Logik, die sich hinter dem Transsexuellengesetz verbirgt (hat er ja irgendwo mal selbst geschrieben, dass er derjenige war, dem wir das Gesetz zu verdanken haben), Becker hat als "Geschlechtsidentitätsstörungs"-Päpstin der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung schon einige Stellungnahmen für Poltik und Gerichte abgegeben.

Nun hat ja das Bundesverfassungsgericht auch in diesem Jahr (im Februar) ein Urteil gesprochen, das ersteinmal toll wirkt, da eine transsexuelle Frau bereits vor genitaler OP ihre Papiere ändern lassen kann. Das grosse Aber ist (ich hatte darüber ja schon einmal geschrieben): Gleichzeitig wurde in diesem Urteil auf Ausführungen von Sophinette Becker verwiesen und deutlich hervorgehoben, dass es völlig in Ordnung sei, das im Transsexuellengesetz psychiatrische Begutachtungen enthalten seien - da ja überprüft werden müssen, wie der jeweilige Mensch in der "gewünschten Geschlechtsrolle" überhaupt leben kann. Nur dann soll es ja die rechtliche Anerkennung geben. Was soviel bedeutet, dass eine transsexuelle Frau sich schon anstrengen muss, die gesellschaftlichen Geschlechterstereotype zu erfüllen, um überhaupt Papiere zu erhalten, die ihr die Möglichkeit geben als das anerkannt zu werden, was sie sowieso bereits schon immer war: Eine Frau. Eine ziemliche Ungeheuerlichkeit. Wie kann das sein, dass so ein Menschenrechtsverbrechen - die Möglichkeit zur Verweigerung der Papiere - in Deutschland überhaupt möglich ist? Tja...

Eben weil transsexuelle Frauen nach wie vor als "identitätsgestörte Männer" angesehen werden. Auch eben von der ehemaligen Richterin am Bundesverfassungsgericht Christine Hohmann-Dennhardt, der "Gesinnungstäterin".

Nun habe ich mal meine eigene Website durchsucht und habe festgestellt, dass ich den Namen schon einmal niedergeschrieben hatte, und zwar im März 2007. In diesem Jahr wurde meine Bundesverfassungsgerichts-Klage abgelehnt bzw. gar nicht erst zugelassen. Inhalt der Klage waren die psychiatrischen Begutachtungsverfahren im deutschen Transsexuellengesetz. Unter der Ablehnung stand auch der Name "Christine Hohmann-Dennhardt".

Seltsam ist, dass Frau Hohmann-Dennhardt gleichzeitig aber auch tolle Dinge unterstützt hat, wie z.B. die Artikel3-Aktion des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland (LSVD),welche die "Sexuelle Identität" als schützenswert ins Grundgesetz bekommen wollte. Wobei LSVD. Da fällt mir ein, da hatte ich ja auch ein paar Zitate hier auf dieser Seite:

"Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass Ihnen eine Personenstandsänderung auch ohne geschlechtsangleichende Operation ermöglicht wird. Die Politiker sind zur Zeit nicht bereit, bei der Änderung des Personenstands von Transsexuellen auf die Beteiligung eines Gutachters zu verzichten. Das wird auch in naher Zukunft nicht durchsetzbar sein."
(Manfred Bruns, Lesben- und Schwulenverband in Deutschland, Mai 2007)

"Er hat [...] transsexuellen Frauen das Recht auf Änderung ihres Personenstands und auf Versicherungsschutz für eine operative  Geschlechtsumwandlung garantiert"
(Dr. Wolfgang Kreutzberger, Mitglied im LSVD in einem Vortrag in Hannover, Oktober 2008)

"Die FDP hat ihre Wahlversprechungen gehalten! Wir sind mit dem Entwurf des Koalitionsvertrages zwischen CDU, CSU und FDP nicht unzufrieden. ..."

(Manfred Bruns, Lesben- und Schwulenverband in Deutschland, Ende 2009)

Liebe Gesinnungstäter, transsexuelle Menschen sind natürlich. Wir existieren. Und es geht darum, dass diese in der Realität existierenden Menschen gerne ihre Geschlechtspapiere hätten, ohne sich zuvor einer psychiatrischen Begutachtung, bei der man sie nach DSM zu "biologischen Männern, die sich fühlen wie Frauen" oder "biologische Frauen, die sich fühlen wie Männer" erklärt, unzerziehen lassen zu müssen, bei der man überprüft wie stereotyp sie sich an bestimmte Geschlechtserrollen halten.

Lieber Manfred Bruns, liebe Sophinette Becker, lieber Volkmar Sigusch, liebe Christine Hohmann-Dennhardt, wir brauchen keine Geschlechtspolizei. Wir sind wir. Ob ihr das anzuerkennen bereit seid, oder nicht, ändert nichts an dieser Tatsache. Natürlich könnt ihr weiterhin für ein Weltbild eintreten, in welchem transsexuelle Frauen als "identitätsgestörte Männer" gelten - nur wer wird euch auf Dauer glauben, wenn ihr über transsexuelle Menschen solche Unwahrheiten verbreitet?

 
12.02.2011
Es ist schon so eine Sache mit der Akzeptanz von Geschlechtervielfalt. Vieles, was da in letzter Zeit das Licht der Welt erblickt, mag oberflächlich betrachtet so tut, als ginge es hier um die echte Akeptanz transsexueller Menschen entpuppt sich bei näherer Betrachtung als transphober Wolf im bunten Schafspelz. Ohne hier gross viel Werbung zu machen - es geht um einen Film, der wieder einmal ein gutes Beispiel darstellt für die Heuchelei im Umgang mit transsexuellen Menschen. Ich werde den Titel des Filmes weglassen, möchte aber ein paar Zitate zum Film hier anführen:

„XXXXX“ erzählt die außergewöhnliche Geschichte von XXXXX (XX), der als Mädchen geboren wurde und dank Testosteron gerade seine männliche Pubertät erlebt. "
(Quelle: Die Autorin des Films)

Der Film wird zur Zeit auf der Berlinale gezeigt und wird auf der Website zum Teddy-Award ausfgeführt. Auf der Seite des Teddy-Awards heisst es:

"XXXXX, gerade zwanzig geworden, steckt mitten in seiner männlichen Pubertät, medizinisch eingeleitet, da er als Mädchen geboren wurde."

(Quelle: Seite des Teddy-Award)

Ein Frage habe ich da: Warum darf eigentlich Transphobie immer als etwas positives verkauft werden? Ich möchte einmal kurz erklären, warum ich Transphobie als ziemlich "hintenrum" erachte und dies wieder einmal bestätigt, dass transsexuelle Menschen offiziell immer noch diskriminiert werden dürfen und sogar Schwule und Lesben hier Beifall klatschen, wenn das Geschlecht eines transsexuellen Menschen für "widernatürlich" erklärt wird.

Kurz etwas vorneweg... Wer würde nicht kurz innehalten, wenn er einen der folgenden Sätze lesen würde:

"Martin ist heterosexuell geboren worden, wünscht sich aber - auf Grund einer Identitätsstörung - homosexuell zu werden."

Völliger Unsinn, was? Nur warum scheint das, was bei Homosexualität ganz klar als "Unsinn" erkennbar ist, bei Transsexualität immer noch nicht eine ähnliche Reaktion auszulösen? Ganz einfach: Weil immer noch geschlechtliche Vielfalt in unserer Gesellschaft abgestritten wird und transsexuelle Menschen als widernatürlich erachtet werden. Nur mal folgender Gedankengang... mal angenommen...

a) ein Mensch glaubt, dass Geschlecht ein soziales Konstrukt ist

Dann bedeutet das, dass ein Mensch niemals sagen könnte, ein Mensch ist "biologisch" so oder so geboren worden. Er könnte, wenn er es ernst meint, nur sagen... ein Mensch wäre dem einen oder dem anderen Geschlecht "zugeordnet"(!) worden. Dieser Fall kann also bei obigem Film (also dem, den es wrklich gibt. Der auch auf der Teddy-Award-Seite aufgeführt ist.) nicht gegeben sein.

also gilt möglicherweise folgendes...

b) ein Mensch glaubt daran, dass Geschlecht in der Biologie nicht nur auf die Genitalien reduziert werden kann

Das müsste aber in der Folge dazu führen, dass ein Filmemacher, der einen Film über Transsexualität macht, so etwas wie "xxx ist als Mann mit weiblichen Körpermerkmalen geboren worden" schreiben. Auch dies ist hier wohl nicht der Fall.

Was bleibt übrig? Zumindest mal so viel, dass ich zu dem Ergebnis komme, die Filmbeschreibung für transphob zu halten (hier wird Transsexualität ja als widernatürlich erachtet), und da es sich um die Beschreibung der Autorin selbst handelt, die Autorin ebenso. Dass der Teddy-Award einen transphoben Film präsentiert und ihn als pro-transgender-Film verkauft... tja, was wollt ihr liebe transsexuelle Menschen? Auf die Strasse gehen wäre eine Alternative. Immerhin besser, als sich weiterhin für doof verkaufen zu lassen.

Edit:


Mir ist gerade eben folgender Text eingefallen. Ich finde er trifft es ganz gut:

Egal ob es an der Sozialisierung oder an der Biologie liegen mag: Transphobie ist weiblich. Transphobie ist die Schwester von Homophobie. Transphobie ist die Fähigkeit einen Menschen anzulächeln und ihm gleichzeitig Gift ins Essen zu kippen. Natürlich nur mit guter Absicht und weil das Opfer sich das in Wirklichkeit ja selbst gewünscht hat. Das gute daran ist, dass dies auch der Schlüssel ist, um aktiv gegen Transphobie vorgehen zu können.

Transphobie lässt sich am Besten an den Details erkennen, da Transphobie immer die Eigenschaft hat, sich zu verkleiden. Transphobie sieht immer schön aus. Transphobie will sich ja nicht selbst gefährden. Wäre Transphobie allzu offensichtlich als solche erkennbar, wäre sie nicht wirksam, da jeder einen Bogen darum machen würde. Tranphobie zu bekämpfen heisst, Transphobie sichtbar zu machen. Für sich selbst.

Der Schlüssel lautet:

"Eine transsexuelle Frau ist ein (biologischer) Mann, der sich wie eine Frau fühlt"
(ist transphob, da eine transsexuelle Frau eben eine Frau ist und kein Mann)
...und...
"Ein transsexueller Mann ist eine (biologische) Frau, die sich wie ein Mann fühlt"
(ist transphob, da ein transsexueller Mann eben ein Mann ist und keine Frau)

Doch dieser Schlüssel ist mit Vorsicht zu verwenden, da Transphobie die Eigenschaft hat, sich äusserlich unterschiedlich zu verpacken. Transphobie erkennst Du deswegen auch besser am Widerspruch zwischen Inhalt und Verpackung. Und Transphobie hat noch eine Eigenschaft: Wer sich von der blossen Verpackung blenden lässt, wird schnell zum Mittäter. Er wird benutzt, ohne es bewusst zu merken. Transphobie nutzt die Angst vor Gesichtsverlust, um seine Macht auszubauen. Wer zu spät merkt, dass er Transphobie unterstützt hat, hängt genauso im Netz, wie das Opfer und hofft, dass Stillhalten ihn vor Schlimmerem bewahren wird.

Doch Transphobie hat niemals die Absicht einem Opfer absichtlich zu schaden. Transphobie ist egoistisch. Und darum kannst Du Transphobie nur mit seinen eigenen Waffen schlagen. Wir sollten damit anfangen, die Fäden zu durchtrennen.

Edit 2:

Hier ein aktueller Kommentar:

"Also ich bin heute zufällig auf diese Seite gestossen (war in eigener Sache unterwegs) und mußte mich erst (einige Stunden!) durchlesen. Es war aber nicht umsonst, da ich mich in meiner Einstellung bestätigt fühle und froh bin über das Engagement des Autors/der Autoren. Leider betrifft solcherlei 'Ignoranz' natürlich auch andere Bereiche im Leben. Was mich zwar nie davon abhielt in meiner Umwelt stets Stellung zu beziehen (arbeite als Multiplikator im Bereich Kinder und Jugend).  Aber es ist oft ein Kampf gegen Windmühlen. Genug Text, wünsche euch viel Erfolg und macht weiter so!"

Lieben Dank für den freundlichen Kommentar :-)
 
05.02.2011
Für 2011 hatte ich mir ja vorgenommen, noch deutlicher offen diejenigen zu kritisieren, die immer noch transsexuelle Menschen als widernatürlich begreifen, und damit weiterhin ein Weltbild mittragen, in dem transsexuelle Menschen weiterhin als "gender identity disordered" (oder in neu: "gender variant") dargestellt werden. Seit Bestehen dieser Internetseite setze ich mich dafür ein anzuerkennen, dass Transsexualität ein Teil der in der Natur vorkommenden geschlechtlichen Vielfalt ist, und es tatsächlich Menschen gibt, die mit gegengeschlechtlichen Körpermerkmalen geboren werden. Ja, tatsächlich, ich halte transsexuelle Frauen für Frauen und transsexuelle Männer für Männer. Es gibt aber Menschen, die das anders sehen und meinen, transsexuelle Frauen wären "Männer, die sich wie Frauen fühlen" oder transsexuelle Männer "Frauen, die sich wie Männer fühlen". Sophinette Becker von der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung drückt das dann in etwa so aus:

"Die Gruppe 1 ist keineswegs einheitlich, sie umfasst viele Untergruppen, die alle auf einem Kontinuum zwischen konflikthafter Homosexualität und Homosexualität bei konflikthafter Männlichkeit eingeordnet werden können. Die Gruppe 2 umfasst MF−TS, die sich in ihrer Vorgeschichte und ihrer Psychodynamik sehr unterscheiden. Insgesamtsind sie auf einem Kontinuum zwischen gescheiterter /verletzter / brüchiger/ unsicherer Männlichkeit (bzw. gescheiterter Integration männlicher und weiblicher Selbstanteile) und einer nicht zu sich gekommenen (nicht tragfähig organisierten/ nicht ausreichend als narzisstische Plombe funktionierenden/ entgleisten) Perversion / Paraphilie einzuordnen (Becker 2004, 2005, 2008)."
(Sophinette Becker in "Sexuelle Identitäten", 2009)

Was soviel bedeutet wie: Transsexuelle Frauen seien in Wirklichkeit gescheiterte (oft schwule) Männer und transsexuelle Männer in Wirklichkeit gescheiterte (oft lesbische) Frauen. Kein Wunder, dass die psychoanalytische Sexologie heute noch ein transsexuelles Outing für eine Geisteskrankkeit hält (und damit eigentlich nicht nur transsexuelle Menschen für gestört hält, sondern auch glaubt, dass feminine Schwule und maskuline Lesben dies ebenfalls wären. Nur nennt man sie dann "gender incongruent" - toller Trick, was?)

Dumm ist es aber, wenn Betroffenenvereine selbst diese Sichtweise stützen und ähnlichen Unsinn verbreiten. Leider gibt es diesen Hang ein psychopathologisierendes Weltbild zu stützen immer noch. Ein aktuelles Beispiel davon, befindet sich nun in der BRAVO. Dort gibt es ein Dossier zum Thema Transsexualität, das unter Mithilfe/Duldung der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (DGTI) entstanden ist.

Die gröbsten Fehler des BRAVO-Dossiers, nun hier in einem Schreiben an die Zeitung:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

leider wird Transsexualität (wie einst auch Homosexualität) in Deutschland von vielen Menschen als widernatürlich erachtet. Diese Sichtweise ist nicht nur nett, sondern auch falsch.

Kein Mensch würde heute noch behaupten, ein homosexueller Mensch wäre eigentlich ein gebürtiger Hetereosexueller, der von hetereo-zu-homo wechselt. Es hört sich ziemlich unglaublich an, aber diese Vorstellungen gab es einst ja - nämlich bis Anfang der 70er-Jahre, als intelligente Mediziner einerseits und gay'n'lesbian-Bürgerrechtsbewegungen sich erfolgreich gegen diese Psychopathologiserung zur Wehr gesetzt hatten. Damit wurde der Grundstein dafür gelegt, dass Homosexualität heute weitgehend nicht mehr als widernatürlich angesehen wird.

Bei Transsexualität ist das leider heute noch so. Auf Grund einer ähnlichen Psychopathologiserung durch bestimmte Lobbygruppen, wird heute noch Transsexualität als widernatürlich erachtet.

So wird Transsexualität nicht als in der Natur vorkommende Geschlechtervariation angesehen (Vereinfacht ausgedrückt: Mädchen, die mit Penis und Hoden geboren werden und Jungs, die mit Vagina und Gebärmutter auf die Welt kommen), sondern weiterhin propagiert, es würde sich um eine psychische Störung oder psychische Befindlichkeit handelt.

Nun zu ihrem Dossier. In ihrem Dossier: "Transsexuell! Was bedeutet das?" wird leider Werbung für die Sichtweise gemacht, die Transsexualität für wiedernatürlich hält. Hier die Sätze, die wir als Menschenrechtsorganisation, die sich für die Rechte von transsexuellen Menschen einsetzt, kritisieren:

"Sven wäre lieber eine Tina! Marie wäre lieber ein Tom! Sie haben das Gefühl, im falschen Körper zu leben."

Genauso wie sich ein homosexueller Mensch, nicht wünscht schwul zu sein, so wünscht sich auch kein transsexueller Mensch transsexuell zu sein.

"Das biologische Geschlecht ist also ein anderes, als das empfundene oder gewünschte Geschlecht."

Die Annahme, dass ein Penis oder eine Vagina immer etwas mit dem "Biologischen Geschlecht" eines Menschen zu tun hat, ist längst widerlegt.

"Es ist kein leichter Weg für junge Menschen, mit dem Gefühl zu leben, im falschen Körper geboren zu sein."

Die Formulierung impliziert, dass transsexuelle Menschen das "Gefühl" hätten, im falschen Körper geboren zu sein und stellt damit indirekt die Aussage "Im falschen Körper" als Phantasie dar. Nochmal der Vergleich zu Homosexualität: Ein homosexueller Mensch IST schwul, er fühlt sich nicht nur so. Ein transsexueller Mensch hingegen IST mit gegengeschlechtlichen Merkmalen ("Körper") geboren und fühlt sich nicht nur so.

"Es gibt sogenannte "Frau-zu-Mann-Transsexuelle". Das sind Mädchen/Frauen, die lieber einen männlichen Körper hätten und sich eher "typisch männlich" verhalten. Und es gibt "Mann-zu-Frau-Transsexuelle". Das sind Jungen/Männer, die sich wir eine Frau fühlen und auch eher weibliche Verhaltensweisen zeigen."

Hier wird wieder so getan, als ob transsexuelle Frauen in Wirklichkeit Jungs/Männer wären (bzw. umgekehrt). Das wäre, wie wenn ein Mensch behaupten würde, ein homosexueller Mensch wäre in Wirklichkeit heterosexuell. Diese Behauptung gibt es tatsächlich noch: bei ex-gays und religiösen Fanatikern.

"Es besteht das Gefühl, sich nicht dauerhaft so verhalten zu können, wie es das biologische Geschlecht vorgibt."

Wir fragen uns gerade: Welche Verhaltensweisen werden von der Biologie vorgegeben? Wie antiquiert ist das denn?

"Sie sind nötig, um die Transsexualität von einem Fachmann/-frau oder Gutachter bestätigen zu lassen. Erst nach einer sicheren Diagnose können Betroffene damit beginnen, ihr Leben neu darauf auszurichten: zum Beispiel durch eine Namensänderung oder eine Operation."

Es mag ja sein, dass es immer noch Menschen gibt, die glauben man könne Transsexualität psychisch diagnostizieren (Es mögen die selben Leute sein, die auch glauben, man könne Homosexualität psychisch diagnostizieren). Diese Fremdbestimmung transsexueller Menschen wird mitterweile nicht nur von vielen Menschenrechtsorganisationen verurteilt, sondern auch von Europarat und Vereinten Nationen.

Es ist erschreckend, das ihr Dossier die antiquierten Ansichten von Menschen wiederspiegelt, die Transsexualität immer noch für widernatürlich halten. Transsexuelle Menschen sind ein Teil der geschlechtlichen Vielfalt - und es wäre an der Zeit, wenn auch Magazine wie die Bravo dieser Realität eine Chance geben würden, anstatt Dossiers über Transsexualität zu verfassen, in dem wieder einmal die alten Klischees über transsexuelle Menschen verbreitet werden und die Psychopathologisierung transsexueller Menschen immer noch möglich ist.

Junge Lesben und Schwule haben es geschafft, sich in den 70er-Jahren dagegen erfolgreich zu Wehr zu setzen und wir glauben, dass auch transsexuelle Menschen dazu in der Lage sind.

Mit freundlichen Grüssen..."


 
30.01.2011
Seit letzten Freitag ist öffentlich gemacht worden, dass das BVerfG den bisherigen OP-Zwang des Transsexuellengesetzes gekippt hat. Damit ist es bereits unabhängig einer chirurgischen Operation an den Genitalien möglich seinen Personenstand ändern zu lassen. Zugleich aber, und das ist das eigentlich erschreckende, steht im kleingedruckten des Urteils nichts schönes - hier wird nämlich die bisherige Praxis der Begutachtungen transsexueller Menschen, als Vorbedigung für eine Änderung der Papiere, vom Bundesverfassungsgericht gestärkt. Es sei völlig in Ordnung, dass zwei Gutachter darüber entscheiden, ob ein transsexueller Mensch die "gewünschte" geschlechtliche Rolle, überzeugend genug spielt.

So heisst es in dem Urteil:
"Für ein Leben des Betroffenen im anderen Geschlecht ist eine Angleichung seiner äußeren Erscheinung und Anpassung seiner Verhaltensweise an sein empfundenes Geschlecht erforderlich. Dies wird zunächst nur durch entsprechende Kleidung, Aufmachung und Auftretensweise herbeigeführt, um im Alltag zu testen, ob ein dauerhafter Wechsel der Geschlechterrolle psychisch überhaupt bewältigt werden kann. "
(1 BvR 3295/07 - Januar 2011)

Womit klar wird, dass bei der Urteilsfindung immer noch das ideologische Weltbild der deutschen Sexologie (Becker, Richter-Appelt, und co) herangezogen wurde. Wenn mensch sich überlegt, dass das nun bedeutet, dass offiziell in Deutschland so immer noch behauptet wird, eine transsexuelle Frau, sei ein "Mann, der in der Frauenrolle leben will", ist das eine ziemlich heftige Angelegenheit. Das bedeutet nämlich, dass sich die "Mann fühlt wie Frau"-Logik der psychopathologisierenden Sexualwissenschaft immer noch als Referenz gilt. Das üble daran ist, dass das damit bedeutet, dass eine transsexuelle Frau weiterhin als "Mann, der in der Frauenrolle leben will", geprüft wird. Es wird geprüft ob "er" in der "Frauenrolle" leben kann... was aber, wenn eine transsexuelle Frau nun keine Lust darauf hat, die Geschlechterstereotypen der grauen Vorzeit zu erfüllen?

Nehmen wir an, eine transsexuelle Frau will Hosen tragen, hat kein Problem mit ihrer tiefen Stimme und steht nicht darauf sich zu schminken oder sich Schuhe mit hohen Absätzen zu kaufen. Nehmen wir an diese Frau will nicht dem Frauenklischeebild entsprechen... das hiesse dann ja, dass diese transsexuelle Frau deswegen keine Chance auf Papiere hätte, die ihr Geschlecht ausweisen, weil sie sich nicht verhält wie ein "Mann, der in der Frauenrolle leben will".

Dieser grobe Unfug der deutschen Sexualwissenschaft, den sich nur Menschen mit Knoten in den Gehirnwindungen ausdenken können, ist leider immer noch Praxis in Deutschland. Deswegen wird hierzulande oft auch von "Biologischen Männern, die sich wie Frauen fühlen gesprochen" und nicht von "transsexuellen Frauen". Das sollte sich doch langsam mal ändern, oder? Denn genau dieses Paradoxon (ich hatte es einst das F64.0-Paradoxon genannt) führt zu groben Menschenrechtsverletzungen.

Genau deswegen hatte ich beim Deutschen BUndestag ja bereits 2006 eine Petition eingereicht. Bislang hat der BUndestag sich dem Kern dieser Petition nicht angenommen. Mein Anliegen war bereits damals, die psychiatrische Begutachtungspraxis, die immer noch beim Transsexuellengesetz angewandt wird, ersatzlos zu streichen (siehe hier auf dieser Website). Nun habe ich erneut eine Antwort erhalten (ich hatte meine Petition erneuert), in der ich wieder vertröstet wurde.

Hier der Inhalt des Schreibens (in Auszügen):

"Im Auftrag der Vorsitzenden des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages, Frau Kersten Steinke, MdB, danke ich Ihnen für Ihr Schreiben. Von einer Veröffentlichung Ihrer Eingabe wird abgesehen, da diesbezüglich bereits ein Petitionsverfahren läuft. Vor diesem Hintergrund wird Ihre erneute Eingabe als weiteres Schreiben zum bereits eingereichten Anliegen in die Prüfung einbezogen.

Über das Ergebnis werde ich Sie so bald wie möglich unterrichten. Bis dahin bitte ich Sie um Geduld.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
(Kerstin Macha)
"

Meine Antwort hierzu ist nun (in Auszügen):

Vielen Dank für ihr Schreiben vom 5. Januar 2011. Sie schreiben folgendes:

"Von einer Veröffentlichung Ihrer Eingabe wird abgesehen, da diesbezüglich bereits ein Petitionsverfahren läuft."

Nachdem ich bereits im Jahr 2007 ähnliche Schreiben erhalten hatte, und das eigentliche Anliegen bislang nicht vom Bundestag behandelt wurde, hoffe ich, dass es sich um meine Petition von 2006 handelt. (Beachten Sie auch die an diese Mail angehängte Antworten des Petitionsausschusses von 2007 und 2009).

Kern meiner Petition stellt die Frage dar, warum eine transsexuelle Frau sich vor dem Gesetz als "Mann mit Identitätsstörung" erklären muss (und ein transsexueller Mann als "Frau mit Identitätsstörung") um ihre Papiere ändern lassen zu können. In der bisherigen Begutachtungspraxis führt diese Paradoxie dazu, dass Menschen, die von Transsexualität betroffen sind hierdurch entgegen ihres eigentlichen Geschlechtes behandelt werden. Zudem wird so getan, als ob ein Mensch "von Aussen" über das Geschlecht entscheiden kann, basierend auf der Vorstellung, dass es dabei angebracht wäre, das Erfüllen von Geschlechterstereotypen (gender role) überprüfen zu müssen.

Siehe dazu auch unsere aktuelle Pressemitteilung zur Entscheidung des BVerfG von 2011: Klick

Die psychiatrische Begutachtungspraxis ist, so wie sie auch dieser Pressemitteilung entnehmen können bereits mehrfach von Menschenrechtsorganisationen, sowie Vereinten Nationen und Europarat angemahnt worden. Meine Petition hat also zum Inhalt, diese Begutachtungspraxis ersatzlos abzuschaffen, da das Gutachterverfahren gegen Menschenrecht verstösst (auch wenn das Bundesverfassungsgericht diese Praxis, wie im jüngsten Urteil zum TSG aufgeführt, erschreckenderweise für verfassungskonform hält).

Ich hoffe nun, dass nach fast 5 Jahren des wartens, der Inhalt meiner ursprünglichen Petition berücksichtigt wird. Es kann nicht sein, dass transsexuelle Menschen weiterhin als "identitätsgestört" gelten, und Entscheidungen des Deutschen Bundestages weiterhin auf ideologischen Weltvorstellungen einer psychopathologisierenden Sexologie basieren, die - ähnlich wie bis in die 70er-Jahre bei Homosexualität - ein Problem damit zu haben scheint, eine geschlechtliche Abweichung wie Transssexualität, als natürlich zu begreifen. Es geht hier nicht um "Männer, die wie Frauen fühlen", sondern um transsexuelle Frauen und genausowenig handelt es sich bei transsexuellen Männern um "Frauen, die wie Männer fühlen". Ein homosexueller Mensch ist schliesslich auch kein hetereosexueller, der sich "schwul" oder "lesbisch" fühlt."


Ich bin gespannt, wie lange dieses Schauspiel in Deutschland noch weiter gehen wird...

Nachtrag:

Das Bundesverfassungsgerichtsurteil stützt sich übrigens unter anderem auf Ausführungen der Sexologin Sophinette Becker, die transsexuelle Frauen für Männer hält, die in "der Frauenrolle leben" wollen. Becker zufolge gäbe es zwei Gruppen dieser Männer:

"Die Gruppe 1 ist keineswegs einheitlich, sie umfasst viele Untergruppen, die alle auf einem Kontinuum zwischen konflikthafter Homosexualität und Homosexualität bei konflikthafter Männlichkeit eingeordnet werden können."

Was soviel bedeutet wie: Schwule Männer, die mit ihrer Homosexualität bzw. Männlichkeit nicht klar kommen. Und weiter:

"Die Gruppe 2 umfasst MF−TS, die sich in ihrer Vorgeschichte und ihrer Psychodynamik sehr unterscheiden. Insgesamt sind sie auf einem Kontinuum zwischen gescheiterter /verletzter / brüchiger/ unsicherer Männlichkeit (bzw. gescheiterter Integration männlicher und weiblicher Selbstanteile) und einer nicht zu sich gekommenen (nicht tragfähig organisierten/ nicht ausreichend als narzisstische Plombe funktionierenden/ entgleisten)Perversion / Paraphilie einzuordnen (Becker 2004, 2005, 2008)."
(Quelle: Transsexuelle Entwicklungen, Verlaufsdiagnostik, Psychotherapie und Indikation zu somatischen Behandlungen, Becker 2009)

Im Klartext handelt es sich bei transsexuellen Frauen laut Becker um gescheiterte Männer. Das Bundesverfassungsgericht stärkt mit seinem Urteil diese Sichtweise. Übrigens: Der Aufsatz von Sophinette Becker in "Transsexuelle Entwicklungen", war einer von mehreren Artikeln, in denen mehrere Autoren unter der Überschrift "Sexuelle Identitäten" zusammenkamen um sich gegenseitig in ihren Ansichten zu stützen. Darunter auch Wolfgang Senf, Hertha-Richter-Appelt, aber auch - und das ist das eigentlich erschreckende - auch Menschen, die selbst transsexuell sind. Sie haben auf der Transtagung 2010 in Berlin, die von TriQ (TransInterQueer) organisiert wird, zentrale Vorträge gehalten: Deborah Reinert und Annette Güldenring. Dass die Kritik an dem BVerfG-Urteil aus dieser Richtung ausblieb, ist also kaum verwunderlich.
 
31.10.2010
Irgendwie habe ich gerade das Gefühl, dass das Bewusstsein für das, was Transsexualität ist und was Transsexuellenfeindlichkeit bedeutet gerade von den Hinterzimmern in die Öffentlichkeit findet. Mein heutiger Post dazu wird kurz sein. Ich freue mich darüber. Zwar hoffe ich, dass das Kind nun in seinen ersten Schritten in der Öffentlichkeit nicht zweckentfremdet wird (ich hatte dazu in letzter Zeit ja ein paar Artikel geschrieben) - insgesamt überwiegt bei mir gerade im Augenblick das Gefühl, dass wir uns auf interessante Zeiten zubewegen, spannende Diskussionen zum Thema auch in den öffentlichen Medien erleben werden und es tatsächlich nicht mehr ganz so utopisch anmutet, daran zu denken, dass transsexuelle Menschen schon in absehbarer Seit erleben können, dass juristische Behandlung und medizinische Kassifikationen auf dem Boden der Menschenrechte stehen.

Es macht mich deswegen so glücklich dies zu erleben, da ich selbst vor ein paar Jahren noch erleben konnte, dafür ausgelacht zu werden, in Sachen Menschenrechten für transsexuelle Menschen aktiv zu werden. Ich kann mich noch gut daran erinnern, welchen Selbsthass transsexuelle Menschen noch vor nicht all zu langer Zeit mitbrachten und es als selbstverständlich erachteten, sich menschenverachtenden psychiatrischen Verfahren auszusetzen um als sie Selbst anerkannt zu werden und wie sie es oft als gerechtfertigt ansahen, dass sie als "Geschlechtsidentitätsgestörte" viel Geld für die Änderung ihrer Papiere zahlen müssen. Die Zeit, in der die Verpflichtung sich von einem medizinischen und juristischen System demütigen zu lassen in vielen Transsexuellengruppierungen noch zur obersten Regel gehörte, scheinen nun tatsächlich langsam zu Ende zu gehen. Das ist gut so.

Wie häufig musste ich den Satz hören "Da kannst du sowieso nichts daran ändern", doch mittlerweile gibt es immer mehr transsexuelle Menschen die stark, selbstbewusst und kämpferisch sind und einen gewissen Stolz für sich Selbst empfinden. In der Tat sind körperliche Abweichungen und falsche Rollenzuschreibungen für transsexuelle Menschen nach wie vor oft eine schlimme Angelegenheit - doch habe ich das Gefühl, dass sich der Umgang mit diesen Zuschreibungen und Abweichungen ändert: Transsexuelle Menschen wissen mittlerweile, dass sie sind, wer sie sind. Sie wissen, dass sie für die Existenz ihrer Geschlechtsabweichung genauso wenig können, wie ihr persönliches Umfeld oder sogar die Gesellschaft. Die Schuldfrage stellt sich nicht mehr. Da es nichts gibt, wofür man sich schuldig fühlen könnte.

Die Frage in den nächsten Jahren wird also nicht mehr lauten: Warum bin ich so geworden? Sondern sie wird heissen: Wie wollen wir damit umgehen?

 
24.10.2010
Interessant. Was steht da zu einer Aktion die gestern in Berlin stattfand in einer Indymedia-Meldung (soll wohl auch auf einem Flyer gestanden haben):

"Wir wollten uns diesen Scheiß nicht länger gefallen lassen. Die Zeit war reif."
(Sylvia Rivera, "transsexuelle" Frau und Stonewallveteranin und Zeitzeugin der Vorkommnisse in der Christopher Street im Jahr 1969)


Moment mal. Irgendwie erinnert mich das, an das, was die Aktion Transsexualität und Menschenrecht im Sommer zum CSD in Stuttgart als Bild an die Wand geworfen hat. Hier mal das Bild:

Download/Ansehen
(Foto von: Jens S. Achtert/Stuttgart)

Es freut mich ja, dass die Menschen in Berlin wieder mal von Stuttgart beeinflusst werden, aber ich habe dennoch ein paar Anmerkungen, da mir das Okkupieren von Ideen nicht gerade gefällt, vorallem dann nicht, wenn nacher das Gegenteil dabei herauskommt von dem, um was es eigentlich ursprünglich ging: Die Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt. Warum ich hier skeptisch bin, und wieder einmal darauf hinweise, dass ich gegenseitigen Respekt mehr mag, als inkonsequente Vereinnahmung (mittels gleichzeitiger Ausgrenzung... was sich ja wieder einmal auch daran zeigt, dass wieder einmal keine Quellenangaben für die Ideen gemacht wurden in Berlin. Wie sagt man bei euch? Nachtigall, ich hör dir trapsen...), möchte ich im folgenden ausführen.

Ich habe zu der Berliner STP 2012-Aktion ein Interview gehört, in dem die Begriffe "Transsexualität" und "Transgender" gefallen sind. In diesem Interview, das vom transgender-Radio in Berlin geführt wurde heisst es:

"Also ich finde gerade in der Unterschiedung zwischen dem Begriff 'Transsexuelle' und "Transsexueller' und 'Transgender' wird deutlich, dass... also ich würde die gegeneinander stellen und würde sagen, dass 'Transsexuell' eher ein medizinischer pathologisierender Begriff ist und eher im Zusammenhang steht mit den Zuschreibungen von Krankheit und dass 'transgender' auf der anderen Seite eher ein selbstgewählter politischer Begriff ist."
(transgenderradio Berlin)
Download/Anhören

Dies ist nachweisbar falsch und ich finde es äussert ärgerlich, dass diese Unwahrheiten immer wieder aufs neue verbreitet werden. Transsexualität bedeutet nicht mehr und nicht weniger als "entgegengeschlechtlich" und war ursprünglich gedacht als Bezeichnung für die Menschen, die von sich selbst wissen, welchem Geschlecht sie eigentlich zugehören aber mit Körpermerkmalen ausgestattet wurden, welche von diesem eigentlichen Geschlecht abweichen. Das kann also z.B. eine Frau sein, die als Kind mit Penis und Hoden geboren wurde oder aber auch ein Mann, der mit Vagina und Gebärmutter auf die Welt gekommen ist. (Übrigens sind auch Menschen vor irgendwelchen medizinischen Eingriffen bereits transsexuell, der Grad der medizinischen Massnahme entscheidet also nicht darüber, ob du nun "transsexuell" bist, oder nicht).

In den 50er-Jahren, in einer Zeit in der Christine Jorgensen als transsexuelle Frau sich in den Medien für die Anerkennung transsexueller Menschen einsetzte, gab es (wie heute immer noch) einerseits Menschen, die wussten, dass ein transsexueller Mensch zum Spektrum der biologsich-geschlechtlichen Normvarianten gehört, andererseits aber auch Gruppen, die nicht bereit waren, diese natürliche Vielfalt von Geschlecht anzuerkennen. Ein Mensch, der wenig Interesse daran zeigte, transsexuelle Frauen in ihrem eigentlichen Geschlecht anzuerkennen war der Transvestit Charles Prince, der sich selbst später "Virginia Prince" nannte. Um Missverständnisse zu vemeiden, hier ein kurzer Ausschnitt aus der Einleitung eines Artikels von Prince, die von Harry Benjamin - einem Arzt der auch viele transsexuelle Frauen behandelt hat - verfasst wurde:

"Der Autor dieses Artikels (der ein Pseudonym benutzt) hat einen Doktortitel in Biologie. Er ist auch eine studierter Laie der Psychologie. Jedoch darf seine Erfahrung ein sexologisches Thema verfassen zu dürfen nicht in Frage gestellt werden, auf Grund der Tatsache, dass Dr. Prince selbst ein Transvestit ist und dies bereits seit seinem 12. Lebensjahr gewesen ist. Seine sexuelle Orientierung ist strikt hetereosexuell. Er hat ein Kind aus einer früheren Ehe und ist momentan sehr glücklich mit eine Frau verheiratet, die sein Problem kennt und es versteht."
(Harry Benjamin, 1957 in "Homosexualität, Transvestitismus und Transsexualität: Gedanken zu ihrer Ursache und ihre Unterschiede." C.V. Prince, PhD, San Francisco, Cal.)

Im selben Artikel schreibt Prince:

"Im Gegensatz zum Transsexuellen wertschätzt der Transvestit seine männlichen Organe, geniesst es sie zu gebrauchen und hat auch nicht die Wünsche, dass diese entfernt werden sollen. Er macht sich über seine tatsächliche Männlichkeit nichts vor."

Dass er transsexuelle Menschen nicht in ihrer Geschlechtlichkeit akzeptieren konnte, war bekannt. So führte er aus:

"In jüngster Zeit hat noch eine weitere Komplikation die Bühne betreten. Obwohl sie beileibe nicht das erste Individuum war, dass eine komplette ent-geschlechtlichende Operation durchführen liess, wurde Christine (früher George Jorgenson) zum sicherlich best veröffentlichten Fall dieser Art in der Medizingeschichte."

Prince sah transsexuelle Frauen also als entgeschlechtliche Männer an, die den "irren" Glauben hätten, sie seien Frauen und machte sich über diese Verrücktheit desöfteren lustig. Transsexuelle seien also diejenigen, die sich etwas "vor machen" (siehe oben).

Christine Jorgensen hingegen äusserte in Interviews desöfteren, dass sie davon ausgeht, dass alle Menschen mehr oder weniger männliche und weibliche Merkmale mitbringen, wenn sie auf die Welt kommen und war sich (im Gegensatz zu Prince, der in dem oben erwähnten Artikeln stereotype Geschlechtsrollenvorstellungen predigt) darüber im klaren, dass kein Mensch der Welt als Ken oder Barbie auf die Welt kommt. So äusserte Jorgensen in einem Interview im Jahr 1955:

"Jeder Mensch ist grundsätzlich intersexuell".
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In den 60ern nun schickte es sich an, dass die Emanzipationsbewegung homosexueller Menschen, also von Schwulen und Lesben immer weiter voranschritt. Erster Höhepunkt war der Stone-Wall-Riot im Jahr 1969 und vorallem die Entpathologisierung der sexuellen Orientierung im DSM, dem Manual der psychischen Störungen, im Jahr 1973. Genau in dieser Zeit entstand die Idee der "Gender Identity Disorders": Geschlechtsrollen-aytpisches Verhalten wurde zur psychischen Störung erklärt. Es gibt Menschen die meinen, dass die Erfindung der "Geschlechtsidentitätsstörungen" als Ersatzdiagnose für Homosexualität, die ja nun nicht mehr im DSM stand, eingeführt wurde. Charles Virgina Prince führte in dieser Zeit den Begriff "Transgender" als Ersatz für "Transvestit" ein.

Die Vorstellung der "gender identity" wurde von John Money geprägt, einem Sexologen aus Baltimore, der bis zu seinem Tod in den 2000ern propagierte, man könne Kinder, die mit abweichenden Genitalien geboren werden, genital zuordnen und sie dann entweder zu "Jungs" oder "Mädchen" hinerziehen. Die Moneyschen Ideen gehören heute noch zur offiziellen Praxis, Genitalverstümmelungen an Kliniken sind weltweit immer noch Alltag.

Somit war der Begriff der "gender identity" und die Ideologie, die behauptete, Geschlecht könne man losgelöst von der Biologie betrachten, einer der irrigen Annahmen unter denen Menschen mit geschlechtlichen Abweichungen heute noch zu leiden haben. Es liegt einzig und alleine in der Inkonsequenz der Logik, die damals gepredigt wurde. Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen:

Wenn z.B. von der Sexologie behauptet wird: "Eine transsexuelle Frau ist ein Mann, der sich fühlt wie eine Frau. Er will in der Frauenrolle leben" (Siehe: Die Rede vom biologischen Geschlecht), hat das automatisch zur Folge, dass hiermit das biologische Geschlecht eines Menschen auf stereotype Geschlechtsvorstellungen reduziert wird. Denn letztendlich stellt sich ja die Frage: Warum soll es denn ein Mann sein, der sich hier angeblich "wie eine Frau" fühlt? Mittlerweile wissen wir, dass diese stereotype Vorstellung über das biologische Geschlecht des Menschen falsch ist (und Geschlecht in der Natur weit vielfältiger ist und alle möglichen Abweichungen von der "Norm" existieren).

Die Psychopathologiserung transsexueller Menschen hat also in einer Zeit angefangen, in dem im Medizinsystem begonnen wurde, transsexuelle Frauen nicht mehr als geschlechtliche Normvariante zu betrachten, sondern als man begann sie als Männer zu betrachten, die gerne in der "weiblichen Rolle" leben wollen (Siehe auch: hier). Aus diesem Gedanken entsprang dann der Begriff "gender identity disorder".

Zusammengefasst:

Der Begriff Transgender steht in direktem Zusammenhang mit der Psycho-Pathologisierung transsexueller Menschen. Er ist ein Synonym für die Aberkennung der Existenz von Menschen, die mit geschlechtlichen Abweichungen geboren werden. Und ich finde es äusserst ärgerlich, dass es Gruppen gibt, die transsexuelle Menschen hier wieder einmal vereinnahmen wollen, indem sie ihnen einreden wollen, dass es besser wäre, wenn sie sich doch auch lieber "transgender" nennen würden. Nein, das ist es nicht. Wieso soll eine transsexuelle Frau sich "transgender" nennen, wenn sie damit eine Ideologie unterstützt, in der behauptet wird, dass sie gar keine Frau wäre? In meinen Augen macht das wenig Sinn. Wer sich als transsexueller Mensch gerne selbstverleugnet, kann das gerne tun, ich mache da aber nicht mit.

Übrigens:

Der O-Ton ist gefallen im Zusammenhang mit einem Interview zur Aktion STP2012, die ja an diesem Wochenende in Europa stattfand. Da ich ja schon seit Jahren dafür kämpfe, dass anerkannt wird, dass transsexuelle Menschen nicht geisteskrank sind (siehe: diese Website), finde ich solche Aktionen prinzipiell gut - muss sie aber genauso kritisieren, wenn hier Ideologien verbreitet werden, die absurderweise die Nichtanerkennung transsexueller Menschen unterstützen, anstatt diese Ideologien wirklich zu bekämpfen. Und da ich Inkonsequenz als Hauptgrund dafür erachte, warum die Menschenrechte transsexueller Menschen auch in Deutschland mit Füssen getreten werden, kann ich laut sagen: Nein, liebe Berliner transgender-AKtivisten, wenn ihr der Ansicht seit, transsexuelle Menschen durch eure Inkonsequenz ausgrenzen zu können (interessanterweise indem ihr sie vereinnahmt), dann sollte es erlaubt sein laut zu sagen: Fuck off (war nicht die feine, weibliche Art... aber nachdem ich meine Geschlechtszugehörigkeit nicht aus Gender-Stereoytpen ableite kann das schon mal passieren)!

Respekt heisst, Unterschiede zu respektieren.

Und wer für Vielfalt eintritt, sollte sie erst einmal (an-)erkennen...

Hier noch ein Link zu einem weiterführenden Artikel: Realität und Phantasie

Noch was: Das nächste mal (es fällt ja auf, dass das nicht das erste mal war) dann bitte nicht als schlechter Remix, sondern im Original und mit Quellenangabe. Danke.
 
08.10.2010
In den letzten Tagen spukt schon länger der Gedanke herum, einen Artikel über "Realität und Phantasie" zu schreiben, da es sich bei der Betrachtung von Themen, die mit zahlreichen Interpretationen, Thesen und Theorien überladen sind, wie das bei Transsexualität der Fall ist, sicher immer lohnt, einen Versuch zu wagen, sich auf das was unstrittig ist zu reduzieren.

Hier ist der Link zu diesem Artikel:

"Realität und Phantasie"

Ich versuche auszuführen, warum transsexuelle Menschen in der Realität existieren (auch wenn diese Bezeichnung auch anders lauten kann und kulturabhängig ist), Transgender aber nicht (wohingegen es in der Wirklichkeit Menschen gibt, die sich selbst so bezeichnen). Es kann für diejenigen, die meinen "trans* ist für alle da" ein kleiner Gedankenimpuls sein. Dieser Slogan ziert ja eine aktuelle Veranstaltung in Berlin und ich möchte kurz darauf eingehen.

Wenn ein Mensch sagt "trans* ist für alle da", dann stellt sich die Frage, wie der Mensch, der diesen Satz sagt, das meint. Ich versuche einmal mehrere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen:

Möglickeit 1: trans* ist "Teil der Realität" (Ist-Zustand)

Warum muss ich dann einen ist-Zustand auf einen Flyer schreiben? Und vorallem warum soll dann eine Eigenschaft eines Menschen für "alle" da sein? Das wäre dann ja eine Aussage wie "Kleinwuchs ist für alle da" oder "Kurzischtigkeit ist für alle da". Macht das Sinn? Wäre das nicht Vereinnahmung?

Möglichkeit 2: trans* ist nicht "Teil der Realität" (Wunsch)

Das würde dann ja heissen, dass irgendwer "trans" werden will, dem es von irgendwem anderen verwehrt würde... also ein "trans* ist nicht nur für wenige da" sondern andere dürfen auch. Die Frage ist nur: Was dürfen sie auch? Und vorallem wer sind dann die einen? Und wer die anderen? Damit wäre "*trans ist für alle da" eigentlich ein Slogan, der genau das Gegenteil mittransportiert, nämlich, dass es die "einen" (für die etwas da sei) und die "anderen" (für die etwas noch nicht da sei) gäbe. Ein Spaltungsversuch unter dem Deckmantel der Toleranz? Nicht wirklich, oder?

Irgendwie gruselt es mich bei beiden Vorstellungen da ich Transsexualität (oder wie mensch es auch nennen will) für Realität halte. Egal. And now for Something Completely Different:

Die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. hat in dieser Woche übrigens den Menschenrechtsbericht "Transsexuelle Menschen in Deutschland" bei den Vereinten Nationen eingereicht. Er ist auf der UN-Seite abrufbar.

Link: Pressemeldung zu "ATME reicht Menschenrechtsbericht bei den Vereinten Nationen ein"
 
29.06.2010
Seit ein paar Tagen habe ich ja nun meine Lektüre über den Stonewall-Riot 1969 beendet. Da das Buch sehr interessant war - auch bezüglich bestimmter Emanzipations-Ähnlichkeiten zwischen der schwul-lesbischen Community in den 60ern und der Situation bei transsexuellen Menschen 50 Jahre später - ist es nun wohl ein guter Zeitpunkt einmal kurz zu reflektieren und zu überlegen, was wir aus der Geschichte lernen könnnen.

Ich möchte dazu einmal den Begriff "gay-pride" in den Raum werfen und danach einen Vergleich zu einem möglichen "trans-pride" ziehen.

Gay-Pride

Der Begriff kam in den 60er-Jahren auf, als sich einzelne Homosexuellen-Gruppierungen von den Ansichten anderer homphilen Gruppen lösten, die bis dahin der Ansicht waren, es wäre eine tolle Idee, zuzustimmen, wenn ein Psychoanalytiker sagt, Homosexualität wäre eine psychische Störung. Wir erinnern uns alle an die Aussage von Klaus Wowereit, den Bürgermeister von Berlin, der mit seinem Zitat "Ich bin schwul, und das ist auch gut so" in die Geschichte eingegangen ist. Das interessante daran ist das "bin" in dem Satz.

Ich bin. Das heisst nicht "ich fühle" oder "ich wurde" o.ä. sondern schlichtweg "ich bin".

Nun erlaube ich mir das noch zu ergänzen:

Ein "bin" sagt, dass etwas existiert. Es ist nicht fixe Idee, eine krude Vorstellung, kein Wunsch etwas zu sein, keine psychische Störung, sondern die deutlichste Aussage, die ein Mensch über sich selbst treffen kann. Ich möchte nun die Brücke zu der Emanzipationsbewegung transsexueller Menschen bauen. Hier gibt es bislang nämlich oft immer noch kein "ich bin", sondern eben ein "ich wäre gerne" oder "ich wünsche mir".

Trans-Pride

Ich möchte das noch ein wenig deutlicher machen:

Ein homosexueller Mann IST ein homosexueller Mann und kein Mann, der gerne homosexuell WÄRE.

Das wird wohl jedem einleuchten, der diesen Satz liest. Er ist ja quasi das Herzstück des gay-pride, welcher u.a. mit dem Slogan "gay is good" seit den 70ern dazu geführt hat, dass wir in Sachen Anerkennung homosexueller Menschen tatsächlich nicht mehr grübeln müssen, was dieser Satz, der sich auf die "sexuelle Orientierung" eines Menschen bezieht, ausdrückt. Es ist einfach so und das ist gut so. Nun möchte ich einmal einen anderen Satz niederschreiben, der sich auf die Geschlechtsidentität bzw. das Geschlechtswissen eines Menschen bezieht:

Eine transsexuelle Frau IST eine transsexuelle Frau und kein Mann, der gerne eine Frau WÄRE.

Dieser Satz wird, da bin ich mir sicher, ganz bestimmt für mehr Verwirrung sorgen und mancher wird sich fragen: "Wie das denn? Ich dachte transsexuelle Frauen sind die Männer, die sich wünschen eine Frau zu sein?". Weit gefehlt. Menschen die behaupten, transsexuelle Frauen seien "Männer, die sich wie Frauen fühlen" machen nämlich fast das selbe, wie diejenigen, die in den 60ern Homosexualität für eine psychische Störung hielten: Sie ignorieren die Existenz eines Menschen. Wurde in den 60ern ja noch so argumentiert, dass Homosexualität nichts natürliches, ja sogar eine psychische Störung sei und damit Homosexualität per se überhaupt nicht als Normvariante vorkommt, so heisst es bei Transsexualität ein knappes Jahrhundert später, dass Transsexualität keine geschlechtliche Normvariante sei und eine psychische Störung wäre. The same procedure.

Vielleicht hilft diese Überlegung auch zu verstehen, warum Schlagzeilen wie "Wien: Transsexueller Lehrer darf unterrichten" nicht etwa die Anerkennung transsexueller Menschen feiern, sondern sich dahinter die Aberkennung der Existenz transsexueller Menschen verbirgt. Um den Eindruck zu vermeiden, dass ich mich hier Schlagzeilen aus Österreich bedienen muss, um Transsexuellenfeindlichkeit zu erklären, füge ich gleich noch eine aus Deutschland an:

"Männer, die gerne Frauen wären - Frauen, die sich nichts sehnlicher wünschen als einen Männerkörper."


So heisst es in einem Text von SternTV vom September 2010. Transsexuellenfeindlichkeit par excellence - der auch nicht damit zu entschuldigen ist, dass es in Deutschland ja sogar Organisationen gibt, die wie Selbsthilfegruppen transsexueller Menschen auftreten, in Wirklichkeit solche Sichtweisen aber sogar noch unterstützen (Ich hatte vor kurzem ein paar davon aufgelistet).

Um es kurz zu machen:

Es ist unser Recht zu sagen, dass eine transsexuelle Frau eine Frau IST (und eben kein Mann) - genauso wie es unser Recht ist zu sagen, dass ein transsexueller Mann ein Mann IST (und keine Frau). Es ist keine Frage übertriebener political correctness die richtigen Worte zu verwenden sondern die richtige Sprache ist ein Zeichen sowohl dafür, ob ein Mensch unsere Existenz anzuerkennen bereit ist, so wie es auch ein Zeichen dafür ist, ob wir selbst bereit sind uns in unserer Existenz zu achten.

Dazu passend, hier noch ein Link zu einem neuen Blog:
Trans Health

Edit: Ich hatte ja geschrieben, dass ich hin und wieder darüber informieren möchte, wie es um den Anerkennungsprozess in Sachen Transsexualität bestellt ist und ob z.B. diejenigen, denen ich 2006 einst einmal bereits die westentlichen Kritikpunkte an der Vorstellung über "gender identity disorders" zugeschickt habe, auf diese Kritik bereits geantwortet haben. Tja, Fehlanzeige. Die Antwort ist bis heute offen - genauso wie eine offizielle Anfrage des Vereins Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V., wann denn die deutsche Sexologie die Psychopathologisierung transsexueller Menschen beenden will. Die Anfrage wurde am 1. März 2009 gestellt und bis auf eine email, in der uns mitgeteilt wurde, dass man über solche Themen ersteinmal "intern" berate, ist bis heute nichts geschehen. Zumindest nicht bei den Gläubigern, der "gender identity disorders". Dass zwischenzeitlich die Vereinten Nationen und der Europarat klar Stellung gegen "gender identity disorders" bezogen hat, hat uns aber immerhin ein paar sexologische Werbebeiträge bei RTL (z.B. sternTV) oder transsexuellenfeidliche Artikel in den deutschen Zeitungen beschert (siehe oben)...
 
16.09.2010
Ich lese ja zur Zeit das Buch "Stonewall" von Martin Duberman. Was das mit Transsexualität zu tun hat? Ich finde eine ganze Menge. So poste ich heute mal wieder einen, oder besser, sogar zwei Ausschnitte in denen es um Psychopathologisierung geht, welche Rolle Medien dabei spielen und um angepasste Selbsthilfegruppen, die meinten, es würde helfen sich mit psycho-pathologisierenden Theorien zu arrangieren. Und es geht um den Bewusstseinswandel, der Mitte der 60er einsetzte, als Menschen erkannten, dass "Bewegung" und "Befreiung" schönere Worte sind, als "Anpassung". Nun denn...

Take 2:

Stonewall_02.jpg

Take 3:

Stonewall_03.jpg

Und weil es gar so schön ist, und vielleicht ja irgendwann mal auch Sophinette Becker, Hertha-Richter-Appelt, Friedemann Pfäfflin, Wolfgang Senf, Wilhelm Preuss und all die anderen Geschlechtsidentitätsstörungsgläubigen, die immer noch behaupten, transsexuelle Frauen wären "Männer, die wie Frauen fühlen" oder transsexuelle Männer, "Frauen, die wie Männer fühlen", merken, dass ihre Theorie ein Loch hat:

Transsexuelle FRAUEN sind FRAUEN
Transsexuelle MÄNNER sind MÄNNER

Ihr tauben, blinden Psychoanalytiker - lest doch bitte die beiden Zeilen über diesem Satz vor dem Schlafengehen Abends ein paar hundertmal hintereinander durch und dann meldet euch doch einfach, wenn ihr diese beiden Zeilen verstanden habt.
 
14.09.2010
Da wir in Zeiten leben, in denen die Dummheit und die Ignoranz doch immer noch weit verbreitet ist, ist es gut, sich ab und an mit aufbauender Literatur zu beschäftigen. Zum Beispiel dem Buch "Stonewall" von Martin Duberman. Bevor ich einen langen Text schreibe, hier noch einmal:

TransSEXUELLE Frauen SIND Frauen
TransSEXUELLE Männer SIND Männer

Und dazu folgendes Bild:

Stonewall_01.jpg

Für Sarah, Diana, Silke und alle selbstbewussten Frauen.
 
09.09.2010
Lange dachte ich, dass es eine Möglichkeit gibt, irgendwie drumrum zu kommen das Thema rund um Bezeichnungen und Begriffe, die transsexuelle Menschen beschreiben sollen, überhaupt ansprechen zu müssen... Inhalte waren mir nämlich immer wichtiger, als die Verpackung. In den letzten Wochen ist mir aber immer klarer geworden, dass sich viele Inhalte und Nicht-Inhalte dann oft die passende Verpackung suchen und Weltvorstellungen sich oft auch in Begrifflichkeiten wiederspiegeln. Am meisten ärgert mich dabei die Verwendung der Begriffe Transidentität und Transgender, da beide mir vorkommen, als dienten sie vorwiegend der Aberkennung der Existenz transsexueller Menschen - Wortgeschöpfe, die dazu eingeführt wurden, um noch besser abstreiten zu können, dass transsexuelle Menschen überhaupt existieren. Ich mag mag kurz ausführen, warum...

Dazu ist es ersteinmal nötig kurz zu beschreiben, was der Begriff "Transsexualität" bedeutet.

Sex = Biologisches Geschlecht
Trans = Gegenüber

Erfunden wurde der Begriff in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts und meint "gegenüber-geschlechtlich" bzw. "entgegen-geschlechtlich". Transsexuelle Menschen sind also Menschen, deren geschlechtliche Facetten so ausgeprägt sind, dass hier etwas "gegenüber" liegt... also z.B. transsexuelle Frauen, die wissen, dass sie Frauen sind (biologische Entsprechung: Gehirn), aber mit Penis und Hoden geboren wurden. Der Begriff "Transsexualität" hat also in seinem Ursprung nichts mit Erfindungen, Wünschen, Performances und ähnlichem zu tun, sondern erkennt an, dass die Natur mehr geschlechtliche Abweichungen hervorbringt, als das in Gesellschaften, in denen starke Geschlechtsstereotypisierung vorherrscht (also Klischees über Männer und Frauen, die an Kleidung, Verhalten, u.ä. festgemacht werden), gerne mal behauptet wird. Ideologische geschlechterklischeebehaftete Gesellschaften erkennt man daran, dass hier das "biologisches Geschlecht" meist auf ein einziges Geschlechtsmerkmal (oft Genitalien, manchmal aber auch Chromosomen) reduziert wird, und andere Faktoren aussen vor bleiben.

Besonders seit der Nazizeit wurden transsexuelle Menschen immer wieder den verschiedensten Gruppen zugeordnet (in den 30er liefen sie als homosexuelle Transvestiten, die in Konzentrationslagern ermordet, oder wenn sie "Glück" hatten, nur zwangskastriert wurden - Kastrationsmassnahmen wie heute im Transsexuellengesetz immer noch vorgesehen), vereinnahmt oder glaubten - als Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen als anerkannt und akzeptiert zu sein - selbst, dass sie sich "anpassen" müssten, weil sie glaubten, dadurch mehr Rechte erlangen zu können. Dass diese Anpassungs-Strategie gescheitert ist, sieht man daran, dass z.B. transsexuelle Frauen heute immer noch als "Männer, die sich wie Frauen fühlen" definiert werden, obwohl sie von sich selbst ja wissen, dass sie Frauen sind.

Nun aber zu den Begriffen Transidentität und Transgender, die bestens dazu geeignet sind, um sowohl geschlechtliche Vielfalt, als auch die Existenz transsexueller Menschen, besser ignorieren zu können.

1. Transgender

Gerne wird dieser Begriff in Zusammenhang gebracht mit einem Transgender-Aktivisten, der in den 70er-Jahren mit daran beteiligt war, eine Selbsthilfegruppe für heterosexuelle Transvestiten zu gründen, die bis heute unter dem Namen "Tri-Ess" (The Society for the Second Self, Gesellschaft für das zeite Selbst) existiert. Später änderte er seinen Namen in "Virginia Prince" und bevorzugte weibliche Pronomen (Quelle: Wikipedia).

In etwa zu dieser Zeit, den 70er-Jahren, setzte sich immer stärker der Begriff "gender identity" durch, den John Money, ein Sexologe aus Baltimore einführte um damit die These propagieren zu können, Geschlecht sei nur erlernt. Analog der psychoanalytischen Vorstellung einer "psychosexuellen Entwicklung" könne man ein Kind analog bestimmter Geschlechtsstereotype erziehen und schon würde sich das Kind dann geschlechtlich genau so zuordnen. John Money propagierte Standards zur Behandlung transsexueller Menschen, die fast eins zu eins bis heute in Deutschland immer noch von der Sexologie vertreten werden.

Ausgehend der Vorstellung, man müsse nur deutlich genug Geschlechtsrollenstereotype bestätigen (gender-roles) um in dem "einen" oder "anderen" Geschlecht anerkannt zu werden, gibt es bis heute in der deutschen Sexologie die Vorstellung, dass ein bestimtmes Verhalten oder das Tragen geschlechtsspezifischer Kleidung erbrobt werden müsse, damit "ein Mann, als Frau leben könne".

In den 90er-Jahren entwickelte sich der Begriff "transgender" vorallem in den Subkulturen deutscher Grossstädte wie z.B. Berlin weiter und wurde dann von Menschen verwendet, die sich "zwischen den Geschlechtern" verorten. Wenn mensch bedenkt, dass damit in erster Linie die Geschlechtsrollenzuordnung gemeint sein sollte, bedeutet das ja, dass damit gleichzeitig alle, die sich nicht als "transgender" bezeichnen, als Vertreter einer geschlechtsstereotypen Welt behauptet wurden, um sich von diesen Menschen durch Selbstetikettierung als "transgender" deutlich abgrenzen zu können. Dass allerdings die wenigsten Menschen in Deutschland sich mittlerweile noch als Ken oder Barbie erleben und eindeutig abzugrenzende Geschlechterrollen wohl kaum ein Mensch (egal welchen Geschlechts) mehr als zeitgemäss erachtet, zeigt das Dilemma des Begriffs "transgender": er benötigt Geschlechtsrollenstereotypen um überhaupt Sinn machen zu können.

Zusammengefasst:

"Transgender" ist ein Begriff der gut geeignet ist, die Existenz transsexueller Menschen zu leugnen, und transsexuelle Frauen zu "Männern" zu erklären, die angeblich die "Geschlechtsgrenzen" überschreiten wollen. Dieser Begriff zieht zudem eine Geschlechtsstereotypisierung mit sich - was für viele transsexuelle Menschen wieder ein Problem ist, da nicht jede transsexuelle Frau aussieht wie Barbie und auch nicht jeder transsexuelle Mann dem Bild von Ken entspricht. "Transgender" ist kein Begriff der geeignet ist, um sich dafür einsetzen zu können, transsexuelle Menschen als natürliche geschlechtliche Variante anzuerkennen. "Transgender" ist wie "Gender" eine gesellschaftliche Erfindung - transsexuelle Menschen aber sind echt.

2. Transidentität

Es wird erzählt, dass "Transidentität" einst als deutscher Ersatz für "Transgender" gedacht war. Der Begriff hat aber, ähnlich wie "transgender" das Problem, dass damit quasi völlig automatisch das eigentliche Problem transsexueller Menschen ins Gegenteil verkehrt wird. Ein transsexueller Menschen hat ja zum Zeitpunkt seines Outings ein klares Bewusstsein darüer, welchem Geschlecht er eigentlich zugehört und was nun "falsch" ist: Der Körper. Damit weiss ein transsexueller Menschen quasi ohne Biologe sein zu müssen, dass das, was in stereotyp denkenden Gesellschaften als "biologisches Geschlecht" verkauft wird, nicht die ganze Wahrheit sein kann. Ein transsexueller Mensch findet sich in diesem Zeitpunkt... er ist sich seiner selbst bewusst. Um nun von anderen, aussenstehenden Menschen erkannt zu werden, wird ein transsexueller Mensch nun alles vesuchen um als er selbst "gesehen" zu werden.

Transidentität verkehrt nun das Outing eines transsexuellen Menschen ins Gegenteil. Es wird ein angeblich richtiges "biologsiches Geschlecht" behauptet, und das Outing eines transsexuellen Menschen in seinem eigentlichen Geschlecht zur Identitätsproblematik erklärt: Aus einer Frau wird ein "Mann, der sich als Frau fühlt", angeblich weil er eine abweichende "Geschlechtsidentität" hätte.

Schon wieder gibt es einen direkten Link zu den "gender identity disorders" die in den 70ern seit John Money propagiert werden. Menschen mit abweichender "Identität" werden wegen "Geschlechtsidentitätsstörungen" behandelt.

Zusammengefasst:

"Transidentität" ist (genausowenig wie "Transgender") nicht dazu geeignet, für den Einsatz für die umfassende Anerkennung transsexueller Menschen eintreten zu können. Beide Begriffe definieren einen transsexuellen Menschen als angebliche Abweichung zu einem als biologisch behaupteten (als eigentlich angenommen) Geschlecht. "Transidentität" und "Transgender" machen aus einer natürlichen geschlechtlichen Normvariante eine Erfindung, etwas unwahres, etwas unechtes. Transsexuelle Menschen sind aber echt.

Genau deswegen weil ich der Überzeugung bin, dass die Anerkennung transsexueller Menschen längst überfällig ist - basieren ja alle transphoben Hassverbrechen immer auf der selben Grundlage, nämlich der Aberkennung der "Echtheit" eines transsexuellen Menschen - ist es für mich ganz einfach zu sagen: Wenn "gegenübergeschlechtliche" Menschen existieren (die oft weniger Stereotypen im Kopf haben, als man ihnen immer andichtet), warum sollte ich dann nicht Wort verwenden, dass genau das ausdrückt? Transsexualität ist dieses Wort.

Übrigens... nur noch kurz: Diesesmal ging es um Worte. Wer sich wie nennen will, ist mir übrigens egal... da ich die Inhalte immer noch wichtiger finde, als die Verpackung. Nur wollte ich mal begründen, warum ich den Begriff verwende, den ich verwende.

Edit: Wir fällt gerade noch etwas ein. Transsexualität ist meiner Ansicht nach ein ist-Zustand. Davon ausgehend ist natürlich wichtig, das dieser ist-Zustand gesellschaftlich anerkannt wird. Und das geht nur, indem transsexuelle Menschen ohne Bedingungen wie Zwangskastrationen und psychiatrische Begutachtungen ihren Personenstand korrigieren lassen können. Erst dann wird ist es meiner Ansicht anch möglich medizinische Behandlungsgrundlagen zu entwickeln, die in der Lage sind, die individuellen Lebensentwürfe transsexueller Menschen (wann und ob sie z.B. genitale Operationen wünschen) zu berücksichtigen.

Nachtrag:

Gerade habe ich einen Artikel über die Vereinnahmung transsexueller Menschen durch die Schwulenbewegung (unter Berücksichtigung der historischen Wurzeln) geschrieben. Ich hoffe er ist respektvoll genug. Wenn nein, dann freue ich mich über konstruktive Kritik.

Die Vereinnahmung transsexueller Menschen
 
29.08.2010
Obwohl es seit ein paar Jahren so aussieht, dass die Psychopathologisierung transsexueller Menschen als "geschlechtsidentitätsgestört" in Deutschland so langsam als Problem erkannt wird, gibt es immer noch einige Vereine, die die Unlogik der Sexologie, es gäbe so etwas wie geschlechtsuntypisches Verhalten öffentlich vertreten. Da ich der Ansicht bin, dass Veränderung in erster Linie von Innen kommt, also transsexuelle Menschen es in grossen Teilen auch selbst in der Hand haben, welche Rechte sie einfordern, möchte ich im folgenden ein paar Zitate anführen. Doch zuvor ein kleiner Überblick, was "Geschlechtsidentitätsstörungen" bzw. "genderatypisches Verhalten" überhaupt sein soll.

Unter einer "Geschlechtsidentitätsstörung" verstehen grosse Teile der Anhänger eines phallozentrierten Weltbildes, dass die psychische Entwicklung eines Menschen, ja seine Identität, den Kern in den Genitalien hat. Geschlechtsuntypisches Verhalten sei dann gegeben, wenn ein Kind sich entgegen der Zuordnung, die anhand der Genitalien vorgenommen wurde, anders zeigt, als gewünscht. So gelten laut DSM und ICD Kinder dann als identitätsgestört (bzw. gender-variant), wenn sie sich nicht verhalten wie ihre Genitalien und z.B. mit dem "falschen" oder "genderatypischen" Spielzeug spielen, die "falschen" Freunde haben oder die "falschen" Spiele spielen. Meistens würden diese Kinder später homosexuell werden, manchmal aber auch transsexuell - sagt die phallozentristische Sexologie auch in Deutschland.

Zweierlei ist dabei besonders ärgerlich:

a) unter "Biologisches Geschlecht" wird von grossen Teilen der Sexologen, die daran glauben, Transsexualität und die Vorstufe von Homosexualität sei eine Geisteskrankheit, das genitale Geschlecht verstanden - ohne zu berücksichtigen, dass in der Biologie längst bekannt ist, dass das Fehlen oder Vorhandensein eines Penis nicht immer mit dem eigentlichen Geschlecht eines Menschen gleichgesetzt werden kann.

b) wer ein "geschlechtsuntypisches" Verhalten behauptet, behauptet ja zugleich es gäbe ein "geschlechtstypisches" Verhalten. Damit wird nun so getan, als gäbe es Verhaltensweisen, die in einer Gesellschaft erwünscht sind - Kinder, die sich diesen Definitionen nicht beugen, werden als identitätsgestört gebrandmarkt. In einer Welt, in der Menschen, egal welchen Geschlechtes, gleichberechtigt sein sollen solche Geschlechtsstereotypisierungen zu predigen ist schon heftig.

Nun zur Übersicht der Zitate der Vereine, die öffentlich die Unlogik der "Geschlechtsidentitätsstörungen" bzw. "genderatypischen Verhaltens" mittragen. Die Veröffentlichung verfolgt nicht den Zweck, diese Vereine oder den Personen, die sich hinter diesen Vereinen verbergen an den Pranger zu stellen, sondern hat vielmehr die Absicht eine kritische Auseinandersetzung anzustossen, und die Frage zu ermöglichen, wie bereit wir transsexuellen Menschen selbst sind, uns selbstbewusst zu zeigen, welchen Willen wir haben, uns aus einem System von Abhängigkeiten zu befreien und welche inhaltliche Auseinandersetzung nötig wäre, um eine umfassende menschenrechtliche Anerkennung zu erreichen, die notwendig ist, um eine rechtliche und medizinische Sicherheit überhaupt erst begründen zu können.

(Die folgenden Internet-Zitate sind auf dem Stand vom 29.08.2010)

1. Trans-Ident Nordbayern

"Transidentität (auch Transsexualität oder Transsexualismus) ist eine Form der Geschlechtsidentitätsstörung."


An zweiter Stellle der "Fachärzte" in einer Linkliste auf der Webseite von Trans-Ident Nordbayern findet sich dann u.a. Friedemann Pfäfflin, ein Psychoanalytiker aus Ulm, der noch vor zwei Monaten einen Artikel veröffentlicht hat, in dem er begründet, warum er die Artikel-3-Aktion (Sexuelle Identität ins Grundgesetz) nicht unterstützt hat.

Die Gruppe, die gute Kontakte zur DGTI (Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität) pflegt, bietet auf ihrer Website auch Materialien der DGTI zum Download an. (Link: Klick,  Stand 29.08.2010)

2. DGTI

In einer Informationsbroschüre zu "geschlechtsuntypischem Verhalten" in der Kindheit, die 2010 überarbeitet wurde, schreibt die Gründerin der DGTI Helma Katrin Alter im Vorwort zwar noch folgendes...

"Die Ausbildung von Pädagogen, Psychologen/Psychotherapeuten und Ärzten geht von der These aus, dass das Geschlecht eines Kindes von der Hebamme durch den Blick zwischen die Beine eines Kindes bestimmbar sei, das von mir Hebammengeschlecht genannt wird. Es muss festgestellt werden, dass es um eine weitgehend als falsch entlarvte These geht. Geschlecht ist mehr als Scheide oder Penis."

Sie erwähnt auch im Folgenden, ein geschlechtsuntypisches Verhalten bezöge sich ihrer Ansicht nach auf das "zugewiesene Geschlecht"...

"Ich muss an dieser Stelle aber auch ausdrücklich darauf hinweisen, dass es in Kindergärten, später aber vor allem in der Grundschule, zu sehr guten Ergebnissen führt, wenn ein Kind in seiner Persönlichkeit anerkannt wird, gerade wenn eine abweichende Geschlechtsidentität akzeptiert wird."

...doch kritisiert sie nicht, dass das Konzept der geschlechtlichen Zuweisungen an sich bereits falsch ist, und es damit "abweichende Geschlechtsidentität" in echt gar nicht geben kann. Anstatt Transsexualität konsequent und durchgängig als echte in der Natur vorkommende geschlechtliche Variante anzusehen, reduziert sie das Wissen um die eigene Geschlechtszugehörigkeit auf Wünsche...

"Die geschlechtliche Identität ist ein inneres, sicheres Gefühl."

...um dann ganz Deutsche Sexologie aus einer natürlichen Geschlechtsabweichung, die sich für die meisten Betroffenen ganz klar als körperliche Abweichung vom eigenen Geschlecht offenbart, auf eine Identitätsproblematik zu reduzieren:

"Es geht um ein Identitätsproblem der betroffenen Menschen" und "Solche Kinder haben fast immer einen sehr großen Hang zu Spielen und Spielzeug des dem biologischen Geschlecht nicht entsprechenden Kindes."


Wieder wird ein "biologisches Geschlecht" behauptet, ausgehend von der genitalen Zuordnung, dem entgegengesetzt man sich verhalte, wenn man mit dem falschen Spielzeug spiele. Später wird noch auf den guten Kontakt zu den Behandlungszentren in Hamburg und Frankfurt verwiesen. In Frankfurt arbeitet beispielsweise der Kinder- und Jugendpychiater Bernd Meyenburg (ein Bekannter von Kenneth Zucker, dem Leiter des DSM-Teams, der vorallem von vielen LGBT-Aktivisten in Nordamerika für seine Umpolungstherapien an homosexuellen und transsexuellen Kindern stark kritisiert wird), der ebenfalls behauptet "das Kind hat einen Penis, also ist es kein Mädchen" (O-Ton 2008).

3. VIVA TS

Mehr zu Bernd Meyenburg gibt es auf der Internetseite der VIVA in München. So heisst es hier in einem Interview:

"Frage: Woran können Eltern/Kontaktpersonen erkennen, dass bei ihrem Kind/ Jugendlichen Trans* oder eine andere Identitätsstörung vorliegt? Antwort: An deren geschlechtsatypischen Verhalten und Interessen, wobei dies bei Jungen viel schneller auffällig wird, als bei Mädchen."

Es wird wieder auf eine angebliche Identitätsstörung (bei denen die meisten Kinder später angeblich homosexuell werden würden) verwiesen, die sogar heilbar wäre:

"Frage: Finden sich die Kinder/Jugendliche und Eltern/Kontaktpersonen in das Schicksal ein oder wird versucht zu 'heilen', beziehungsweise die Untersuchungsergebnisse zu ignorieren? Antwort: Forschungsgruppen in den USA/ Kanada fanden heraus, dass die 'Heilungschancen' bei Geschlechtsidentitätsstörungen im Kindesalter deutlich besser sind als im Jugendalter. Dies bedeutet, die Betroffenen konnten ihr biologisches Geschlecht nach der Behandlung doch noch annehmen."

Mit Kanada meint Meyenburg: Kenneth Zucker.
(Link: Klick, Stand 29.08.2010)

Die VIVA hat gute Kontakte zum sogenannten G-Institut (zu den Köpfen gehört u.a. die Vorsitzende der VIVA Rebecca Kleis).

4. G-Institut

Eine andere Hauptprotagonistin des G-Institutes, Annette Güldenring, schreibt in einem Artikel über Transsexualität 2009 folgendes:

"Um 'Verwirrungen' zu vermeiden, äußere ich zunächst, dass ich als biologischer Junge geboren wurde und im mittleren Erwachsenenalter nach langer Auseinandersetzung mit der Vielfalt des Geschlechtlichen mein Geschlecht gewechselt habe."

...um dann später aus einer natürlichen Geschlechtervariante eine Identitätsangelegenheit zu machen...

"Die erste bedeutungsvolle Phase ist die der inneren Wahrnehmung des transsexuellen Erlebens. Es ist die Geburtsstrecke der transsexuellen Identität, die sich zu fast jedem Zeitpunkt der Entwicklung manifestieren kann, in der frühen Kindheit, während der Pubertät oder in späten Phasen des Erwachsenenalters. Warum das so ist und wovon das abhängen mag, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantwortet werden."

Dass es sich beispielsweise bei einem transsexuellen Mädchen um ein Mädchen handelt, das einfach dabei ist, sich über sich selbst im Klaren zu sein, kommt auch hier nicht vor. Wieder wird von "biologischem Geschlecht" (im Sinne des genitalen Geschlechts) gesprochen und ein abweichendes Verhalten ("transsexuelles Erleben") behauptet.
(Link zum Artikel: Hier, Stand 29.08.2010)

Es wäre noch leicht hier mit Punkt 5, Punkt 6 usw. weiterzumachen - Webseiten die analog der Vorstellung des DSM "geschlechtsatypisches Verhalten" bzw. "Geschlechtsidentitätsstörungen" propagieren, gibt es eine ganze Menge. Ich frage mich nun: Muss das sein? Warum ist es so schwer, sein eigenes transsexuelles Outing als das zu sehen was es ist: Als Bewusstwerden des eigenen Selbst (Selbstbewusstsein)? Und wenn es das eigene Selbst ist, dem ihr euch bewusst werdet, warum soll das eigene Selbst denn geschlechtsatypisch, identitätsgestört oder sonst wie sein? Ist es nicht letztendlich das wichtigste zu wissen: Ich habe ein Recht darauf ich Selbst zu sein, ohne mich hier dafür entschuldigen zu müssen?

Ich bin mir sicher, dass es möglich ist, selbstbewusst zu sein. Und ich glaube zu spüren, dass viele transsexuelle Menschen mittlerweile viel selbstbewusster sind, als dies vor ein paar Jahren noch der Fall war. Immer mehr sagen: Ich bin wer ich bin. Wenn wir erreichen, dass genau das auch einmal in Medizin und Recht akzeptiert wird, ohne dass transsexuelle Menschen als "Einbildung" oder Menschen mit "Identitätsproblemen" vermarktet werden, dann wird aus dem Selbstbewusstsein auch eine rechtliche Anerkennung - die unerlässlich ist um gleichberechtigt behandelt zu werden. Die Grundlage um gegen Diskriminierungen und Ausgrenzung vorgehen zu können, ist dann gegeben, wenn wir uns nicht weiter selbst ausgrenzen, indem wir Konzepte von "Identitätsstörungen" und angeblich unnormalem Verhalten nicht blind weiterverbreiten, sondern uns damit auseinandersetzen, was wir selbst ändern können.

Die Behauptung, dass z.B. ein transsexuelles Mädchen "als Junge geboren wurde" und sich auf Grund einer Identitätsstörung/abweichung "wie ein Mädchen fühlt" und deswegen mit Puppen spielt und die Farbe rosa mag, kann nicht die Antwort sein, auf die Frage, wie wir uns eine Welt vorstellen, die wirklich an Vielfalt glaubt - eine Vielfalt, die längst da ist. Und wenn wir uns einsetzen für eine Welt, in der Menschen ihre Augen ein wenig weiter aufmachen - oder wie Balian Buschbaum neulich gesagt hat "ihren Horizont erweitern" - und wir nachher selbst sogar überrascht sind, wie damit sogar unser eigenes Blickfeld erweitet wird, dann wird das auch was mit der Anerkennung dessen, was transsexuelle Menschen sind: Sie selbst. Nicht mehr und nicht weniger.

Vielleicht nocheinmal zur Erinnerung folgender Link: Das eigene Geschlecht ist ein Menschenrecht.
Link: Draft zum DSM V (Children)

 
21.08.2010
Heute Nacht habe ich von Geschlechtsrollenstereotypen geträumt, und mich gefragt: Was hat so was mit Transsexualität zu tun? Dieser Traum hat vielleicht damit zu tun, dass zur Zeit ja wieder einmal vieles in Sachen Rollenklischees durch die Medien spukt. Erst die Werbebeiträge der deutschen Sexologie, in dem es um transsexuelle Frauen geht, die als Männer bezeichnet werden, die "sich wie Frauen fühlen", andere Artikel über Theaterstücke, in denen Männer in Frauenrollen schlüpfen und dies dann als toller Beitrag für die Anerkennung von transsexuellen Menschen gefeiert wird und sogar in Vorabendserien im Fernsehen war nun zu hören, dass ein Mann es nur richtig "fühlen müsse" um als Frau anerkannt zu werden, was dann natürlich getestet werden müsse, von Menschen, die Experten in Sachen "gender" sind... ich frage mich langsam: Wo kommt dieser Unsinn her?

Ja, ich glaube das ist der Grund, warum ich den Begriff "transgender" als äusserst ungeeignet halte dafür, um die Anerkennung der naturgegebenen geschlechtlichen Vielfalt von Menschen zu erreichen (auch wenn ich ihn für geeignet halte, den Prozess der Änderung von z.B. Namen damit zu beschreiben... also mit den Bereichen, die tatsächlich "nur" mit "gender" zu tun haben). Wenn ich Menschen aber auf ihr "gender", also auf ihre geschlechtliche Rolle und Zuordnung reduziere, wie soll es denn dann möglich sein, genau diese Zuordnungen in Frage zu stellen und Geschlechtsstereotypen zu outen, als das was sie sind - nämlich nichts weiter als Geschlechtsstereotypen? Was hat das Predigen von Geschlechtsstereotypen mit Geschlecht zu tun? Und was mit Transsexualität?

"Männer, die als Frauen glänzen", heisst es als Überschrift in einer Zeitung über das Theaterstück, das die gender-Fraktion bejubelt. Oder "Irgendwas stimmt mit diesen Männern nicht" in einer anderen. Und eine weitere grosse Zeitung meint, erkannt zu haben, Transsexuelle fänden sich fremd in ihren eigenen Körpern, weswegen sie dann die "jahrelangen Qualen einer Geschlechtsumwandlung" auf sich nähmen. Moment. Sind wir immer noch nicht weiter? Wann wollt ihr anerkennen, dass das biologische Geschlecht eines Menschen wenig mit den Stereotypen zu tun hat, die ihr predigt?

Ich habe mir schon lange überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre, all die transsexuellen Menschen, die solche Stereotypen verbreiten, nicht einmal alle auf einer DinA4-Seite zusammenzufassen, und ihre Zitate zu veröffentlichen. Letztendlich wäre das vielleicht hilfreich dafür, um endlich einmal darüber zu sprechen, was lange Tabu war: Transsexuelle Menschen dafür zu kritisieren, wie sie sich am Aufrechterhalten eines Weltbildes beteiligen, in dem sie als Menschen für sich gar nicht als existient oder echt vorkommen, sondern lediglich als Menschen, die sich wünschten sich zu verkleiden - als Menschen mit einer "gender identity disorder".

Zu erst einmal möchte ich aber die Namen weglassen, um zu zeigen, dass es mir um eine inhaltliche Auseinandersetzung geht.

Stereotyp 1: Die Biologie des Menschen auf körperliche Merkmale zu reduzieren

Erkennbar an Worten wie "Biologischer Junge", "Biomann", "Biofrau", "Geschlechtsumwandlung",... eine transsexuelle Frau, die zur Zeit mit einem Menschen aus der Sexologie zusammen Vorträge über Transsexualität hält, äusserte folgendes:

"Um 'Verwirrungen' zu vermeiden, äußere ich zunächst, dass ich als biologischer Junge geboren wurde und im mittleren Erwachsenenalter nach langer Auseinandersetzung mit der Vielfalt des Geschlechtlichen mein Geschlecht gewechselt habe."

Stereotyp 2: Zu behaupten, es gäbe eine "biologische" Geschlechtsrolle und ein "geschlechts-untypisches Verhalten"

Die deutsche Sexologie ist in grossen Teilen der Ansicht, dass es eine "biologische Geschlechtsrolle" gäbe, der Begriff "gender identity disorder", zu deutsch "Geschlechtsidentitätsstörung", basiert auf dieser Vorstellung. Eine transsexuelle Frau äusserte auf einer Tagung in Berlin vor Psychologen und Behandlern folgendes:

"Wenn Ihr Kind seine Geschlechtsrolle nicht der biologischen Zuweisung entsprechend annimmt,..." ... "Ob Ihr Kind, auch wenn es transidentisch ist, später der biologischen Rollenzuweisung entsprechend leben kann oder nicht, kann in den meisten Fällen nicht vor Ende der Pubertät entschieden werden." [...] "Es sollten Angebote gemacht werden, die dem zugewiesenen Geschlecht als typisch zugeordnet entsprechen."

Geschlechtsuntypisches bzw. geschlechtsatypisches Verhalten sei laut DSM das Spielen mit den "falschen" "geschlechtsatypischen" Spielzeug, das Spielen mit den "falschen", eben "geschlechtsatypischen" Freunden,...

Stereotyp 3: "Geschlechtsuntypisches" Verhalten sei "heilbar"

Auf einer Internetseite einer Transsexuellenselbsthilfegruppe findet sich folgendes:

"Frage: Finden sich die Kinder/ Jugendliche und Eltern/ Kontaktpersonen in das Schicksal ein oder wird versucht zu 'heilen', beziehungsweise die Untersuchungsergebnisse zu ignorieren? -  Antwort: Forschungsgruppen in den USA/ Kanada fanden heraus, dass die 'Heilungschancen' bei Geschlechtsidentitätsstörungen im Kindesalter deutlich besser sind als im Jugendalter. Dies bedeutet, die Betroffenen konnten ihr biologisches Geschlecht nach der Behandlung doch noch annehmen."

Laut DSM und Ansicht grosser Teile der deutschen Sexologie, sei - wie oben bereits erwähnt - geschlechtsatypisches Verhalten am Spielen mit dem "falschen" Spielzeug, dem Tragen der "falschen" Kleidung und dem Spielen mit den "falschen" Freunden, abzulesen. Wir wirr und stereotyp diese Logik ist, zeigt sich, wenn mensch sich einmal näher Gedanken dazu macht.

Stellen wir uns folgendes vor:

A) Ein transsexuelles Mädchen (das von der Genderpolizei bzw dem DSM als "Junge mit genderatypischem Verhalten" bzw. "geschlechtsidentitätsgestörter Junge" bezeichnet wird)

B) Ein nicht-transsexuelles Mädchen

Modell: Eine Spielsituation, nach Vorstellung des DSM / der Sexologie (deswegen wird das transsexuelle Mädchen im folgenden als "Junge" benannt):

A ist ein "Junge", A spielt mit B, deswegen sei A "gender-atypisch". Was ist dann B? A sei ja ein Junge... dann müsste B ja ein Mädchen sein, dass sich ebenso genderatypisch verhält, da es ja mit "Jungs" spielt. Wenn aber B nun ein Mädchen ist, dass sich gender-atypisch verhält... warum spielt es denn dann nicht Jungs, die sich wie Jungs verhalten, sondern mit "Jungs, die sich fühlen wie Mädchen"?

Das Spiel kann endlos fortgesetzt werden. Es ergeben sich aus der Vorstellung, dass es ein "gender-atypisches" Verhalten gäbe, dass "gender" irgendetwas mit dem Geschlecht des Menschen zu tun hat, Paradoxie nach Paradoxie. Es ist im übrigen dieselbe Paradoxie, die seit bestehen dieser Website kritisiert wird, da diese Paradoxie nun mal zum deutschen Transsexuellengesetz geführt hat, um transsexuelle Menschen wohl nicht als existent anerkennen zu müssen.
 
14.08.2010
Es ist schon lustig, wie die Identitätsstörungs-Lobby Werbebeiträge in den deutschen Medien plaziert. Erst am Mittwoch durfte der Hamburger Endokrinologe Achim Wüsthoff die Thesen einer transphoben Sexologenlobby bei SternTV propagieren, indem er z.B. meinte, dass Kinder mit Geschlechtsidentitätsstörungen später meistens homosexuell werden und nur in wenigen Fällen transsexuell, und nun folgt ein Werbeartikel im Hamburger Abendblatt unter dem Titel "Er fühlt sich im falschen Körper". Möglicherweise fühlen sich die Damen und Herren Professoren seit dem europaweiten Protest gegen die Psychopathologisierung und permanente Existenzaberkennung transsexueller Menschen, der auch in Deutschland immer grösser wird, ein bisschen im Zugzwang. Verständlich wäre es.

Bevor ich näher auf die beiden Fälle der Werbebeiträge einer transphoben Sexologenlobby eingehe, erst einmal ein paar persönlich Gedanken. Gestern waren wir zu Gast in Mannheim, bei einer Veranstaltung der Grünen, die Balian Buschbaum für eine Lesung eingeladen hatten. Gestern hatte ich auch zum ersten Mal den neuen Einband seines Buches "Blaue Augen bleiben blau" gesehen und da steht tatsächlich "Dieser Mann war nie eine Frau" auf der Rückseite. Das freut mich nicht nur deswegen, weil ich an dieser Änderung nicht ganz unschuldig bin, sondern vorallem wegen der starken Botschaft, die daraus entsteht. Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen hatte das gestern so nach der Veranstaltung auch so geäussert. Über 200 interessierte Menschen waren auf der Veranstaltung, es gab viel Zuspruch auch für unsere Vereinsarbeit (ATME e.V.) und vorallem: Verständnis.

Ja, ich glaube der Wind hat sich gedreht. Erst die rege Beteiligung an unserem "Was ist Transphobie"-Abend zum Stuttgarter CSD, Bundestagsabgeordneten, die erkannt haben, dass es transphob ist, transsexuelle Menschen als "identitätsgestört" einzusortieren, und eine Öffentlichkeit, die spürt, dass transsexuelle Menschen immer noch mit menschenverachtenden Regelungen und Klassifizierungen zu kämpfen haben und die Forderung nach Reformen voll nachvollziehen kann und gestern der Abend in Mannheim, bei dem das, was in Stuttgart bereits zu spüren war direkt noch einmal bestätigt wurde.

"Wir wollten uns diesen Scheiss nicht länger gefallen lassen. Die Zeit war reif.", sagte Sylvia Rivera, Stonewall-Veteranin als Resumee über den Stone-Wall-Riot 1969, den sie als junges Mädchen aktiv miterlebt hat. Genau dieser Geist ist nun zu spüren. Das lang erhoffte transsexuelle Selbstbewusstsein, dem ich seit über 1300 Tagen entgegenfiebere. Vielleicht ist auch dies der Grund, warum sich nun verstärkt "Geschlechtsidentitätsstörungs"-Prediger als solche outen - da auch sie spüren, dass die Welt ihre ideologischen Ansichten, wie der Behauptung das Nichteinhalten von Geschlechtssterotypen wäre eine psychische Störung (DSM IV und Drafts zum DSM V), nicht mehr teilen wird. Warum soll sich ein Mensch verhalten wie seine Genitalien? Warum soll ein Mensch das Geschlecht haben, wie seine Genitalien? Nicht nur, dass die Annahme die Genitalien würden immer Auskunft über das Geschlecht eines Menschen geben, bereits biologisch längst widerlegt ist, sie ist auch zutiefst menschenverachtend, da sie geschlechtliche Variationen zu verhindern versucht, die es in der Realität aber nun mal gibt.

Die Frage ist also: Warum soll eine Gesellschaft Realität nicht anerkennen wollen? Und warum soll ein Mensch den Ideologien vertrauen schenken, die durch Klassifikationssysteme und Gesetze Vielfalt verhindern wollen, anstatt dafür zu sorgen, dass jeder Mensch, ob transsexuell oder nicht, als er selbst anerkannt wird, oder nicht. Dieser Wunsch ist zutiefst menschlich. Und genau deswegen wird ein Mensch, der sich als liebender und liebenswerter Mensch versteht, auch immer Selbstbewusstsein als Grundlage für echte Liebe erachten und nicht als "Identitätsstörung", wie die psychoanalytisch gefärbte deutsche sogenannte Sexualwissenschaft, die transsexuelle Menschen ihr transsexuelles Outing zu einer Geisteskrankheit erklärt, anstatt anzuerkennen, dass ein Mensch sich durch dieses Outing gefunden hat und daher ein Wissen über sich selbst hat. Die Zeit ist reif dafür sich dieses Wissen nicht zum Unwissen umdefinieren zu lassen. Ein transsexueller Mensch ist kein Lügner über seine Geschlechtszugehörigkeit. Ein transsexueller Mensch ist echt.

So. Und jetzt zu den Werbebeiträgen den Menschen, die transsexuelle Menschen bis heute nicht als existent anerkennen wollen... wobei. Ich spüre gerade, dass ich keine Lust habe ihren transphoben Ansichten hier heute viel Platz einzuräumen. Nur so viel: Wegen des sternTV-Beitrags hat die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. einen Brief an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes geschrieben und verschiedene Bundestagsabgeordnete, mit denen wir in Kontakt stehen, um Unterstützung gebeten, dass sich RTL und sternTV langsam einmal Gedanken darüber machen, ob sie nicht irgendwann dazu bereit wären, Resolutionen des Europarats und Forderungen der Vereinten Nationen zu beachten, aus denen klar hervor geht, dass ein transsexueller Mensch das Recht hat in seinem Geschlecht anerkannt zu werden.

Hier ein kurzer O-Ton aus der Sendung. Behauptet wird: Transsexuelle und homosexuelle Kinder gibt es nicht - Transsexualität und Homosexualität sind das Ergebnis einer "Geschlechtsidentitätsstörung im Kindes- und Jugendalter" (DSM/ICD)
Download: Klick

Wer behauptet, eine transsexuelle Frau wäre ein "Mann der sich wie eine Frau fühlt" oder ein transsexueller Mann wäre eine "Frau, die sich wie ein Mann fühlt" beweist, dass er es mit der Anerkennung des Geschlechts transsexueller Menschen nicht so genau nimmt. Im Falle vieler Sexologen aus Deutschland kann - die Dokumentation darüber ist von Anfang an auch immer ein Ziel dieses Blogs gewesen - davon ausgegangen werden, dass diese Aberkennung der geschlechtlichen Identität nicht aus Versehen geschieht, sondern Absicht ist. Die transphoben Damen und Herren Professoren wissen seit Jahren Bescheid - und lügen trotzdem munter weiter.

Hier vielleicht noch ein kures Zitat:

"Männer, die sich innerlich bewusst oder vorbewusst weiblich fühlen, haben meistens gerade deshalb Ehen geschlossen, weil sie hoffen, sich dadurch irgendwie zu normalisieren. Schwere Depressionen, Suchterkrankungen, psychosomatische Erkrankungen sind oft die Folge. Früher oder später im Leben wird das geschlechtliche Unbehagen dann so unerträglich, dass diese "Männer" nicht mehr anders können, als ihrem Geschlechtsidentitätsgefühl Ausdruck zu verleihen, es auszuleben, sich weiblich zu schminken und zu kleiden. Sie müssen dies tun, damit sie nicht zerbrechen und psychisch überleben."
(Dr. Wilhelm F. Preuss, Mitglied der DGfS, der deutschen Gesellschaft für "Sexualforschung" im Hamburger Abendblatt 14. August 2010)

Geschminkte Männer? Herr Preuss, transsexuelle Frauen sind Frauen. Nur mal so am Rande. Und richten Sie Frau Richter-Appelt, Sophinette Becker und den anderen aus ihrem Verein doch bitte einen schönen Gruss aus und sagen Sie ihnen doch bitte, dass es langsam auffällig wird. Ehrlich. Aber Danke für das Outing. Jemand wie Friedemann Pfäfflin aus Ulm, ihr Kollege der gerade am DSM V mitarbeitet, versteckt seine Transphobie immer hinter etwas schnörkeligen und wirren Sätzen. Dem gegenüber waren sie doch ziemlich direkt. Seien Sie so lieb und bitte ermutigen Sie doch die anderen, dass Sie in Zukunft auch etwas direkter und offener werden. Unser Menschenrechtsverein braucht noch ein paar knackige Aussagen für den nächsten Menschenrechtsbericht...

Wenn Sie mögen, dann lesen Sie sich doch folgende wunderschönen Text durch. Ich habe da heulen müssen, weil er so schön ist. Ich weiss zwar nicht, ob ihr Freundeskreis aus Menschen besteht, die dazu noch in der Lage sind, aber ein Mensch soll die Hoffnung ja nicht aufgeben:

werde was du bist oder die lange geschichte des "trans" - ein filmischer versuch einer dokumentation
(Jens S. Achtert, Modefotograf und Filmproduzent, kreatv http://www.kreatv.de/)

 
02.08.2010
Seit Jahrzehnten redet die deutsche Sexualwissenschaft betroffenen transsexuellen Menschen ein, sie würde sich lediglich "fühlen wie das Gegengeschlecht", anstatt darauf hinzuweisen, dass Geschlecht vielfältiger ist, als gerne immer behauptet. Ein transsexueller Mann? Die psychoanalytische Sexualwissenschaft definiert ihn als "Frau, die sich wie ein Mann fühlt". Eine transsexuelle Frau? Wird wohl ein Junge/Mann sein, der "wie eine Frau fühlt". Das Wissen über die Geschlechtszugehörigkeit eines transsexuellen Menschen wird so zur Phantasie erklärt und als psychische Störung definiert. Medizinische Behandlungen werden in Deutschland bislang nur dann ermöglicht, wenn ein transsexueller Mensch dieser Definition einwilligt. Dass er damit bejaht, dass seine Existenz zur Phantasie erklärt wird, ist der bittere Preis den viele bereitwillig zahlen, um überhaupt Hilfe zu erhalten.

Sich von dieser Psychopathologisierung zu lösen, fängt da an, wo Betroffene selbstbewusst sagen: Nein. Ich bin, wer ich bin. Und genau darum ging es auch in den letzten Tagen bei mehreren Veranstaltungen in Stuttgart im Rahmen der CSD-Woche. Am Dienstag lud die Aktion Transsexualität Politiker bzw. Bundestagsabgeordnete und Menschenrechtler ein, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob transsexuelle Menschen wirklich geisteskrank sind.

Am Freitag hatten wir Balian Buschbaum zu Gast. Nach dem Film "Boys Don't Cry", der in respektvoller Weise, die Geschichte eines transsexuellen Mannes nacherzählt, der auf Grund von Transphobie ermordet wurde. Das wichtige an dem Film: Es wird in keinem einzigen Moment des Filmes behauptet, dass es sich bei dem Opfer um eine "Frau, die sich fühlt wie ein Mann" handelt, sondern klar gemacht: Brandon Teena war ein Mann. Und er wurde ermordet, da man ihm seine Geschlechtszugehörigkeit aberkannte.

Den anwesenden Bundestagsabgeordneten wurde klar: Es muss sich in Deutschland etwas ändern. Transsexuelle Männer müssen ein Recht darauf haben, umgehend als Männer behandelt zu werden, transsexuelle Frauen müssen ein Recht darauf haben, umgehend als Frauen behandelt zu werden. Balian Buschbaum konnte hier mit seinem starken Auftreten ebenso ein grosses Stück dazu beitragen, den anwesenden transsexuellen Menschen, aber auch den Verwandten und Freunden von Betroffenen, Mut zu machen, selbstbewusst zu sein. Nicht Zu-Hause-Verstecken, sondern offensiv sein, ist seiner Meinung wichtig, um die Herzen der Menschen zu gewinnen. Und dazu gehört auch, Menschen klar zu machen: Ich weiss, wer ich bin. Und ich habe ein Recht darauf der Mensch zu sein, der ich bin.

Hier einmal die Mitschnitte beider Abende:
Mitschnitt Dienstag
Mitschnitt Freitag (mit Balian Buschbaum)

Lieber Balian Buschbaum. Danke :-) Und ein Danke natürlich auch an Flu Bäurle (Amnesty), Ute Vogt und Ute Kumpf (SPD), Stefan Kaufmann (CDU), Ingrid Hönlinger und Jerzy Szczesny (Grüne), Anette Groth und Andrej Hunko (Die Linke). Und ja, liebe Politiker - ihr könnt etwas ändern.

Folgenden Film haben wir übrigens auch noch am Freitag gezeigt:
Film Transphobie, Stand: Juli 2010

Es wird Zeit, damit aufzuhören, zu behaupten, eine transsexuelle Frau, wäre ein "Mann, der sich wie eine Frau fühlt" oder ein transsexuelle Mann eine "Frau, die sich fühlt wie ein Mann". Es wird Zeit anzuerkennen, dass transsexuelle Menschen tatsächlich dem Geschlecht angehören, von dem sie wissen, dass sie ihm angehören. Wir sind echt - und eben keine Phantasie liebe Sexualwissenschaft.

Zusatz:

Wenn es um Transphobie geht, ist der Sexologe Friedemann Pfäfflin aus Ulm nicht weit. Seltsam, aber irgendwie bildet der Begriff "Transphobie" mit Pfäfflin scheinbar eine automatische Symbiose. So hat er im Juli 2010 einen Artikel in der Zeitung "Recht und Psychiatrie" veröffentlicht, indem er sich klar dagegen ausspricht die sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität als schützenswert ins Grundgesetz aufzunehmen. Ein breites Bündnis, initiiert vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD), hatte zu der Aktion "Artikel 3" aufgerufen, der sich viele Prominente Unterstützer wie z.B. Maybrit Illner oder Hape Kerkeling angeschlossen hatten. Pfäfflin geht damit in Opposition zu diesem Bündnis.

Bezogen auf das Thema "Transsexualität" macht Pfäfflin in seinem mehrseitigen Artikel klar, dass er immer noch nicht bereit ist zu akzeptieren, dass transsexuelle Frauen Frauen sind und transsexuelle Männer Männer. Nicht, dass Pfäfflin sich nur gegen die Aktion "Artikel 3" ausspricht, er wirbt zudem gleichzeitig für die Ausweitung des DSM (dem internationalen Buch der psychischen Störungen), um in Zukunft noch mehr Menschen als gender-atypisch bezeichnen, und somit mit einen weiteren Personenkreis mit einer psychischen Störung belegen zu können. Pfäfflin ist einer der Mitarbeiter der DSM-Group, welche eine Erweiterung des Bereichs der Geschlechtsidentitätsstörungen erreichen wollen.

Den Gruppen, die sich dafür einsetzen transsexuelle Menschen als existent (als naturgegebene geschlechtliche Variante) anzuerkennen, also den engagierten Menschen, die eine Reform sowohl von Gesetzen (dem Transsexuellengesetz) und den medizinischen Klassifikationen fordern (um z.B. auch hier mehr medizinische Sicherheit während der Behandlung zu erhalten), entgegnet Pfäfflin folgendermassen:

"Die Diskussion um die Beibehaltung oder Abschaffung der Geschlechtsidentitätsstörungen wird mit großem Nachdruck  und z. T. polemisch geführt, woraus man ablesen kann, dass es dabei nicht um eine rein akademische Sachfrage geht."

Interessant, dass gerade er derjenige ist, der bis heute keinen Beweis dazu vorlegen kann, dass es "Geschlechtsidentitätsstörungen" überhaupt gibt, ausser als psychoanalytische Erfindung, die den Zustand beschreibt, den ein Mensch habe, sollte er nicht die für ihn (aus psychoanalytischer Sicht) vorgegebene Geschlechtsrolle übernehmen, die ihm sein Genital vorgebe. Ganz Psychoanalytiker kann Pfäfflin sich nicht vorstellen, dass Geschlecht nicht immer mit den Genitalien gleichzusetzen ist und spricht daher, ganz alte Schule, konsequenterweise von "Geschlechtsumwandlungen", wenn er die Veränderung der Genitalien meint.

Fast putzig ist es, wenn Pfäfflin versucht, zu argumentieren, dass ein Mensch vor seiner Pubertät noch keine Identität habe:

"Nach Erikson kann einer Person erst nach Abschluss der Adoleszenz Ich-Identität zugesprochen werden"

Bedenkt man, dass Pfäfflin damit behauptet, dass ein Mensch quasi als Kind weder homosexuell noch transsexuell sein kann, dann versteht man auch, warum er kein Problem damit hat mit Kenneth Zucker, dem kanadischen Leiter der DSM-Gruppe "gender identity disorder" zusammen zu arbeiten, der Umpolungstherapien an Kindern anbietet um sie davor zu schützen, später "homosexuell" oder gar "transsexuell" zu werden.

In den Drafts zum DSM V finden sich dann auch bereits genügend Hinweise darauf, wie sich Zucker und Pfäfflin das vorstellen: Spielst du mit dem "falschen" Spielzeug, magst du die "falsche" Kleidung oder hast die falschen Spielkameraden, dann kann es sein, dass du als Kind laut DSM V eine psychische Störung hast. Nur um ein Beispiel zu zitieren:

"In Jungen: eine starke Ablehnung typisch männlichen Spielzeugs, Spielen oder Aktivitäten und eine starke Ablehnung von Raufereien. Bei Mädchen: eine  starke Ablehnung von typisch weiblichem Spielzeugs, Spielen oder Aktivitäten"
(Zitat aus den Drafts zum DSM V, der Ende 2012, Anfang 2013 erscheinen soll).

Richtig. Pfäfflin hat an diesem Draft mitgearbeitet. Zurück zum Webfundstück vom Juli 2010... Pfäfflin lobt in seinem Artikel ausdrücklich John Money, den Genitalverstümmler aus Baltimore, dessen Ideen noch heute dazu führen, das an vielen Krankenhäusern immer noch zahlreiche intersexuellen Kinder genital verstümmelt werden. Und selbst obwohl viele fremdzugewiesene Menschen traumatisiert zurückbleiben wie z.B. David Reimer, dem Jungen, dem eine Vagina gebastelt wurde, nachdem sein Penis nach der Geburt verletzt wurde, findet Pfäfflin immer noch das...

"schmälert seine Verdienste um die begriffliche Fassung von G-I/R [Geschlechtsidentität/Geschlechtsrolle] nicht"
.

Interessant ist auch folgendes Zitat:

"Hatten Betroffene früher mit der häufig sehr ernst gemeinten Drohung, »wenn ich nicht operiert werde, bringe ich mich um«, ihrem Anliegen Nachdruck verliehen und sich damit häufig durchzusetzen vermocht, führen sie heute durch  alle Instanzen Klagen gegen den Operations»zwang« als Bedingung für die rechtliche Anerkennung ihrer gewünschten neuen Geschlechtszuschreibung."

Dass die Anerkennung als "existent" für einen transsexuellen Menschen eine Mindestvoraussetzung dafür ist, um echte und medizinische Massnahmen zu erhalten, mag nicht Platz in Pfäfflins Hirn finden. Dass gerade seine Aberkennung dessen, dass es sich z.B. bei einer transsexuellen Frau um eine Frau handelt, und eben nicht um einen "geschlechtsidentitätsgestörten Mann", dazu führt, dass heute immer noch viele transsexuelle Menschen immer noch vor Gericht gehen müssen um nach Jahren irgendwann vielleicht einmal die medizinischen Massnahmen bewilligt zu bekommen und letztendlich viele transsexuelle Menschen in einer Art psychotherapeutischer Warteschleife gehalten werden um sie erst eimal ordentlich melken zu können, das mag der Psychoanalytiker aus Ulm immer noch nicht zugeben.

Pfäfflin hat einmal mehr bewiesen, wem wir zu verdanken haben, dass medizinische Leistungen zu erhalten, für transsexuelle Menschen in Deutschland immer noch einem Glückspiel gleicht und wir hierzulande in Sachen Menschenrechten für Menschen mit geschlechtlichen Abweichungen immer noch weit hinter anderen Ländern liegen. Es liegt an den Pfäfflins in diesem Land - die mit dem Leid betroffener ihr Geld verdienen und gleichzeitig verhindern, dass es endlich medizinische Sicherheit und eine rechtliche Anerkennung transsexueller Menschen gibt.

Gehen Sie bitte endlich in Rente, Mr. Pfäfflin (wobei ich Ihnen gerne hübsche Eisenstangen als Vorhang wünschen würde) . Und überlegen sie bitte, warum ich sie mitverantwortlich mache für die weltweiten transphoben Hassverbrechen, die immer noch geschehen können, weil Menschen mit geschlechtlichen Abweichungen immer noch ihr Existenzrecht verwehrt wird.

Link: Der Artikel von Pfäfflin, Juli 2010
 
22.07.2010
Gerade dachte ich mir: Warum nicht mal öffentlich sagen, wie ich mich nicht fühle. Genau das wird jetzt passieren:

"Ich fühle mich nicht, wie eine Frau"

Ups. Was ist denn da passiert? Eine transsexuelle Frau sagt, dass sie sich nicht wie eine Frau fühlt? Tatsächlich: Ich fühle mich nicht, wie eine Frau. Ich weiss nämlich gar nicht, wie das gehen soll, das sich "wie eine Frau fühlen". Solange ich denken (und auch fühlen kann), ist mir klar, dass ich mich, wie ich fühle und es ist mir ein Rätsel, wie irgendein Mensch sagen kann, er fühle sich "wie eine Frau". Was sind die Merkmale dafür, sich "wie eine Frau" zu fühlen? Muss ich mich da dann etwa weich und schnüffig fühlen? Und wie performe ich dann meine Schnuffigkeit? Lange Haare? Schminke? Rock? Bügeln als Hobby? Welche Klischees soll ich denn da bitteschön erfüllen, um mich "wie eine Frau" zu fühlen?

Ach so. Es gibt doch eine Anleitung dazu, wie das geht, sich "wie eine Frau" zu fühlen... die nennen sich glaube ich Standards of Care oder so. Das Üben einer Geschlechtsrolle soll das ja sein... Lange Haare? Schminke? Rock? Was, wenn ich aber kurze Haare lieber mag? Und Hosen einfach praktischer finde? Bin ich dann ein Mann, weil ich damit ja nicht gut genug beweise, dass ich mich "fühle wie eine Frau"?

Es nervt. Ich habe keine Lust mehr auf soviel Unsinn, Genderklischees und paradoxe, unwissenschaftliche Formulierungen über transsexuelle Menschen. Gerne, liebe Menschen, könnt ihr euch selbst belügen, wenn ihr über transsexuelle Menschen behauptet: "Frauen fühlen sich als Männer, Männer fühlen sich als Frauen." ... aber lasst mich da bitte raus, ok?

"Ich fühle mich nicht, wie eine Frau"

Ich weiss, dass ein Mensch nicht nur aus Genderklischees besteht... und ich bin mir völlig im Klaren darüber, wer oder was ich bin: Eine Frau. Ich bin es nicht, weil ich mich so kleide, ich bin es nicht, weil ich mich so gebe, ich bin es nicht, auf Grund irgendwelcher Genitalien (egal, wie die auch aussehen mögen). Ich bin einfach nur ich selbst. Das sollte eigentlich genügen. Aber vielleicht braucht die Welt Lügen, weil sie schon immer mehr Interesse an Märchen und Erfindungen hatte, als an der Realität. Märchen als Möglichkeit sich die Welt besser einzuteilen? Und wenn dann jemand nicht in die Einteilung passt, dann wird er passend gemacht. Ein uraltes Prinzip... warum sollte sich das auch ändern? Da wird dann eben aus einer transsexuellen Frau per Definition einfach ein Mann gemacht, "der sich fühlt, wie eine Frau"... und als Beweis wird dann auf das Vorhandensein oder Fehlen von Genitalien verwiesen.

Nicht, dass nicht-transsexuelle Menschen dafür einen Grund hätten - schliesslich geht es immer einfach, mit dem Finger auf andere zu zeigen - aber was wirklich unterste Schublade ist, wenn so ein Unsinn von transsexuellen Menschen selbst erzählt wird. Es rumort regelrecht jedes mal in meinem Magen und ich weiss nie, ob Heulen oder Wütend sein in so einer Situation besser ist... wenn ich diese Selbstverleugnungen transsexueller Menschen mitbekomme, dann denke ich mir: Was ist das? Wie kann man so wenig Selbstachtung haben?

Also nochmal: "Ich fühle mich nicht, wie eine Frau". "Ich bin eine Frau".

Verstanden? Nein? Dann lass' mich bitte in Ruhe. Und glaube mir, wenn du mich öffentlich als "Mann, der sich wie eine Frau fühlt" definieren willst... dann meinst du damit nicht mich. Dass ich dennoch ein lebendiges, existentes Wesen bin, magst Du in Deiner kleinen Welt dann möglicherweise weiter abstreiten, aber da ich mich nicht fühle, wie eine Frau, sondern eine bin, nehme ich mir das Recht heraus, dafür zu kämpfen, dass transsexuelle Frauen irgendwann einmal als existent anerkannt sein werden. Auch wenn dir das dann nicht passen mag. Aber mal ehrlich: Behaupte ich etwa, dass Du nicht existieren würdest? Und lediglich ein Mensch wärst, der sich irgendwie "fühlt wie" aber auf Grund einer Identitätsstörung nicht er selbst wäre? Nein. Siehste mal.

Ach so. Noch was anderes. Es scheint, als wäre die Nichtanerkennung transsexueller Menschen verstärkt ein Problem des deutschsprachigen Raumes. Ein Sprung über den Rhein zeigt nämlich, wie es anders möglich wäre... eine transsexuelle Frau wird hier das Cover der neuen Ausgabe der Modezeitschrift Vogue schmücken. Es handelt sich um diejenige welche, die auch bereits als neues Model für Givenchy in den französischen Medien war. So sieht transsexuelles Selbstbewusstsein aus. Und jetzt lieber transphober Transenhasser, der Du glaubst, transsexuelle Frauen wären "(biologische) Männer, die sich auf Grund einer Identitätsstörung wie Frauen fühlen"... schau dir das Bild von Lea an. Und dann geh' bitte zum Spiegel und betrachte Dich selbst. Und dann viel Vergnügen, wenn es dir dann ein wenig schlecht wird. Wobei... streiche bitte aus dem letzten Satz das Wort "wenig". Danke.

Hier das Bild: Link (oder: hier )

Ach ja. Nachdem ja nur noch ein paar Tage hin sind... hier nochmal die Info über die zwei Veranstaltungen auf dem Stuttgarter CSD :

27. Juli (Dienstag) im Zentrum Weissenburg: Sind transsexuelle Menschen wirklich geisteskrank? Mit Vertretern aus Politik und Medizin.
30. Juli (Freitag) im Theaterhaus: Was ist Transphobie? Gezeigt wird der Film "Boys Don't Cry" und als Gast des Abends wird u.a. Balian Buschbaum da sein.

Mehr dazu: http://atme-ev.de
 
15.07.2010
Amnesty International hat vor ein paar Tagen einen Bericht über die Menschenrechtsverletzungen bei der deutschen Polizei veröffentlicht.

Hier heisst es u.a.:

"Der vorliegende Bericht formuliert darüber hinausgehend Bedenken zum Versäumnis der Behörden, die adäquate Untersuchung glaubwürdiger Anschuldigungen wegen Menschenrechtsverletzungen durch die Polizei zu gewährleisten. Amnesty International beobachtet mit Sorge,dass dies zur Folge haben kann, dass die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen werden und dies zu einem Klima der Straflosigkeit führt."

Mit besonderer Sorge beschreibt Amnesty International auch die Behandlung von Mitbürgern mit "Migrationshintergund".

Mehr dazu unter: http://www.amnesty-polizei.de/

In Köln wurde eine transsexuelle Frau aus dem Irak von deutschen Polizisten während einer Polizeikontrolle festgehalten, bedroht und als "Junge mit Titten" bezeichnet und ihr gedroht, sie ins Gefängnis zu stecken, wenn sie sich das nicht gefallen lassen würde. Diese Frau wurde nun vor Gericht zu einer Strafe verurteilt, weil sie sich versucht hat, gegen diese Diskriminierung zu wehren.

Auch in Internetforen wurde dieser Fall diskutiert, auch in einem Forum einer deutschen transOrganisation, in welcher folgender Kommentar aus der deutschnationalen Ecke gepostet wurde (vielen Dank denen, die hier es möglich machen, dass die folgenden Buchstaben veröffentlicht werden können):

"Dann hoffen wir mal, das die gute Aylin am 8. Juli die Gesetze einer freien Demokratie zu spüren bekommt und wegen Beleidigung verurteilt wird. [...] Die ethnische Herkunft und das damit verbundene Temprament hat bestimmt noch seinen Teil dazu beigetragen."

Und die Reaktion des Administrationsteams:

"[...] rein sachlich gesehen war 'Herr mit Titten' ja richtig, [...]"

Wie bitte?

Muss ich noch extra erwähnen, dass ich nicht möchte, dass solche Vereine transMenschen so in der Öffentlichkeit vertreten? Dass Vereine, in denen Ausländerhass und Diskriminierungen von Minderheiten toleriert werden, auch noch bei bundesweiten Tagungen von transMenschen willkommen sind... ich höre' jetzt besser auf weiterzuformulieren. Sonst muss ich mich noch übergeben.

Ich möchte den Namen der transOrganisation nicht nennen, da ein Öffentlichmachen des Namens durchaus dazu führen kann, plötzlich Anzeigen dieser Organisation im Briefkasten zu haben (wie schon geschehen). Wer den Namen herausbekommen will, kann ja gerne selbst seine Augen aufhalten.

Wie dem auch sei... es gibt nun eine Radiosendung des Freien Radios für Stuttgart, in welcher das Opfer selbst zu Wort kommt. Bitteschön:

Transsexuelle Frau von Polizei diskriminiert - Download  (Oder hier: Alternativer Download )

Da Wegsehen sicher kein Mittel ist um Transphobie zu bekämpfen, und es wichtig ist, solche Vorfälle auch an die Öffentlichkeit zu bekommen, gibt es zwei Veranstaltungen auf dem CSD in Stuttgart, welche sich mit Transphobie auseinandersetzen. Einerseits am 27. Juli 2010 in der Weissenburg in Stuttgart und am 30. Juli 2010 im Stuttgarter Theaterhaus. Am 30. Juli wird u.a. auch Balian Buschbaum zu Gast sein.

Mehr zu den Veranstaltungen gibt es hier: http://atme-ev.de

Übrigens: Es stimmt mich zutieftst traurig, dass es manchmal notwendig ist, auf Ausgrenzungsmechanismen und Diskriminierungen innerhalb des "Systems Trans" hinweisen zu müssen und würde es wirklich schöner finden, wenn alle Menschen, die sich in transVereinen organisieren tatsächlich ein wahrhaftiges Interesse daran zeigen würden, jeglichen Ausgrenzungen und Diskriminierungen durch ihr eigenes Handeln entgegenzuarbeiten, da letztendlich dies ja die Grundlage ist dafür, um auch "im Grossen" positive Veränderungen eines gesellschaftlichen Klimas und eine Akzeptanz von transMenschen zu erreichen.

In diesem Sinne, kann ein positives "Bäh" nur gut sein. Es ist besser, den Mund auf zu machen, anstatt zu schweigen. Besonders dann, wenn es um die Ausgrenzung von Minderheiten geht.
 
10.07.2010
Ich habe heute einen netten Artikel gelesen. Darin wird Sophinette Becker zitiert, die in Deutschland eine der Verantwortlichen ist für die Behandlungsstandards transsexueller Menschen - und wie schon mehrfach erwähnt, auch in Buchveröffentlichungen und Fernsehshows behauptet, transsexuelle Frauen wären "Männer, die gerne Frauen wären" und transsexuelle Männer wären "Frauen, die gerne Männer wären" (siehe auch: ZDF-Interview 2008). Sie gehört zu den Hauptprotagonisten derer, die transsexuellen Menschen ihr eigentliches Geschlecht nicht bereit sind anzuerkennen, sondern anstatt dessen, auf Grund von Theorien über "Geschlechtsidentitätsstörungen" (oder neuerdings: Geschlechtsidentitätsinkongruenz) verantwortlich sind für ein geschlossenenes Zwangssystem, bei denen transsexuelle Menschen als ihres eigenen Willens beraubt, Opfer von medizinischen und rechtlichen Regelungen werden.

So verwundert mich doch folgendes:

"Becker gibt zu bedenken: 'Die jetzt aufgedeckten Missbrauchsfälle [...] haben gemeinsam, dass sie in geschlossenen Systemen stattfanden.' Wer jetzt also auf die Kirche oder die Reformpädagogik einschlägt, vergisst, dass ein solches geschlossenes System auch ein Chor oder ein Sportverein sein könnte. Man muss aber nach Beckers Ansicht dafür sorgen, dass 'es keine geschlossenen Systeme mehr gibt, in denen Kinder von einer oder mehreren Personen abhängig sind und da nicht rauskönnen.'"
(Quelle: N-TV, 9.7.2010)

Wirklich süss, Frau Becker. Wie wäre es eigentlich einmal, wenn sie anfangen würden, sich bei ihrer Fordererung selbst miteinzubeziehen und einmal die Rolle der ideologiebeladenen sogenannten Sexualwissenschaft, der sie ja selbst angehören hinterfragen würden? Wissen Sie, ich finde es leicht heuchlicherisch, als Angehörige eines Systems, das transsexuelle Menschen in Abhängigkeit und Unfreiheit hält, einem System bei der psychischer und sogar sexueller Missbrauch an transsexuellen Menschen durch Gutachter und Psychoanalytiker, die ihre Machtposition hier nur allzu oft allzu gut ausnutzen , keine Einzelfälle sind, davon zu sprechen, mann müsse hier die Forderung nach weniger Abhängigkeit stellen, ohne sich dabei selbstkritisch miteinzuschliessen.

Den körperlichen, psychischen und sexuellen Missbrauch an transsexuellen Menschen haben sie durch ihre Geschlechtsideologie, die aus transsexuellen Menschen "geschlechtsidentitätsgestörte Menschen" macht, doch mitzuverantworten, Frau Becker... oder ist Ihnen das bis heute noch nicht aufgefallen?

"Er empfahl mir mehrere homosexuelle Sexualpraktiken, die er genau beschrieb, während ich mit ihm alleine im Zimmer war. Unter anderem meinte er, ich müsste dringend mal einem Mann einen blasen, um mir meiner Identität bewusst zu werden. Und Analsex wäre ebenfalls sehr wichtig, egal, ob ich darauf stehe oder nicht. Es wäre nur wichtig für mich, das einmal gemacht zu haben."
Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Ulm.

"Schließlich kam dann nach knapp 2 Stunden Gespräch die Ankündigung, dass er mich nun körperlich untersuchen müsse. [...] damit er meine Scham frontal ohne Einschränkung sehen konnte"
Asklepios Klinik für forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Göttingen.

"Ich musste nackt durch das Zimmer laufen und wurde dabei auf Video aufgenommen. Dies sei unumgänglich, er könne sonst kein Gutachten erstellen. Beim zweiten Gutachten wurde mein Penis geknetet und ich gefragt, ob er denn noch hart würde. Beim dritten Gutachten wurde ich gefragt, ob er die Vorhaut einige male hin und her bewegen dürfe"
Bericht einer transsexuellen Frau über ein Gutachtergespräch.

Frau Becker, es mag sie ja friedlich Schlummern lassen, dass sie auch transsexuelle Menschen um sich herum haben, die Ihnen das Gefühl geben, dass diese Verbrechen alle gar nicht so schlimm wären (unglaublich aber wahr, was das Abhängigkeitssystem hier für Blüten treibt), aber ich wollte Sie hier einmal daran erinnern, dass solche Fälle keine Einzelfälle sind - und selbst wenn sie es wären, jeder dieser einzelnen Missbrauchsfälle ist ein Missbrauchsfall zu viel. Wenn Sie sich schon öffentlich in Interviews mit n-tv sich für die "Aufarbeitung des Missbrauchs" mehr "Transparenz" wünschen, was würden Sie denn davon halten, wenn wir da den Missbrauch an transsexuellen Menschen miteinbeziehen? Wär' das eine Idee? Sie wissen ja, seit 2006 liegen die Missbrauchsvorwürfe bei Ihnen spätestens auf dem Schreibtisch (deswegen gibt es ja auch den "Ticker" auf mut23)- nicht, dass da bislang zu wenig Zeit gewesen wäre, sich einmal damit zu beschäftigen (der Ticker zeigt mittlerweile über 1300 Tage an. Nicht schlecht, Frau Becker)...

Edit: Ich habe mir erlaubt, Dr. Christine Bergmann auf den Menschenrechtsbericht 2010 hinzuweisen, der u.a. den Missbrauch durch die Deutsche Sexualwissenschaft kommentiert.
Link: Der Bericht

U.a. zum Missbrauch und Transphobie im deutschen Medizinsystem gibt es am 27. Juli 2010 in Stuttgart eine Veranstaltung. Sie wird von Verdi und ATME e.V. in Kooperation organisiert und nennt sich "Sind transsexuelle Menschen wirklich geisteskrank?". Termin. 27. Juli 2010, 18.30 im Zentrum Weissenburg in Stuttgart.

Edit 12.07.:

Ich möchte einmal eine Kommentar, der auf einer Unterseite eingetragen wurde, auch hier veröffentlichen:

"Als Psychiater und Neurowissenschaftler stimme ich mit den Inhalten dieser Homepage 100%-ig überein. Diese Webseiten bringen die Impertinenz der Gender-TheoetikerInnen und (psychoanalytischen) Geschlechtsumwandler voll auf den Punkt.
Einen kleinen Einwand habe ich: Udo Rauchfleisch, den ich fachlich ganz gut einschätzen kann, gehört nicht zu der bornierten Analytiker-Crew, die via GID die Transphobie fördert.

Obwohl es in seine  Veröffentlichungen schräge Formulierungen und Ansichten gibt ("Wechsel zum Gegengeschlecht" usw.), bemüht er sich als einer der wenigen vom analytischen Ufer um konsequente Ent-Pathologisierung. Konsequent entzieht er sich auch dem "Arbeitsgruppen"-Getue der Uniklinik Basel zwecks Fremdbestimmung des Geschlechts von Transfrauen und -männern. Ich zähle ihn eher zu den positiven Kräften - eher. Die sich bei uns in der Schweiz in positive Richtung engagieren. Und sich glasklar und vernehmlich gegen Transphobie und Repression von Transmenschen artikulieren (und deswegen von Rechtskatholiken und Faschisten auf den Grill gelegt werden).

Auch Udo Rauchfleisch hat sich in den letzten Jahren weiter entwickelt (ähnlich wie manche grünen PolitikerInnen)."

(Dr. med. univ. Dr. phil. Horst-Jörg Haupt, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie)
 
07.07.2010
In westlichen Kulturen scheint es zwei Geschlechterideologien zu geben. Die eine Geschlechterideologie definiert das Geschlecht eines Menschen über den Körper - "Titten, Arsch und lange Haare... das wird wohl eine Frau sein". Die andere Geschlechterideologie definiert das Geschlecht eines Menschen über die Handlung - "verhält sich weiblich, ist geschminkt wie eine Frau, sagt es ist eine Frau... dann akzeptiere ich diesen Mann eben als Frau". Dumm, dass beide Ideologien ein Problem haben: Transsexuelle Menschen kommen in ihnen nicht vor... eben gebürtige Frauen, die mit männlichen Körpermerkmalen auf die Welt kamen oder gebürtige Männer, die mit weiblichen Merkmalen auf die Welt kamen. Transsexuellen Menschen ihr eigentliches Geschlecht abzuerkennen ist Transphobie.

Hier einmal Beispiele aus beiden Geschlechterideologien:

"Schade nur für die Männerwelt... denn sie ist eigentlich ein er". (BildTV über eine transsexuelle Frau, Juni 2010)
"Sie wurde als Mann geboren und lebt als Frau". (KulturSpiegel über eine transsexuelle Frau, Juni 2010)

Sollte es doch Geschlechtsunterschiede zwischen Männern und Frauen geben und kann man diese an der Art der Transphobie erkennen? Und was, wenn transsexuelle Menschen selbst diese Geschlechtsunterschiede aufweisen, die jeweils die eine oder andere Geschlechterideologie implizieren?

Ach, wie mich solche Ideologien nerven - egal, woher sie kommen, und wie sie verpackt sind. Ob jemand konservativen Geistes ist und tatsächlich meint, ein Penis wäre das ultimaive Geschlechtsmerkmal eines Menschen oder ob jemand sich als queer bezeichnet, und aus diesem Grunde nicht schafft das biologische Geschlecht eines Menschen zu akzeptieren (was durchaus von Chromosomen und Genitalien abweichen kann - aber diesen Bewusstseinsschritt muss mensch ja auch erst einmal bereits sein zu gehen)... Menschen, die nicht willens sind, wahrzunehmen, sondern eher damit beschäftigt sind ihre persönliche "Einschaltquote" in einer Welt der Selbstdarstellerei zu erhöhen, sind wohl ein Zeitphänomen. Und ich hoffe, dass dieses Phänomen, wie so viele andere, sich irgendwann einmal in die Geschichte einreihen wird, wie viele andere Trends und Moden.

Wobei zugegebenermassen manche Zeitgeistphänomene seher lange dauern, bis sie überwunden sind - religiöser Fanatismus hält sich manchmal sehr hartnäckig. Jeder weiss zwar, dass das irgendwie nicht ganz gesund ist, aber wieviele wollen schon, dass sich etwas ändert? Transsexuelle Menschen? Schön wär's...

Apropos schön wär's: Da fällt mir gerade ein, dass dies ja das Motto des diesjährigen CSD Stuttgart ist. Und seltsam aber auch, auf diesem wird es zwei Veranstaltungen zum Thema Transphobie geben, die sich mit der Frage beschäftigen werden, was Transphobie ist und woher die Pathologisierung transsexueller Menschen als geisteskrank kommt. Vielleicht liegt das nämlich auch an Geschlechterideologien - egal, ob diese nun den Körper als geschlechtbestimmend annehmen, oder Geschlechtsstereotype. Die Akzeptanz von transsexuellen Menschen als existent wird durch beide erschwert - ein Grund dafür, diese Ideologien zu thematisieren...

Links:

ATME-Veranstaltungen auf dem CSD
CSD Stuttgart
Zentrum Weissenburg
Theaterhaus Stuttgart
 
30.06.2010
Schon seltsam. Da dachte ich, dass sich die Auseinandersetzung mit dem Thema Transsexualität bei Menschen dahingehend verändert hat, dass sie sich in letzter Zeit doch stärker Gedanken darüber machen, was es bedeutet, wenn ein transsexueller Mensch sagt "ich bin ein Mädchen" (obwohl da Penis und Hoden vorhanden sind) bzw. "ich bin ein Junge" (obwohl Penis und Hoden fehlen) - mensch könnte ja darauf kommen, dass es sich vielleicht um nicht mehr und nicht weniger handelt als die Wahrheit - so beobachte ich leider auch einen geistigen Rollback. Und was mich wirklich nachdenklich macht ist, warum auch viele trans-Menschen selbst (ob sie sich transgender, transsexuell oder queer nennen), fleissig daran mitarbeiten, die Anerkennung ihrer Identität möglichst gut zu bekämpfen.

Was wäre die Welt schön, wenn wenigstens die Leute, die sich selbst einen Aufkleber mit den Buchstaben "trans" auf die Stirn kleben, darüber nachdenken würden, welche Verantwortung sie auch für das Wohl und Leid anderer Betroffener haben - doch tatsächlich scheint man sich vielerorts damit abgefunden folgende Formeln abzusegnen, anstatt sie zu bekämpfen: "Transsexuelle Frauen, sind Männer, die 'wie Frauen fühlen' - aber eigentlich doch Männer." (oder Transmänner, Frauen, die wie Männer fühlen).

Es wundert zudem, wie konsequent selbst diejenigen, die mittlerweile nicht drumrum kommen, anzuerkennen, dass ein Genital und Chromosomen nichts über das Geburtsgeschlecht eines Menschen aussagen müssen - wie z.B. Hertha Richter Appelt im Juni 2010 auf einer Podiumsdiskussion des Ethikrates - dann doch wieder bei transsexuellen Menschen ihre Erkenntnis über die Vielfältigkeit des biologischen Geschlechts beiseite legen, und ganz schnell vergessen, was sie Sekunden vorher geäussert haben.

Redakteurinnen, die in Zeitungsartikel darüber schreiben, dass die Zweigeschlechterordnung aufgebrochen werden müsse, da es ja noch Menschen "dazwischen" gäbe und ganz vergessen, dass ein "dazwischen", wenn es als "drittes" gemeint ist, ja immer ein binäres Gedankenmodell impliziert, krönen diese Aneinanderreihung der Paradoxien, die das Erkennen von Heuchelei sehr deutlich machen, in denen Menschen erst das eine sagen, aber in Wirklichkeit das andere meinen.

Bevor die Einleitung allzu lang wird, hier eine Aneinanderreihung der Unglaublichkeiten:

"Geboren wurde Gloria mitte der 60er. Als Bub. Bereits mit 5 wünscht er sich eine blonde Langhaarperücke. Mutter Martha und Vater Hans ahnen damals noch nichts von den heimlichen Qualen ihres Sohnes, bis er mit 18 das Elternhaus verlässt. Wenn Gloria heute ihre Eltern besucht, freuen sie sich, dass der verlorene Sohn nach Jahrzehnte langem Bühnenleben endlich zurück in Zwiesel ist."
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(O-Ton: Bayerisches Fernsehen - Juni 2010)

Frage: Der Sohn kehrt zurück?

"Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Transsexualität als eine Störung der Geschlechtsidentität. Sie liegt vor, wenn jemand körperlich eindeutig einem Geschlecht angehört, sich aber als Vertreter des anderen Geschlechts empfindet und den Wunsch hat, das Geschlecht soweit wie möglich auch körperlich zu wechseln. Die meisten transsexuellen Menschen haben bereits in früher Kindheit das Gefühl, anders zu sein als gleichaltrige Jungen und Mädchen.

Christian Vogel arbeitet als niedergelassener Facharzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin in München Schwabing. Er schreibt viele Gutachten für Transsexuelle - zwischen 30 und 50 pro Jahr. In der Medizin gilt Transsexualität heute als Krankheit.

'Transsexualität ist eine Störung der Geschlechtsidentität. Ein Mensch entwickelt relativ früh in seinem Leben das Gefühl dafür: Das bin ich, das ist eine andere Person - das ist ja die Unterscheidung zwischen ich und dem anderen. Und eine der nächsten wesentlichen Unterscheidungen, die ein Mensch in seiner psychischen Entwicklungen lernt ist die zwischen Männlein und Weiblein (wenn man das so sagen darf). Und er trifft für sich selbst unbewusst, oder in dem Lebensalter natürlich noch sehr emotional, die Entscheidung ich gehöre hierzu ich gehöre dazu. Und wenn man beispielsweise transsexuelle Patienten intensiv in anamnestischen Gesprächen befragt, wie das bei ihnen in der Kindheit war, dann schildern sie oftmals Verhaltensmuster, wo schon deutlich wird, dass sie sich bei diesen frühen Verhaltensmustern nicht dem biologisch gegebenen Geschlecht zugeordnet haben, sondern eher dem anderen Geschlecht. Und so entsteht dann die innere Gewissheit, ich gehöre dem anderen Geschlecht an, als dem, das mir biologisch gegeben ist.'

Wer die Geschlechtszugehörigkeit im Pass und in der Geburtsurkunde ändern lassen will, muss sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterziehen. Der Eingriff muss die äusseren Geschlechtsmerkmale so verändern, dass eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts erreicht wird. So verlangt es das Transsexuellengesetz ."

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(O-Ton: Nah Dran, Bayern 2, April 2010)

Frage: Das biologische Geschlecht? Ich dachte, dass wir da schon längst weiter wären und längst wüssten, dass weder Genitalien noch Chromosomen eindeutig zur Geschlechtszuordnung taugen (siehe: oben).

Die Reportage des bayerischen Rundfunks, die im April 2010 ausgestrahlt wurde, entstand in Zusammenarbeit mit einer süddeutschen Transsexuellenorganisation.

"Transsexuell, da geht es darum das biologische Geschlecht zu ändern. Zum Beispiel wenn ein Mann, der eindeutige männliche Geschlechtsmerkmale aufweist, eine Frau wird und sich auch umoperieren lässt..."
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(Radio Blau: Tipkin für Netzwerk XX, Februar 2010)

Der O-Ton stammt aus einer Sendung im Freien Radio, deren Macherinnen sich selbst als "queer" bezeichnen und Geschlecht als konstruiert ansehen (Stichwort: transgender).

"Wir sprechen bei Kindern noch nicht von Transsexualität, sondern von Störung der Geschlechtsidentität. Kinder, die in ihrem ganzen Erleben und Verhalten weiblich sind, aber einen Körper haben, der männlich ist. Aber dieser Körper ist völlig unauffällig und wir wissen heute auch noch nicht, wie dieses Phänomen der Transsexualität überhaupt entsteht."

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(Hertha Richter Appelt auf einem Podium des Deutschen Ethikrats am 23. Juni 2010)

Frage: Frau Richter-Appelt, wenn sie selbst wissen, dass weder Genitalien noch Chromosomen eine eindeutige Aussage über das biologische Geschlecht eines Menschen liefern können... warum behaupten sie dann, dass dies bei transsexuellen Menschen möglich wäre, um dann z.B. transsexuellen Mädchen/Frauen zu unterstellen, diese wären Jungs/Männer mit einer Geschlechtsidentitätsstörung?

Übrigens gibt es auch noch transsexuelle Männer.

Ach, und die Boulevard-Medien gibt es ja auch noch:

"Die schöne Aylin ist sexy und eine rassige Erscheinung in 85D. Schade nur für die Männerwelt - denn sie ist eigentlich ein er"
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(BildTV, Juni 2010)

Ich glaube BildTV bringt es damit auf den Punkt. Kurz und knapp lässt sich diesem Satz entnehmen, warum wahrscheinlich immer noch gesagt wird, dass transsexuelle Frauen keine Frauen wären und behauptet wird, sie wären eigentlich Männer (bzw. umgekehrt bei Transmännern). ... warum aber transsexuelle Menschen bei dem grossen Verleugnungs-Schauspiel auch noch selbst mitmachen, das verstehe ich bis heute nicht. Genauso wenig, warum manche Menschen jahrelang immer auf der gleichen Stelle treten, anstatt anzuerkennen, dass transsexuelle Frauen Frauen und transsexuelle Männer Männer sind.

Übrigens wird es am 27. Juli und am 30. Juli zwei Veranstaltungen zum Thema Transphobie in Stuttgart geben (an denen auch obige Transphobien - das Aberkennen des Geschlechtes transsexueller Menschen - thematisiert werden). Mehr dazu gibt es unter: http://atme-ev.de

 
18.06.2010
Die Grünen bringen nun erneut ihren Gesetzentwurf zur Änderung/Abschaffung des Transsexuellengesetzes in den Bundestag ein. Die Fraktion Bündnis90/Die Grünen geht in diesem Entwurf auf die Forderungen vieler menschenrechtlich aktiver Gruppierungen ein und sieht vor, dass ein transsexueller Mensch - wie auch in anderen Ländern bereits in der Diskussion oder bereits umgesetzt - ohne Zwangspsychiatrische Gutachten oder Zwangskastration ihre Papiere ändern lassen können.

Hier eine Meldung von Volker Beck (Juni 2010):

"Selbstbestimmung für Transsexuelle - Grüne legen neuen Gesetzentwurf für ein zeitgemäßes Transsexuellenrecht vor
Unser Gesetzentwurf rückt die Selbstbestimmung und die Menschenwürde von Transsexuellen und Transgendern in den Mittelpunkt. In Zukunft sollen die Betroffenen selbst über ihre Geschlechtszugehörigkeit entscheiden. Zwangskastration, sogenannte geschlechtsanpassende Operationen gegen den Willen der Betroffenen und Gängelei durch Behörden und Gutachter gehören endgültig abgeschafft. Derartige Praktiken sind eines modernen Rechtstaats nicht würdig. Auch das Bundesverfassungsgericht hatte zuletzt immer wieder Teile des Transsexuellenrechts für nicht mit dem Grundgesetz vereinbar erklärt. Die schwarz-gelbe Koalition bleibt aber auch in diesem Themengebiet bis heute völlig tatenlos.

Ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Neufassung ist auch die Reform des Offenbarungsverbotes – also des Verbotes, die neue geschlechtliche Identität zu ignorieren oder auf die alte Identität abzustellen. Das bisherige Offenbarungsverbot hat sich als zahnlos erwiesen: Immer wieder haben Behörden und Unternehmen sich geweigert, Unterlagen oder Zeugnisse neu zu erstellen. Für die Betroffenen folgt deswegen nach dem Kampf um die neue Identität häufig ein Krieg um die Anerkennung der neuen Realität durch die Umwelt. Unser Gesetzentwurf sieht nun bei einer vorsätzlichen und beharrlichen Verweigerungshaltung eine strafbewehrte Ordnungswidrigkeit vor. Außerdem soll es möglich sein, eine bestehende Eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe zu überführen und umgekehrt."


Die Grünen fordern damit das TSG so zu ändern, dass endlich eine rechtliche Grundlage besteht, transsexuelle Menschen als existent anzuerkennen und bietet damit gleichzeitig einen Vorstoss, um endlich eine rechtliche Sicherheit menschenrechtskonformer medizinischer Behandlung transsexueller Menschen zu erreichen.

Hier der Gesetzentwurf: 17. Wahlperiode - Entwurf eines Gesetzes über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit (ÄVFGG)

 
17.06.2010
Manchmal frage ich mich: Woran liegt das eigentlich, dass in vielen europäischen Ländern schon ein gefühlt stärkeres politisches Selbstbewusstsein transsexueller Menschen existiert als in Deutschland. Und wenn ich mich dann so etwas frage und dabei auch an Frankreich oder Spanien denke komme ich manchmal auf vermutete Zusammenhänge, die zwar einen Touch Verschwörungstheorie in sich tragen - da ich aber an Verschwörungstheorien nicht glaube, mir doch eine gewisse Leichtigkeit geben, um mich diesen Gedanken hinzugeben. Ach, ja... wie war der Gedanke noch?

Ja, es gibt immer noch dieses Dings, was sich Transsexuellengesetz nennt in Deutschland. Dieses Gesetz, das von transsexuellen Frauen verlangt sich einerseits zu einem Mann zu erklären, der über mehrere Jahre gerne Frau wäre (und den Männern geht es ja andersherum genauso), um sich dann Frau nennen zu dürfen - was an sich ja schon ein ziemlich lustiger Spass wäre, wäre die Sache im Einzelfall nicht so traurig, wenn mensch an die Auswirkungen dieser debilen Geistesleistung der Väter dieses Gesetzes denkt - andererseits dann einem betroffenen Menschen abverlangt für diese gutachterlich bestätigte Selbstverleugnung auch noch viel Geld zu bezahlen... hmmm...

Schon seltsam. Wer profitiert eigentlich von diesem Gesetz? Gut. Da kann ja nun einmal jeder selber nachdenken... was mir aber so aufgefallen ist - und das ist nicht minder spannend - wer sind die Menschen, die durch die Gegend ziehen und das Transsexuellengesetz als toll verkaufen?

"Das TSG ist gut für dich, das sichert dich ab, hinsichtlich der medizinischen Massnahmen."

oder

"Das Transsexuellengesetz hilft dir, wenn du als transsexueller Mensch körperliche Massnahmen beantragen willst"

Oft gehörte Sätze, was? Wer hat so etwas noch nicht in einer Selbsthilfegruppe gehört, oder ist noch nicht über Aussagen von Transsexuellenorganisationen gestolpert, die in etwa den selben Inhalt haben. Ach, was muss es für ein Gefühl sein, in einer Märchenwelt zu leben, oder zu denen zu gehören, die diese Märchen immer wieder aufs neue in die Welt setzen... vielleicht gibt es da Zusammenhänge und diejenigen welchen, die von dem Gesetz profitieren haben etwas mit denen zu tun, die diese Märchen verbreiten? Oder vielleicht sind es sogar dieselben Menschen?

Wie dem auch sei... vielleicht noch mal kurz als Wiederholung: Das Transsexuellengesetz ist eine Bestimmung, die regelt unter welchen Voraussetzungen ein Mensch das Recht hat, die Papiere zu erhalten, die sein Geschlecht beschreiben. Aus dem Transsexuellengesetz leitet sich nicht im geringsten irgendein Recht ab, körperliche Massnahmen bezahlt zu bekommen. Erzählt wird es trotzdem immer wieder... komisch. Wie war das noch mit der Frage von weiter oben: Wer profitiert eigentlich von diesem Gesetz? Oder mal ein wenig erweitert: Gibt es Menschen, die davon profitieren, dass andere vom Transsexuellengesetz profitieren?

Vielleicht einmal etwas erfreulicheres in diesem Zusammenhang. Der Deutsche Presserat ist einer erneuten Beschwerde von Aktion Transsexualität und Menschenrecht nachgekommen (zumindest teilweise) und hat einen Hinweis an die Frankfurter Rundschau ausgesprochen. Es ging um folgendes:

"Eine Geschlechtsangleichung durch Hormontherapie und Operation steht Trans-Menschen nach dem Transsexuellengesetz zu und wird von der Krankenkasse übernommen. [...] der Betroffene muss entsprechend des von ihm angestrebten Geschlechts leben. [...]"
(Zitat: Frankfurter Rundschau vom 26. März 2010, "Hintergrund Geschlechtsangleichung")

Was ist an dem Satz nun falsch? Brauche ich es beantworten? Nein. Unabhängig davon, dass ein Geschlecht zu einem Menschen gehört und nicht "angestrebt" wird, sagt der Presserat nun in seiner Entscheidung vom 15. Juni 2010 folgendes dazu:

"Hinsichtlich der Beschwerde über Ziffer 2 des Pressekodex äussert sich der Beschwerdeausschuss dahingehend, dass er hier einen Verstoss erkennt. [...] Ziffer 2 des Pressekodex fordert, dass vor der Veröffentlichung Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben sind. Den vorliegenden Satz kann der nicht vorgebildete Leser tatsächlich so lesen, als würde in dem Transsexuellengesetz bestimmt, dass eine Geschlechtsangleichung mit Hormontherapie und Operation durch die Krankenkasse übernommen werde. Dies ist nicht der Fall [...]"

Wer profitiert also nun von diesem Gesetz? Au weia... etwa gar nicht die "Transsexuellen"?

Download: Kompletter Artikel zum Nachlesen

 
30.05.2010
Eine transsexuelle Frau und ihr Mann (Steven Monjeza und Tiwonge Chimbalanga) sind in Malawi wegen "Homosexualität" angeklagt gewesen und nun wurden sie vom Präsidenten des Landes begnadigt, da sich weltweit Organisationen (in Deutschland unter anderem LSVD und Amnesty international) dafür eingesetzt hatten. Eigentlich wäre das ja eine wunderschöne Meldung. Endlich, könnte Mensch sagen... unter welchen Umständen der Freispruch zustande gekommen ist, verwandelt die Freude aber gleichzeitig in tiefe Trauer. Trauer darum, dass transsexuellen Menschen nur dann ihre Menschenrechte zugestanden wird, wenn ihnen ihre geschlechtliche Identität abgesprochen wird.

Vereinnahmung im Namen der Menschenrechte - wie soll ein transsexueller Mensch damit umgehen?

Hier erst einmal ein paar Zitate:

"Bundesregierung muss freigelassenen, schwulen Männern aus Malawi Asyl anbieten"
(Volker Beck, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer und Menschenrechtspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am 29. Mai 2010)

"Da die Verhaftung der beiden Männer ausschliesslich auf deren sexuelle Orientierung zurückzuführen ist, hat sich nun auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International eingeschaltet"
(Amnesty International Mai 2010)

"Die BBC berichtet, Präsident Bingu wa Mutharika habe die sofortige Entlassung der beiden Männer befohlen. Die Ankündigung kam anlässlich eines Besuches von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon."
(queer.de 29.05.2010)

Dass es sich nicht um zwei schwule Männer handelt, sondern um eine transsexuelle Frau und einen Mann interessierte hierzulande kaum jemanden. Dass die Aberkennung der geschlechtlichen Identität transsexueller Menschen Kern der Transphobie und eine Menschenrechtsverletzung ist wurde von vielen billigend in Kauf genommen, die ebenso den Begriff "Menschenrechte" auf ihre Fahne geschrieben haben.

Die südafrikanische Transgender-Organisation Gender DynamiX fragt auf ihrer Website:

"Warum bezeichnen wir Tirwo als Mann?" und zitiert andere transsexuelle Frauen mit folgenden Worten: "Aber sie ist wie ich!" oder "Sie sagt sie ist eine Frau. Sie präsentiert sich deutlich als Frau. Kennt sie das Wort transgender?". Eine Frage einer Trans-Organisation aus Uganda ist ebenfalls auf der Gender-Dynamix-Page aufgeführt:

"Warum gibt es diese Angst, dass die Wahrheit über Tiwonge's Identität die Sache schlecht aussehen lassen würde? Ist die Warheit nicht geeignet dafür, uns frei zu bekommen?"

Hier ein O-Ton:
Download

Es wird Zeit, dass wir uns klar machen, dass Vereinnahmung transsexueller Menschen für andere Zwecke - auch wenn sie gut gemeint ist - immer eine Vereinnahmung bedeutet.

Wenn homosexuelle Menschen für ihre Rechte kämpfen (Homoehe, weltweite Anerkennung, dass die homosexuelle Orientierung kein Straftatbestand sein darf) ist das zu befürworten - wenn sie transsexuellen Frauen unterstellen eigentlich schwule Männer zu sein oder transsexuellen Männern, sie wären eigentlich lesbische Frauen, dann ist dies eine Menschenrechtsverletzung.

Wenn intersexuelle Menschen für ihre Rechte kämpfen (Beendigung von Genitalverstümmelungen bei uneindeutigen körperlichen Geschlechtsmerkmalen), dann ist das sehr, sehr wichtig - wenn sie und ihre Unterstützer behaupten, transsexuelle Frauen wären "Männer, die sich wie Frauen fühlen" um ihnen zu unterstellen, sie wünschten sich eine "Geschlechtsumwandlung" (oder Männern vice versa), dann ist dies eine Menschenrechtsverletzung.

Dass die Vereinnahmung transsexueller Menschen immer noch möglich ist - vorallem auch im angeblichen Namen der "Menschenrechte" - zeigt, dass der Wesensgehalt von Transsexualität bei vielen Menschen auch hierzulande immer noch nicht angekommen ist... das traurige ist, dass dies selbst bei denen nicht der Fall zu sein scheint, die ja selbst von Menschenrechtsverletzungen betroffen sind, wie homosexuelle und intersexuelle Menschen.

Die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. hat nun Volker Beck und Amnesty International um eine Stellungnahme gebeten.

Hier ein paar Ausschnitte:

"Liebe Menschen von Amnesty International Schweiz, [...] Einer transsexuellen Frau ihr Recht auf ihre geschlechtliche Identität abzusprechen ist unschön und einer der Menschenrechtsverstösse, die weltweit immer wieder vorkommen. Dass ausgerechnet 'Amnesty Schweiz' hier diese Menschenrechrsverletzung begeht, die von transgender-Aktivisten weltweit immer wieder seit Jahren beklagt werden, ist erschreckend. Der Respekt vor der geschlechtlichen Identität ist der wichtigste Moment für die Bekämpfung weltweiter Transphobie. Wir hoffen, dass damit endlich begonnen wird. Liebe Grüsse."

"Lieber Volker Beck, [...] da genau diese Unterstellung weltweit als Grundlage dafür dient, transsexuellen Menschen Menschenrechte zu verwehren - auch die deutsche Gesetzgebung tut ja so, als wäre eine transsexuelle Frau keine 'richtige' Frau und ein transsexueller Mann kein 'richtiger' Mann - können wir die Aberkennung der geschlechtlichen Identität transsexueller Menschen selbst dann nicht gutheissen, wenn sie 'gut gemeint' ist, wie im Falle des Paares aus Malawi."

Transsexuelle Frauen sind Frauen. Transsexuelle Männer sind Männer.

Hier noch Monica Mbaru von der International Gay and Lesbian Human Rights Commission:

Download Interview

Ach ja, vielleicht auch noch als Tipp für den LSVD, Volker Beck und Amnesty International: Klick.

Hier ein kleiner Nachtrag:


In einer Mail des heutigen Tages an ATME e.V. betont Mbaru Monica von der IGLHRC (International Gay and Lesbian Human Rights Commission), welche die beiden im Gefängnis besucht hatte, ausdrücklich, dass sich Tionge als Frau versteht:

"I must admit as well that we have been discussing with Tionge and Steven in prison through an interpreter in Chichewa as they do not understand any English at all. [...] We have visited Tionge (aunty Tiwo) in prison and true she is transgender and identifies as a woman."

Nachtrag 5.6.2010:

Nach anfänglicher Bestürzung über die Vereinnahmung eines Menschen, der sich selbst als Frau sieht und dies auch so geäussert hat, durch Interessensgruppierungen, die diese Frau als schwulen Mann bezeichnet haben, bin ich zwar immer noch bestürzt darüber, wie einem Menschen seine Geschlechtsidentität abgesprochen wird, muss aber zugeben, dass jegliche Form der Vereinnahmung immer einen Missbrauch eines Menschen darstellt.

Da Tiwonge und Steven kein englisch Sprechen und die Begriffe "gay", "intersexuell" und "transgender" bzw. "transsexuell" in ihrer Heimatsprache nicht existieren, ist eine Etikettierung von Tiwonge mit jedem dieser Begriffe problematisch.

Würde ich den obigen Tagebucheintrag heute schreiben, würde ich hier wahrscheinlich "nur" noch von "ihr" bzw. einer "Frau" schreiben, da Tiwonge sich dazu geäussert hat, dass sie sich so sieht. Andere Begrifflichkeiten braucht es dazu nämlich nicht.
 
26.04.2010
Gerade hatte ich einen ziemlich guten Text geschrieben und schwupps ist der Rechner abgestürzt. Prima Sache... ich mag es noch einmal versuchen. Es ging um Transphobie und darum, inwiefern sich der Auslöser für Hass und Gewaltverbrechen an transsexuellen Menschen auf eine gemeinsame Ursache zurückführen lässt. Ich hoffe ich bekomme den Satz noch hin...

Der Kern von Transphobie rührt immer daher, dass einem transsexuellen Menschen unterstellt wird, über seine (biologische) Geschlechtszugehörigkeit zu lügen.

Ich glaube, das war der Satz. Hier mal ein Beispiel:

Angie Zapata, eine junge transsexuelle Frau wurde 2008 von einem Typen, der sich in sie verguckt hatte, umgebracht, als er zwischen ihren Beinen einen Penis entdeckte. Der Rechtsanwalt des Killers versuchte die Mordtat noch im Gerichtssaal, damit zu entschuldigen, dass sich ein "er", der so tut, als wäre "er" eine Frau, nicht wundern müsse, dass ihr so etwas passiert.

Transphobie ist also, wenn ein Mensch z.B. sagt: Diese transsexuelle Frau ist keine Frau, sondern ein Mann (auf Grund eines Genitals, eines Ausweisdokumentes, Kleidung, Körperbau, etc.). Leider sind es aber nicht nur Menschen wie der Killer Angie Zapatas, die sich einem transphoben Weltbild bedienen oder es unkritisiert weitertragen, sondern auch immer wieder Menschen aus der "queere Szene" oder transMenschen selbst.

Hier ein weiteres Beispiel (gesendet in einer Radiosendung eines freien Radios in Leipzig):

O-Ton:
Download

"Transsexuell, da geht es darum das biologische Geschlecht zu ändern. Zum Beispiel wenn ein Mann, der eindeutige männliche Geschlechtsmerkmale aufweist, eine Frau wird und sich auch umoperieren lässt..."
(Radio Blau: Tipkin für Netzwerk XX, Februar 2010)

Kurz mal folgendes: Ein transsexueller Mensch outet sich... Dieser Mensch sagt "ich bin eine Frau"(zum Beispiel) ...dieser Satz ist eigentlich der Grund für das Outing, der Grund Hormone zu essen, der Grund sich (in der Regel) lächerlich zu machen, sich demütigenden medizinischen und rechtlichen Regelungen zu unterwerfen... weil diese Frau eben schlichtweg nur IST was sie IST. Und nun kommen so Menschen wie die Radioleute aus Leipzig, schauen dieser Frau in die Augen und sagen dann in etwa folgendes:

"Du bist ein Mann, da du eindeutige männliche Geschlechtsmerkmale aufweist."


Ach. Echt? Ups. Wie dumm auch, dass da ausgerechnet ein queeres Radiomagazin aus Leipzig ein transphobes Weltbild weiterverbreitet. Und noch viel dümmer auch, dass das ja ziemlich genau dieselbe Aberkennung des eigentlichen Geschlechtes des Menschen ist, dem dieser Satz dann um die Ohren geknallt würde. Denn was passiert nun mit dem Satz:

"Ich bin eine Frau"

Ist das dann die Wahrheit? Hmmm.... eigentlich ja. Doch irgendwie scheint es doch so zu sein, das wir dieser Frau dann ja ein bisschen unterstellen eigentlich ein Mann zu sein, der ja eindeutig männliche Geschlechtsmerkmale aufweist. Der Griff in die Hose - auch in der queeren Szene keine Seltenheit.

Noch ärgerlicher wird es, wenn transMenschen selbst bei diesem lustigen Spiel mitmachen und sich selbst als "Männer, die wie Frauen fühlen" bezeichnen bzw. bezeichnen lassen - in den Medien beispielsweise. Blöd, wenn du als menschenrechtlich aktiver Mensch gerade einerseits an Texten, Petitionen und Berichten schreibst, in denen es um die Ursache von Transphobie und deren Bekämpfung geht, und du andererseits dann auch noch erleben musst, dass die deutschen Medien immer wieder irgendjemanden finden, der es selbst ganz toll findet, zu sagen, dass er eigentlich ja "biologisch" unecht ist (meist bekommen diese autotransphoben Zeitgenossen noch Applaus von anderen Autotransphoben). Nun denn...

Hier mal einen Einschub, von einem Textbaustein, den ich gestern schrieb, kurz nachdem ich obigen O-Ton bei Radio Blau gehört habe. Da ich nicht weiss, wo ich ihn sonst unterbringen soll, steht er jetzt eben hier:

"Um es mal allen Menschen zu sagen, die es schick finden irgendwie ‚queer' zu sein: Ich will keine Frau sein. Ihr habt richtig gehört. Wie denn das? Da sagt eine transsexuelle Frau, dass sie keine Frau sein will. Blöd. Was ist aber denn mit den ganzen schönen Geschlechtsidentitätsstörungs-Definitionen.... ‚Männer, die Frauen sein wollen' und ähnliches? Nochmal in deutlichen Buchstaben:

Ich bin eine transsexuelle Frau. Ich wollte nie Frau sein.

Warum? Ich bin einfach eine. Ich hab mir das nicht ausgesucht."


Bitte liebe Menschen. Akzeptiert einfach einmal, dass Geschlecht weder an den Genitalien noch an der Kleidung eines Menschen abgelesen werden kann. Ihr könnt euch gerne aussuchen, auf welcher Seite ihr stehen wollt. Auf der Seite der Menschen, die nicht akzeptieren wollen, dass transsexuelle Menschen die Wahrheit sagen, wenn sie z.B. äussern "ich bin ein Mann" oder "ich bin eine Frau", wie z.B. der Anwalt des Killers von Angie Zapata, der sicher auch irgendein Dokument in der Tasche hatte um Angie als "er" zu bezeichnen, oder auf der Seite der Menschen, die akzeptieren und lieben können.

Wie der Bruder von Angie Zapata:

Hier ein Download

Transphobe Formulierungen:

"
Männer, die sich wie Frauen fühlen" bzw. "Frauen, die sich wie Männer fühlen"
"Männer, die sich umoperieren lassen" bzw. "Frauen, die sich umoperieren lassen"
"Menschen mit Geschlechtsidentitätsstörung"
"Der Wunsch, dem anderen Geschlecht angehören zu wollen"
"Mann-zu-Frau" bzw. "Frau-zu-Mann"

Das es in Deutschland transsexuelle Menschen selbst gibt, die diese Sätze äussern, zeigt, wie schlimm es um das Geschlechterbild und damit auch für die Menschenrechte transsexueller Menschen in Deutschland bestellt ist. Hier ist es vielerorts noch gar nicht angekommen, dass transsexuelle Menschen tatsächlich und real existieren. Selbst bei manchen transMenschen oder Menschen, die sich als "queer" bezeichnen nicht - und das ist das eigentlich traurige.

Nachtrag:

Liebe freiwillig Queer-Etikettierten, findet ihr es nicht arg unschlüssig, einerseits einem Glauben anzugehören, der meint, dass Geschlecht nur ein soziales Konstrukt ist, andererseits aber trotzdem zu behaupten, transexuelle Frauen wären eigentlich "biologische Männer" gewesen und transsexuelle Männer in Wirklichkeit "biologische Frauen"? Woher kommt diese diese Doppelzüngigkeit?
 
11.04.2010
Wenn mensch über Transsexualität schreibt, ist es leider immer noch so, dass es ein einfaches ist über Negatives zu berichten - ist es doch leider noch alltäglich, dass transsexuelle Menschen auf Grund ihres Soseins vom täglichen Missbrauch durch Mediziner und Behörden bis hin zu Gewaltverbrechen, allen möglichen Angriffen ausgesetzt sind. Dass nicht alle diese Angriffe überleben, wird gerne von offiziellen Medien verschwiegen. Gerade deswegen ist es um so wichtiger, uns nicht dem schönen Schein des "Ist doch alles in Ordnung" hinzugeben (etwas, das besonders in Deutschland gerne zur üblichen Verdrängungstaktik gehört), sondern Verbrechen immer wieder zu nennen. Denn auch wenn wir meinen, wir hätten mit all den Opfern nichts zu tun, so tragen wir durch unser eigenes Verhalten eine grosse Verantwortung dafür, wie es um unsere Rechte bestellt ist.

Wer schweigt, oder sich sogar darüber freut, wenn Menschen zum Schweigen gebracht werden, hilft nicht den Opfern, sondern stellt sich auf die Seite der Täter. Es darf nicht verschwiegen werden, dass es leider sogar transsexuelle Menschen selbst gibt, die sich hier lieber vom eigenen vermeintlichen Vorteil kaufen lassen... vielleicht ist das einer der Gründe, warum vieles, was längst in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden sollte, immer noch hinter der Mauer des Schweigens verweilt. Umgekehrt sollte aber auch dies uns sagen: Es liegt auch an uns, wie wir mit Hassverbrechen und Opfern eines Weltbildes, in welchem transsexuelle Menschen als geisteskrank und nicht-existent angesehen werden, umgehen wollen und wie wir daran mitwirken wollen, selbstbewusst für unsere Menschenrechte einzutreten.

Nun wieder einmal zu aktuellen Fällen:

Ende März wurde in New York (im Stadtteil Queens) erneut eine transsexuelle Frau ermordet.

Hier ein O-Ton eines Fernsehberichtes: Download.

In der mexikanischen Stadt Chihuahua wurde am 4. April der Körper eine transsexuelle Frau tot aufgefunden, der Kopf war vom Rest des Körpers abgetrennt worden.

Hier die Meldung von Diario Digital Transsexual als PDF: Download .

Manch einer wird sich fragen: was hat das mit Deutschland zu tun?

Die Antwort wäre: Eine ganze Menge. Auch deutsche sogenannte Sexualwissenschaftler (welche das sind, wir auf mut23 immer wieder mal genannt) sind stark involviert in der Arbeit an internationalen medizinischen Klassifikationssystemen, in denen quasi das "offizielle Bild" über transsexuelle Menschen gezeichnet wird. So berufen sich Medien und Öffentlichkeit gerne auf dieses "offizielle Bild", welches transsexuelle Frauen nicht als Frauen und transsexuelle Männer nicht als Männer sehen will, sondern als Menschen, die gerne "dem anderen Geschlecht" zugehören wollen oder sich irgendwie wie "das andere Geschlecht fühlen". Dass transsexuelle Menschen tatsächlich, dem Geschlecht angehören, von dem sie spüren, dass sie ihm angehören, wird vorallem von psychoanalytisch geprägten deutschen Sexologen immer noch abgestritten (auch dazu gibt es hier auf der Seite O-Töne und Originalzitate).

Wenn mensch weiss, dass die Hassverbrechen an transsexuellen Menschen meist darauf basieren, dass transsexuellen Menschen abgesprochen wird, "echt" zu sein, und transphobe Täter gerne behaupten, sie wären von ihren Opfer was das Geschlecht angeht, "angelogen" worden (und hätten quasi damit das Recht gehabt, ihre Tat zu begehen) dann wird einem klar, dass eine offizielle Leugnung der Echtheit transsexueller Menschen durch Sexual"wissenschaftler" immer noch mit zum ideologischen Hintergrund für transphobe Hassverbrechen gehört.

Gut, dass diese Zusammenhänge langsam erkannt werden - auch wenn andere Länder uns, was das Bewusstsein der transsexuellen Menschen selbst angeht, bereits einiges voraus haben. In Frankreich gilt Transsexualität offiziell seit diesem Jahr nicht mehr als "Geisteskrankheit" (womit dann auch deutlicher wird, dass z.B. transsexuelle Frauen Frauen sind, und eben keine Männer, die "wie Frauen fühlen") - und als nächstes Land Europas könnte Spanien folgen. Das spanische Parlament hat sich dafür ausgesprochen Transsexualität nicht weiter als "Geisteskrankheit" anzusehen.

Hier ein Zitat aus Spanien (Laut einer Meldung von STP - Stop Trans Pathologization 2012):

"Die spanische Regierung teilt die Ansicht, dass die Einordnung von Transsexualität als Geisteskrankheit nicht weiter fortgeführt werden sollte".

Link zur Originalmeldung: Klick .
Und zu STP2012: Link .

Eine weitere gute Nachricht im Sinne der Menschenrechte ist, dass am 31. März 2010 nun der Europarat eine Erklärung herausgegeben hat, in der Transphobie strikt verurteilt wird. In dieser Erklärung werden die Staaten Europas aktiv aufgefordert, geeignete Mittel einzusetzen um gegen Transphobie stärker und besser vorzugehen. Besonders erwähnenswert ist, dass hier in diesem Papier u.a. auch erstmals so deutlich auch Praktiken verurteilt werden, die deutsche Sexologen heute noch in Deutschland anwenden - wie z.B. reparative bzw. Umpolungstherapien an transsexuellen Kindern (wie z.B. an der Charite in Berlin unter Klaus M. Beier oder Bernd Meyenburg in Frankfurt).

Bernd Meyenburg zu reparativen Therapien im O-Ton von 2008: Download

Buchausschnitt von Klaus M. Beier zu "geschlechtskonformen" und "geschlechtsatyptischen" Verhaltensweisen: hier.

Und nocheinmal Bernd Meyenburg zum "Hauptvertreter" der reparativen Therapien Kenneth Zucker: Download

In der Erklärung CM(2010)4 add3rev2 des Ministerkomitees des Europarates heisst es:

"therapy to force transgender persons to accept their birth gender should be abandoned"

...was eben dann nicht weniger bedeutet, als dass Umpolungstherapien, die das Ziel haben, transsexuelle Menschen mit ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht (gender) zu "versöhnen" vom Menschenrechtskomitee des Europarates verurteilt werden.

Link zum Papier des Europarates: Hier.
Hintergrundpapier zu reparativen Therapien auch im Menschenrechtsbericht von ATME e.V: Da.

Schön wäre es, wenn in Deutschland auch langsam mal wieder klar wäre, dass es wichtiger ist seinen Mund aufzumachen, anstatt "Juhu" zu rufen, wenn jemand es geschafft hat, sich der schweigenden Masse "anzupassen". Dieser gedankliche Reform des eigenen Selbstverständnisses würde den Print, Funk und TV-Medien genauso stehen, wie auch uns transsexuellen Menschen selbst.

 
27.03.2010
Ich weiss nicht warum das häufiger so ist, aber immer wenn ich einen Artikel über Transsexualität lese, in welchem Halb- bzw. Unwahrheiten über die medizinische und rechtliche Situation transsexueller Menschen in Deutschland verbreitet wird, befindet sich am Ende dieser Artikel oft ein Link zu einer gewissen Organisation mit dem Kürzel DGTI.

Vielleicht mag man den Redakteurinnen und Redakteuren schlechte Recherche vorwerfen, oder gar unterstellen, sie hätten nicht richtig zugehört, aber nun frage ich mich: Ist dem wirklich so? Oder haben sie eventuell doch ganz genau hingehört und einfach das niedergeschrieben, was ihnen erzählt wurde?

Bevor ich hier ein aktuelles Beispiel (welches auch der Grund ist für mein Posting) nenne, nur kurz einmal folgende zwei Stichpunkte:

a) das deutsche Transsexuellengesetz ist nicht dafür da, dass transsexuelle Menschen medizinische Massnahmen (wie Hormone, Ops, u.ä.) erhalten. Das TSG regelt ausschliesslich die Änderung von Vornamen- und Personenstand und beinhaltet medizinische Bedingungen (wie der Zwang sich einem psychiatrischen Gutachterverfahren zu unterziehen für die Vornamensänderung und die gesetzlich erforderliche Zwangssterilisation für eine Personenstandsänderung).

Die medizinischen Bedingungen des TSG stehen nicht im Einklag mit internationalem Menschenrecht (worauf z.B. auch der Verein Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. hinweist).

Selbst nach erfolgter Vornamensänderung gibt es in Deutschland keinen Rechtsanspruch auf die Übernahme medizinischer Leistungen durch die Krankenkassen - was einige transsexuelle Menschen auch regelmässig immer wieder erleben müssen. Strengenommen gibt es übrigens auch keinen Rechtsanspruch auf Änderung der Papiere - da die Verfahren bei den Amtsgerichten angesiedelt sind und ein Dritter (ein Richter) über die Anträge entscheidet - was soviel bedeutet, dass auch negativ entschieden werden kann.

b) die medizinischen Leistungen werden in Deutschland nur nach "ultima ratio" übernommen. Der MDS (Spitzenverband der Medizinischen Dienste, die von den Krankenkassen zur Begutachtung der Leistungsübernahmen eingeschaltet werden) weist hierauf in seinem Papier von 2009 ausdrücklich hin. D.h. es gibt in Deutschland bis heute keinen unmittelbaren Rechtsanspruch auf Übernahme von medizinisch-körperlichen Massnamen. "Ultima Ratio" bedeutet nämlich, dass erst einmal alles versucht werden muss, um einen transsexuellen Menschen auch ohne körperliche Massnahmen "glücklich" werden zu lassen. In der Regel handelt es sich dabei um eine Psychotherapie. Hier sieht der MDS Mindest-Zeiten vor, weist aber darauf hin, dass diese Zeiten auch verlängert werden können - sprich: nach Ablauf der Mindestwartezeiten hat ein transsexueller Mensch immer noch keine Garantie darauf körperlich behandelt zu werden.

Dass überhaupt eine Leistungspflicht der Krankenkassen existiert, ist Sozialgerichtsurteilen aus den 80er-Jahren (1981 und 1987) zu verdanken (und eben nicht dem TSG).

c) seit den 90er Jahren wird Transsexualität in den Büchern der psychischen Störungen nur noch als "Geschlechtsidentitätsstörung", eine Identitätsstörung wie Borderline, Schizophrenie, u.ä. augefasst. Mit der Reform des DSM 1994 (Ausgabe IV) gibt es den Begriff "Transsexualität" bzw. "Transsexualismus" im DSM nicht mehr. Ebenso wandelte sich seit den 90ern die Ansicht darüber, was Transsexualität sein soll. Berufen sich z.B. die Sozialgerichtsurteile der 80er, aus der die Leistungspflicht der Krankenkassen hervorgeht, noch darauf, Transsexualität wäre ein Zustand bei dem ein Mensch unter einer Abweichung von körperlichem zu geistigem/seelischen/Gehirngeschlecht leidet, so änderte sich diese Sichtweise durch Einfluss psychoanalytischer Sexologen (wie z.B. Kenneth Zucker, dem Mann der die DSM-Gruppe zu "Geschlechtsidentitätsstörungen" leitet, aber auch deutschen Kollegen wie Friedemann Pfäfflin, Sophinette Becker und co) gravierend. Aus einem Faktum - dass es Menschen gibt, die transsexuell sind - wurde nur noch eine "Identitätsstörung" - auch durch Mithilfe von trans-Organisationen, die in den 90er-Jahren mit der Sexologie zusammengearbeitet hat, um diese Sichtweise durchzusetzen (warum auch immer).

Nun zu dem Artikel. Er erschien am 26. März in der Onlineausgabe der Frankfurter Rundschau:

Artikel in der Version vom 26.März als Download

Hier heisst es u.a.

"Transsexualität ist ein medizinischer Begriff, den Trans-Menschen häufig als diskriminierend ablehnen, da er eine psychiatrische Störung, also eine Krankheit beschreibt."

Falsch. Transsexualität taucht seit den 90er-Jahren im DSM z.B. nur noch als "Geschlechtsidentitätsstörung" auf - der Begriff "Transsexualität" taucht seit Mitte der 90er nicht mehr im DSM auf. Das eigentlich diskriminierende ist also nicht der Begriff "Transsexualität", sondern der Begriff und die Idee der "Geschlechtsidentitätsstörung".

"Eine Geschlechtsangleichung durch Hormontherapie und Operation steht Trans-Menschen nach dem Transsexuellengesetz zu und wird von der Krankenkasse übernommen."

Falsch. Das Transsexuellengesetz regelt ausschliesslich die "Papieränderungen" und nicht mehr. Dass medizinische Massnahmen von den Krankenkassen pauschal übernommen werden ist ebenso falsch - da dies ja nur nach "ultima ratio" geschieht (siehe oben).

Es ist erschreckend, was hier für ein Eindruck erzeugt werden soll: Dass es in Deutschland Regelungen gäbe, in denen die Änderungen von Papieren und medizinische Massnahmen garantiert wären. Dies ist beides (überprüfbar) nicht der Fall. Schlimm, dass solche Artikel lediglich zur Verklärung der Situation transsexueller Menschen in Deutschland beitragen und ein Bild erzeugt wird, dass transsexuelle Menschen, die Probleme mit dem "System Trans" in Deutschland bekommen (z.B. bei den Kostenübernahmen, aber auch bei der Änderung der Papiere), irgendwie "selber schuld" an ihrem Schicksal wären, anstatt einmal zu offenbaren, was es tatsächlich an Sicherheit für transsexuelle Menschen in Deutschland gibt... nämlich: keine.

Es wäre Aufgabe von Organisationen, die für sich selbst in Anspruch nehmen, ein Sprachrohr für die Belange transsexueller Menschen zu sein, dafür zu sorgen, dass die Unwahrheiten über die Situation in Deutschland nicht weiter verbreitet werden. Dass sich machmal das Gegenteil wahrnehmen lässt, und unter einem Artikel wie dem der Onlineausgabe der Frankfurter Rundschau dann der Name DGTI auftaucht, stimmt tatsächlich nachdenklich.

Weil es nicht das erste mal ist, dass mir das über den Weg läuft, frage ich mich: Wie bewusst ist es manchen Menschen, die sich auf "tollen Posten" befinden, was sie für eine Verantwortung haben? Wie klar ist es ihnen, dass sie durch eine derartige Verfärbungspolitig unmittelbar für das Leid transsexueller Menschen, die das Pech hatten beim medizinischen und rechtlichen Verfahren Probleme zu bekommen, mitverantwortlich sind?
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Nun denn. Hier vielleicht noch der Hinweis, dass es neben solch ärgerlichen Dingen, auch etwas gibt, über das es sich zu freuen lohnt...

Der Deutsche Presserat hat diese Woche einen Hinweis an den Focus ausgesprochen. Es ging um den 12. Artikel des deutschen Pressekodex, der wie folgt heisst:

"Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden."

Der Focus hatte über eine getötete transsexuelle Frau als "er" berichtet und von einem Mann gesprochen. Der Verein Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. hatte zu dieser Berichterstattung Beschwerde beim Deutschen Presserat eingelegt, der nun der Presserat nachkam. Einer damaligen Aufforderung (November 2009) von ATME an die deutschen Transvereine, die Beschwerde gemeinsam zu verfassen, ist die DGTI mit folgender Aussage nicht nachgekommen:

"Auch unterscheiden sich ATME und die dgti in ihrer Strategie z.B. die Darstellung in den Medien zu ändern. Während ATME im wesentlichen versucht dieses über Beschwerden beim Presserat zu erreichen, arbeiten wir von der dgti eher im Stillen, wir werden mehr und mehr Ansprechpartner der Medien."
(Zitat: Vorstand DGTI, Nov2009)

...eine Aussage, die den Kreis zu oben (dem ersten Thema dieses Tagebucheintrags) schliessen kann. Wie dem auch sei, der Hinweis des Presserates befindet sich nun auch auf folgender Seite:

ATME-Presseerklärung zu Focus-Berichterstattung

Nachtrag:

Nicht, dass ich es nicht gut finde, wenn transsexuelle Menschen sich in Vereinen organisieren, um für ihre Rechte zu kämpfen - dennoch empfinde ich Korruption, Kompromisse und Inkonsequenz als stärkste Gegner der Gleichberechtigung transsexueller Menschen. Um so wichtiger sind in meinen Augen Selbstkritik und ein gewisses Mass an Willen zur Selbst-Reflexion.

Wenn wir es schaffen daraus dann eine gesunde Kritik zu formulieren, die auch uns selbst einschliesst, dann könnte das eine gute Chance sein, dass das irgendwann auch einmal etwas wird mit den Menschenrechten für transsexuelle Menschen. Hierarchien und Strukturen zu hinterfragen und Machtmechanismen zu durchschauen ist doch eine Aufgabe, die uns bereits damit aufgetragen wurden, dass wir sind, was wir sind. Transsexuell zu sein, kann nicht heissen, Strukturen durch sein eigenes Handeln weiterzutragen, in denen transsexuelle Menschen - ausser als Störung - bislang keinen Platz fanden, sondern aktiv für die Akzeptanz des eigenen (geschlechtlichen Selbst) zu streiten. Im Innen wie im Aussen.

 
14.03.2010
In der vergangenen Woche waren zwei Transmänner bei SternTV (RTL) zu Gast. Um mal vorneweg zu sagen: Ich fand beide ziemlich gut. Weniger gut war dann aber, dass RTL wiedereinmal nicht geschafft hat transsexuellen Menschen zuzuhören. So konnte mensch wieder einmal das übliche Spiel erleben: Transsexueller Mensch sagt "ich war schon immer das, was ich jetzt zeige" - RTL sagt zwei Sekunden später genau das Gegenteil ("Früher war er eine Frau" nach der Aussage "Ich war schon immer ein Mann"... ah ja?).

Liebe RTL-Redakteure, lieber Herr Jauch, woran liegt das, dass ich bei RTL macnhaml den Eindruck habe, dass sie und ihre Redkateure entweder Watte in den Ohren oder einen Knoten im Hirn haben? Wie wäre es einmal mit zuhören zur Abwechslung? Klappt nicht? Da frage ich mich: Warum nicht?

Nun denn. Ich bin zum Thema persönlich angeschrieben worden - und habe erfahren, dass der zuständige RTL-Mensch gemeint hätte, dass es zu "eher zu Verwirrungen kommen" würde, würde man zu einem transsexuellen Mann schon nach Outing (ohne Ops und Hormone) bereits Mann sagen. Echt? Für weniger Verwirrung als einen transMann der sagt "Ich war immer ein Mann" danach mit dem Satz "früher war er eine Frau" zu kommentieren? Ehrlich gesagt: Ich halte das für eine ziemlich billige Ausrede von euch, liebe RTL-Redakteure.

Hier einmal meine Antwort an denjenigen "Insider", der mir die Situation im RTL-Redkationsflur näher brachte:

Ein "nicht schlechter Auftritt"? Wer ist damit gemeint? Balian? Oder RTL? Die RTL-Berichterstattung als gut zu bezeichnen, dem würde ich zustimmen, wenn wir nicht das Problem hätten, dass transsexuelle Menschen immer noch nicht rechtlich und medizinisch ab Outing respektiert werden und hier die sog. sexualwissenschaftlichen Institute viel schlimmes ideologisch besetztes Gedankenwerk verbreiten und so z.B. auch Medienanstalten mit angeblichem "Wissen" ausstatten, welches näher betrachtet keines ist. So wird bis heute - und du kannst das in allen Büchern dieser Sexologen nachlesen (und auch im DSM, der auch in Deutschland zur Diagnosestellung verwendet wird) - ein transsexueller Mann eben nicht ab Outing als Mann anerkannt, sondern als "biologische" Frau, die in der Männerrolle (und "...rolle" hier bitte fett lesen) leben will. (Dass transsexuelle Männer alles andere als eindeutige biologische Frauen sind nur mal nebenbei bemerkt) ... so wird immer noch offiziell in Lehrbüchern behauptet, man könne transsexuell "werden" (hier fallen gerne Begriffe wie "psychosexuelle Entwicklung" u.ä.) ... nach Sexologenmeinung handelt es sich dabei um eine Störung dieser Entwicklung, die sich "Geschlechtsidentitätsstörung" nennt und eine Abweichung von der natürlichen Rollenwahl eines Menschen (psychosexuelle Entwicklung) beschreibt, die dann zur psychischen Störung erklärt wird.

Hierauf basieren die medizinischen und rechtlichen Behandlungsstandards in Deutschland... dass du behandelt wirst wie deine "Fortpflanzungsorgane" - dein Geist wird hier zur Störung und zu falsch erklärt. (Daher kommen dann Formulierungen wie "eine Frau, die sich wie ein Mann fühlt"... und dem gedachten Zusatz: "aber keiner ist... ausser er legt sich unters Messer"). Soll heissen: Bei einer "Frau, die fühlt wie ein Mann" soll der Körper richtig sein, der Geist wäre falsch (Geschlechtsidentitätsstörung).

Alle Hassverbrechen gegenüber transsexuellen Menschen haben aber genau diese Unterstellung des "falschen" zum Kern - transphobe Gewalttäter argumentieren genau so: Dieser Mensch hat mich betrogen, in Wirklichkeit ist dieser Menschen nicht das, wie er erscheint, sondern "biologisch" ja etwas anderes. Auch in abgeschwächter Form gibt es diese transphoben Sichtweisen... lies mal Kommentare bei Tageszeitungen und du wirst sehen wie oft hier Menschen schreiben "in Wirklichkeit handelt es sich ja biologisch um eine Frau", als Argumentationsbegründung dafür, um transsexuellen Menschen ihre Echtheit abzusprechen.

Eine Medienberichterstattung, die genau dasselbe macht, also transsexuellen Menschen zu unterstellen, sie wären erst durch Hormone und Operationen zum "anderen Geschlecht" geworden, stellt sich also auf die Seite der transphoben Weltanschauung, die transsexuelle Menschen nicht als biologisch existent, sondern als Produkt von medizinischen (frankensteinartigen) Eingriffen verstehen will - also als z.B. Frauen, die (durch medizinische Eingriffe) zu Männern "geworden" sind. Dass sie es immer waren, wird bewusst verleugnet - passt es ja nicht in das Bild der "Geschlechtsumwandlung". Wer aber meint, dass nur medizinische Eingriffe das Geschlecht eines Menschen "erzeugen", spricht gleichzeitig einem transsexuellen Menschen den wahren Grund für sein Outing ab - nämlich, dass er ist, was er ist. Ein transsexueller Mann outet sich ja nicht als "Frau, die gerne Mann werden will", sondern mit dem Bewusstsein "mensch, ich bin ja doch ein Mann". Wer diesem Mann unterstellt zum Zeitpunkt des Outings eine Frau gewesen zu sein, die "Mann werden" will, unterstellt diesem Mann zusätzlich für seinen sozialen und körperlichen "Wechsel" psychisch seltsame Gründe und fördert ein Weltbild, dass diese psychischen Gründe als "Störung" betrachtet, die z.B. mit der angeblichen "psychosexuellen Entwicklung" zu tun hätte wie z.B. Erziehung, u.ä. ... und, um es einfach zu machen: So jemand unterstellt einem transsexuellen Menschen in einen unechten, unbiologischen Zustand zu "fliehen", anstatt anzuerkennen, dass transsexuelle Menschen - betrachtet man die Vielfältigkeit der Natur - biologisch echt sind und sich mit ihrem Outing nicht zur Flucht vor sich selbst entschliessen, sondern eben zum bewussten Annehmen des eigenen Selbst.

Diese Verdrehung der Motive transsexueller Menschen - warum sie das tun, was sie tun, warum sie das sagen was sie sagen ("Ich bin ein Mann" z.B. nicht deswegen, weil die Frauen mit Identitätsstörung sind, sondern weil sie tatsächlich Männer sind) ist transphob. Eine Berichterstattung, die diese transphoben Ansichten stützt, anstatt anzuerkennen, was transsexuelle Menschen über sich selbst wissen (was eben nicht nur "Gefühl" ist, sondern vielmehr Wissen über das eigentliche Geschlecht) ist in meinen Augen ebenso transphob - vorallem deswegen, weil es ein leichtes wäre, hier anders zu berichten (ich bin selbst gelernte Redakteurin, also weiss ich, wovon ich spreche und durchschaue manche Motive der Medienleute ziemlich gut). Du musst einen transsexuellen Mann z.B. nicht als Frau bezeichnen, die "Mann werden will" - du kannst einen transsexuellen Mann schlicht und einfach "nur" (ganz einfach) Mann nennen. Meiner Meinung nach würde das dann auch viel weniger Verwirrung stiften, als diese unsinnigen Beiträge von RTL und co in denen erst ein Transmann sagt "Ich war immer ein Mann" und dann der Beitrag 2 Sekunden später das Gegenteil behauptet und z.B. gesagt wird "Sie war früher eine Frau und ist jetzt ein Mann".

... dieses Muster - Transmensch sagt etwas und 2 Sekunden später wird im off-Text genau das Gegenteil erzählt... ist ein in Deutschland weit verbreitetes... nur ist das, was in den Beirägen da gemacht wird, nicht nur eine völlige Ignoranz vor dem Inhalt dessen, was ein transsexueller Mensch da gerade gesagt hat, sondern zudem auch noch biologisch äusserst fragwürdig, da Menschen eben nicht nur aus Penis und Hoden oder Gebärmutter bestehen und Geschlecht eben in seiner Polarität, wie sie einem gerne mal vorgespielt wird (und an die wir uns alle ja glauben gewöhnt zu haben) gar nicht existiert und das eigentlich in der Biologie längst bekannt ist. Meiner Beobachtung nacht sind es genau diesen Art Beiträge, in denen der off-Text was ganz anderes sagt, als der transsexuelle Mensch selbst, diese Art von Beiträgen, die Menschen ein geschlechtliches Weltbild aufdrücken wollen, dass durch die Existenz von transsexuellen Menschen längst widerlegt ist.

Du siehst also... ich denke, dass jede kleine Umdeutung, jedes kleine Wort (vorallem, wenn es in Medien eingesetzt wird), entweder helfen kann zu verstehen oder es kann helfen ein Weltbild weiterzutragen, das transsexuelle Menschen ausgrenzt, bis hin zu Hassverbrechen und Mord. Und genau deswegen (auch weil ich als gelernte Redakteurin weiss, dass es ein leichtes wäre über transsexuelle Menschen richtig und respektvoll zu berichten - sogar so, dass weniger Verwirrung bei den Zuschauern erzeugt wird, wie das heute noch der Fall ist) halte ich das, was die Redakteure von RTL da treiben für unverantwortungsbewusst, schlecht recherchiert und ja, sogar für Propaganda für ein transphobes Weltbild. Das schlimme an Transphobie ist, dass diese (anders als Homophobie) immer - das ist mein Eindruck - als "Wolfs im Schafspelz" daherkommt und die nettesten und freundlichsten Menschen hinterher einem das Messer in den Rücken rammen: Weil sie zwar irgendwie meinen so "bunt" zu sein, dass sie es tolerieren "wenn da eine Frau ein Mann wird" (oder umgekehrt), aber nicht auf die Reihe bekommen, das geschlechtliche Selbst eines transsexuellen Mannes oder einer Frau als gegeben zu akzeptieren.

Ich finde aber auch jeder transsexuelle Mensch hat eine Verantwortung: Sein eigenes Inting/Outing so ernst zu nehmen, dass er schätzt, was ihm dies sagen will: Du bist, wer du bist. (Und eben nicht jemand, der jemand "anderes werden" will). ... und ich finde jeder Mensch sollte genau das auch selbstbewusst verkörpern und sich nicht mit "weniger" zu Frieden geben (denn wer hier nicht konsequent ist, hätte sich ja nicht zu outen brauchen, wenn er sich rückwirkend zur "Frau, die Mann werden will" oder zum "Mann, der Frau werden will" erklären lässt und sich damit einverstanden erklärt, dass sein "neues" Geschlecht ja - transphober Ansicht nach - eigentlich das "falsche" wäre...)

Insofern finde ich die Auftritte beider Männer hier sehr gut - im Gegensatz dazu, das was RTL wieder einmal daraus gemacht hat, ziemlich schlecht. Die RTL-Redakteure sollten endlich einmal erkennen, dass transphobe Menschen auch einen Professorentitel haben können und dass nicht jeder Berater der sagt "ich will transsexuellen Menschen helfen" tatsächlich diese Motive hat, vorallem dann nicht, wenn er mit dem Verbreiten transphober Weltanschauungen sein Geld verdient.

Eigentlich sage ich es ja nicht zum ersten mal: Bitte mehr transsexuelles Selbstbewusstsein, auch auf dem RTL-Redaktionsflur. Ist ein Wunsch, ok?
 
07.03.2010
In der letzten Woche habe ich wieder einmal ein Gespräch mit einem transsexuellen Menschen führen müssen, welcher meinte, dass die Beschreibung "Mann, der sich wie eine Frau fühlt" ganz gut zu ihm passen, dieser Mensch sich selbst aber als Frau sehen würde und deswegen dann auch eine Vornamensänderung betragen will, obwohl Papiere angeblich ja nicht so wichtig wären, sondern der Alltag zähle. Ja, ich gebe es zu, dass mich das ziemlich nervt, wenn Menschen eine Ent- und Wederhaltung (im Gegensatz zu ent- oder weder) an den Tag legen und zweierlei sich gegenseitig widersprechende Aussagen gleichzeitig treffen und auch noch meinen, dass das irgendeinen anderen Menschen vermittelbaren Sinn machen würde. Nein, es ist nicht vermittelbar. Und ich möchte auch jedem transsexuellen Menschen, der selbst meint, Paradoxien (wie die der "Männer, die sich wie Frauen fühlen") verbreiten zu müssen, sagen: Löst erstmal euren Gedankenknoten und dann (aber erst dann) meldet euch bei mir - vorher ist das nämlich ziemlich nervig....

Sätze wie "Männer, die sich wie Frauen fühlen" oder "Frauen, die sich wie Männer fühlen" sind derart unsinnig und der Inhalt sich selbst widersprechend, dass ich mich fragen muss, wie mensch in der Lage ist, solche Sätze überhaupt zu äussern - vorallem dann, wenn mit z.B. "Männer, die sich wie Frauen fühlen" transsexuelle Frauen gemeint sein sollen.

Hier nocheinmal in kurz zusammengefasst, warum der Satz "Männer, die sich wie Frauen fühlen" Unsinn ist:

1. Spätestens in den 70er-Jahren (und zwar mit dem Bundesverfassungsgerichtsurteil 1978, welches dann zur Einführung des "Transsexuellengesetzes" geführt hat) war klar: Das psychische Geschlecht / Gehirngeschlecht eines Menschen ist im Zweifelsfall geschlechtsbestimmender als sichtbare Körpermerkmale.

2. Wenn das psychische Geschlecht wichtiger ist als die Körpermerkmale, dann ist eine transsexuelle Frau eine Frau und eben KEIN Mann (das Gehirngeschlecht / psychische Geschlecht gilt ja dann als geschlechtsbestimmend)

3. Damit kann eine transsexuelle Frau auch kein Mann sein, "der sich wie eine Frau fühlt"

Menschen, die diesen Satz äussern, outen sich zudem als Menschen, die nicht akzeptieren wollen, dass die Psyche / Gehirngeschlecht geschlechtsbestimmend ist, da sie das Geschlecht ja dann doch an sichtbaren Körpermerkmalen festmachen. Wenn nun transsexuelle Menschen diesen Satz selbst äussern, ist das etwas wie selbstgemachte Transphobie, da sich ein Mensch dann zwar einerseits eingesteht "ein gewisses Gefühl" über sein Geschlecht zu haben, dieses "Gefühl" aber dann wohl doch nicht so ernst nimmt, um dann selbstbewusst zu äussern: Ich bin eine Frau oder ein Mann (und fühle mich nicht nur so).

Dass dies, was ich nun einmal Autotransphobie nennen mag, zusätzlich auch noch sinnvolle Reformen von medizinischen und rechtlichen Regelungen verhindert, indem sich Menschen lieber freiwillig paradoxen Theorien unterordnen, führt mich immer wieder zu der Frage: Wieviele transsexuelle Menschen in Deutschland wollen überhaupt als sie selbst anerkannt werden? und weiter überlege ich mir oft, wie unfair so eine unselbstbewusste Einstellung den Menschen gegenüber ist, die ein sehr deutliches geschlechtliches Selbstwissen besitzen, die aber das Pech hatten/haben vom "System Trans" zermahlen zu werden, weil sie genau wegen dieses geschlechtlichen Selbstwissens nicht in der Lage sind sich zu etwas zu erklären, was sie niemals waren. Sollten die ehrlichen Menschen für ihre Ehrlichkeit gestraft werden? Nicht wirklich. Wenn ein System auf Lügen aufgebaut ist, dann sind es doch die vielen kleinen LÜgen, an denen sich auch transsexuelle Menschen beteiligen, die wirklich verachtenswert sind.

Damit sind die Sätze "Männer, die wie Frauen fühlen" oder "Frauen, die wie Männer fühlen" für mich nicht nur paradox oder ein Zeichen mangelnden Selbstbewusstseins, wenn ihn transsexuelle Menschen äussern, sondern zusätzlich auch noch alles andere als solidarisch anderen transsexuellen Menschen gegenüber. Und ich weigere mich hier nocheinmal deutlich da mit zumachen. Nervt jemand anderen mit euren Anrufen, aber lasst bitte mich in Ruhe.

Transsexuelle Frauen sind Frauen - transsexuelle Männer sind Männer.
 
20.02.2010
Während eines email-Verkehrs mit Balian Buschbaum (er hatte eine ganz liebe Mail geschrieben), ist mir eingefallen, wie sich ganz simpel ausdrücken lässt, was durch den Begriff "gender identity disorder" geschieht bzw. durch die Annahme, eine transsexuelle Frau wäre mal ein Mann gewesen und ein transsexueller Mann mal eine Frau. Ich gebe diesem Phänomen den Namen "Gender/Sex-Umkehr" (diese Umkehr tauchte in anderer Form bereits auf dieser Seite auf wie z.B. bei einem Artikel zum "Spiegel-Phänomen", aber auch bei dem, was ich damals "Sichtweisen-Test" genannt hatte)...

DIE GENDER/SEX-UMKEHR:

Bei Transfrauen:

A) GESCHLECHTSROLLE (gender) MÄNNLICH - INTING - EIGENTLICHES GESCHLECHT "Ich bin eine Frau".
B) EIGENTLICHES GESCHLECHT "Er ist ein Mann" - OUTING - GESCHLECHTSROLLE (gender) WEIBLICH

Bei Transmännern:

A) GESCHLECHTSROLLE (gender) WEIBLICH - INTING - EIGENTLICHES GESCHLECHT "Ich bin ein Mann".
B) EIGENTLICHES GESCHLECHT "Sie ist eine Frau" - OUTING - GESCHLECHTSROLLE (gender) MÄNNLICH

A ist das Gegenteil von B.

B ist die Sichtweise nach "gender identity disorder"... Beispiel für die Anwendbarkeit des Gender/Sex-Umkehr-Schlüssels ist ein Satz von Frau Becker in einem ZDF-Interview (2008): ""...kann sie diesen Weg auf Dauer wirklich gehen...". Sie verwendet diesen Satz für die Beschreibung eines transMannes. Ihr gewähltes Pronomen war "sie" - eben weil sie einen transMann als Frau versteht, die in der männlichen Geschlechtsrolle leben will.

A wäre die Anerkennung transsexueller Menschen als biologisch existent.

Weitere Zitate, welche die Anwendbarkeit des Schlüssels belegen, finden sich hier:

Sexologen-Zitate
Die Rede vom biologischen Geschlecht


 
11.02.2010
Nun ist er Raus, der erste Entwurf zum DSM 5 und wie sich die "Church of Sexology" (ich möchte mich hier bei den intersexuellen Menschen entschuldigen, die diesen Begriff verwenden) in Zukunft die Einsortierung von Menschen mit geschlechtlichen Abweichungen vorstellen. Kurz: In Zukunft sind sie alle "geisteskrank", wenn auch das dann nicht mehr unbedingt so heissen soll. Da gibt es dann z.B. die schrille Wortneuschöpfung "gender incongruence", was soviel bedeuten soll wie, dass Menschen, die von ihrer zugewiesenen Geschlechtsrolle abweichen, zu gender-inkongruent erklärt werden können. Verpackt ist dieser Schelmenstreich natürlich in buntem Bonbonpapier... lieb und nett kommt es daher... dass sich beim Öffnen der bunten Verpackung dahinter ein faschistoides Gedankengebäude verbirgt, das mag wohl heute noch keiner so recht wahrnehmen. Auch ich selbst bin mir über die Auswirkungen der Ideen der DSM-Gruppe noch nicht ganz im Klaren, doch wenn ich nach meinem Gefühl gehe, kann ich nur davor warnen, sich von den Vorschlägen blenden zu lassen.

Ich hing nämlich gerade über der WC-Schüssel und habe mich übergeben. Ich heule wie ein Wasserfall, da ich es als ziemlich heftig empfinde, wie Menschen so böse sein können, ohne das sie ihren Schatten überhaupt bemerken wollen. Dieser dunkle Schatten hat mir bereits in Vergangenheit ziemliche Angst gemacht (von Vertreter der Church of Sexology bedroht zu werden, ist nicht nett), die Website mut23 war ein therapeutisches Mittel für mich, trotzdem mutig zu bleiben und an das Gute im Menschen zu glauben, auch wenn es auf Grund der Erfahrungen, die ich selbst machen durfte, mir nicht immer leicht vorkam.

Nun rufe ich alle Menschen, die in der Lage sind sich tiefer und ernsthafter mit einem Thema auseinanderzusetzen, die kritischen Geistes sind, die ihre Schattenseiten gut kennen... Menschen mit Herz und Verstand dazu auf, aufzustehen und euren Schwestern, Brüdern und Mitmenschen zu helfen, die Gräueltaten der Sexologie aufzuklären. Auch ihr, die ihr nicht so stark von geschlechtlichen Abweichungen betroffen seid wie trans- inter- oder homosexuelle Menschen lebt in einer Welt, in der ihr nicht die Augen verschliessen könnt, vor den Menschenrechtsverbrechen, die tagtäglich stattfinden.

Bitte macht eure Augen auf, und helft uns.

Hier der Entwurf: APA Feb2010 - Gender Identity Disorder in Adolescents or Adults

Nachtrag:

Schon spannend, wie auch die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung und Deutsche Sexlogen in die Angelegenheit (wieder mal in Person von Hertha Richter Appelt) verstrickt sind. Ein Webfundstück:

"WPATH’s Consensus Statement on Gender Dysphoria and the DSM-V, Saturday, June 20, 2009
9:00 – 9:15 Gender Dysphoria and the DSM V: Report from the APA Workgroup on Gender Identity Disorders
Peggy T. Cohen-Kettenis, PhD; Vrije Universiteit Medical Center, Department of Medical, Psychology"

auf dieser Liste steht unter DSD (Disorders of Sexual Development - die pathologisierende Wortneuschöpfung für intersexuelle Menschen): "9:55 Disorders of Sexual Development, Hertha Richter-Appelt, PhD"

Peggy T. Cohen-Kettenis ist übrigens eine dicke Freundin von Friedemann Pfäfflin aus Ulm, der bei der DSM-V-Geschichte natürlich auch wieder mitmischt. Dass Pfäfflin in seine Büchern transsexuelle Frauen als "Männer" bezeichnet, nur am Rande. Einer dieser Frauen bin ich.

"Alles was du in dieses Buch hineinpackst, jede kleinste Änderung die du machst hat riesige Auswirkungen nicht nur auf die Psychatire sondern auch auf die Pharmaindustrie, Forschung, für das Rechtssystem, ob jemand als normal angesehen wird oder nicht, oder ob du als behindert klassifiziert wirst [...] und es hat eine grosse Auswirkung auf Stigmatisierung, denn je mehr Störungen du hinein packst, desto mehr werden Menschen Etiketten aufgeklebt, und desto höher ist die Gefahr eine falsche Behandlung zu erhalten."
(Zitat von Dr. Michael First, Professor für Psychiatire an der Columbia University)

 
10.02.2010
Ich möchte heute etwas schreiben, das damit zu tun hat, von welchen Menschen ich bereits in welche Schublade gesteckt wurde. So gibt es die einen, die meinen man könne "echte Transsexualität" von einer falschen unterscheiden, die sich dann mit Begriffen wie dem sogenannten Harry Benjamin Syndrom schmücken und die anderen, die meinen jeder könne sich sein Geschlecht selbst aussuchen, indem mensch seine geschlechtliche Rolle ändert.

Soll ich was sagen? Beide dieser Gruppen haben in meinen Augen ein paradoxes Weltbild in ihren Köpfen und ich habe keine Lust dazu, wenn Vertreter dieser Gruppen mich in die jeweils andere Schublade stecken wollen. Liebe HBSler, ich gehöre nicht der Gruppe der "Transgender" an, die Geschlecht auf die Geschlechtsrolle reduzieren wollen... Liebe Transgender, ich gehöre nicht zu der Gruppe der pseudo-Realos an, die meinen, jede transsexueller Mensch hätte den unbedingten Wunsch nach einer genitalen Operation und man könne an diesem Wunsch ablesen, wie "echt" denn nun ein transsexueller Mensch sei.

Dieser Blog hier macht von Anfang an deutlich, dass es, um die Menschenrechtssituation von transMenschen zu verbessern, in meinen Augen nur um eines gehen kann:

Einen Menschen in seinem Selbst anzuerkennen.

Dass ich hier das Selbst (die Selbstbestimmung) eines Menschen mit dem menschlichen Gehirn in Verbindung bringe, da für mich die Psyche eines Menschen nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern auch neurologische Entsprechungen haben muss, macht mich noch lange nicht zu einer Anhängerin derer, die meinen, man müsse die Geschlechtsbestimmung z.B. einfach mittels irgendwelcher Gehirntests stattfinden lassen. Ich spreche mich sogar strikt dagegen aus, da ich der Ansicht bin, dass keine Messmethode dieser Welt jemals das Selbst eines Menschen messen können wird.

Dass ich dafür plädiere, einem Menschen die freie Selbstbestimmung über seinen Geschlechtseintrag zu ermöglichen und mich dafür einsetze, dass Zwangssterilisationen für die Änderung von Geschlechtseinträgen auf Papieren endlich beendet werden müssen, macht mich noch lange nicht zu einer Anhängerin derer, die meinen man könne durch das wechseln geschlechtssterotyp besetzter sozialer Geschlechtsmerkmale wie Rolle, Kleidung, usw. sein Geschlecht wechseln. Geschlecht ist mehr als eine Verkleidung.

Geschlecht ist mehrdimensional.

Ja, es gibt trans-Frauen, die keine genitale Operation wünschen. Da die Genitalien in meinen Augen auch nicht geschlechtsbestimmend sind, sind es auch ohne Operation Frauen.
Ja, es gibt trans-Frauen, für die eine genitale Operation lebensnotwendig ist. Dass die Genitalien in meinen Augen nicht geschlechtsbestimmend sind, zeigt ja gerade die Notwendigkeit für solche Operationen: Was würde es für einen Sinn machen, wenn ein Mann sich eine Vagina wünschen würde?
(Liebe transMänner, ich brauche euch hier nicht extra nennen, da ihr hier ja - so scheint mir - weniger Probleme damit habt, euch unabhängig von eurem Genital zu definieren)

Wann hört diese Phallus-Anbeterei eigentlich endlich auf?

Ihr HBSler macht euch in meinen Augen unglaubwürdig, wenn ihr zwar einerseits auch der Ansicht seid, das Gehirn wäre geschlechtsbestimmend, aber trotzdem durch die Lande zieht um zu behaupten, man könne "echte" Transsexuelle von "unechten" am Wunsch nach genitaler Operation unterscheiden. Ein Zitat von einer eurer Seiten, deren Link ich hier nicht posten will (Vorsicht beim Weiterlesen vor dem Schmutz der jetzt kommen wird):

"Mit Sicherheit gibt es aber natürlich auch viele Menschen, deren Transsexualität offenbar doch als Geschlechtsidentitätsstörung gewertet werden sollte, Menschen, die von einer reinen psycho-sozialen Motivation getrieben werden, oder deren Transsexualität durch verschiedene Traumata, zum Beispiel in früher Kindheit, entstanden ist, manchmal sogar aus einer instinktiven Schutzreaktion heraus... Zahlreiche Schicksale belegen, dass es für die Entstehung dieser Transsexualität die verschiedensten Gründe geben kann. In diesem Zusammenhang wird auch immer öfters von einer psycho-sozialen Transsexualität gesprochen. Vielfach geht es nur um die soziale Anerkennung, im gewünschten Geschlecht leben zu dürfen und nicht so sehr um körperliche Angleichung."

Es ist wirklich widerwärtig, wenn Menschen das Geschlecht eines Menschen von aussen fremdbestimmen wollen, so wie auch ihr das macht. Ich glaube das liegt daran, dass ihr ein Problem damit habt zu verstehen, was das bedeutet, wenn das Gehirn geschlechtsbestimmend ist - dann bestimmt nämlich der Mensch, der dieses Gehirn besitzt selbst über sein Geschlecht und nicht etwa irgendwelche dahergelaufenen HBSler, die hier meinen Theorien darüber aufstellen zu müssen, wer nun "echter" transsexuell ist, als ein anderer.

Ihr Transgender, die ihr die Heteronormativität als bekämpfenswertes Ziel auf eure Fahnen getackert habt, macht euch aber ebenso unglaubwürdig, wenn ihr Reden darüber haltet, dass Geschlecht eigentlich nur sozial konstruiert sei, ihr aber trotzdem dann Sachen wie diese schreibt (auch hier lasse ich den Link weg, ich muss ja nicht für alles Werbung machen):

"Ganz einfach am Beispiel erklärt: Ein Mensch, der bei seiner Geburt männliche Geschlechtsmerkmale besitzt, der soll sich auch dementsprechend maskulin benehmen, sich sexuell und emotionell nur von Frauen angezogen fühlen, sich als Mann empfinden und im späteren Leben einmal die Vaterrolle übernehmen. Hingegen wird einem Menschen, der bei der Geburt weibliche Geschlechtsmerkmale aufweist, aufgedrängelt, feminin zu sein, sich als Frau zu fühlen, sexuelles und emotionelles Begehren nur für Männer zu empfinden und später einmal die Mutterrolle zu übernehmen."

Wer meint solche Sätze schreiben zu können, ohne das Gefühl zu haben in eine Logikfalle getappt zu sein, nein, auch den kann und will ich nicht unterstützen. Nur um es kurz zu verdeutlichen: Wenn ein Mensch von der Vielfalt der Geschlechter redet, aber immer noch ohne rot zu werden das angeblich "biologische Geschlecht" einerseits auf wenige Merkmale reduzieren kann um dann andererseits eine Einteilung in Mann+Frau zu vollziehen, dann könnte ich auch bei so einer Paradoxie das Kotzen bekommen. Daher kommt dann nämlich die Behauptung transsexuelle Frauen wären "Männer die sich wie Frauen fühlen". Aber anerkennen, dass transFrauen tatsächlich reale und in der Natur vorkommende Frauen sind könnt ihr nicht?

Seit dreieinhalb Jahren nun setze ich mich auf dieser Seite nun dafür ein, es endlich einmal ernst zu nehmen, wenn ein Mensch sich über sein Geschlecht äussert (z.B. wenn ein transsexuelles Mädchen sagt "ich bin ein Mädchen").

Es gibt Gruppen, die das bis heute nicht schaffen... oder besser: es gibt Menschen, die das bis heute nicht können - egal welcher Gruppierung sie behaupten zuzugehören (die Enttäuschung über dieses Phänomen, brachte mich 2006 überhaupt erst dazu diese Seite hier aufzubauen). Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass transMenschen sich immer noch nicht selbst anerkennen und ihr eigenes Selbst nicht würdigen.

Ich hoffe wenigstens, dass du, der das liest, dich selbst würdigst. Mit Menschenwürde fangen nämlich  Menschenrechte an. Und dass diese immer noch mit den Füssen getreten werden, liegt auch an solchen Phänomenen, die ich heute niedergeschrieben habe.

Da Werbung für eine gute Sache niemals schlecht sein kann, hier noch ein Link: http://atme-ev.de

EINE ROTE KARTE GIBTS VON MIR FÜR TRANSGENDER UND HBSLER DIE DAS SELBST EINES MENSCHEN NICHT ALS GESCHLECHTSBESTIMMEND ANERKENNEN WOLLEN.
 
28.01.2010
Ach, was war das gestern doch für ein wunderschönes Beispiel dafür, wie Verblendet mit transsexuellen Menschen in Deutschland umgegangen wird. So war Kim Petras wieder einmal zu Gast bei Stern.TV. Dass hier natürlich wieder einmal von "Geschlechtsumwandlungen" gesprochen wurde, nur am Rande, da ich ja schon desöfteren darauf hingewiesen habe, dass die Annahme ein transsexueller Mensch hätte sein Geschlecht gewechselt, der Kern der Transphobie und der medizinischen und rechtlichen Fehlbehandlung transsexueller Menschen ist. Ich hatte mir ürsprünglich erst überlegt, ob ich einen etwas längeren Text zu dem transphoben Meisterstück gestern Abend bei RTL schreiben möchte, um genau aufzuzeigen, wo die Unwahrheiten deutlich zu erkennen waren, die über transsexuelle Menschen erzählt werden, doch ich halte mich kurz.

Der Hinweis darauf, dass Transphobie immer etwas "hintenrum" ist und vordergründig ersteinmal so gar nicht erscheint, genügt mir an dieser Stelle. Dass freundlich wirkende Menschen aber dennoch oft gerade transphobe Ideologien mittragen, gehört ebenso zum Phänomen "Transsexualität in Deutschland", wie etwas, was wohl alle transsexuellen Menschen immer noch (ich hoffe ja immer noch, dass unsere Gesellschaft lernfähig ist und sich das mal ändert) gemeinsam haben:

Sie äussern, wer sie sind (und sagen damit die Wahrheit über sich) - doch zugehört wird ihnen nicht. Damit dienen sie als wunderbare Interpretationsfläche für Märchen, Phantasien, Ideologien und ziehen somit geistig schwache Personen (wie z.B. Psychoanalytiker und sonstige religiöse Fanatiker) nahezu magisch an. Doch ich wolle mich kurz halten... daher hier der Kern der Diskriminierung transsexueller Menschen in Kurzform und zum selber darübernachdenken:

O-Ton 1, Kim Petras im Interview (download: Klick):

Ich wusste einfach von Anfang an, dass ich ein Mädchen war. Also ich hab das schon immer gespürt. Und ich wusste einfach dass ich nicht glücklich sein kann in der Form in der ich war. Also es war ein Teil an mir, der nicht gepasst hat und mit dem Rest war ich ja immer eigentlich zu frieden und ich war ein relativ glückliches Kind nur das hat eben wirklich gefehlt.

O-Ton 3, Off-Text RTL-Beitrag (download: Klick):

Männer, die sich eigentlich wie eine Frau fühlen, oder umgekehrt. Das ist Kim, 17 Jahre alt. Auf den ersten Blick ein ganz normales Mädchen, doch der Eindruck täuscht, denn Kim kam als Junge auf die Welt. Zur Welt kam sie 1992 als Tim. Seine Eltern suchen Hilfe bei Experten. Dass sie kein Junge sein will, das wusste sie schon als kleines Kind. Jetzt ist sie eine Frau.

Beides stammt aus der gestrigen SternTV-Sendung. Diese Paradoxie und Widersprüchlichkeit (erkannt?) kann nur von transsexuellen Menschen selbst beendet werden, insofern sie dazu bereit sind. Den Hinweis auf die Bereitschaft transsexueller Menschen daran etwas zu ändern, bringe ich deswegen an, da auch dies zum "Phänomen Transsexualität" gehört: Eine grosse Naivität der Betroffenen, die glauben, man glaubt Ihnen und so gar nicht merken wollen, wann das Gegenteil der Fall ist. Und wer wird zudem diejenigen kritisieren wollen, die einem zum richtigen Körper verholfen haben? Da drückt der transsexuelle Mensch gerne ein Auge zu, obwohl er gerade damit ja erst Recht seine Seele verkauft.

Kurzzusammenfassung der gestrigen Sendung: Ein Werbebeitrag einer psychoanalytischen Sexologen-Kaste und ein gutes Lehrstück darüber, was Transphobie ist. Schade um Günther Jauch - nun ist's schon wieder einer weniger.

An dieser Stelle vielleicht ganz passend, noch einen Downloadtipp: Der Verein Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. (ATME) hat nun seinen Menschenrechtsbericht 2010 veröffentlicht und liegt in Buchform vor (sieht ganz schick aus). Die digitale Version lässt sich hier herunterladen:

ATME-Menschenrechtsbericht 2010

Ob der Inhalt für die SternTV-Redaktion interessant ist? Ich glaube nicht. Nachdenken und sich mit Themen auseinandersetzen gehört ja in der heutigen Zeit nicht unbedingt mehr zu den redaktionellen Tugenden. Werbebeiträge gehen eben einfacher. Ach so, bevor ich's vergesse: Transsexuelle Frauen sind Frauen (und keine ehemaligen Jungs) und Geschlechtsumwandlungen gibt es nicht.

Edit:

Vielleicht noch der Zusatz, warum bei transsexuellen Frauen von "geborenen Jungs" gesprochen wird - man hält sie in der Deutschen Sexologie (ausgehend vom DSM, dem Buch der psychischen Störungen) für eine Steigerung homosexueller Männer - auch der Grund, warum transsexuelle Kinder heute noch Umpolungstherapien mit dem Therapieziel "Zugehörigkeitsgefühl zum Geburtsgeschlecht" (womit natürlich nur das genitale Geschlecht gemeint ist und nicht das tatsächliche Geburtsgeschlecht) ausgesetzt werden, die auch in Deutschland angewandt werden, z.B. in Frankfurt bei Bernd Meyenburg:

"Anders als früher wird heute die frühe Manifestation der GIS und die sexuelle Orientierung auf Männer als zusammengehörend gesehen. Die früher beschriebene „Asexualität“ einer Untergruppe von MF-TS (Person und Ovesey 1974 a, Bentler 1976) könnte das Ergebnis eines Artefakts sein, etwa dadurch bedingt, dass die Patienten sexuelle Wünsche und Phantasien aus Angst davor verschwiegen, als homosexuell eingestuft zu werden. [...] Dies macht Sinn angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Jungen mit manifester GIS in der Kindheit später homosexuell und nur eine Minderheit transsexuell wird* (Green 1987 a und b, Money und Russo 1979, Zucker und Bradley 1995). "
(Sophinette Becker, Transsexualität - Geschlechtsidentitätsstörung in: Götz Kockott/Eva-Maria Fahrner (Hrsg) : Sexualstörungen. Thieme Verlag, Stuttgart New York 2004, 153-201)

Mehr zu den Hintergründen findet sich auch in dem oben angeführten ATME-Menschenrechtsbericht.
(Erklärung: *womit Frau Becker transsexuelle Frauen/Mädchen meint)

Noch ein Hinweis: Ich habe gerade bei Stern-Online einen Forumsbeitrag zum Thema erstellt. Mal sehen, wann dieser Beitrag weggelöscht wird. Hier der Link: (klick) ... würde mich aber nicht wundern, wenn er schon bald nicht mehr zu lesen sein wird. Wäre zumindest das übliche Verhalten derer, die keine Auseinandersetzung mit dem Thema wünschen.

Und noch was: Wer einen Drucker hat und 200 Seiten ausdrucken mag... ich habe gerade die bisher über 3 Jahre des Tagebuchs über die F64.0-Paradoxie in ein pdf gebettet (sieht noch nicht so fit aus, der Inhalt dürfte aber verständlich sein):

Download Das F64.0-Paradoxon 2010
 
26.01.2010
Ich hatte neulich eine interessante Diskussion, die zu einem Text führt, der sich mit der Frage beschäftigt, in wie weit psychoanalytische Geschlechterideologien nicht dazu taugen, geschlechtliche Abweichungen richtig zu erfassen und die Jünger Sigmund Freuds eine massive Schuld an Ausgrenzung, Hass und Diskriminierungen homosexueller, transsexueller und intersexueller Menschen tragen. Psychoanalyse kann also auch ein Verbrechen sein (Ein Verbrechen, das leider von einigen sich selbst-ausgrenzenden transMenschen immer noch mitgetragen wird).

Hier der Text: Das Geschlechts-Verbrechen der Psychoanalytiker

"Lieber Herr Professor!

Ich möchte Sie [...] darauf aufmerksam machen, daß Ihre Technik, Ihre Schüler wie Ihre Patienten zu behandeln, ein Mißgriff ist. Damit erzeugen Sie sklavische Söhne oder freche Schlingel [...]. Ich bin objektiv genug, um Ihren Trick zu durchschauen. Sie weisen rund um sich herum alle Symptomhandlungen nach, und damit setzen Sie die ganze Umgebung auf das Niveau des Sohnes und der Tochter herunter, die mit Erröten die Existenz fehlerhafter Tendenzen zugeben. Unterdessen bleiben sie immer schön oben als Vater. Vor lauter Untertänigkeit kommt keiner dazu, den Propheten am Barte zu zupfen..."


Kritik von C.G. Jung an Sigmund Freud am 18. Dezember 1912.

"Untertan bezeichnet [...] einen obrigkeitshörigen Menschen, siehe: Autoritärer Charakter und Autoritäre Persönlichkeit"
(wikipedia.de)

Theorie nach Erich Fromm:

"Fromm sieht im Streben nach Freiheit und nach Gerechtigkeit fundamentale Wesenszüge aller Menschen. Viele Menschen seien dieser Freiheit jedoch nicht gewachsen, bzw. haben durch Erziehung einen Sozialcharakter erworben, der an Macht und Gehorsam orientiert sei. [...] Der geistige Konformismus verträgt keine Andersdenkenden und keine pluralistische Welt. Als typische Züge des autoritären Charakters nannte Erich Fromm die Unterwürfigkeit gegenüber Autoritätspersonen, außerdem Destruktivität (Zerstörungslust), Selbsterhöhung und starre Konformität: Diese Menschen bewundern die Autorität und streben danach, sich ihr zu unterwerfen; gleichzeitig wollen sie selbst Autorität sein und andere sich gefügig machen. Zu dieser durchgehenden Orientierung an Macht und Stärke gehört eine Denkweise, die an Konventionen hängt, zugleich abergläubische und stereotype Züge hat [...]"
(wikipedia.de)

Der Glaube an "Geschlechtsumwandlungen" und "Geschlechtsidentitätsstörungen" ist ein solcher Aberglaube. Sollten Menschen, die siesem Aberglauben anhängen (z.B. psychanalytischer Sexologen der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung und deren Umfeld) dafür auch noch bewundert werden? Nein. Auch wenn manch trans-Vereins-Vertreter in Deutschland immer noch am winseln ist und gerne an Herrchens Tisch mit dem Schanz wendelt, um ein wenig beachtet zu werden: Wer sich von Verbrechern füttern lässt, bekommt von mir 0 Punkte. Solche Menschen können vielleicht Stöckchen apportieren, interessieren sich aber bei genauer Betrachtung (obwohl sie anderes behaupten) nicht darum, Menschen, denen das System Trans übel mitgespielt hat, zu helfen, geschweige denn haben sie ein Interesse daran, die medizinischen und rechtlichen Regelungen ernsthaft so zu ändern, dass transsexuellen Menschen ein Leben in Freiheit und Würde ermöglicht wird.

Nachtrag:

Wie SternTV unliebsame Kommentare löscht, anstatt sich mit Themen auseinanderzusetzen:

Der Stern hat um Weihnachten 2009 herum auf seiner Internetpräsens ein Dossier zum Thema "Transsexualität" veröffentlicht, in dem wieder einmal behauptet wird, dass transsexuelle Frauen geschlechtsumgewandelte Männer wären. Dies wurde vom Verein Aktion Transsexualität und Menschenrecht kritisiert, geändert hatte sich nichts, ausser dem Hinweis aus der Stern-Redaktion, dass Transsexualität "nüchtern und nach wissenschaftlichen Erkenntnissen erklärt" werde. Aha. Die Behauptung, man hätte das Geschlecht eines Menschen geändert, wenn man aus einem Penis eine Vagina formt, nennt der Stern also wissenschaftlich. Soso. (Und diejenigen, die sich nicht operieren lassen, wären dann "biologisch" noch Männer... was eine kindlich-naive Vorstellung...)

Nun findet sich dieses Dossier auch zu einer SternTV-Sendung, in der Kim Petras zu Gast ist. Dieses Dossier wurde mit einem Kommentar von mir versehen (und einer email an die SternTV-Redaktion), in dem ich darauf hingewiesen habe, was an der Behauptung es gebe Geschlechtsumwandlungen kritisierbar ist, und was die Auswirkungen der Verbreitung von unwissenschaftlichen Geschlechterideologien ist: Hass, Ausgrenzungen und Diskriminierungen transsexueller Menschen.

Um 14.14 wurde der Artikel geändert und der Kommenter von SternTV gelöscht (zensiert?).

Als Dokumentation, dass der Kommentar tatsächlich bis dahin zu sehen war, hier ein Ausdruck der Seite, wie sie vor 14:14 ausgesehen hat (der urspüngliche Beitrag war von 26. Januar 2010, 13:09 Uhr):

Klick Download Screenshot

Es scheint, als reihte sich SternTV in die Medienunternehmen ein, die lieber verschweigen, anstatt hinzusehen. Wenn aber Medien nicht in der Lage sind, objektiv und umfassend über ein Thema zu berichten und sich den unterschiedlichsten Standpunkten zu einem Thema zu stellen, wenn Medien lieber vorgefertigte Geschlechterideologien übernehmen und sogar behaupten, wenn man aus einem Penis eine Vagina formt, hätte man das Geschlecht eines Menschen geändert, dann hat das wenig mit redaktioneller Auseinandersetzung zu tun.

Solche Berichterstattung darf sich dann den Vorwurf der Einseitigkeit und Unausgewogenheit gefallen lassen, die ein bestimmtes Bild zeichnen will, anstatt sich einem Thema objektiv und unvoreingenommen zu stellen. Für mich alles andere als ein verantwortungsvoller Umgang mit Themen. Tja, so läuft es eben im Geschlechtsumwandlungs-Märchenland Deutschland.

 
11.01.2010
Es gibt ja immer noch Menschen, die an "Geschlechtsumwandlungen" glauben. Dass diese Menschen damit Genitalverstümmelungen an intersexuellen Menschen genauso unterstützen, wie die Pathologisierung transsexueller Menschen als "geschlechtsidentitätsgestört", scheint sie bislang nicht gestört zu haben.

Hier ein paar Beispiele, für Menschen, die an "Geschlechtsumwandlungen" glauben:

1. Medien

"Zwölfjähriger will Geschlechtsumwandlung - Lehrer unterstützen ihn"
(Shortnews.de, 18. September 2009)

"Erst Geschlechtsumwandlung , dann die große Liebe! Lorielle London ist bis über beide Ohren verliebt."

(Viva, 11. Januar 2010)

"Thomas Beatie wurde als Frau geboren und hatte sich vor gut zehn Jahren zu einer teilweisen Geschlechtsumwandlung entschlossen. "
(DPA-Meldung 2009)

"Das hat das Kölner Oberlandesgericht (OLG) am Freitag im Fall einer Frau 'Brigitte' entschieden, die als Junge 'Bernd zur Welt gekommen war, ihr Geschlecht aber 1997 operativ umwandeln ließ."
(Focus, 11. Dezember 2009)

2. Deutscher Presserat

"Die Umschreibung in der Umgangssprache, dass aus einem Mann eine Frau wird [...] kann kaum anders beschrieben werden."
(Deutscher Presserat in einer Antwort an ATME e.V. vom 6. Januar 2010)

3. Medziner und Institutionen

"Das Buch gibt einen umfassenden Überblick über Langzeitergebnisse nach operativer Geschlechtsumwandlung und analysiert dazu die internationale Fachliteratur aus den letzten dreißig Jahren."
(Friedemann Pfäfflin; Astrid Junge in Geschlechtsumwandlung, Abhandlungen zur Transsexualität 1992 Schattauer Verlag Stuttgart)

"Sie können bis zum Wunsch zu einer gegengeschlechtlichen hormonellen Behandlung und nach einer operativen Geschlechtsumwandlung führen."
(Bernd Meyenburg, Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt)

"Nicht selten verlangen Eltern bereits bei Kindern im Grundschulalter – und später die Jugendlichen selbst – möglichst rasch körperverändernde Maßnahmen, d.h. eine hormonelle und/oder operative Geschlechtsumwandlung, vorzunehmen."
(Deutsche Liga für das Kind, Februar 2007)

"Ferner scheinen der Machbarkeitsgedanke, die Vorstellung, dass im Rahmen heutiger medizinischer Möglichkeiten eine Geschlechtsumwandlung problemlos durchgeführt werden kann, sowie die Tendenz, die Wahl des Geschlechts als eine Art 'Grundrecht' anzusehen, für die Zunahme von Umwandlungsbegehren bei Minderjährigen von Bedeutung zu sein."
(Deutsches Ärzteblatt, Goecker und Beier, Charite Berlin 2008)

"Merkblatt zu Transsexualität und Geschlechtsumwandlung [...] Die geschlechtsumwandelnde Operation kann frühestens nach 6 – 9monatiger Hormoneinnahme geplant werden."
(Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik, Prof. Dr. W. Senf, Rheinische Kliniken Essen)

3. Transsexuelle Menschen

"Hurra, es ist ein Mädchen"
(aus einem Internetforum als "Gratulation" für die genitalverändernde Operation)

"Früher, als ich noch ein Mann war..."
(aus einem Gespräch über eine genitalverändernde Operation)

4. Intersexuelle Menschen

"Diese 'Richtlinien bei Geschlechtsumwandlung ' sind jedoch (wie schon ihr Name sagt) in erster Linie auf Transsexuelle zugeschnitten."
(Pressemitteilung von zwischengenschlecht.org)

"Ich landete dann [...] auf dem OP-Tisch und wurde geschlechtsumgewandelt"
(Aus einem Leidensbericht)

5. Homosexuelle Menschen

"Er hat [...] transsexuellen Frauen das Recht auf Änderung ihres Personenstands und auf Versicherungsschutz für eine operative Geschlechtsumwandlung garantiert"
(Dr. Wolfgang Kreutzberger, Mitglied im LSVD in einem Vortrag in Hannover am 30.10.2008)

Vielleicht sollte mensch noch lauter sagen, dass es keine Geschlechtsumwandlungen gibt, und Menschen, die daran glauben, dass man das Geschlecht eines Menschen ändern könnte z.B. durch eine genitale Operation im geistigen Mittelalter leben und anscheinend nicht begriffen haben, dass das biologische Geschlecht eines Menschen nicht nur aus den Genitalien besteht. Gerade dieser Irrglaube, man könne per chirurgischem oder sonst wie körperlichem Eingriff das Geschlecht eines Menschen "wandeln" ist ja genau der Denkfehler, auf dem sowohl die Pathologisierung z.B. transsexueller Frauen als "geisteskranke Männer" oder aber Genitalverstümmelungen an intersexuellen Menschen basieren. Wer an diesen Praktiken etwas ändern will, sollte sich selbst aufgefordert sehen, einmal seinen beschränkten Horizont zu hinterfragen. Aufklärung darüber, dass das biologische Geschlecht bei keinem Menschen in die Schublade 100-Prozent-Mann oder 100-Prozent-Frau passt, sondern die unterschiedlichsten geschlechtlichen Faktoren eines Menschen (sei es Hormone, Genitalien, innere Organe, Chromosomen) sogar unabhängig voneinander die unterschiedlichsten Werte aufweisen können, wäre nötig um klar zu machen: Egal was körperlich verändert wird, das Geschlecht eines Menschen ändert sich nie. Ein Mensch, der mit uneindeutigen Genitalien geboren wird und sich selbst als Mann, Frau oder Zwitter sieht, wird nach einer Genitalverstümmelung keine Geschlechtsveränderung erlebt haben, sondern ist dann hinterher immer noch Mann, Frau oder Zwitter - der Unterschied zu vorher ist: Hinterher handelt es sich um einen verstümmelten Mann, eine verstümmelte Frau oder einen verstümmelten Zwitter.

Wer um die Unwandelbarkeit von Geschlecht weiss, kommt im übrigen auch zu der Erkenntnis, dass transsexuelle Frauen auch tatsächlich Frauen sind bzw. als Mädchen mit Penis und Hoden geboren sein müssen. Davon zu sprechen, diese Frauen seien einmal "Männer gewesen" und hätten sich ihr Geschlecht umwandeln lassen, dient lediglich einer Ideologie, die annimmt, man könne Geschlecht umwandeln, also auch per chirurgischem Eingriff "anpassen" - fördert also Zwangsoperationen intersexueller Menschen. Wer also behauptet, es gäbe "Geschlechtsumwandlungen", stützt also gleichzeitig menschenverachtende Eingriffe bei intersexuellen Menschen genauso wie die Pathologisierung von transsexuellen Frauen als "geschlechtsidentitätsgestörte Männer" oder von transsexuellen Männern als "geschlechtsidentitätsgestörte Frauen".

Es gibt keine Geschlechtsumwandlungen - ein Mensch ist, was er ist. Jede Zwangszuordnung, die durch Recht und Medizin versucht wird, ist ein Verbrechen. Und jeder, der behauptet, man könne das Geschlecht eines Menschen wandeln, macht sich daran mitschuldig.

Hier noch etwas sinnvolles:

"Als ich mich damit näher beschäftigt habe und entdeckt habe, dass die Biochemie und die Gene die im Fötus für die geschlechtliche Entwicklung zuständig sind sehr komplexe Prozesse darstellen, und mich ernsthaft fragte wie man sich vorstellen kann, dass diese sich nur in zwei Weisen ausbilden können, kam ich zum Schluss, dass das nicht wirklich gut durchdacht ist. Ich denke, die Prozesse der geschlechtlichen Entwicklung bei Menschen sind in etwa genauso komplex wie die Prozesse, die unterschiedliche Fingerabdrücke hervorbringen. Jeder von uns hat eine einzigartige Fingerabdrücke und ich begann zu realisieren, dass die Vorstellung, dass das geht wie bei einem Ein-Aus-Schalter eines Radios nicht die richtige Art und Weise ist, darüber zu denken, es ist eher wie mit einem Bass- oder Höhenregler.

Wenn man sich die Geschlechtsentwicklung ansieht, ist es ein sehr komplizierter, vielschichtiger Prozess an dem viele unterschiedliche Faktoren beteiligt sind – und es ist nicht so dass diese entweder vorhanden oder nicht vorhanden sind, sondern die Art und Weise wie Biologie funktioniert ist, dass du entweder wenig, viel oder irgendwas mittendrin vorfindest – so ist dieser gesamte Prozess genauso wie alle anderen Entwicklungsprozesse beim Menschen. Und wir würden niemals denken, dass es bei Haarfarbe, Fingerlänge, Grösse, Gewicht oder ähnlichem nur zwei Möglichkeiten geben würde wie sich das entwickelt."

(Professor Gerald N. Callahan, Autor des Buches 'Between XX and XY" in CBC Radio, Oktober 2009)
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"Die Natur liebt die Vielfalt, die Gesellschaft hasst sie" (Professor Milton Diamond)

Ich hoffe, dass sich das ändern wird, lieber Milton Diamond und Menschen auch die Vielfalt lieben lernen werden - sie zu akzeptieren, heisst einen Menschen wahrnehmen. Und ich glaube, dass es eigentlich der Wunsch eines jeden Menschen ist, als "wahr" genommen zu werden, weil jeder Mensch geliebt werden will.

Zusatz:

Das Märchen von der "Geschlechtsumwandlung" ist bis heute die Grundlage dafür, transsexuellen Frauen abzuerkennen Frauen zu sein (und transsexuellen Männern abzuerkennen Männer zu sein) und ihnen zu unterstellen, sie würden über ihre "Geschlechtszugehörigkeit" lügen. Fast ausnahmslos basieren die Hassverbrechen an transsexuellen Menschen genau auf so einer Unterstellung.

Hier ein Beispiel:

Angie Zapata, eine transsexuelle Frau wurde im Juli 2008 ermordert, da ihr Mörder meinte betrogen worden zu sein. Zapata wurde von ihm gefragt: "Bist du ein Mann oder eine Frau?" woraufhin sie antwortete "Ich bin eine Frau". Er befummelte sie, spürte einen Penis. Später vor Gericht gab er an, ihn hätte das wütend gemacht. Er griff zu einem Feuerlöscher, schlug Zapata damit zu Boden und erklärte den polizelichen Ermittlern später, dass er nun dachte er "hätte es nun getötet".

Die Motive der Hassverbrechen sind immer genau dieselben: Es handelt sich um die "Entrüstung" darüber, angeblich entdeckt zu haben, dass ein Mensch nicht das Geschlecht habe, wie vorher angenommen - mittels Entdeckung der Genitalien. Dass die Genitalien herzlich wenig über das biologische Geschlecht aussagen müssen, hat diesen Mördern  wohl noch niemand erzählt. Wenn dann auch noch Medien, Ärzte und Mediziner, sogenannte Sexologen und sogar betroffene Menschen denselben Fehler begehen und öffentlich von "Geschlechtsumwandlungen" erzählen, dann frage ich mich: Sind sich solche Menschen bewusst, welche Verantwortung sie tragen?
 
07.01.2010
Interessant, wie es die deutschen Medien mit den Menschenrechten halten. Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Transsexualität könnte man, trotz Lippenbekenntnissen Anfang 2009 sagen: So gut wie gar nicht. So antwortet der Deutsche Presserat, der ein Organ der Selbstkontrolle der deutschen Presse sein soll (und hierfür auch Steuergelder erhält), auf mehrere Beschwerden des Vereins Aktion Transsexualität und Menschenrecht, in denen transsexuelle Frauen als Männer dargestellt wurden folgenermassen:

"Hierzu möchte ich Ihnen zu bedenken geben, dass es für Redaktionen einfach schwierig ist, über den Kampf eines Transsexuellen um eine Brust-OP vor Gericht zu schreiben oder über Misswahlen für Transvestiten und transsexuelle Männer und dabei das passende Personalpronomen zu verwenden."

Deutlicher könnte steuerfinanzierte Transphobie kaum sein, und dafür müssten transsexuelle Menschen eigentlich dankbar sein, hier einmal klar Worte zu hören: Die Deutsche Presse hält transsexuelle Frauen für Männer und wenn dann transsexuelle Frauen an Misswahlen teilnehmen sind sie entweder Transvestiten oder transsexuelle Männer. Und obwohl das eigentlich bereits genügen würde, um damit die Missachtung gegenüber der Geschlechtsidentität transsexueller Menschen (vorallem transsexueller Frauen) zum Ausdruck zu bringen, setzt der Presserat noch folgendes dahinter:

"In allen hier vorliegenden Fällen konnte jedoch keine diskriminierende Darstellung erkannt werden."

Wenn der Deutsche Presserat nicht verstehen will und kann, dass die Nichtrespektierung der Geschlechtsidentität eines Menschen ein Verstoss gegen Menschenrechte ist, und dies bereits sowohl auf EU- als auch auf UN-Ebene bereits als Problem erkannt wurde, warum stellt sich der Deutsche Presserat hier dumm? Warum findet der Presserat in seiner Erklärung sogar, man müsse Außenstehende sogar noch extra Fehlinformieren zukommen lassen, wie in folgendem Satz deutlich wird?

"In der Öffentlichkeit werden Begriffe wie Geschlechtsumwandlung, [...] Umoperieren etc. nicht negativ konnotiert, sonder umschreiben jeweils etwas, das für Außenstehende, nicht transsexuelle Menschen, erklärt werden muss."
(Deutscher Presserat, Jan 2010)

Es ist beschämend, welche transphobe Haltung der Deutsche Presserat hier zeigt (Transphobie meint hier im Kern die Nichtrespektierung der Geschlechtsidentität eines Menschen) und selbst zum Ergebnis kommt, das wäre nicht so - frei nach dem Motto: "Wieso soll es diskriminierend sein eine transsexuelle Frau als Mann zu bezeichnen?". Kann man ja mal behaupten, das wäre nicht so und alles wäre in feinster Ordnung... "Nein, nein, wir doch nicht"... wie soll mensch so eine Haltung nennen? Transphobes Gedankengut nicht nur abzusegnen, sondern sogar noch in der Begründung dafür selbst transphobe Ansichten zeigen und dann behaupten, man wäre doch nicht diskriminierend. Kann doch nicht sein, oder? Wie dämlich ist das denn? Ich bin so baff darüber, wie stark das Niveau der Deutschen Presse bereits gesunken ist, und wie Menschen, die sich bereits im Keller befinden, noch meinen können, dort ein Gipfelkreuz aufstellen zu müssen.

Im Augenblick frage ich mich, wohin sich Menschen, die durch den Deutschen Presserat diskriminiert werden, wenden können... mal sehen, zu irgendwas mag der Brief des Presserates noch gut sein.

(Hmmm... vielleicht nur am Rande noch: Aber irgendwie nervt es auch, sowas wie den obigen Text des Deutschen Presserates lesen zu müssen, und sich dann daran zu erinnern, welche Vertreter von Vereinen in Deutschland, die sich angeblich für die Rechte transsexueller Menschen einsetzen, kein Interesse daran hatten, eine gemeinsame Erklärung gegen Transphobie in den Deutschen Medien zu unterstützen. Danke dafür. Wer mit den Folgen leben kann,  wenn transsexuelle Frauen als "Männer" bezeichnet werden... schon erbärmlich, oder nicht?)

Nachtrag:

Hier ein Link zu einem transphoben Artikel des Stern vom 21. November 2009:

Transsexueller nach Sex-Skandal tot aufgefunden

Es ging bei den Beschwerden von ATME e.V. u.a. um diesen Artikel. Kann jemand verstehen, dass mich das oben beschriebene traurig und wütend zugleich macht? Selbst auf Gräber von Menschen spucken sie schon. Und manche deutsche Vereinstransen zucken nur mit den Achseln...
 
05.01.2010
Mein Vorsatz für 2010: Ich werde keine Frauen und Männer mehr unterstützen, die an Geschlechtsumwandlungen glauben, selbst wenn sie von sich behaupten, transsexuell zu sein. Menschen, welche an Geschlechterideologien glauben, die im Widerspruch zu der biologische Vielfalt des Menschen stehen, sind es Wert, sich deutlich von ihnen zu distanzieren - trägt jeder einzelne Mensch doch eine Mitverantwortung für Menschenrechtsverbrechen, die auf diesen Ideologien basieren, wenn er die Ideologien dahinter mitträgt.

"Hurra, es ist ein Mädchen", wie oft hört man so einen Satz selbst in Transsexuellenkreisen - meist von Frauen - und nicht, dass damit gemeint wäre, einen Menschen in seiner Geschlechtsidentität zu akzeptieren, sondern dieser Satz fällt allzuoft (und erst) nach einer genitalen Operation, bei der beispielsweise aus einem Penis eine Vagina geformt wird. Andererseits, und das lässt sich dann ebenso beobachten, gibt es auch die anderen Zeitgenossen, welche meinen, Kleidung, Styling und Rollenverhalten würden das Geschlecht des Menschen ausmachen und würde man nun sein Erscheinungsbild ändern, dann hätte man sein Geschlecht gewechselt.

Nein. Ich mach da nicht mit. Wer meint, man könne Geschlecht konstruieren, egal ob durch Operationen oder durch stereotypes Geschlechtsrollenverhalten wird von mir keine Unterstützung mehr erhalten (und Vereine, die sowas behaupten, sollten eher als Verbrechersyndikate angesehen werden, als als Hilfsorganisationen). Wer Ideologien unterstützt, die noch heute Menschen Leid zufügt, weil sie nicht diesen Ideologien entsprechen, macht sich mitschuldig an Menschenrechtsverbrechen. Wer an Geschlechtsumwandlungen glaubt, unterstützt eine Ideologie, die heute noch Zwangsverstümmelungen intersexueller Menschen ermöglicht. Wer an Geschlechtsumwandlungen glaubt, unterstützt eine Ideologie, die heute noch transsexuelle Frauen als geisteskranke Männer ansieht, die erst dann als Frauen anerkannt werden, wenn sie sich wie Frauen verhalten (Rolle) oder sich ihre Genitalien haben operieren lassen.

Da ich weder Geschlechtssteroytpe mag, noch zu denen gehöre, die körperliche Operationen für “geschlechtwandelnd” erachten, hängt für mich eine Unterstützung transsexueller Menschen ab, ob diese nun einerseits entweder an Geschlechtsumwandlungen glauben oder ob sie andererseits in der Lage sind ihr angeborenes Geschlecht als Teil der Vielfalt der Natur zu begreifen. Wer das nicht kann oder will hat für mich jede Glaubwürdigkeit verspielt - so jemandem geht es nicht um Akzeptanz, sondern um Show - und damit letztendlich mehr um sein eigenes Erscheinungsbild (Ego), als um echte Liebe.

Auf, dass es ein Jahr wird, in dem die Geschlechtsumwandlungsideologen und ihre Unterstützer ihre Masken fallen lassen werden...

Nachtrag:

Ich habe gerade einen wunderschönen Text gefunden, der super zu dem Tagebucheintrag vom 18. Dezember passt (klick):

"Menschen müssen von dem reden, was sie tief bewegt. Je stärker sie ein Unrecht empfinden, desto stärker ist der innere Druck, darüber zu sprechen, anzuklagen, Abhilfe zu suchen. Desto stärker wird aber auch der Druck durch die Nutznießer des Unrechts, alles im Dunkeln zu lassen.

Wo die Meinungsfreiheit unterdrückt wird, soll Unrecht verdeckt werden. Wahrscheinlich gilt sogar: je stärker die Unterdrückung der Meinungsfreiheit, desto stärker die Unterdrückung der Menschen.

Die Meinungsfreiheit ist ein politisches Menschenrecht. Denn anders als bei der Glaubens- und Gewissensfreiheit, die den individuellen Kern des Menschen schützt, geht es bei ihr um die Beteiligung an Entscheidungen, die alle betreffen. Dadurch ist sie Grundlage der Demokratie."


Dieser Text stammt aus dem "Amnesty Journal" und ist in der Januarausgabe 2010 zu finden. Ach, und irgendwie passt der Eintrag doch auch zum ersten Thema von heute - viele Geschlechtsumwandlungsgläubige bleiben ja gerne unter sich, nicht wahr? Tjaja, es ist schon so eine Sache, was sich hinter Vorhängen alles finden lässt...
 
22.12.2009
Gestern bin ich über einen wirklich Mut machenden Text und ein Video gestolpert. Mit dem Einrichten der Seite mut23 im Herbst 2006 ging es mir darum aufzuzeigen, dass da eine transsexuelle Frau ist, die sich einerseits nicht damit beschrieben fühlt, sie wäre "mal ein Mann gewesen" und andererseits auch anderen, denen es ähnlich geht, zu zeigen, dass sie nicht alleine sind, wenn sie ein Wissen über sich Selbst besitzen. Viele Webseiten (und einige gibt es heute noch) beschrieben damals transsexuelle Menschen als Menschen, die ihr "Geschlecht wandeln" würden, oder arrangierten sich mit Ideologien die sich hinter Begriffen wie "Geschlechtsidentitätsstörungen" befinden.

Diese Webseiten schrecken mich ab, da sie auf mich nicht den Eindruck erweckten, mutig und konsequent auszusprechen, dass Menschen, die transsexuell sind, sehr wohl wissen, welchem Geschlecht sie zugehören und dies rein gar nichts mit irgendwelchen Identitätsstörungen zu tun hat, sondern vielmehr mit ihrer angeborenen geschlechtlichen Besonderheit. Webseiten und Vereine von transsexuellen Menschen, die "Geschlechtsidentitätsstörungen" oder "Geschlechtsumwandlungstheorien" verbreiten (unabhängig davon, ob damit die Umwandlung der Genitalien oder der Geschlechtsrollen gemeint war/ist) lösten und lösen in mir immer ein ungutes Gefühl aus, da sie ja damit mehr transphobe Ideologien unterstützen, als sich für das einzusetzen, was transsexuelle Menschen von sich aus sowieso bereits wissen:

Transsexuelle Frauen sind Frauen - Transsexuelle Männer sind Männer...

...nicht weil sie sich das wünschen würden, sondern weil sie so sind, wie sie sind. Und weil Geschlecht eben mehr ist, als die Genitalien oder das Erfüllen irgendwelcher Geschlechtsrollenstereotype.

Doch nun zu den aktuellen Webfundstücken... erst einmal ein Text einer transsexuellen Frau und Aktivistin aus den Phlippinen:

"We are commonly called 'bakla/bading' in my country. This marks us as a male-variant (though as not 'real men') rather than as a female-variant, or as girls/women. The word bakla, and its other permutations as bayot, is commonly understood to be the equivalent of 'homosexual man/gay man". Hence, for us to be called bakla is to be denied of our gender identity. We are not men wanting to become women. We are women who were assigned as male at birth".

Ich könnte die Verfasserin des Textes umgehend umarmen dafür. Auch wenn es immer noch traurig ist, dass transsexuelle Menschen weltweit wegen ihrer biologischen Andersartigkeit geächtet werden und transphobe Ideologien und Theorien entwickelt wurden, die transsexuellen Menschen das Recht auf Anerkennung ihres eigenen Selbst rauben wollen und weltweit zu Gesetzen geführt haben, in denen sich dieses Gedankengut widerspiegelt (wie das deutsche Transsexuellengesetz, das - ähnlich der obigen Beschreibung aus den Philippinen - immer noch transsexuelle Frauen als "geschlechtsidentitätsgestörte Männer" begreift, die "Frauen werden wollen"). Die Welt ist wohl ein Dorf, und die Probleme, die transsexuelle Menschen erfahren, sind auf der ganzen Welt ähnlich.

Um so erfreulicher, dass es eben weltweit Menschenrechtsaktivisten gibt, die sich für die Rechte transsexueller Menschen einsetzen. Der obige Text stammt übrigens von folgender Webseite:

http://www.tsphilippines.com/

Diese Seite ist die Internetpräsenz der Society of Transsexual Women of The Philippines (kurz: STRAP). Eine Frau, die hier aktiv ist, ist Ms Sass Rogando Sasot - und das führt dann eben zu dem anderen Fundstück (mit dem ich eigentlich erst auf STRAP richtig aufmerksam geworden bin): Ein Video.

Es stammt vom 10. Dezember 2009 und wurde im Hauptquartier der Vereinten Nationen aufgenommen.

Hier ist es:

Sass Rogando Sasot in NYC (oder in Youtube: Klick)

Dazu noch folgender Link:

Panel Discussion on "Opposing grave Human Rights Violations on the basis of Sexual Orientation and Gender Identity"
 
19.12.2009
Nachdem immer wieder viele Tatsachenbehauptungen umherschwirren, die transsexuellen Menschen Schwierigkeiten bereiten können, wenn es um die Akzeptanz ihres eigentlichen geschlechtlichen Seins in der "Gesellschaft" geht, ist es manchmal auch schön, sich derartige (transphobe) Tatsachenbehauptungen, einmal näher anzusehen. Möglicherweise kommen wir der Ursache für Transphobie so ein Stückchen näher... daher heute mal der erste Teil des Versuchs, vermeintliche Tatsachen als "falsche Tatsachenbehauptungen" zu entlarven.

Falsche Tatsachenbehauptungen, Teil 1

Behauptung 1:

"Transsexuelle Frauen sind eindeutig biologische Männer " (bzw. "transsexuelle Männer sind eindeutig biologische Frauen")

Beispiel aus den Medien:

"Transsexuelle sind biologisch Mann oder Frau - ihr Erbgut und ihre Hormone sind eindeutig."
(Stern, 13. Dezember 2009, Autorin: Gabi Haas)

Beweisdefinition:

"Der induktive Beweis wird anhand von Beobachtungen und Erfahrungen geführt und kann daher grundsätzlich keine absolute Gewissheit über den Wahrheitsgehalt einer Aussage über eine unbestimmte oder unendlich große Menge verschaffen."
(aus: Wikipedia)

Oder anschaulich:

"Für endliche Mengen ist unter bestimmten Umständen eine Untersuchung jedes einzelnen Elements möglich. So ist zum Beispiel für die Aussage "Die drei Schwäne im Zoo sind weiß" ein einfaches Nachsehen ausreichend. Lange Zeit wurde auch die Aussage "Alle Schwäne sind weiß" durch Beobachtung ausnahmslos bestätigt, konnte also als bewiesen gelten. Infolge der Entdeckung Australiens wurde diese Aussage jedoch widerlegt - dort fand man schwarze Schwäne (Trauerschwan)."

Damit gilt:

Der Satz "Transsexuelle Frauen sind eindeutig biologische Männer" ist bereits dann widerlegt, wenn es es eine transsexuelle Frau auf dieser Welt gibt, die nicht eindeutig ein "biologischer Mann" ist (wobei zudem die Frage ist: Was ist ein "biologischer Mann"?... und selbst die These damit nicht eindeutig formuliert wurde. Bereits dies ist unwissenschaftlich).

Fakten:

Es sind bereits zahlreiche Studien und Untersuchungen durchgeführt wurden, die aufzeigen können, dass transsexuelle Frauen nicht so "eindeutig" sind, wie gerne behauptet (wie z.B. die BSTc-Studie von Zhou, Swaab, Gooren & Hofman, veröfentlicht in 1995).

Damit wäre also die Behauptung "Transsexuelle Frauen sind eindeutig biologische Männer", bereits widerlegt. Ob es sich überhaupt um "Männer" handelt, ist ebenso fraglich, da in der These "Transsexuelle Frauen sind eindeutig biologische Männer" Männer und Frauen nicht eindeutig formuliert wurden. Dass die Frage was ist ein "Biologischer Mann", was eine "Biologische Frau" in der Realität bereits durch die Existenz intersexueller Phänomene nicht genau zu fassen ist, führt nun dazu, dass die These...

"Transsexuelle Frauen sind eindeutig biologische Männer"

...keine Tatsache darstellt, also eine falsche Tatsachenbehauptung ist.

Weitere Fragen wären:

Warum gibt es Menschen, die diese falsche Tatsachenbehauptung verbreiten?
Wer hat ein Interesse daran, transsexuelle Frauen als "biologische Männer" anzusehen?
Was spielen diese Behauptungen für eine Rolle, wenn es darum geht, transsexuelle Frauen als "Männer mit Geschlechtsidentitätsstörung" definieren zu wollen?
Wer profitiert von solchen Definitionen?

Und zum konkreten Beispiel von oben:
 
Wer hat die Stern-Autorin beraten?
Welche Hinweise dazu finden sich in dem Artikel?

Wer selber nachdenken will, hier ist er: Klick .

 
18.12.2009
Es ist immer so eine Sache mit der Meinungsvielfalt. Man sollte meinen, dass Menschen, die in Deutschland leben, sie für ein hohes Gut halten, vorallem dann, wenn man sich mit dem beschäftigt, was z.B. im Grundgesetz verankert ist:

In Artikel 5 GG, Absatz 1 heisst es:

"Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."

Und in Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, die am 10. Dezember 1948 verkündet wurde, steht folgendes:

"Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten."

Sich an das Grundgesetz und die Menschenrechte zu halten, ist etwas, was mit Verantwortung zu tun hat. Ebenso gehört es, meiner Meinung nach, zur Verantwortung eines jeden Menschen, sich mit den Mechanismen von Diskriminierung und Ausgrenzung zu beschäftigen, wenn man Diskriminierungen und Ausgrenzungen abbauen möchte (vorallem dann, wenn es um die Diskriminierungen und Ausgrenzungen geht, von denen transsexuelle Menschen heute noch ganz besonders betroffen sind).

Ein vorangegangener Tagebucheintrag beschäftigte sich mit der Frage, inwieweit es wichtig ist, Ausgrenzungsmechanismen schon im Kleinen zu erkennen, damit diese sich nicht erst im Grossen etablieren können. Wichtig dafür ist es, Kritik zu üben, wenn mensch den Eindruck hat, dass Menschen Opfer von Ausgrenzungsmechanismen werden und sie zu thematisieren, anstatt sie blind geschehen zu lassen. So gibt es, wenn wir als transsexuelle Menschen ehrlich zu uns selbst sind, auch Ausgrenzungsmechanismen im, ich nenne es einmal "System Transsexualität", welches u.a. auch von Vereinen und Institutionen mit getragen wird.

Man mag als Nestbeschmutzer gelten, wenn man als transsexueller Mensch an anderen transsexuellen Menschen Kritik übt, nichts desto trotz ist diese Kritik wichtig und richtig um Gedanken anzuregen, auf Paradoxien hinzuweisen und um am Ende eine echte Weiterentwicklung der Rechte transsexueller Menschen zu erreichen. Die richtigen Fragen zu stellen ist wichtig, um gemeinsam gute Antworten zu finden, tragen wir doch alle, auch als Betroffene Verantwortung für andere transsexuelle Menschen. Jeder Mensch trägt durch sein Handeln auch die Verantwortung für andere Menschen.

Seine Meinung zu äussern - mit Respekt gegenüber dem anderen Menschen - ist etwas, was mit Verantwortung zu tun hat.

Warum schreibe ich das alles?

Der Grund ist der folgende: Es gibt einen Verein mit dem Kürzel DGTI, den ich neulich kritisiert hatte. Meine Kritik äusserte sich u.a. in folgendem Satz und einer Meinungsäusserung meinerseits:

"Ich bin nun sehr traurig darüber, dass ich die DGTI als Verein, der offiziell gegen Ausgrenzung von Minderheiten ist, mit Minderheiten selbst ein Problem zu haben scheint und anstatt sich mit den Ausgrenzungsmechanismen, von denen ja eben auch trans-Menschen betroffen sind - sind es doch immer wieder sie selben Mechanismen, auseinander zu setzen, lieber Forenmitglieder ausschliesst, welchen es ein Anliegen ist, genau diese Abläufe näher zu betrachten."


Die Antwort, die ich auf die Kritik erhielt, war die folgende:

"Ich fordere Dich hiermit auf, Deinen Blogeintrag zu löschen oder uns auf Deiner Seite die Möglichkeit einer Gegendarstellung zu geben."
(Andrea F. Ottmer, Vorsitzende der dgti)

Nun liegt es mir fern, der DGTI nicht das Recht einzuräumen, den Tagebucheintrag zu kommentieren, auf den sich diese Mail bezog, und schrieb dies hier zurück:

"Ihr könnt ja gerne einen Kommentar schreiben. Schickt ihn mir, und ich schau mal, ob und wie ich ihn in den Blog einbaue."

Die Antwort kam umgehend (aber bis heute kein Kommentar):

"Ich fordere Dich noch einmal auf uns die Möglichkeit einer Gegendarstellung in Deinem Blog einzuräumen. Mit dem Angebot einen Kommentar zu schreiben und Dir dann frei zustellen ob und wie Du diesen in Deinen Blog einbaust, können wir uns keinesfalls zufrieden geben."


Was dann zu folgender Antwort von mir führte:

"Liebe Andrea, was willst du denn 'gegendarstellen'? Etwa meine Meinung? Das wäre in der Tat sehr vermessen, findest du nicht? Ich biete dir herzlichst das an, was ich dir in der letzten Mail angeboten habe und das ist mehr, als ich tun müsste."

Meinungen können nicht gegendargestellt werden, da sie, wie der Name schon sagt, Meinungen sind. Zu Gegendarstellungen schreibt Wikipedia folgendes:

"Danach kann jede Person und jede Stelle (also z. B. auch eine AG, ein Verein oder eine Behörde), die von einer in den Medien verbreiteten Tatsachenbehauptung betroffen ist, ihre eigene abweichende Darstellung des Sachverhalts im selben Medium kostenlos artikulieren. Allerdings darf die Gegendarstellung wiederum nur Tatsachenbehauptungen (keine Meinungsäußerungen) enthalten."

Nun erhielt ich heute erneut eine Mail, in der sich nach Hinweis auf die Löschung meines Zugangsaccounts zum DGTI-Forum folgender Satz befand:

"Mit diesem Schritt verzichten wir jedoch keinesfalls auf unser Recht einer Gegendarstellung und behalten uns ausdrücklich rechtliche Schritte zur Durchsetzung dieses Rechtsanspruchs vor."

Ich muss sagen, dass ich jetzt noch enttäuschter bin als ich es sowieso schon war, als ich am 12. Dezember meinen Tagebucheintrag niederschrieb, da diese Vorkommnisse mir bestätigen, was ich in dieser Deutlichkeit vor ein paar Tagen noch nicht so vor Augen hatte. Drohungen sind nicht so meine Art und ich frage mich gerade, ob der Inhalt der ursprünglichen Kritik bei den DGTI-Verantwortlichen überhaupt angekommen sein mag. Mag das etwa die Bestätigung meiner Kritik sein? Ach, was wäre die Welt schöner, wenn Menschen respektvoll miteinander umgehen würden und Kritik als Chance wahrgenommen würde, anstatt zu solchen Reaktionen zu führen, die in mir das Gefühl hervorrufen, dass der Hinweis auf Ausgrenzungs- und Diskriminierungsmechanismen doch nicht ganz aus der Luft gegriffen gewesen sein mag.

Da wir kurz vor Weihnachten haben, möchte ich noch einen Wunsch los werden: Ich wünsche mir, dass transsexuelle Menschen gemeinsam um ihre Rechte kämpfen, und die Auseinandersetzung mit Inhalten nicht scheuen. Und wenn Kritik geäussert wird, dann setzt euch mit den Inhalten der Kritik auseinander, anstatt Drohungen auszusprechen. Denn vielleicht will derjenige, der die Kritik äussert, nur zu einem besseren Gelingen der Durchsetzung von Rechten transsexueller Menschen beitragen.

Warum habe ich diesen Text hier geschrieben?

Vielleicht mag der Eindruck beim Lesen der obigen Zeilen entstanden sein, dass es hier um eine persönliche Meinungsdifferenz geht. Es geht aber um etwas ganz anderers: Um die Rechte jedes einzelnen. Also auch um deine. Menschenrechte sind für alle da.
 
15.12.2009
Wie manche Vereine, die für sich den Anspruch erklärt haben, das Sprachrohr für die Belange transsexueller Menschen zu sein, gegen die Interessen transsexueller Menschen handeln, zeigt sich auch an dem Beispiel, wie sich manch Vereinsvertreter von Interessen einer Lobby kaufen lässt, die weiterhin behauptet, transsexuelle Frauen wären "Männer mit Identitätsstörung" und transsexuelle Männer wären "Frauen mit Identitätsstörung" (eine Lobby, die damit massiv gegen internationales Menschenrecht verstösst, in dem sie nicht willig ist, die Geschlechtsidentität eines Menschen als bestimmendes geschlechtliches Merkmal anzuerkennen, obwohl dies von Menschenrechtsorganisationen und sogar den Vereinten Nationen längst gefordert wird)

Die konkreten Auswirkungen dieser Anbandelung mit einer "Geschlechtsidentitätsstörungs"-Lobby können im konkreten negativen Auswirkungen haben. Ein Beispiel:

Hormone:

Transsexuelle Frauen werden weiterhin als "Männer mit Identitätsstörung" behandelt, da ihnen bisher weiterhin durch das Transsexuellengesetz verwehrt wird, ihren Geschlechteintrag rechtzeitig und selbstbestimmt ändern zu lassen. Die Hormonbehandlung eines "Mannes" (der ja in Wirklichkeit eine transsexuelle Frau ist) wird von den MKS und Krankenkassen noch mehr erschwert - denn wozu bräuchte ein "Mann" (mit Identitätsstörung) z.B. Östrogene?

Was ist zu tun?

Eine transsexuelle Frau ist eine Frau - eine Hormonbehandlung ist hier keine Hormonbehandlung eines "identitätsgestörten Mannes", sondern die Behandlung einer Frau. Damit diese Frau nun auch als Frau behandelt werden kann, braucht diese Frau richtige Papiere, die ihr Geschlecht ausweisen. Damit sie diese Papiere erhalten kann, muss diese Frau die Möglichkeit haben, ohne medizinische Bedingungen oder anderer Voraussetzungen ihren Geschlechtseintrag auf dem Standesamt ändern zu lassen, damit sie während der medizinischen Behandlung auch als Frau respektiert wird, die sie nun mal ist (lediglich die Grünen und die Linken hatten in der letzten Legislaturperiode genau dies gefordert. Der Gesetzesvorschlag der Grünen ist hier zu finden: Klick)

Interessant ist, dass bei einem Fachgespräch in Berlin (in dem es u.a. um neue Richtlinien der Krankenkassen ging) am 17.11.2009 scheinbar auch Vertreter von Vereinen anwesend waren, die bis heute kein oder nur wenig Interesse zeigten, dass transsexuelle Frauen nicht mehr als "geschlechtsidentitätsgestörte Männer" bezeichnet werden und transsexuelle Männer nicht mehr als "geschlechtsidentitätsgestörte Frauen" (Daneben waren u.a. auch Vertreter des Institutes für Sexualmedizin der Charité anwesend, ein Intitut, das bis heute Umpolungstherapien an "geschlechtsidentitätsgestörten Kindern" anbietet. Wie u.a. im Buch "Sexualmedizin" von Klaus Beier, dem Leiter des Institutes auf Seite 411 nachzulesen ist).

Es ist schlimm, welche negativen Auswirkungen seit den 90er-Jahren, als der Begriff "Geschlechtsidentitätsstörung" bzw. "gender identity disorder" erst so richtig von Multiplikatoren weiterverbreitet wurde, immer stärker zu spüren sind - eben auch auf dem medizinischen Bereich - das obige Beispiel sollte dies verdeutlichen.

Wer sich nicht weiter gefallen lassen will als transsexuelle Frau als "Mann mit Identitätsstörung" bezeichnen zu lassen (und als transsexueller Mann als "Frau mit Identitätsstörung") um dann hinterher genau DESWEGEN auch noch Schwierigkeiten bei der Übernahme wichtiger medizinischer Leistungen zu haben, dem sei ans Herz gelegt, sich genau zu überlegen, wo die Anerkennung eines transsexuellen Menschen anfängt und welche Verantwortung jeder einzelne hat, dass die Pathologisierung transsexueller Menschen als "psychisch krank" endlich beendet wird und transsexuelle Menschen ein Recht darauf haben, die medizinischen Leistungen zu erhalten, die sie benötigen.

Transsexuelle Frauen sind Frauen, transsexuelle Männer sind Männer. Etwas, das mensch nicht oft genug wiederholen kann. Vielleicht kommt das ja auch irgendwann einmal bei den Vereinen in Deutschland an, die dies bislang noch abstreiten (und so irrwitzig das auch ist, dafür bisher immer noch Applaus erhalten).

Auch etwas, was nicht oft genug widerholt werden kann: Wer an "Geschlechtsidentitätsstörung" glaubt, oder die Theorien der Lobby weiterverbreitet, die diesen Begriff erfunden hat, gefährdet die Übernahme medizinischer Leistungen für transsexuelle Menschen. Darum ist es wichtig, sich der "Geschlechtsidentitätsstörungs"-Lobby mutig entgegen zu stellen und sie an die Menschenrechte zu erinnern, gegen die mit diesem Begriff und der Idee dahinter immer noch verstossen wird.

Hier noch einmal die Forderungen von Interessensverbänden, die eine menschenrechtskonforme Behandlung transsexueller Menschen einfordern:

8 Forderungen

Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass auch die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung, (Hauptverbreitungsorgan der Thesen um die sogenannten "Geschlechtsidentitätsstlörungen") diese 8 Forderungen bisher nicht kommentiert hat, ebensowenig wie die DGfS sich bislang überhaupt einmal Gedanken darüber gemacht hat, wie ihre Thesen in der Praxis zu Verstössen gegen internationales Menschenrecht geführt haben. Dass sie mit den Negativauswirkungen noch nie konfrontiert wurden, können sie zumindest seit mehreren Jahren nicht mehr behaupten (Siehe z.B.: Hier und dann ganz nach oben scrollen).
 
12.12.2009
Ich hatte mir lange überlegt, ob ich sowas einmal machen werde, oder nicht. Nun habe ich mich dazu entschieden, dass Dinge die ungesagt bleiben, genauso grossen Schaden anrichten können, wie Gesagtes. Und manchmal ist Gesagtes sogar weniger schlimm, da ein Gedanke ausgesprochen wird, und eben nicht verheimlicht. Gut, ich mag beginnen...

Es gibt in Deutschland einen Verein Namens DGTI. Eigentlich ein toller Verein, wenn man sich mal überlegt, dass er lange Zeit den Anspruch erhoben hat, allen trans-Menschen eine Anlaufstelle zu sein, die Probleme mit ihrer Transsexualität haben. In der DGTI-Satzung steht folgendes:

"Die dgti hat sich zum Ziel gesetzt, die Akzeptanz von Transidenten innerhalb der Gesellschaft zu fördern und deren Stigmatisierung entgegenzuwirken."

und weiter:

"Sie tritt für mehr Offenheit der eigenen Identität gegenüber ein und trägt der Vielfalt menschlichen Daseins Rechnung."

Vielfalt Rechnung zu tragen ist manchmal leichter gesagt, als offensiv für Vielfalt zu kämpfen. Dass es bitter nötig ist, auf diese Diskrepanz hinzuweisen, zeigt ein Blick ins Innere des Geschehens. Wie gehen die DGTI-Verantwortlichen mit Vielfalt um? Wie wird gegen diejenigen vorgegangen, die sich offen gegen Vielfalt aussprechen? Und wie behandelt man diejenigen, die zur Achtung mahnen, wenn Menschen sich offen im Umfeld der DGTI gegen Vielfalt aussprechen?

Internetforen sind ja nicht die Realität - doch manchmal bildet sich dort die Realität ziemlich gut ab. Hier zwei Ausschnitte aus einer Forendiskussion:

"Leider darf man seit dem Ausrutscher von vor 70 Jahren in diesem Land niemanden mehr zur Arbeit zwingen, aber damit würde ich anfangen."

Oder weiter:

"Zecken der Gesellschaft gegen die man leider nichts machen darf..."

Sätze, bei dem es einem Angst und Bange werden kann. Vorallem dann, wenn niemand laut sagt, was das Problem mit solchen Ansichten ist. Es gab da mal so eine Aussage, die hiess "wehret den Anfängen", und dazu gehört es nun einmal nicht nur zuzusehen, sondern eben, ganz der Grundidee der DGTI, aktiv für Vielfalt und Akzeptanz in der Gesellschaft einzutreten. Und das heisst auch, Menschen zum Nachdenken zu bringen - vorallem, wenn ein Gesprächsklima aus ähnlichen Satzbausteinen wie den obigen besteht.

Sich mit den Mechanismen von Ausgrenzung, Hass und Diskriminierung auseinander zu setzen, ist das mindeste was ich von einem Verein wie der DGTI erwarte, der dem Anspruch gerecht werden will, das Sprachrohr für trans-Menschen in Deutschland zu sein. Wenn aber Menschen, die genau diese Auseinandersetzung verlangen, selbst Ausgrenzung, Hass und Diskriminierung erfahren, dann stimmt da etwas nicht - und genau diese Erfahrung habe ich bei der DGTI machen müssen.

Wenn Menschen aus Diskussionen ausgeschlossen werden (z.B. durch Forensperren), welche auf Ausgrenzungsmechanismen hinweisen, und diese Hinweise dann auch noch als "Provokation" bezeichnet werden, dann frage ich mich:

Wie ernst ist es der DGTI wirklich mit ihrem eigenen Anspruch?

Ich möchte hier einmal einen Text zitieren:

"Die Nazis gaben sich einst in Stuttgart wenig Mühe, ihren Terrorapparat GEHEIM ZU HALTEN. Wenn die Autos vorfuhren und Gefangene ausluden, oft sichtbar misshandelt, schauten Passanten zu.

Abends nach 20 Uhr konnten die Nachbarn schon mal die SCHMERZENSSCHREIE DER GEFOLTERTEN hören. Wenn Gefesselte von der Polizeidirektion in der Büchsenstraße zu den Verhören in die Gestapozentrale geschleppt wurden, gefesselt, erkannten Passanten die Opfer.

Es gab BESCHWERDEN der Umwohner. Aber nur wegen der Lärmbelästigung durch die Schreie, denn man wollte nichts hören. Der Rest war vielen egal: die Haltung von BIEDERMÄNNERN."

(Quelle: shoa.de - Zukunft braucht Erinnerung)

"Ja, die Nazikeule" werden manche vielleicht argumentieren wollen um damit davor abzulenken, dass Ausgrenzungsmechanismen nicht ein Phänomen einer bestimmten Zeit waren, sondern immer wieder aufs neue angesprochen werden müssen. Und die Abläufe von Ausgrenzung und Diskriminierung sind meist sehr ähnlich.

Zu Vorurteilen:

Mit dem Vorurteil macht man die anderen nun zu Sündenböcken. Selbst das, was man als Leistungen anerkennen müßte, zu denen man nicht gleichermaßen fähig wäre, weckt Neid und Feindschaft. Erst in der Abwehr der anderen mithilfe des Vorurteils gewinnen die Eigenschaften der eigenen Gruppe ihren besonderen Wert. Solche Vorurteile gegen vermeintliche Feindgruppen lassen sich nicht einzig durch Aufklärung abbauen

Zudem bieten Vorurteile eine Möglichkeit, Aggressionen, die nicht gegen die tatsächlichen Ursachen von Frustration gerichtet werden können, auf ein wehrloses Objekt zu verschieben. Das ist in der Entstehung der autoritären Persönlichkeit der Fall.


Über Autorität:

Autoritär nannten der Soziologe Theodor W. Adorno und seine Mitarbeiter einen Persönlichkeitstyp, der nur ein schwaches Selbstbewußtsein oder Ich entwickelt hat und deshalb eine Autorität sucht, nach der er sich richten kann, und von der er sich Schutz verspricht. Solange er einem Führer und dessen Gesetzen folgt, sieht er seine eigenen Fehler nicht als Schuld. Er erwartet, daß die Macht, der er sich unterstellt hat, seine eigenen Verfehlungen an anderen straft, die nicht zur gleichen Gefolgschaft gehören. Für seine eigene Unterordnung entschädigt er sich, indem er Macht über Schwächere ausübt. Er folgt also dem »Radfahrer-Prinzip«: nach oben buckeln, nach unten treten. Er will, daß die Autorität, an die er sich gebunden hat, unter allen Umständen unbefragt bleibt. Das Konzept der autoritären Persönlichkeit entstand auf Grund der unmittelbaren Erfahrungen mit dem Faschismus und dem Hitlerregime.
(http://www.psychology48.com)

Und zu Ausgrenzung:

Ausgrenzung ist ein Prozess des Ausschlusses eines Individuums oder einer Gruppe. Zur Ausgrenzung gehören die (Des-)Integration bzw. Vorstellungen von dem, was normal ist, innen und außen, akzeptiert oder nicht akzeptiert. Nebst Merkmalen und Eigenschaften, die zur Ausgrenzung führen, geht es um Zuschreibungen. Wer ausgegrenzt ist, gehört nicht (mehr) dazu, wird stigmatisiert. ... Die Ausgrenzung stützt sich auf Pauschalisierung.
(http://www.socialinfo.ch )

Ich bin nun sehr traurig darüber, dass ich die DGTI als Verein, der offiziell gegen Ausgrenzung von Minderheiten ist, mit Minderheiten selbst ein Problem zu haben scheint und anstatt sich mit den Ausgrenzungsmachanismen, von denen ja eben auch trans-Menschen betroffen sind - sind es doch immer wieder sie selben Mechanismen, auseinander zu setzen, lieber Forenmitglieder ausschliesst, welchen es ein Anliegen ist, genau diese Abläufe näher zu betrachten. Diese Auseinandersetzung ist für mich oberstes Gebot, wenn ich mich für die Rechte von trans-Menschen einsetzen will. Derjenige der sich nicht damit auseinandersetzt und sich z.B. nicht mit Begriffen wie "Autorität" kritisch auseinandersetzt, hat für mich jede Glaubwürdigkeit verspielt, unterstützt er doch dann Ausgrenzungsmechanismen, anstatt sie zu bekämpfen. Er spricht auch nicht meine Sprache - was so viel bedeutet, dass ich mich in meinen Rechten als transsexuelle Frau (vorallem wenn es z.B. auch um konkrete Forderungen in Sachen Transsexuellengesetz oder dem Abbau der Pathologisierung transsexueller Menschen durch Begriffe wie dem der "Geschlechtsidentitätstörung") von so jemandem nicht vertreten sehe.

"Du wurdest auf diesem Board gesperrt."

Wer so etwas schon einmal gelesen hat, sollte seinen Kopf nicht hängen lassen und sich aktiv umsehen - es gibt immer noch Anlaufstellen und Organisationen, die Ausgrenzung nicht dulden.

Zusatz:

Es ist in der Psychologie längst bekannt, dass derjenige, der sich gegen Diskriminierungen und Ausgrenzungen engagiert und Missstände thematisiert, oft selbst Diskriminierungen und Ausgrenzungen ausgesetzt wird. Hier ein Text dazu:

"Mobbing allgemein entsteht, wenn Menschen in Gruppen zusammenkommen und anstehende Probleme nicht angesprochen und angemessen gelöst werden. Anstatt nun die Problematik als solche anzugehen, hält die Gruppe nach einzelnen Mitgliedern Ausschau, an denen diese Problematik fest gemacht werden kann, denn jedem erscheint eine Lösung als zu schwierig wenn nicht gar unmöglich. Außerdem möchte sich kein Gruppenmitglied mit einer eventuell unangenehmen Auseinandersetzung bei den anderen unbeliebt machen und 'in die Nesseln setzen'. Dieser Prozess kann sich über Jahre hinziehen.

Hat sich schließlich ein Gruppenmitglied als vermeintliches Problem herauskristallisiert, wird dieses Gruppenmitglied paradoxerweise nicht nur für das Problem verantwortlich gemacht, sondern zum Problem an sich erklärt!

Anstatt nun zu versuchen, dieses 'problematische' Gruppenmitglied mit seiner 'Eigenart' zu integrieren, wird es zunehmend ausgegrenzt. In der Regel handelt es sich um das engagierteste Mitglied mit den größten sozialen Kompetenzen. Es macht nämlich genau das, was alle anderen vermeiden. Er/Sie legt, meist unbewusst, den Finger auf die Wunde/zeigt auf das Problem und 'setzt sich damit in die Nesseln' und ergo der Kritik aus."

Dieser Text soll all denjenigen Mut machen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es ist keine Schuld, den Mund aufzumachen!
(http://www.couchtalk.de/expertenbrief/mobbing.html)

Ich möchte hier an dieser Stelle all denjenigen danken, die so mutig sind, Probleme und Missstände offen zu thematisieren. All diese Menschen haben eigentlich einen Preis verdient, und nicht diejenigen, die Aufklärung und eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Problemen transsexueller Menschen verhindern. No Gods, No Masters.
 
05.12.2009
Am 10. Dezember ist "Internationaler Tag der Menschenrechte" - er ist Gedenktag zur "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" , die am 10. Dezember 1948 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet worden ist.

Artikel 1:

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen."


Dass es in Deutschland Menschenrechtsvebrechen gibt, die sowohl bislang von Politik, Medizin und Psychologie geduldet, ja sogar begangen werden, ist vielen immer noch nicht bekannt. Gerade Menschen mit geschlechtlichen Abweichungen werden in Deutschland immer noch wenig wahrgenommen, obwohl konkrete Menschenrechtsverletzungen benennbar sind. Dazu gehören:

Bei intersexuellen Menschen:

Genitalverstümmelungen, die durchgeführt werden, um angeblich das "Geschlecht" eines Menschen, der mit uneindeutigen Genitalien geboren wird zu vereindeutigen. Dass ein uneindeutiges Genital, dass per Chirurgenhand entweder zu einem Penis oder einer Vagina umgeformt wird, nicht das Geschlecht des Menschen verändert, sondern höchstens die Genitalien, wird in Deutschland sowohl von vielen Medizinern, als auch von vielen Politikern abgestritten. Würden diese "Geschlechtsangleichungen" wirklich das Geschlecht angleichen, gäbe es mittlerweile nicht so viele Proteste intersexueller Menschen, die sich gegen diese Verstümmelungspraktiken zur Wehr setzen. Trotzdem gibt es immer noch täglich solche Operationen, die meist gegen den Willen der betroffenen Menschen stattfinden.

Bei transsexuellen Menschen:

Die Behauptung, transsexuelle Frauen, wären "biologische Männer" bzw. transsexuelle Frauen wären "biologische Frauen" und die Schlussfolgerung, mit einer genitalen Operation ("Geschlechtsumwandlung") oder mit der Wahl anderer Kleidung (Genderstereotype) könne man das Geschlecht eines Menschen wandeln. So werden transsexuelle Frauen beispielsweise noch heute von Politik (Transsexuellengesetz) und Medizin (vorallem Abhandlungen aus der psychoanalytischen "Sexualwissenschaft") als "geschlechtsidentitätsgestörte Männer" bezeichnet und diese Pathologiserung als "geisteskranK" ebenso zur Voraussetzung für eine personenstandsrechtliche Anerkennung gemacht wie Zwangssterilisationen (Operationen, die auf der selben Irr-Logik basieren, wie bei intersexuellen Menschen, dass die Genitalien eines Menschen gleichzusetzen wären mit dem Geschlecht eines Menschen und "Geschlechtsumwandlungen" möglich wären).

Würden sich die Menschen in Deutschland an die Menschenrechtserklärung halten, würde das zu folgendem führen:

- Sofortiger Stopp genitaler Zwangsverstümmelungen bei intersexuellen Menschen
- Sofortiger Stopp der Pathologisierung transsexueller Menschen als "geschlechtsidentitätsgestört"
- Stopp der Behauptung (z.B. in Medien), man könne das Geschlecht eines Menschen "wandeln" bzw. "angleichen"
- Aufklärung der Verbrechen, die Chirurgen und Psychologen (vorallem Psychoanalytiker) begangen haben

Geschlechtsumwandlungen gibt es nicht.

Hier mal passend zum Thema (oder als Lesestoff für den Tag der Menschenrechte) ein kleiner Einkaufstipp. Wer sich für das Thema "FrauenMenschenrechte " interessiert, findet hier ein Buch, indem u.a. auch über Menschenrechte intersexueller sowie transsexueller Menschen berichtet wird:

FrauenMenschenrechte
kartoniert
Zum Thema Intersexualität:

Lucie Veith
1. Vorsitzende von "Intersexuelle Menschen e.V. "
Zum Thema Transsexualität: Kim Schicklang
1. Vorsitzende der "Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. "

ISBN: 3899745361
EAN: 9783899745368
Libri: 9931805

Herausgegeben von Tessa Debus, Regina Kreide, Michael Krennerich
Wochenschau Verlag
Juli 2009 - kartoniert - 208 Seiten

Link zu Amazon: Klick

 
28.11.2009
So ein bisschen Hintergrundinformation ist manchmal wichtig, um die Zusammenhänge der Pathologisierung transsexueller Menschen besser verstehen zu können. Hier einmal eine Übersicht, wann wie "Transsexualität" im Buch der psychischen Störungen auftauchte:

DSM-II: Download Ausschnitt
1968 gab es die Diagnose "Transsexualität" als psychische Störung noch nicht, dafür "Homosexualität".

DSM-III: Download Ausschnitt
1980 hat unter Einfluss von John Money "Transsexualität" als Unterform einer "Geschlechtsidentitätsstörung" Einzug in das DSM erhalten.

DSM-IV: Download Ausschnitt
1994 wurde GID u.a. von Kenneth Zucker überarbeitet und "Transsexualität" als Wort gestrichen. Dafür gibt es nur noch "GID".

Der DSM wird auch in Deutschland von Psychotherapeuten und Psychiatern verwendet, auch wenn die Diagnose nach dem ICD der WHO verschlüsselt wird. Im Jahr 2012 soll der DSM V erscheinen.

Vorsitzender des GID-Komittees der APA ist: Kenneth Zucker, deutsche Beteiligung kommt von Friedemann Pfäfflin. Gegen den Vorsitz von Zucker gab es bereits weltweit Proteste (u.a. weil er Umpolungstherpien an Kindern mit "Geschlechtsidentitätsstörungen" durchführt).

Eine der Aktionen, die mit dem DSM-V in Zusammenhang stehen, ist diese hier:

Stop Trans* Pathologization 2012
(Eine weitere Aktion, ist diese Website hier selbst. Seit 2006 setzt sich mut23 für die Abschaffung der "Geschlechtsidentitätsstörung" ebenso ein, wie für die menschenrechtliche Gleichstellung transsexueller Menschen. 2006 wurden von mut23 Forderungen an die Bundesregierung gestellt, aber auch an Vertreter der Sexologie, nämlich in Form der "Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung". Diese Forderungen nach rechtlicher Gleichstellung wurden auch heute, 3 Jahre später von der DGfS nicht beantwortet.)

In Deutschland sind die Hintergründe von SPT2012 bislang (Stand Nov2009) wenig bekannt, ebenso wenig wie die Zusammenhänge zwischen dem DSM und der Pathologisierung transsexueller Menschen.

Was bislang auch kaum jemals in Deutschland kritisch hinterfragt wurde: Gibt es transsexuelle Menschen, die in diesem Pathologisierungs-Spiel mitspielen? Wenn ja, wer spielt hier welches Spiel? Was hat es zu bedeuten, dass z.B. Sabine Maria Augstein mit Friedemann Pfäfflin befreundet ist? Warum forderte sie in einer Stellungnahme an die Bundesregierung (16.02.2007) keine Abschaffung der psychiatrischen Gutachten für die Änderung der Papiere nach TSG? Warum schreibt sie bei der körperlichen Änderung der Genitalien von "Geschlechtsumwandlung"? Was wären z.B. Frauen, welche diese genitale Operation nicht durchführen lassen dann vorher? Männer? Warum deckt sich diese Ansicht mit der Ansicht Friedemann Pfäfflins, der transsexuelle Frauen vor medizinischen Massnahmen auch für Männer hält, und sie auch so bezeichnet (Transsexuelles Begehren, Friedemann Pfäfflin in: Sexualitäten, Psychosozial-Verlag 2008)? Welche Zusammenhänge gibt es zwischen den Tätigkeiten von Frau Augstein im LSVD und den politischen Ideen der FDP? Warum war auf dem Server des LSVD im Mai 2008 ein FDP-Antrag zum Transsexuellengesetz zu finden, der keine Geschäftsnummer besitzt (Klick)? Warum schreibt Manfred Bruns, Sprecher des Lesben- und Schwulenverband in Deutschland am 24.10.2009 in einer Pressemitteilung "Die FDP hat ihre Wahlversprechungen gehalten!"? Warum spricht sich bis heute auch die FDP nicht für eine Abschaffung des psychiatrischen Gutachterverfahrens aus, sondern will es bisher sogar beibehalten (Bundestags-Drucksache 16/9339)? Warum werden transsexuelle Menschen bis heute nicht an einem offenen und transparenten Verfahren zur Reform des Transsexuellengesetzes beteiligt, obwohl es um ihre Interessen geht? Und warum gibt es weltweit massive Proteste gegen die Pathologisierung transsexueller Menschen als "geschlechtsidentitätsgestört" (Diagnose nach DSM), in Deutschland aber kaum?

Es ist gut, mal nachgefragt zu haben. (Obwohl es noch viele, viele andere Fragen gibt...)
 
19.11.2009
Manchmal schreibe ich ja lange Anmoderationen, doch heute möchte ich darauf verzichten. Nur vielleicht ein kleiner Hinweis, auf was sich der folgende Leserbrief bezieht - nämlich auf einen Artikel im Tagesspiegel bzw. ein Interview mit der Soziologin Sabine Hark.

Hier der Artikel: Es gibt nicht nur zwei Geschlechter
(nzw. als Download, falls der Link nicht mehr gehen sollte: Klick)

Und nun der Leserbrief:

Es gibt dennoch bei Vertretern der "gender theory" oft einen Denkfehler. Wer sagt, dass Geschlecht konstruiert sei, trotzdem aber noch den Rückgriff auf ein angebliches "Biologisches Geschlecht" macht um z.B. zu sagen, eine transsexuelle Frau wäre ein "biologischer Mann" bzw. ein "biologischer Mann gewesen" verkennt, dass selbst die Definitionen, was ein "biologisches Geschlecht" sein soll ja selbst lediglich gesellschaftlich definiert sind - in unseren Breitengraden z.B. dadurch in dem mensch z.B. sagt Gonaden und Chromosomensatz wären "das biologische Geschlecht".

Die Paradoxien die durch diese Inkonsequenz entstehen können, sieht man in der medizinischen wie rechtlichen Behandlung transsexueller Menschen, denen man einerseits zugestehen will, dass sowohl medizinische als auch rechtliche Vefahren ihnen helfen sollen, in ihrem "eigentlichen" (von Betroffenen oft "gefühltem" genannten) Geschlecht anerkannt zu werden, trotzdem aber gleichzeitig wieder einen Rückgriff auf ein angebliches "biologisches" Geschlecht tätigt um z.B. medizinische Plichtmassnahmen (wie z.B. Zwangssterilisationen) für die Personenstandsänderung im TSG zu rechtfertigen oder aber meint von "Geschlechtsidentitätsstörungen" sprechen zu müssen (die ja selbst wieder aus einem angeblichen "biologischen Geschlecht" abgeleitet werden).

Viele Betroffene geben sich diesen Paradoxien bis heute hin, da sie ja bislang von diesen Regelungen abhängig sind, anstatt konsequent zu sagen: Ich bin eine Frau (und eben kein Mann oder "ehemaliger Mann"). Transsexuelle Frauen konsequent aus der gender-theory heraus zu betrachten müsste, wenn mensch in der Lage ist Geschlechtsrollenklischees kritisch zu hinterfragen, zum selben Ergebnis führen: Transsexuelle Frauen sind und waren niemals Männer (und Transmänner niemals Frauen).

Insofern ist es die Inkosequenz im Denken vieler Gender-Theoretiker, die im Ansatz das richtige meinen, aber sich dennoch nicht von Ideologien lösen können, in denen dann doch wieder entweder auf Gender-Klischees (Rollenstereotype) als Rechtfertigung für die Ungleichbehandlung von nicht-transsexuellen und transsexuellen menschen zurück gegriffen wird, oder aber dann indirekt dann doch wieder vom "biologischen Geschlecht" gesprochen wird - obwohl hier dann bei näherer Betrachtung dann doch lediglich Genitalien und Chromosomensatz gemeint sind, anstatt den Menschen umfassend und in all seinen Geschlechtsfacetten zu betrachten - mitverantwortlich für die Menschenrechtsverletzungen, denen heute noch transsexuelle Menschen ausgesetzt sind.

Ein wenig mehr Konsequenz und Selbstbewusstsein im Denken könnte hier hilfreich sein - ich bin da aber ehrlich gesagt, ziemlich skeptisch, wenn ich mir ansehe, wie oft selbst z.B. Frauen, die sich "transgender"nennen, dann doch wieder behaupten, sie wären als "biologische Männer" geboren worden und würden nun ihr "Geschlecht wechseln". So einfach scheint es dann doch nicht zu sein, wenn man behauptet, Geschlecht sei lediglich "konstruiert" - oft fehlt da nämlich der letzte Schritt im Denken und die Konsequenz auch das zu Glauben, was man meint glauben zu müssen.

Dass es die "gender theory" gar nicht braucht und sie sich am Ende in ihrer Logik selbst überflüssig macht, wäre das Ergebnis einer konsequenten Anwendung dieser Theorie. Wer Menschen als das akzeptiert, was sie sind... z.B. transsexuelle Frauen als Frauen - braucht/Kann ja nicht sagen, dass es sich "eigentlich" um einen "biologischen Mann" handelt. Und damit würde sich der Kreis wieder zur Biologie schliessen, die manche Menschen aus ideologischer Verblendung heraus nicht bereit sind zu gehen: Anzuerkennen, dass das wichtigste Geschlechtsorgan das menschliche Gehirn ist (Dass es das wichtigste Organ ist, darüber streitet seltsamerweise heute in der Wissenschaft niemand mehr). Transsexualität und Transgender ist demnach kein Widerspruch, sondern erscheint nur solange als einer, solange nicht konsequent zu Ende gedacht wird.
Wer einen Mensch in seinem Selbst akzeptiert und damit seine Selbtdefinition (die aus seinem Innersten entspringt) bereit ist, ohne Einschränkungen anzuerkennen, begeht den selben Schritt, wie derjenige der in der Lage ist, das Gehirn des Menschen als wichtigstes (Geschlechts-)Organ anzuerkennen. Eigentlich ist es ganz einfach: Transsexuelle Frauen sind Frauen, weil sie wissen, dass sie Frauen sind. Transsexuelle Männer sind Männer, weil sie wissen, dass sie Männer sind. Es ist keine Sache des "fühlens wie", sondern des Wissens über sich Selbst.

Daher: Ein Artikel, der zwar nett geschrieben ist, dennoch bei mir Skepsis hervorruft, was die konkrete Hilfestellung in der Realität in Sachen Abbau von Menschenrechtsverletzungen angeht. Wer so denkt, hat in meinen Augen auch die Verpflichtung laut zu sagen, dass es nicht nur eine "gefühlte Menschenrechtsverletzung" ist, wenn es rechtliche Regelungen wie das Transsexuellengesetz (indem Dritte über das Geschlecht eines Menschen verfügen) oder medizinische Definitionen wie "Geschlechtsidentitätsstörungen" (mit dem die Geschlechtsidentität eines Menschen als "gestört" bezeichnet wird) gibt, sondern dass es sich tatsächlich um eine handelt. Und da fehlt mir ehrlich gesagt noch der laute Aufschrei in der Gesellschaft und der Wille mancher Betroffener sich hier engagiert für eine Emanzipation einzusetzen.
Solange es weitaus mehr "in" ist, dass trans-Menschen andere trans-Menschen als "verrückt" bezeichnen können, die sich für die Gleichberechtigung von trans-Menschen einsetzen - solange es weitaus "schicker" zu sein scheint, sich dem Motto hinzugeben "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing" (was ja bei dem Abhängigkeitsverhältnis in Sachen medizinischer Leistungsübernahmen nicht verwundert, aber trotzdem ärgert), solange sind Artikel wie der im Tagesspiegel zwar schönes Gerede, doch vermisse ich die Taten.

Wie war das noch? "An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!"... Bei 30 Jahre Untätigkeit in Sachen "Transsexuellenrechte" wäre es ja mal Zeit damit anzufangen.

Vielleicht dazu auch noch folgendes:

Link zu einem Arikel der die Schattenseite der gender-theory näher beleuchtet.

 
13.11.2009
Heute am 13. 11. ging eine Meldung über den Ticker der Zeitungen, der oberflächlich betrachtet so aussieht, als ob jetzt endlich der Durchbruch für transsexuelle Menschen erreicht wäre und sich endlich einer mal des überalteten Transsexuellengesetzes annehmen will, um durch eine Reform endlich menschenrechtskonforme Regelungen für transsexuelle Menschen in Sachen Vornamens- und Personenstandsrecht zu erreichen. Es handelt sich um eine Meldung die z.B. bei rp-online folgende Sätze beinhaltet, die ich dann gleich kommentieren möchte:

"Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat eine Reform des Transsexuellen-Rechts angekündigt. 'Es geht beispielsweise um Verfahrensfragen bei der Anerkennung als Transsexueller, die von den Betroffenen oft als diskriminierend empfunden werden', sagte die Ministerin."

Ich könnte mich ziemlich aufregen bei so was... ich bin eine transsexuelle Frau und will nicht als "Transsexueller" anerkannt werden, sondern in meinem Geburtsgeschlecht als Frau. Wenn die FDP nicht erkennt, dass in den letzten Jahren gegen Menschenrecht verstossen wurde, in dem man Menschen ihr Recht auf Anerkennung ihres eigentlichen Geschlechtes verwehrt hat (zu dem transsexuelle Menschen eigentlich bereits seit 1978 das Recht haben sollten), indem man ihnen eine "psychische Störung" angedichtet hat (was in der Realität eine psychiatrische Begutachtung mit sich bringt, an der die FDP vor der Wahl noch festhalten wollte) wird die offizielle von Gesetz "angeordnete" Transphobie nicht beendet werden.

Und weiter heisst es:

"Aber es gehe auch darum, ob zwei Gutachten für die Anerkennung erforderlich seien oder unter welchen Voraussetzungen man seinen Vornamen ändern könne, erklärte sie gegenüber der 'Berliner Zeitung' weiter."

Ärgerlich auch diese Formulierung, wenn man sie mit dem kombiniert, was die FDP vor der Wahl noch an Ideen zur TSG-Reform mitgebracht hat. Schauen wir doch einfach einmal nach - und zwar in ein Papier vom 28. Mai 2009, der Bundestagsdrucksache 16/9335 . Hier heisst es:

"abweichend von § 4 Abs. 3 TSG reicht künftig für die Vornamensänderung das Gutachten eines Sachverständigen aus."

Es handelt sich hier zwar lediglich um einen Antrag zur Reform des Transsexuellengesetzes als die FDP noch Oppositionspartei war, dennoch lässt sich hier einiges herauslesen, wenn mensch sich das Interview mit der Berliner Zeitung eben etwas genauer ansieht und hinter den blumigen Versprechen die inhaltlichen Aussagen versucht hinauszuhören.

Schauen wir noch mal in die Bundestagsdrucksache vom Mail 2009:

"es ist zu prüfen, ob für die Änderung des Geschlechtseintrages die Anforderungen an die Begutachtung abgesenkt werden können. Insbesondere ist daran zu denken, für das Verfahren gemäß § 9 TSG die Begutachtung durch nur einen Sachverständigen vorzusehen;"

Damit hiesse das: Nach Vorstellung der FDP soll nun trotzdem noch zweimal begutachtet werden - einmal für die Vornamensänderung und einmal für die Personenstandsänderung.

Ich möchte noch einmal in Erinnerung rufen, was die Sache mit der "Begutachtung" bedeutet:

Eine transsexuelle Frau wird nach den Richtlinien der Begutachtung transsexueller Menschen als "Mann mit Identitätsstörung" begutachtet bzw. als "Mann der Frau werden will" (nach DSM, dem manual der psychischen Störungen und ICD der Weltgesundheitsorganisation).

Ein transsexueller Mann wird als "Frau mit Identitätsstörung" begutachtet (nach DSM und ICD).

"Ziel der Begutachtung ist es, die Entwicklung der Geschlechtsidentität und ihrer Störung im psychosozialen Umfeld ... nachzuzeichnen. ... Das Vorliegen der Voraussetzungen zur Vornamensänderung muss aus der Beurteilung schlüssig hervorgehen"
(In "Sexualmedizin", 2005 von K.M.Beier,  H.Bosinski und K.Loewit mit einem Zitat von Sophinette Becker et al. 1997: 136-137)

Es spielt ja nun keine Rolle ob nun, einer oder zwei Gutachtenr einen transsexuellen Menschen für "geschlechtsidentitätsgestört" erklären, oder? Unabhängig davon bedeuten die Ideen der FDP ja weiterhin, dass transsexuelle Menschen keine Selbstbestimmung über ihr Geschlecht besitzen, wie es ja eigentlich 1978 von Bundesverfassungsgericht bereits gefordert war (siehe: Bundesverfassungsgericht am 11. Oktober 1978 - 1 BvR 16/72 -), da die Entscheidergewalt über die Vornamen und den Personenstand ja weiterhin in den Händen Dritter liegen würde.

Im Jahr 1978 hiess es:

"Art. 1 Abs. 1 GG schützt die Würde des Menschen, wie er sich in seiner Individualität selbst begreift und seiner selbst bewußt wird. Hierzu gehört, daß der Mensch über sich selbst verfügen und sein Schicksal eigenverantwortlich gestalten kann."

So, und nun zurück zu den Aussagen von Frau Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Sie fordert also nun Verbesserungen hinsichtlich der "Anerkennung als Transsexueller". Interessant, nicht wahr? Soll das heissen, dass die Pläne der FDP vom Mai 2009, nachdem weiterhin psychiatrisch begutachtet werden soll also noch Stand der Dinge sind und sich seitdem nichts bei den Liberalen geändert hat? Weiter spricht sie von der Frage, ob "zwei Gutachten für die Anerkennung erforderlich seien". Ich finde das sind deutliche Worte. Ärgerlich, dass die Medien hier wieder einmal solche Äusserungen unkritisiert übernehmen und stattdessen hinausposaunen, der FDP wäre es ernst in Sachen Transsexuellenrechten. Selbst der LSVD (der ja u.a. auch Sabine Maria Augstein angehört) hielt sich nicht zurück, hier die FDP zu loben, obwohl bislang nichts dafür spricht, dass die FDP die Forderungen internationaler Menschenrechtler (z.B. der Forderungen des CEDAW-Ausschusses der UN Anfang des Jahres in Genf, bei dem die Bundesregierung aufgefordert wurde, die psychiatrische Begutachtungspraxis abzuschaffen) ernst nimmt - was sich durch dieses Interview mit Frau Leutheusser-Schnarrenberger in der Berliner Zeitung ja sogar noch zu bestätigen scheint.

Zitat LSVD: "Die FDP hat ihre Wahlversprechungen gehalten! Wir sind mit dem Entwurf des Koalitionsvertrages zwischen CDU, CSU und FDP nicht unzufrieden. ... Manfred Bruns, Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD)"
(http://www.lsvd.de/1242.0.html )

Der LSVD zitiert hier den Koalitionsvertrag im Zusammenhang mit Transsexualität so:

"Das geltende Transsexuellengesetz ist in seinen wesentlichen Grundzügen inzwischen fast dreißig Jahre alt. Es entspricht nicht mehr in jeder Hinsicht aktuellen medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen. Wir werden das Transsexuellengesetz deshalb unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts auf eine neue zeitgemäße Grundlage stellen, um den betroffenen Menschen ein freies und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen."

Soso. Blablabla. Wer weiterhin an einer psychiatrischen Begutachtung festhält, dem kann es in Wirklichkeit nicht darum gehen, transsexuellen Menschen ein "freies und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen". Auch wenn er es noch so oft behauptet, wie die FDP. Ich hoffe nur, dass dieses bisherige Blendwerk der Liberalen auch als solches wahrgenommen wird.
 
03.11.2009
Hier ein Internetfundstück, welches Hoffnung macht. Es handelt sich um folgendes Schriftstück:

"Declaration of the Trans Rights Conference - 28th October 2009, Malta"

Die Deklaration über die Rechte von trans-Menschen kann hier im Original angesehen werden: Link

Interessant ist hier u.a. folgender Abschnitt:

"We, the participants of the European Trans Rights Conference, yearn for a Europe free from all discrimination, where all people are valued equally irrespective of their gender identity and gender expression. We envision a Europe where people of all gender identities and gender expressions are fully respected and can live freely without any violations to their human rights and institutions' interferences in their private lives, in accordance with the Yogyakarta Principles. We want a Europe where health insurance funded adequate hormonal and surgical medical assistance is available in a non-pathologizing manner to all those trans people who seek it, and where no trans person is required to undergo any compulsory medical treatment (such as sterilization or gender reassignment surgeries) or a mental disorder diagnosis in order to change legal gender and/or name."

In dem Papier wird u.a. gefordert den ICD-Code F64.0 abzuschaffen (wie auch seit 2006 von mut23 gefordert) und "Transsexualität" in einen anderen Bereich des ICD zu verschieben um damit aufzuhören transsexuelle Menschen als "psychisch krank" ("Geschlechtsidentitätsstörungen") zu diagnostizieren und Transsexualität damit die Chance zu geben, als in der Natur vorkommende geschlechtliche Variante anzuerkennen.

Zudem wird ebenso gefordert, die gesetzlichen Regelungen zu Vornamens- und Personenstandsänderung so zu ändern, dass jeder Mensch frei und ohne menschenverachtende Vorbedingungen, wie z.B. in Deutschland die Bedingung sich psychiatrisch begutachten zu lassen und sich vorher medizinischen Eingriffen (wie Zwangssterilisationen) unterzogen haben zu müssen, seine Papiere ändern lassen kann. Bislang gab es nur zwei Parteien in Deutschland, nämlich die Grünen und die Linke, die den im Malta-Papier aufgeführten yogyakarta-Prinzipien und den Forderungen von Menschenrechtlern aus Europa (wie dem Menschenrechtskomissar des Europarates Thomas Hammarberg ) und der UN (wie dem CEDAW-Frauenrechts-Ausschuss) gefolgt sind - somit ist diese Deklaration ein wirklich wichtiges Werk zur Gleichstellung von trans-Menschen.

Was leider noch fehlt in diesem Papier ist das Thema "reparative" Therapien (bzw. Umpolungstherapien), die bei transsexuellen und homosexuellen Menschen in Deutschland immer noch durchgeführt werden. Zwar behaupten diejenigen, welche diese Therapien in Deutschland propagieren keine solche Therapien durchzuführen, allerdings scheint diese Aussage eher eine Art "Trick" darzustellen, da man einfach behauptet: Menschen werden "transsexuell" und könnten, bevor sie "so" werden noch therapiert werden. Somit werden in Deutschland offiziell keine Umpolungsversuche an "transsexuellen" Menschen vorgenommen, sondern man versucht quasi vorher schon zu therapieren, solange Kinder noch nicht "transsexuell" wären. Dies nennt sich dann "Geschlechtsidentitätsstörungen im Kindes- und Jugendalter".

Im Buch "Sexualmedizin Von Klaus M. Beier, Hartmut A. G. Bosinski, Kurt Loewit (2005)" werden diese Therapien, die sich auf den Kanadier Kenneth Zucker beziehen, näher dargestellt:

"Wenn die geforderten diagnostischen Kriterien erfüllt sind, sollte die Geschlechtsidentitätsstörung im Kindesalter möglichst früh behandelt werden. Dabei kann es nicht darum gehen, dem Kind rollenatypisches Verhalten oder den Wunsch nach Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht zu 'verleiden', sondern darum, sein Zugehörigkeitsgefühl zum Geburtsgeschlecht zu bestärken".

Dass das Geschlecht eines Menschen sich nicht auf die Genitalien bzw. Chromsomen reduziert werden kann wird hier ebenso wenig beachtet, als die durch Studien belegte hohe Wahrscheinlichkeit der Angeborenheit von "Transsexualität". Die Folgen von Umpolungstherapien sind für die betroffenen Kinder dann häufig schwerwiegend und oft sind diese Menschen noch im späteren Leben stark traumatisiert und selbstmordgefährdet.

In zukünftigen Deklarationen und Menschenrechtsberichten wäre daher mein Wunsch, die Forderungen noch zu erweitern, damit diejenigen, welche transsexuellen Kindern noch heute massivem psychischen Druck aussetzen, sich dafür dann auch irgendwann einmal zu verantworten haben.

Trotzdem: Die Malta-Deklaration ist ein weiterer wichtiger Baustein in der Anerkennung der Rechte von trans-Menschen. Er spiegelt ziemlich gut die Forderungen wieder, die hier seit 2006 auf mut23.org zu finden sind.

Link: http://www.tgeu.org/MaltaDeclaration


 
23.10.2009
So wie es aussieht, scheint nun das letzte Puzzlestückchen gefunden zu sein, um zu beweisen, dass die Aussage der "Geschlechtsidentitätsstörungs"-Psychoanalytiker, nämlich, dass eine transsexuelle Frau ein "biologischer Mann" wäre, der sich "fühlt wie" eine Frau falsch ist. Diese Aussage als Lüge zu entlarven und diejenigen zu outen, die als Schreibtischtäter transsexuellen Menschen die Grundrechte verwehren wollten, indem sie eine psychische Störung erfanden, die bis heute nicht nur nicht wissenschaftlich bewiesen, sondern nun sogar widerlegt werden kann, ist und war Ziel dieser Website.
"Geschlechtsidentitätsstörungen" gibt es genauso wenig wie "Geschlechtsumwandlungen". Transsexuelle Frauen sind (biologische) Frauen, wenn auch mit Penis und Hoden geboren. Transsexuelle Männer sind (biologische) Männer, wenn auch mit Vagina und Gebärmutter geboren.

Nun zum Beweis, der die Rede vom angeblichen "biologischen Geschlecht, mit dem sich transsexuelle Menschen nicht versöhnen wollen" zur Farce erklärt. Dass die Genitalien nicht zum Ablesen des Geburtsgeschlechtes eines Menschen geeignet sind, wurde hier ja schon früher geäussert. Menschen wie z.B. xy-Frauen zeigen recht gut, dass der Versuch, das Geschlecht eines Menschen auf die Genitalien zu reduzieren nicht gelingen kann. Ebensowenig allerdings taugen aber auch xx- bzw- xy-Chromosomen zur eindeutigen Geschlechtsbestimmung. In wissenschaftlichen Berichten wird dargestellt, dass auch xy-chromosomale Menschen bereits schwanger gewesen sind.

Hier eine Übersicht der wissenschaftlichen Berichte:

1) Frydman, R. et. al. (1988) Pregnancy in a 46 XY patient. Fertil. Steril., 50:813-814.

2) Sauer, M.V., et. al. (1989) Successful twin pregnancy after embryo donation to a patient with XY gonadal dysgenesis. Amer. J. Obstet. Gynecol., 161:380-381.

3) Kan, A.K.S., et. al. (1997) Two successful pregnancies in a 46, XY patient . Hum. Reprod.,12(7):1434-1435.

4) Selvaraj, K., et. al. (2002) Successful pregnancy in a patient with a 46, XY karyotype. Fertil. Steril., Aug.; 78(2):419-420.

(Die komplette Tabelle aus dem Jahr 2002 findet sich hier: http://www.gendercare.com/library/italiano_paper3.html )

Die Schlussfolgerung daraus ist nun die folgende: Das biologische Geschlecht eines Menschen ist vielfältiger als die Genitalien und/oder Chromosomen. Die Behauptung es gäbe "Geschlechtsidentitätsstörungen" ist nichts weiter als eine Behauptung - diese Existenz dieser angeblichen psychischen Störungen wurde bis heute nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Diejenigen die behaupten, es gäbe "Geschlechtsidentitätstörungen" sind damit Menschen, die Theorien als "Wahrheit" verkaufen und sich damit den Vorwurf der Scharlatanerie gefallen lassen müssen.

Die Politiker, welche basierend auf diesen haltlosen Theorien Gesetze erlassen haben, die heute noch Zwangssterilisationen und die Begutachtung zu "geschlechtsidentitätsgestört" von transsexuellen Menschen fordern, um rechtlich anerkannt zu werden, haben Gesetze erlassen, die gegen internationales Menschenrecht verstossen.

Und die wichtigste Schlussfolgerung: Wenn eine transsexuelle Frau weiss "ich bin eine Frau", dann ist sie eine. Sie kennt ihr biologisches Geburtsgeschlecht.

Wann werden sich diejenigen vor Gericht verantworten müssen, die weiterhin behaupten, transsexuelle Frauen wären eigentlich "biologische Männer mit Identitätsstörung"? Die Zeit ist reif.

Link zum Artikel: Die Rede vom "Biologischen" Geschlecht .
 
18.10.2009
18.10.2009

Am 17. Oktober fand ein weiterer Aktionstag der Initiative "Stop Trans* Pathologization 2012" (die ihren Ursprung in Barcelona hat) statt. Berliner Gruppen hatten zu einem Flashmob aufgerufen, an dem einige Menschen teilgenommen haben. In einem Indymedia-Artikel hierzu heisst es:

"Im Rahmen des Internationalem Aktionstag 'Stopp Trans Pathologisierung 2012' haben am 17. Oktober 2009 nachmittags in Berlin beim S-Bahnhof Hackescher Markt etwa 60 Trans***-Menschen, Intersexuelle, Queers & Freund_innen ihren Protest gegen die Psychiatrisierung & Pathologisierung von Trans-Identitäten zum Ausdruck gebracht.

Mit OP-Masken im Gesicht und 'Stop STP 2012'-Schildern in den Händen liefen sie auf ein Signal hin gemeinsam über den belebten Markt. Anschliessend machten sie sich an der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz und in einem S-Bahn-Zugang mit einem kurzen Flash-Mob bemerkbar.

Mit einigen Flugis und auf Schildern wurden die Zusammenhänge der 'Stopp Trans Pathologisierung 2012' – Kampagne erklärt:

TRANS*** IST KEINE KRANKHEIT, SONDERN EIN MENSCHENRECHT
PSYCHIATER HABEN GESCHLECHTSIDENTITÄTSSTÖRUNGEN! WIR NICHT!
ZWEIGESCHLECHTLICHKEIT MACHT KRANK
INTERSEXEN GEGEN GESCHLECHTSZUWEISUNGEN"

Mehr zu der Aktion in Berlin, die u.a. von Abqueer, Gender-Wiki e.V., Transinterqueer e.v.- TriQ, Transgender Network Berlin TGNB und dem LSVD unterstützt wurde:

http://stp2012berlin.blogsport.de/
 
02.10.2009
Vielleicht mal für Zwischendurch ein kleiner Veranstaltungstipp für den 17. Oktober bzw. der Hinweis auf eine Aktion. Sie nennt sich "Stop Trans Pathologization 2012" und ist unter folgendem Link zu finden:

http://stp2012.wordpress.com/

Auf der Seite ist folgendes zu finden:

"Unter 'Psychiatrisierung' verstehen wir die Praktik, die Transsexualität unter dem Status psychischer Krankheit zu definieren und zu behandeln."

und...

"Derzeitig wird die Transsexualität als „Geschlechtsidentitätsstörung“ angesehen, als psychische Pathologie, die im ICD-10 (Internationale Klassifikation von Krankheiten und anderer Gesundheitsprobleme der Weltgesundheitsorganisation) und im DSM-IV-R (diagnostisches und statistisches Handbuch psychischer Störungen der American Psychiatric Association) aufgeführt wird. Diese Klassifikationen weisen den Psychiater_innen der ganzen Welt den Weg bei der Erstellung von Diagnosen. In diesen Handbüchern wird ein nicht ganz zufälliger Fehler begangen: die Verwechslung der Effekte der Transphobie mit denen der Transsexualität. Dabei wird die soziale Gewalt unsichtbar gemacht, die über diejenigen ausgeübt wird, die sich nicht an die Geschlechtsnormen anpassen. Auf diese Weise wird bewusst übersehen, dass das Problem nicht die Geschlechtsidentität, sondern die Transphobie ist.

Die Überarbeitung des DSM-IV-R stellt einen Prozess dar, der vor zwei Jahren begann, mit dem Ziel, die Veränderungen in der Liste der Krankheiten zu bestimmen. In den letzen Monaten wurden die Namen der Psychiater veröffentlicht, welche die Zukunft der Geschlechtsidentitätsstörungen (GIS) bestimmen.

Die Arbeitsgruppe über den GIS wird von Dr. Zucker geleitet, zusammen mit Dr. Blanchard, u.a. Diese Psychiater, die bekannt dafür sind, Konversionstherapien zur Behandlung von Homosexuellen und Transsexuellen durchzuführen und die in Verbindung mit Kliniken zur Behandlung intersexueller Personen stehen, schlagen nicht nur nicht vor, den Begriff des GIS zu streichen, sondern fordern seine Anwendung auf Kinder auszuweiten, die nicht-normatives Geschlechtsverhalten zeigen, und an ihnen Konversionstherapien in Richtung der bei der Geburt zugeschriebenen Geschlechtsrolle anzuwenden. Aus diesem Grunde hat die nordamerikanische Trans*-Bewegung dazu aufgerufen, diese Psychiater von der Überarbeitung des DSM auszuschlieβen. Das Internationale Netzwerk für die Entpathologisierung von Trans* schlieβt sich ohne Vorbehalte dem genannten Aufruf an."


Ergänzend zu erwähnen ist, dass auch deutsche Psychoanalytiker zu der DSM-Reform-Gruppe gehören, wie z.B. der Ulmer Friedemann Pfäfflin , welcher ebenso weiterhin Ideen und Vorstellungen über "Geschlechtsidentitätsstörungen" in seinen Büchern propagiert, die auf den Ideologien von John Money basieren: Der Idee, dass sich die Geschlechtsidentität eines Menschen erst im Laufe der Kindheit entwickele und daher z.B. genitale Zwangszuordnungen an intersexuellen Kindern möglich wären. John Money hatte damit einerseits den Grundstein gelegt für genitale Verstümmelungen an intersexuellen Kindern aber eben gleichzeitig auch die Einordnung von Transsexualität als Identitätsstörung.

Hier zu einmal folgender Artikel:

Transsexuelle und Intersexuelle - Opfer derselben Ideologie

Die sogenannten Konversionstherapien oder auch reaparativen Therapien an Kindern mit "Geschlechtsidentitätsstörung", eine erfundene Geistesstörung, welche laut These der Moneyschen Jünger die Vorstufe von Homo- wie Transsexualität darstelle, werden in Deutschland noch offiziell und weitgehend unbehelligt durchgeführt, z.B. neben Frankurt (bei Bernd Meyenburg) in der Berliner Charite am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin unter der Leitung von Klaus M. Beier. Er schreibt zusammen mit Hartmut A. G. Bosinski und Kurt Loewit in seinem Buch "Sexualmedizin" noch folgendes:

"Wenn die geforderten diagnostischen Kriterien erfüllt sind, sollte die Geschlechtsidentitätsstörung im Kindesalter möglichst früh behandelt werden. Dabei kann es nicht darum gehen, dem Kind rollenatypisches Verhalten oder den Wunsch nach  Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht zu 'verleiden', sondern darum, sein Zugehörigkeitsgefühl zum Geburtsgeschlecht zu bestärken"

und weiter:

"Ein Therapeut gleichen Geschlechts, der zugleich Rollenmodellcharakter bekommt, sollteeingesetzt werden. Die Therapie bezieht sich auf gemeinsame Spiel- (Zeichen Gesprächs-)aktivität, wobei geschlechtskonforme Verhaltensangebote gemacht und adäquate Verhaltensweisen belohnt werden (z.B. durch modifizierte token economy). Geschlechtssatypische Verhaltensweisen werden nicht beachtet bzw. - beiläufig - unterbunden (jedoch nicht sanktioniert)"

Interessant ist, dass die Öffentlichkeit von solchen Praktiken bislang noch wenig Notitz genommen hat und die deutschen Medien lieber die Ideologien der Pathologen übernehmen, indem sie beispielsweise transsexuelle Frauen als "Männer mit Identitätsstörung" bzw. "Männer, die Frauen werden wollen" bezeichnen um so möglicherweise die Einschaltquoten zu erhöhen, anstatt kritisch hinzuschauen und tatsächlich darüber aufzuklären, welche menschenverachtenden Praktiken noch heute in Deutschland Standard sind.

Daher eben nun folgender Veranstaltungstipp von "Stop Trans Pathologization 2012". Es heisst...

"Die nächste Aktion wird am 17. Oktober 2009 in mehr als 20 Städten gleichzeitig stattfinden."

Hier noch einmal der Link:

http://stp2012.wordpress.com/
 
27.09.2009
So, jetzt reichts. Genug mit Aufregen im stillen Kämmerlein, jetzt wird's aber mal langsam Zeit, endlich ein wenig lauter zu werden. Wer nach der Bundestagswahl und bei einer kommenden schwarz-gelben Koalition noch an eine schnelle Beseitigung der Menschenrechtsverletzungen an transsexuellen Menschen glaubt, ist.... nun ja: unrealistisch? Gut, wir werden ja nicht klein bei geben können. Menschen die existieren, haben den grossen Vorteil, dass sie existieren. Sie existieren sogar dann, wenn Psychoanalytiker und ewiggestrige Gendertheoretiker der Öffentlichkeit immer noch etwas anderes weis machen wollen. Transsexuelle Frauen SIND Frauen. Sie sind keine "Männer mit Identitätsstörung". Vielleicht ist es doch nötig, Transparente zu malen und die "Lehr"(?)-Veranstaltungen zu besuchen, in denen Ignoranten mit Professorentitel immer noch Märchen von "Geschlechtsidentitätsstörungen" faseln. Leute, traut euch endlich an die Öffentlichkeit! Tomatenwerfen kann auch ganz effektiv sein. Da könnt ihr einem 80er-Kind glauben ;-)

Naja, hier etwas weniger emotional, eine kleine Wahlanalyse und Zukunftsprognose von mir: Klick

Was wenigstens positiv ist: Immerhin haben es ein paar Menschen kapiert, dass Menschenrechte wichtig sind und auch die Parteien unterstützt (Linke/Grünen), die explizit die bisherigen Zustände im Zusammenhang mit Transsexuellenrechten als menschenverachtend erkannt haben. Danke dafür.
 
26.09.2009
Kurz vor der Bundestagswahl eine kleine Analyse der Parteien. Wer ist für transsexuelle Menschen wählbar? Hier eine kleine Übersicht:

Drei (bzw. vier, wenn man die nachgereichte Aussage von Gabriele Fograscher an ATME e.V., SPD mitzählt) von den Fraktionen äussern öffentlicn, Zwangssterilisationen von transsexuellen Menschen abschaffen zu wollen: Die Grünen, Die Linke und die FDP. Gegen die FDP spricht, dass sie mit der CDU koalieren will, da die CDU offiziell an den Zwangssterilisationen festhält ("Gleichwohl kann auf die grundsätzliche Bedingung dauernder Fortpflanzungsunfähigkeit nicht verzichtet werden." BMI/CDU, April 2009). Nur zwei von den Fraktionen äussern zudem explizit, dass sie Transsexualität bzw. Transgender nicht für eine Geisteskrankheit halten (im Gegensatz zu der FDP - siehe: Bundestagsdrucksache 16/9335) - es sind die Grünen und die Fraktion Die Linke.

Wählbar sind damit: Die Grünen und Die Linke.

Mehr dazu, hier: Wahlanalyse von ATME e.V.

Unter diesem Link finden sich auch die jeweiligen Ausschnitte aus den Parteiprogrammen und Antworten zu Fragen von LSVD und ATME e.V.
 
04.09.2009
Na, das war doch dann gar nicht so schlecht. Um ehrlich zu sein, war es sogar ziemlich gut, was wir am 2. September in Stuttgart erleben konnten. Hier mal die Pressemitteilung des Vereins ATME e.V.:

"Ihr hättet noch länger machen können" oder "das war hoch interessant" waren Reaktionen aus dem gut gefüllten Lauras Cafe in Stuttgart und der Podiumsdiskussion "Transsexualität und Menschenrechte" am 2. September 2009 - und das, obwohl die Veranstaltung bereits schon 40 Minuten länger dauerte, als geplant. Das Thema "Transsexualität" scheint wohl so langsam die muffigen Hinterzimmer zu verlassen, wie sich zeigte, und traf nun in der Öffentlichkeit auf offene Ohren. Verblüffung bei all den nicht-transsexuellen Menschen im Publikum machte sich breit darüber, welche Menschenrecht verletzenden juristischen und medizinische Regelungen noch heute existieren, denen transsexuelle Menschen in Deutschland ausgesetzt werden, wie zum Beispiel Zwangssterilisationen oder die bisher geltende Definition von Transsexualität als psychische Störung. Zu Gast waren Vertreter der Parteien - Stefan Kaufmann (CDU), Biggi Bender (Grüne), Ute Vogt (SPD), Marta Aparicio (Linke) und Michael Marquardt (FDP). Moderiert wurde die Diskussion von Christina Schieferdecker und Kim Schicklang vom Verein Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V.

Man kann es schon als kleinen Meilenstein in der Emanzipation transsexueller Menschen sehen, wie bestürzt die fünf Parteienvertreter waren, als sie mit den Problematiken transsexueller Menschen konfrontiert wurden. Die bisher im sogenannten Transsexuellengesetz geregelte Praxis, dass sich transsexuelle Menschen zwangssterlisieren lassen müssen, um ihre Papiere ändern zu können, konnte keiner der anwesenden Politiker und Gäste nachvollziehen. Selbst Stefan Kaufmann von der CDU bezeichnete diese gesetzlichen Regelungen als "menschenverachtend".

Alle Politiker waren sich, trotz ihrer Parteizugehörigkeit einig darin, dass transsexuelle Menschen heute da stehen, wo sich die Homosexuellenbewegung noch vor einigen Jahren befand und bekräftigten, dass Veranstaltungen wie die Podiumsdiskussion in Lauras Café einen wichtiger Beitrag für einen gesellschaftlichen Wandel darstellen und machten den Anwesenden Mut, sich noch engagierter in der Öffentlichkeit mit ihren Diskriminierungserfahrungen zu präsentieren.

So wies die Bundestagsabgeordnete Biggi Bender noch einmal auf den Gesetzentwurf der Grünen hin, welcher eine Umfassende Reform des Transsexuellenrechts vorsieht. Zwangssterilisationen und die Begutachtung transsexueller Menschen als "psychisch krank" sollen aus dem Transsexuellengesetz gestrichen werden - ein Gesetzentwurf der ähnliche Forderungen enthält, wie die Vorstellungen der Linken. Marta Aparicio bekräftigte, dass auch die Fraktion der Linken nach der Wahl erneut Anträge einbringen wird, diese menschenverachtenden Regelungen, die bisher für die Änderung der Papiere gelten, zu kippen.

Wer weiss, dass die medizinischen Fehldefinitionen von transsexuellen Menschen als "psychisch krank" (aus denen dann z.B. in Deutschland bis heute Zwangssterilisationspraktiken hervorgehen, die selbst der Menschenrechtskommissar des Europarates jüngst aufs schärfste verurteilt hatte) ebenso menschenverachtend sind, wie einst bei Homosexualität der Paragraph 175, da hier ebenso Menschen existentielle Rechte verwehrt werden, bemerkte, dass das, was die Vertreter der Parteien geäussert haben und wie sie sich dem Thema öffneten, als ein Beginn eines fast schon revolutionären gesellschaftlichen Wechsels bezeichnet werden kann. Einige Menschen aus dem Publikum waren sich dann in ihrer Gefühlsäusserung über den Abend einig: "Das war ganz gross".

(http://atme-ev.de)

Wer sich die Podiumsdiskussion anhören möchte... hier ist sie:

Mitschnitt der Podiumsdiskussion als audio-Datei: Klick
(etwas geschnitten und ohne die gezeigten zwei Filme)

Zum besseren Verständnis, hier noch ein aktueller Bericht zur Situation transsexueller Menschen in Deutschland : Da.

Mein Fazit:

Wenn transsexuelle Menschen selbstbewusst auftreten, dann können wir auch etwas verändern. Vielleicht ändert sich die Einstellung ja nun von einem "es geht sowieso nicht" in ein "wir können". Weil wir sind, wer wir sind.
 
18.08.2009
Nachdem der Verein ATME e.V. schon auf dem CSD kräftig Flyers verteilt hatte, gibt es nun bereits erste Vorkomnisse, die dem Verteilen folgen. Anfang September, also noch rechtzeitig vor der Bundestagswahl werden wir kritisch diskutieren und die Parteien befragen. Hier einmal dazu ein kleiner Veranstaltungstipp:

Transsexualität und Menschenrechte
Podiumsdiskussion mit Vertretern aller Parteien

Der Menschenrechtskommissar des Europarates Thomas Hammarberg hat am 29. Juli u.a. Deutschland für seinen Umgang mit transsexuellen Menschen kritisiert. Zwangssterlisationen und die Definition von Transsexualität als "Identitätsstörung" stünden nicht im Einklang mit der europäischen Menschenrechtspolitik. Eine ähnliche Meinung vertrat auch der CEDAW-Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen.

Dennoch, trotz internationaler Menschenrechtsabkommen, gelten diese gesetzlichen und medizinischen Regelungen in Deutschland weiterhin.

Welchen Handlungsbedarf sehen die Parteien? Welche Wirkung haben internationale Menschenrechts-Abkommen, wie der UN-Sozialpakt, auf die bundesdeutsche Gesetzgebung? Wie wird sich die deutsche Politik für die Menschenrechte transsexueller Menschen einsetzen?

Wir unterhalten uns u.a. mit: Ute Vogt (SPD), Biggi Bender (Die Grünen), Michael Marquardt  (FDP), Stefan Kaufmann (CDU), Marta Aparicio (Die Linke)

Ort: Laura's Cafe (Lautenschlagerstr. 20, 70173 Stuttgart)
Datum: 02.09.2009
Uhrzeit: 19 Uhr

Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V.
http://atme-ev.de
Transphobie bekämpfen - Jetzt!

Den Flyer zum Download gibt es hier (Links zum Downloaden anwählen): a) grösser und b) etwas kleiner . Natürlich freut er sich, wenn er in der Welt ein wenig herumkommt.


 
02.08.2009
Der vollständige Respekt vor der geschlechtlichen Identität transsexueller Menschen ist die Kernforderung des Vereins Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. Hmmmm.... und was heisst das? Das, was sich auch als Aussage auf einem aktuellen Flyer wiederfindet:

Transsexuelle Menschen haben ein Wissen über ihr eigentliches Geschlecht. Dieses Wissen ist Ausdruck der biologischen Vielfalt der Geschlechter. Transsexuelle Frauen sind Frauen. Transsexuelle Männer sind Männer. Sie waren nie etwas anderes.

Vielleicht hat das manche Menschen, die den Flyer beim Stuttgarter CSD überreicht bekommen haben (neben der CDU u.a. die Landesvorsitzende der SPD Ute Vogt oder auch Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen) zum Nachdenken gebracht: "Ist das Geschlecht eines Menschen immer an den Genitalien abzulesen?" wäre so eine Frage. "Was wenn nicht"? wäre dann eine gute weitere Frage. Und am Ende könnte das dann dahin führen, was die Intention des Flyers ist - dass Menschen die "geschlechtliche Echtheit" transsexueller Menschen wahrnehmen und ihnen damit nicht weiter unterstellen, "eigentlich einem anderen Geschlecht anzugehören". Wir sind, wer wird sind. Wenn wir erkennbar sind, dann ist das um so schöner.

Hier einmal der Flyer (bzw. die zwei - es sind nämlich insgesamt 3 Seiten) als Download:

Seite 1+2
Seite 3

Und hier noch die passende Unterlegmusik für das Durchlesen: Klick (was ein alter Schinken, aber naja... er passt immer noch)
 
29.07.2009
Hier eine aktuelle Meldung von ATME e.V.

EU-Menschenrechtskommissar Thomas Hammarberg kritisiert Zwangssterilisationen

Gesetzliche Regelungen, die transsexuelle Menschen dazu zwingen, sich zwangssterilisieren zu lassen, um per Gesetz rechtlich anerkannt zu werden, sind ein klarer Verstoss gegen die von der EU geforderte körperliche Unversehrtheit einer Person. Dies machte Thomas Hammarberg, Menschenrechtskommissar des Europarates in einer Stellungnahme vom 29. Juli 2009 klar. Damit verstösst das von CDU und SPD jüngst einer Minimalreform unterzogene Transsexuellengesetz gegen europäisches Recht.

"Es ist besorgniserregend, dass transsexuelle Menschen die einzige Gruppe in Europa zu sein scheint, die sich einer gesetzlich vorgeschriebenen, vom Staat erzwungenen Sterlisationspraxis unterziehen muss."

Staaten, die körperliche Massnahmen für die rechtliche Anerkennung des Geschlechtes verlangen, würden laut Hammarberg zudem transsexuellen Menschen das Recht auf Gründung einer Familie verwehren. Transsexuelle Menschen seien auf Grund der zum Teil langwierigen Prozeduren von Vornamens- und Personenstandsänderung zudem davon betroffen, dass sie für einen langen Zeitraum in ihrem Leben von einer gleichwertigen und vollen Anteilnahme am kulturellen Leben, schulischer Ausbildung oder vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen wären. Sogar nach einer Änderung der Papiere gebe es in vielen Staaten Probleme bei der Anerkennung ihres Geschlechtes, wie z.B. bei Behandlungen durch die Polizei oder im Medizinwesen .

Hammarberg nimmt in seiner Stellungnahme zudem Kritik vieler Transsexuellen- und Transgenderorganisationen auf, welche die medizinische Klassifikation von Transsexualität als "psychische Störung" als Kernproblem und Grundlage für weitere Transphobie sehen.

"Solche Klassifikationen können ein Hindernis sein, wenn es um die Anerkennung von Menschenrechten für Transgender Personen geht, insbesondere im Zusammenhang mit der vollständigen Rechtsfähigkeit oder medizinischer Behandlung."

Gesetzliche oder medizinische Regelungen, die bestimmte Behandlungsschritte für eine geschlechtliche Anerkennung voraussetzen, wie psychologische Gutachten über Kindheitserfahrungen, sexuelle Orientierung oder Kleidungsgeschmack seien höchst fragwürdig.

Damit teilt Thomas Hammarberg eine grosse Rüge an die Transsexuellenrechts-Politik der grossen Koalition aus, die bisher notwendige Reformen der rechtlichen und medizinischen Behandlungssituation in den letzten Jahren nicht umgesetzt hat. Heute wissen wir: Deutsche Regelungen wie das Transsexuellengesetz verstossen ebenso gegen europäische Menschenrechtsgrundsätze, wie so manch medizinische Behandlung. Danke Herr Hammarberg, dass sie die Forderungen von ATME e.V. so gut auf den Punkt bringen.

Anhang

Links:

Stellungnahme von Thomas Hammarberg im Original-Text (oder hier: klick )
Yogyakarta-Prinzipien
Stellungnahme von ATME e.V. zu Zwangssterilisationen an transsexuellen Menschen
8 Forderungen von ATME e.V
 
26.07.2009
Als kleines Sommerprogramm für zwischendurch habe ich hier einmal zwei Tipps: Lesen und Video anschauen. Beide Tipps sind gut geeignet, seinen Horizont bezüglich dem, was eigentlich das biologische Geschlecht des Menschen ist, ein wenig zu erweitern. Gerade im Zusammenhang mit geschlechtlichen Uneindeutigkeiten, zu denen auch Transsexualität gehört, könnte ein offener Blick auf die Vielfältigkeit der Natur helfen zu verstehen, dass viele Vorurteile gegenüber transsexuellen Menschen ideologischer Natur sind, und im Gegensatz zu wissenschaftlichen Realitäten stehen. Dazu gehört die diskriminierende Behauptung, transsexuelle Menschen würden ihr Geschlecht wechseln genauso, wie die Paradoxie, welche hinter dem transphoben Begriff "Geschlechtsidentitätsstörung " steht - ein Begriff der heute noch von ewig-gestrigen Sexologen in Deutschland gebraucht wird, wenn sie behaupten, dass z.B. eine transsexuelle Frau ein "Mann wäre, der sich wie eine Frau fühlt", ohne diese Frau als echt, wahrhaft und Teil der Biologie anzuerkennen.

Hertha-Richter Appelt: "Unter Transsexualität versteht man ein Phänomen, dass Menschen einen biologisch völlig unauffälligen Körper haben, aber von sich aus das Gefühl haben im falschen Körper zu leben. Und ein biologischer Mann sagt, ich bin eine Frau und eine biologische Frau sagt, ich bin eigentlich ein Mann."
(O-Ton Deutschlandfunk, Juli 2008)
Psychoanalytikerin aus Hamburg

In einem Buch von Udo Rauchfleisch: "denn nach wie vor ist spürbar, dass der Trans-Mann kein »wirklicher« Mann und die Trans-Frau keine »wirkliche« Frau ist"
(Transsexualität - Transidentität. Begutachtung, Begleitung, Therapie 2006)
Psychoanalytiker aus der Schweiz

Sophinette Becker: "Früher hat es mehr Männer gegeben, die Frauen werden wollten..."
(Anfang 2008, ZDF)
Psychoanalytikerin aus Frankfurt

Bernd Meyenburg: "Sie sehen doch, das Kind hat einen Penis, also ist es kein Mädchen"
(Interview 2008)
Behandler von transsexuellen Jugendlichen aus Frankfurt

Jeder Mensch hat das Recht auf sein eigenes Geschlecht. Geschlechtsumwandlungen gibt es nicht.

Hier die Hintergrundinformationen bzw. Sommer-Ferien-Tipps:

a) Film: Gender Puzzle


Info:

Ein Film, der sehr gut aufführt, dass die Vorstellung über die Geschlechtseinteilung in xx und xy bzw. Penis=vorhanden oder Penis=nicht vorhanden, nichts mit der biologischen Realität gemein hat. In Wirklichkeit ist die geschlechtliche Vielfalt weit grösser, als oft behauptet (siehe Zitate oben).

Länge: ca. 45 min

youtube-Link: Klick

b) Buch: "Between XX and XY - Intersexuality and the Myth of the two Sexes" von Gerald N. Callahan

"Combining passion with current scientific information, Callahan, an immunologist/pathologist at Colorado State University, explains why our conception of two sexes is more a social than a biological construct. He argues that there are no simple, foolproof ways to determine sex."

Callahan zeigt in dem Buch sehr deutlich, dass es schwer ist, das Geschlecht eines Menschen mittels bestimmter Merkmale eindeutig in ein schwarz-weiss-Schema zu pressen und macht deutlich, dass Geschlecht weitaus komplexer ist, als viele Menschen immer noch behaupten. Ich finde das Buch deswegen so lesenswert, da es klar macht, dass die Behauptung eine transsexuelle Frau wäre "ein biologischer Mann" eben erst einmal nicht mehr ist, als eine Behauptung, die auf den typischen Stereotypen basiert, wie denn nun das "biologische Geschlecht" auszusehen hätte und mit der Realität (weil Behauptung) nichts gemein hat.

Link zu Amazon: Hier bestellen

 
09.07.2009
Es gibt da so ein Wort, das sich im englischen "gay-pride" nennt- ein Wort, das ziemlich gut beschreibt, warum die Homosexuellenbewegung sich in den letzten Jahrzehnten vom Status der Unterdrückten weitgehend gelöst hat. "gay-pride" steht synonym dafür, das eigene Selbst nicht zu verleugnen, sondern sogar stolz darauf zu sein. Ein Mensch ist, was er ist. So schafften es die Schwulen- und Lesben gesellschaftlich klarzustellen, dass ein Mensch nicht homosexuell wird, sondern homosexuell ist. Sich als homosexuell zu outen, heisst sich selbst zu akzeptieren.

Vergleicht mensch das einmal mit dem, wie transsexuelle oder transgender-Menschen sich selbst verkaufen, dann lässt sich hier nur wenig Selbstakzeptanz finden. Wie muss das sein, wenn ein Mensch weiss, dass er eigentlich eine Frau ist und sogar fest davon überzeugt ist, eine Frau zu sein und er sich trotzdem selbst als "biologischer Mann" bezeichnet, obwohl er weiss, dass die Biologie in Sachen Geschlecht weitaus komplexer ist als die Anwesenheit oder Abwesenheit eines Penis? Warum haben transsexuelle Menschen hier Schwierigkeiten ihr So-Sein als echt und Teil der biologischen Vielfalt zu begreifen? Müsste nicht ihre blosse Existenz Hinweis genug sein, dass die Behauptung eine transsexuelle Frau wäre ein "biolgischer Mann mit Geschlechtsidentitätsstörung" so nicht ganz richtig sein kann? Wie können Betroffene immer noch behaupten sie wären "Frau geworden" (bzw. Mann)? Wäre der Begriff "gay-pride" gerechtfertigt, wenn hier Homosexuelle genauso behaupten würden, ihre sexuelle Orientierung hätte sich geändert oder sei wechselbar?

Und vorallem: Warum sind es gerade diejenigen, welche meinen die Stimme für alle transsexuellen Menschen erheben zu können, die sich hier am allerbesten selbst verleugnen?

So schrieben beispielsweise Deborah Reinert und Annette Güldenring, an sich beides aktive Menschen, zusammen mit denen, die heute noch an "Geschlechtsidentitätsstörungen" glauben (wie beispielsweise Sophinette Becker , Psychoanaltikerin und "Expertin" für die DGfS), Artikel für die Zeitschrift "Sexuelle Identitäten", die Anfang 2009 im Thieme Verlag erschienen ist. Schlimm ist nicht nur, dass hiermit so nun betroffene transsexuelle Menschen weiterhin prima als Alibi-Identitätsgestörte für diejenigen dienen können, die z.B. transsexuelle Frauen als "biologische Männer mit Geschlechtsidentitätsstörung" ansehen wollen, sondern es ist im Konkreten sogar schlimmer, welche Folgen derartige Selbstverleugnung auf alle transsexuelle Menschen haben können.

Hier ein paar Beispiele. Hier schreibt Annette Güldenring:

"Transsexuelle Kinder machen sich früh mit ihrem eigenen Empfinden vertraut und ihre Identität entwickelt sich als eine, in der das Transsexuelle immer präsent ist, fest zum Bestandteil der Persönlichkeit dazu gehört und alle zukünftigen Entwicklungsphasen begleitet und beeinflusst. Nicht selten wird in dieser Phase schon beschlossen, irgendwann später das Geschlecht zu wechseln."

Ein transsexuelles Mädchen wird von ihr in diesem Text ebenso als "biologischer Junge" bezeichnet, wie sie selbst von sich behauptet ihr "Geschlecht gewechselt" zu haben. Schade. Und weiter ist zu lesen...

"Die Auseinandersetzung mit dem neuen Geschlecht hat Gefühle der Erleichterung etc. zur Folge. Der depressive Druck lässt nach."

Und wie war das alte Geschlecht? Welch Selbstbewusstsein ist es, hier gleichzeitig z.B. behaupten zu können "Ich bin eine Frau" (nach dem irrigen DSM sogar Diagnosekriterium..."Ein starkes und andauerndes Zugehörigkeitsgefühl zum anderen Geschlecht") und trotzdem davon überzeugt zu sein ein "biologischer Mann" zu sein. Aha. Und nachdem dann ein Chirurg Hand angelegt hat und an den Genitalien herumgedoktort hat ist man(n) im neuen Geschlecht angekommen? Jetzt etwa auch biologisch, oder doch nicht? Ein biologischer Mann, der aussieht wie eine Frau? Ein xy-Chromosomenträger mit Neovagina? Ein Neo-Zwitter sozusagen, da ja nun Genitalien und Chromosomensatz differieren? Oder doch eine Frau? Wenn ja, Wann fängt das an, das Frau sein...? Ich hatte ja schon desöfteren geschrieben, dass ich den Gedanken fatal finde, hier von "Geschlechtsumwandlungen" oder von "Mann-zu-Frau" oder "Frau-zu-Mann" zu sprechen - insbesondere wenn auf ein scheinbar "biologisches Geschlecht" verwiesen wird, dann aber doch nur erst einmal das genitale Geschlecht gemeint ist und mitnichten das "biologische", wie Deborah Reinert in der psychoanalytisch geprägten Zeitschrift "Sexuelle Identitäten" selbst anmerkt:

"Das Geschlecht eines Kindes wird in der Regel zum Zeitpunkt seiner Geburt entsprechend seinen äußeren körperlichen Geschlechtsmerkmalen bestimmt."

Dort aber, wo eine starke Kritik an der Gleichsetzung von genitalem mit dem angeblich "biologischen" Geschlecht nötig wäre, verweist sie ein paar Sätze später lediglich auf eine "später gefühlte Identität" ohne hier die Genitalfixierung der deutschen Medizin an sich zu kritisieren. So sieht kein "trans-pride" aus. Denn zu einem gesunden und starken Selbstbewusstsein müsste ja gehören, dass die selbst von Transsexualität betroffenen Protagonisten hier ihr "gefühltes Geschlecht" als Wissen über das eigene Selbst ernster nehmen, als sie es bisher vielleicht von sich behaupten.

Warum ich das so wichtig finde? Es sind die Folgen, die sich aus einem Fehlen eines kollektiven Selbstbewusstseins ergeben. Jeder Mensch trägt Verantwortung für den anderen. Hierzu ein schöner und deutlicher Artikel von Sarah :

Worte, die töten.

Es kommt nicht selten vor, dass wenn über transsexuelle Personen gesprochen wird, solche Worte fallen wie: "Sie wurde als Michael geboren." "... als ich noch ein Mann war...".

Nun ist es leicht, die Terminologie zu übernehmen, wenn man in einer cisnormativen Welt aufgewachsen und deren Sprache aufgesogen hat. Nur vermitteln diese Worte ein völlig falsches Bild. Nur weil wir versucht haben, der Rolle, die uns unser äusseres Aufgezwängt hat, waren wir doch letztlich immer die selbe Person, wechseln wir das Äussere und diese Rolle, mag das von aussen ja nach einem Geschlechtswechsel aussehen - tatsächlich ist es aber nur eine Korrektur dieser beiden Punkte. Das jetzt zu Tage tretende Ich ist das wahre Ich und wer die Transition einer transsexuellen Person hautnah miterlebt hat, wird dies bestätigen können.

Aber diese Sprache hält die Leute in dem Glauben Transfrauen seien Männer (und Transmänner Frauen) die so tun, als ob sie etwas anderes wären. Und diese Sichtweise tötet Menschen.

Insbesondere, wenn es zu sexuellem Kontakt kommt, und die andere Partei findet danach heraus, dass die Person eine transsexuelle Vergangenheit hat, kommt es genau Aufgrund dieser Einstellung zu gewalttaten. In den Kommentaren zu der Berichterstattung über den Prozess von Angie Zapatas Mörder wurde Angie sogar immer wieder als Vergewaltigerin bezeichnet - weil sie angeblich dem Mörder einen Geblasen hat, ohne ihren PreOp Status zu verraten: Es heist, Frauen wie sie verführen Männer zu Homosexuellen Handlungen, in einer homophoben Kultur ein grosses Verbrechen.
Und immer wieder kommen Männer, die Frauen ermorden und dann Argumentieren sie hätten sie nicht darüber aufgeklärt, dass sie in Wahrheit Männer seien, vor Geschworenengerichten davon. Wie zum Beispiel beim Mord an Gwen Aujuro - sie wurde von einer Gruppe jugendlicher zu Tode gefoltert und da die Geschworenen sich nicht einigen konnten, ob ein Mord oder Totschlag vorliegt, da die armen Jungs ja getäuscht wurden, kamen sie Frei.

Das Problem ist nicht nur auf transsexuelle Frauen begrenzt, dank der Verfilmung der Leidensgeschichte von Brandon Teena (Boys don't cry) ist auch der Fall eines Mannes recht bekannt, der Vergewaltigt und Totgeprügelt wurde.

Aber es muss noch nicht einmal die Gefahr sein, die von betrunkenen, männlichen Gruppen von Jugendlichen ausgeht - wo die Gruppendynamik freien Lauf hat. Selbst eine Person, die mehrere Jahre mit einer anderen zusammengelebt hat, kann Gewalt bis hin zum Tod erfahren - von dem ach so geliebten Menschen, der nun glaubt, die ganzen Jahre einer Täuschung aufgesessen zu sein.

Nachdem zwei Polizisten in Australien Vertrauensbruch begangen und die transsexuelle Vergangenheit seiner Freundin einem Verdächtigen verrieten, um diesen zu verhöhnen "Hey, du fickst einen Kerl" ging dieser Schnurstracks nach Hause, wo er seine Freundin Brigitte Fell derart verprügelte, dass sie eine Lippe verlor. Was sagt ein Vertreter der christlichen, demokratischen Partei Australiens dazu? "Mr Jacobson was deliberately deceived into believing that Mr Fell was a woman" Mr. Jacoobsen wurde vorsätzlich betrogen, zu glauben Mr. Fell sei eine Frau."

Und gerade kürzlich verstarb wieder eine Frau an ihrem Freund. Er machte ihr einen Heiratsantrag, sie lehnte ab, und er spionierte Eifersüchtig in ihrem Emailpostfach, weil er dachte, es müsse einen anderen geben. Auf diese Art erfuhr er von ihrer medizinischen Geschichte. Auch er fühlte sich getäuscht und Betrogen, so sehr, dass er sich die Pulsadern aufschnitt - nachdem er Melissa mit einem Kopfschuss ermordet hatte. Er hat überlebt, aber dennoch einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er ihr die Schuld zuweist, und das sie ihn getäuscht hat. Getäuscht? Die einzigen Leute, die sich hier getäuscht haben, sind die Täter und nicht darin, dass sie über das Geschlecht ihres Opfers getäuscht wurden, sondern dahingehend, dass ihre Opfer eigentlich etwas anderes sind, als sie von ihnen glaubten, zu sein - nämlich das, was sie kannten.

Ein tödlicher Irrtum, der mit jeder Erwähnung von "Ich wurde geboren als...", "Als ich noch ein Mann war...", "... früher als Frau hätte ich..." aufs neue ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit gehämmert wird.


Vielen Dank für den Text, Sarah. Ich wünsche mir endlich einmal mehr "trans-pride". Es wäre das beste um weitere Verbrechen zu verhindern.

Info zur Zeitschrift "Sexuelle Identitäten":

von: Strauß; Senf
Psychotherapie im Dialog - Sexuelle Identitäten
Zeitschrift für Psychoanalyse, Systemische Therapie, Verhaltenstherapie, Humanistische Therapien
Thieme Verlag, 2009, 98 S. - ISBN: 978-3-13-146421-7 - Artikelnr.: 160710


Was mir gerade noch so einfällt. Es ist irgendwie ein seltsamer Zufall, dass diese Zeitschrift Anfang 2009 erschienen ist - just in dem Zeitraum, nachdem der Verein ATME e.V. den Alternativbericht zur "Situation transsexueller Frauen in Deutschland" einem UN-Frauenrechtskomitee übermittelt hat (Anfang 2009 wurde in Genf auf die menschenrechtlich problematische Situation transsexueller Menschen und die Menschenrechtsbrüche des deutschen Transsexuellengesetzes eingegangen). Es riecht schon etwas seltsam, wenn man weiss, dass in diesem Alternativbericht die Theorien rund um den Begriff "Geschlechtsidentitätsstörungen" ebenso stark kritisiert wurden, wie die Vertreter aus der Medizin (hier  vorallem: Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung), welche heute noch behaupten, es gäbe "Geschlechtsumwandlungen" und genau diese Menschen eine Zeitschrift herausbringen der den Grundtenor "nein, wir doch nicht - wir sind doch ganz lieb und unschuldig" beinhaltet. Doch kein Zufall? Und warum ausgerechnet Deborah Reinert und Annette Güldenring hier mitgeschrieben haben...? Ach wäre die Welt nicht hintenrum...

Hier nochmal der Alternativbericht: Download

Hertha-Richter-Appelt von der DGfS war übrigens permanent über das CEDAW-Vorgehen informiert - als Mitglied des Mailverteilers und Mitleserin der Informationen der Frauengruppen, die Alternativberichte zu CEDAW verfasst hatten.

 
29.06.2009
Hier wieder einmal ein paar Kommentare, die hier ihren Platz finden dürfen. Der eine dreht sich um das Transsexuellengesetz und die Stellungnahmen der einzelnen Organisationen (u.a. Maria Sabine Augstein, die auch für den LSVD aktiv ist), der andere Kommentar berichtet über die fortschreitende Pathologisierung von Transsexualität als "psychische Störung".

Kommentar 1:

Zum "Transsexuellengesetz"

Die Stellungnahme des LSVD ist wirklich nicht hilfreich. Und Augstein hat ja bekanntlich keine Probleme damit, zusammen mit Menschenrechtsverletzern wie Pfäfflin, Kockott, Becker oder anderen zu publizieren.

Zu in einigen Stellungnahmen auftauchenden Elementen der Selbstentmündigung:

DGTI

Beratung:

Wer ist kompetent und darf so eine Beratung durchführen? Wer bezahlt diese? Und welchen Aufwand sollen Leute aus der Provinz, sagen wir mal Altmark, betreiben, um einer solchen Beratungspflicht genügen zu können?

Ärztliches Attest oder Zeugnis:

Die Bringepflicht liegt hier nun nicht mehr beim Gutachter oder Attestierer, sondern beim Antragsteller. Viel Spaß! Der gewöhnliche Hausarzt sagt: Ich kann keine Atteste ausstellen, denn ich bin doch da gar kein Fachmann und kann das nicht beurteilen. Folglich landen die Attestsuchenden bei Leuten die vorgeben, es zu können, also Typen wie Pfäfflin . Da Pfäfflin nun im Gegensatz zu vom Gericht angeforderten Gutachten nicht mehr bringepflichtig ist für eine solche medizinische Stellungnahme, kann er deren Erstellung beliebig hinauszögern und dann letztlich ganz verweigern, z.B. weil er die Sache im konkreten Fall nicht beurteilen kann. Erstklassiges Eigentor.

Geschlechtseid:

Muss den auch die übrige Bevölkerung schwören?

Es wäre mal sehr informativ, wer den Vertretern einiger Organisationen suggeriert hat, es sei politisch nicht durchsetzbar, wenn auf derartige Elemente der Selbstentmündigung verzichtet würde? Ein paar Verdächtige: Kurt Seikowski, Friedemann Pfäfflin, MS Augstein, ... Ich bitte um Rückinfo.

Die sogenannte Normalbevölkerung erwartet von uns, dass wir zu uns stehen. Mit Selbstentmündigung machen wir uns keine Freunde.

Wie nun aus der Stellungnahme der DGTI zu entnehmen ist, stammt die Idee eines sogenannten Transgendergesetzes von der DGfS. Das erklärt einiges. In diesem Gesetz, lange Zeit von der DGTI ins Netz gestellt, wird eben jenes vom Antragsteller beizubringende Attest eingeführt. Darüber hinaus sollte mir diesem Gesetz noch die Genitalverstümmelung an Kindern mit intersexuellem Genital gesetzlich abgesichert werden. Dieser Gesetzentwurf sah nämlich eine Unterlassung dieser Eingriffe an Kindern nur dann vor, wenn sie das Ziel der Herstellung geschlechtlicher Eindeutigkeit verfolgten. Damit war einer Argumentation der Weg geöffnet, dass diese Eingriffe ausdrücklich nur für diesen Fall untersagt sind, nicht aber, wenn diese Eingriffe notwendig sind, um dem Kind eine "gesunde" psychische Entwicklung zu ermöglichen.

Transgender: Es scheint den Fans des Begriffes "Transgender" auch noch nicht so richtig aufgefallen zu sein, mit welcher Begeisterung sich verfassungsfeindliche, Menschenrechtsverletzung propagierende und betreibende Organisationen wie die DGfS oder die HBIGDA auf den TransgenderZug gesetzt haben.

"Transgender" suggeriert, es handele sich um Lust und Laune und sei nichts echtes, also etwas psychisches, etwas, was sich psychisch manipulieren lässt, auf Deutsch psychiatrisch behandelbar, wegtherapierbar ist. Angeblich geht es ja um Gender, also das soziale Geschlecht, und nicht um das (psychische) Geschlecht, was man schon immer hat, unabhängig davon, wie sehr männlich oder weiblich oder dazwischen es genau verortet ist.

Man könnte provokatorisch sagen: Transgender ist, wenn man seine Existenzberechtigung einfordert und die Theorie die selbige in Frage stellt gleich mitliefert. DGfS, HBIGDA/WPATH und Co. freuen sich zu Recht.

Etwas mehr Selbstvertrauen Bitte. Und viele Grüße von einer Giftzicke

(Sabrina Schwanczar)

Link zu den Stellungnahmen: (ganz nach unten scrollen)
Hintergrund: Gerichtssache Pfäfflin

Kommentar 2:

Mit großem Interesse habe ich Ihre langen Ausführungen gelesen. Ich möchte Sie auf eine Angelegenheit hinweisen, die Ihnen vielleicht bereits bekannt ist. Michael First ist Professor an der Columbia University und zentraler Bearbeiter des DSM. Er versucht derzeit eine neue Krankheit zu erfinden, die sich Body Integrity Identity Disorder (BIID) nennt. Dabei geht es um eine angebliche Lust, sich ein Bein abzuschneiden.

In einem Artikel aus dem Jahre 2005 versucht er sowohl eine wissenschafliche Analagogie zu der angeblich existierenden Krankheit GID herzustellen. Anhand weniger Personen leiet er aber auch einen direkten Zusammenang ab. Auch in Deutschland versuchen Psychiater die neue Krankheit BIID im Zusammenspiel mit der angeblichen Krankheit GID "hoffähig" zu machen. Dabei spielt ein Professor an der Universität Lübeck (auch da gibt es eine Universität) namens Kasten eine besondere Rolle. Er ist in einem Verein im Vorstand, der sich zur Aufgabe gemacht hat, den Arbeitsbereich seiner Zunft der Psychologen zu erweitern. Nun versucht er unter dem Deckmantel BIID sei so wie GID die Diskriminierung von Transsexuellen mit der neuen angeblichen Erkrankung BIID wieder neu aufleben zu lassen.

Ich möchte Sie außerdem darauf hinweisen, dass für den Fall, dass die WHO Transsexualität aus den ICD 11 streicht, sie mit BIID wieder drinstehen wird. Ich würde mich freuen, wenn Sie die Entwicklungen, die u.a. von Blanchard vorangetrieben werden, im Auge behalten würden.

(Alexander Weman)

Also bisher soll das nach Ansicht der "Experten" also noch so aussehen: Wenn ein Mädchen (welches transsexuell ist) sagt "Ich bin ein Mädchen" soll es ein Junge mit einer "Geschlechtsidentitätsstörung" sein, da dieses Mädchen mit einem Penis geboren wurde. Dieses Mädchen soll also ein Junge sein, der sich wünscht, dass sein Penis amputiert wird (Analogie zu BIID)? Es wird immer unglaublicher. Kann diesen Schwachsinn endlich mal jemand aufhalten?

Ich erinnere noch einmal daran (es passt ja nun ganz gut), dass seit 2006 die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung zu einem konstruktiven Dialog eingeladen wurde, um Wege zu finden, die medizinische Situation transsexueller Menschen zu verbessern (Siehe im Ticker ganz oben). Forderungen nach vollständiger Anerkennung der Geschlechtsidentität, die der Verein Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. vor Monaten erneut so an die DGfS gerichtet hatte blieben bislang unbeantwortet. Wann erkennt ihr, liebe "Experten" eigentlich, dass es ein Menschenrechtsverbrechen ist, wenn man einem Menschen seine geschlechtliche Existenz aberkennt? Nie?

Link: Anschreiben an DGfS des Vereins ATME e.V. vom 1. März 2009

Link: Gedanken zu Ideologien
 
24.06.2009
Wir leben in einem Land, in welchem die Menschen an das Märchen von der Geschlechtsumwandlung glauben. Wer mit einem Penis zum Arzt rennt und hinterher eine Vagina in seinem Körper trägt, da ein Chirurg Hand angelegt hat, soll von einem "Mann zur Frau" geworden sein. Dass diese Genitalfixierung der deutschen Gesellschaft nicht nur zu wildesten Theorien über vermeintliche psychische Störungen der "Transsexuellen" geführt hat - ein (genitaler) "Mann" soll ja angeblich eine "Frau werden" wollen - sondern zudem immer noch eine absurde und menschenverachtende Gesetzgebung am leben hält (wie dem deutschen Transsexuellengesetz) wird einfach mal so locker flockig ignoriert. Deutschland braucht eben seine Freaks - und selbst, wenn sie keine sind, dann definiert man eben Geschlecht einfach über den Penis und schon hat man seine "geschlechtsidentitätsgestörten" bzw. Männer, die "Frau werden". Das äusserst brutale an dieser Ignoranz ist, dass man denen, die man als "Männer" bezeichnet, ihr eigentliches Geburtsgeschlecht weiterhin verwehren möchte - da sie mit einem Genital geboren wurden, welches nicht dem Geburtsgeschlecht entspricht.

Eine lange Einleitung für eine Meldung aus dem Deutschen Parlament. Nun denn...

Hinweis: Geschlechtsumwandlungen gibt es nicht. Transsexuelle Frauen sind als Frauen geboren worden. Transphobie ist es, diese Tatsache abzustreiten.

Und hier die Meldung:

Helmut Stoltenberg - Neues Recht für Transsexuelle

INNERES

Transsexuelle sollen eine schon bestehende Ehe auch nach einer Geschlechtsumwandlung fortführen können. Das sieht ein Gesetzentwurf der Koalition (16/13157) vor, den der Bundestag am 19. Juni mit den Stimmen von Union und SPD verabschiedet hat. Damit soll eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (1 BvL 10/05) umgesetzt werden.

Danach ist die Regelung des Transsexuellengesetzes, der zufolge ein Antragsteller für die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit unverheiratet sein muss, nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Grund ist laut Vorlage, dass die Vorschrift "einem verheirateten Transsexuellen, der sich geschlechtsändernden Operationen unterzogen hat, die Möglichkeit zur personenstandsrechtlichen Anerkennung seiner neuen Geschlechtszugehörigkeit nur einräumt, wenn seine Ehe zuvor geschieden wird". Daher soll nunmehr die Ehelosigkeit als Voraussetzung für die Feststellung der Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht gestrichen werden. Wie es in der Gesetzesbegründung heißt, wird dabei in Kauf genommen, dass "für eine sehr geringe Zahl von Fällen Ehen mit zwei Partnern gleichen Geschlechts entstehen". sto

Die CDU hatte hierzu ausgeführt, dass die Ehe ja vorher zwischen Mann und Frau geschlossen wurde. Dass in Wirklichkeit eine transsexuelle Frau, dadurch, dass sie transsexuell ist, die Möglichkeit hatte, eine andere Frau zu heiraten - auf Grund des Genitals - wird hier wieder bewusst ignoriert.

Wann wird die Transphobie in Deutschland endlich beendet? Wann werden auch Parteien wie die CDU anerkennen, dass es auch Mädchen gibt, die mit Penis und Hoden geboren werden? Vielleicht sollten die Betroffenen endlich einmal anfangen auf die Strassen zu gehen und für ihre Rechte zu kämpfen. Es wäre besser, als immer wieder unselbstbewusste Selbsthilfegruppenbesucher zu erleben, die den Unsinn mit der "Geschlechtsumwandlung" bzw. der "Geschlechtsidentitätsstörung" auch noch mitmachen.

Ach ja, der Vorschlag der Grünen, endlich einmal eine grosse Reform des TSG zu wagen und das Gutachterverfahren im Transsexuellengesetz abzuschaffen, ebenso wie das Papier-Änderungsverfahren (Vornamen und Personenstand) an den Standesämtern anzusiedeln, wurde abgelehnt. Das liest sich dann im Plenarprotokoll vom 19. Juni so:

Wir sind noch immer beim Tagesordnungspunkt 63 a: Abstimmung über den Entwurf eines Gesetzes der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit. Unter Nr. 2 seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 16/13410 empfiehlt der Innenausschuss die Ablehnung des Gesetzentwurfs der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 16/13154 . Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf zustimmen wollen, um das Handzeichen. – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Der Gesetzentwurf ist in zweiter Beratung mit den Stimmen der Unionsfraktion und der SPD-Fraktion gegen die Stimmen der antragstellenden Fraktion, Bündnis 90/Die Grünen, und der Fraktion Die Linke bei Enthaltung der FDP-Fraktion abgelehnt.
 
16.06.2009
Einer der grössten Missverständnisse über Transsexualität rühren wohl daher, dass Menschen glauben, es gebe so etwas wie "Geschlechtsumwandlungen". Ich möchte hier noch einmal ganz klar betonen, dass ich nicht an "Geschlechtsumwandlungen" glaube, sondern mich dafür stark mache, dass folgendes klar wird: Jeder Mensch hat von Geburt an ein Geschlecht. Eine transsexuelle Frau ist z.B. als Mädchen geboren, wenn auch mit Penis und Hoden. Warum? Würde man z.B. äusserlich sichtbare Organe als geschlechtsbestimmend annehmen, so müsste man sich fragen, wie das dann mit transsexuellen Menschen zusammenpasst, für welche die Genitalien ja alles andere als geschlechtsbestimmend sind. Alleine die Existenz transsexueller Menschen beweist also: Die Genitalien - also das Vorhandensein eines Penis oder das Fehlen des gleichen - können nicht geschlechtsbestimmend sein (was durch das Wissen über die vorgeburtliche geschlechtliche Differenzierung ja bestätigt wird). Deswegen gibt es auch keine Geschlechtsumwandlungen. Dies nocheinmal klar zu machen, ist aktuellen Pressemeldungen zu verdanken.

Viele Zeitungen berichteten diese Tage über den Sohn der Sängerin Cher. Er hat sich nun als Transmann geoutet und betont, dass er schon immer wusste, dem männlichen Geschlecht zuzugehören. Keine deutsche Zeitung (selbst die deutsche Ärztezeitung nicht) hat es allerdings geschafft, hier aber die Geschlechtsientität des Sohns von Cher zu respektieren - alle haben es hier vorgezogen, lieber von "Geschlechtsumwandlung" zu schreiben, oder dass die Tochter (!) von Cher nun "ein Mann werden" würde.

Der Verein Aktion Transsexualität und Menschenrecht hat nun in einem Schreiben an den Presserat Deutschlands darauf hingewiesen, dass dieser mangelnde Respekt vor der Geschlechtsidentität transsexueller Menschen nicht nur ein Verstoss z.B. gegen die internationalen Yogyakarta-Prinzipien wäre, sondern auch gegen den Deutschen Pressekodex verstösst. Zudem wurde der Presserat dazu aufgefordert, die in Deutschland vorherrschende Transphobie endlich einmal aktiver zu bekämpfen, als das bisher der Fall gewesen wäre. Wer die Geschlechtsidentität transsexueller Menschen respektiere, wüsste, welche geschlechtlichen Zuordnungen (zum Beispiel durch die Verwendung von passenden Personalpronomen) angebracht wären. Aktiv gegen mediale Transphobie vorzugehen, sollte auch zu den Aufgaben des Deutschen Presserates gehören.

Nun noch etwas anderes...

Hier ein kleiner Hinweis, was nun am Freitag im Bundestag stattfinden wird:

Tagesordnung der 228. Sitzung, Freitag, 19.06.2009, 09.00 - ca. 18.25 Uhr


63.a) Zweite und dritte Ber CDU/CSU,SPD

Transsexuellengesetz/Änd
(Transsexuellengesetz-Änderungsgesetz - TSG-ÄndG)
- Drs 16/13157 -

- Zweite und dritte Beratung B90/DIE GRÜNEN

Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit
(ÄVFGG)
- Drs 16/13154 , 16/.... -

- Zweite und dritte Beratung B90/DIE GRÜNEN

Reform des Gesetzes über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen
(Transsexuellengesetz - TSG)
- Drs 16/4148 , 16/.... -

63.b) Beratung BeschlEmpf u Ber (4.A)

zum Antrag B90/DIE GRÜNEN
Selbstbestimmtes Leben in Würde ermöglichen - Transsexuellenrecht umfassend reformieren

zum Antrag DIE LINKE.
Transsexuellengesetz aufheben - Rechtliche Gestaltungsmöglichkeiten für Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle schaffen
- Drs 16/947 , 16/12893 , 16/.... -

63.c) Beratung Antrag FDP

Reform des Transsexuellengesetz für ein freies uns selbstbestimmtes Leben
(Transsexuellengesetz - TSG)
- Drs 16/9335 -
(TOP 63a-c, 00:30 Stunden)
 
02.06.2009
Obwohl am 28. Mai der Tagesordnungspunkt der 224. Sitzung des Deutschen Bundestages zum Transsexuellengesetz mündlich nur 1:14 Minuten gedauert hat, wurden zur Reform des TSG von den Fraktionen schriftliche "Reden" eingebracht. Diese Reden sind nun im Protokoll zur Bundestagssitzung enthalten. Bevor hier der komplette Text zu lesen ist, möchte ich noch einmal einen Gedanken in den Raum werfen, bei dessen Berücksichtigung klar wird, welcher Politiker hier eindeutig menschenrechtlich bedenkliche Gedanken äussert. Hier der Gedanke (zum wiederholten Male, da es bei dem ein oder anderen wohl immer noch nicht angekommen ist):

a) Transsexuelle Frauen sind Frauen.
b) Es gibt Mädchen, die mit Penis und Hoden geboren werden.
c) Die Genitalien eines Menschen sind nicht in allen Fällen biologisch geschlechtsbestimmend.
d) Geschlechtsumwandlungen gibt es nicht.

Wer intelligent ist - und frei von Geschlechterideologien (wie z.B. der von der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung bislang vertretenen Ansicht, transsexuelle Frauen wären "biologische Männer mit Identitätsstörung") - wird die folgenden Beiträge richtig zuordnen können und die oder denjenigen entlarven, der weiterhin dazu beitragen will, dass internationales Menschenrecht, das auch für transsexuelle Menschen gelten sollte, mit den Füssen getreten wird.

Hier der Text:   

Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:

Wir kommen nun zu den Tagesordnungspunkten 26 a und 26 b sowie Zusatzpunkt 6:

26 a) Erste Beratung des von den Fraktionen der CDU/ CSU und der SPD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Transsexuellengesetzes (Transsexuellengesetz-Änderungsgesetz - TSG-ÄndG)

- Drucksache 16/13157 -

Überweisungsvorschlag:
Innenausschuss (f)
Rechtsausschuss
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe

b) Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Barbara Höll, Dr. Kirsten Tackmann, Werner Dreibus, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE

Transsexuellengesetz aufheben - Rechtliche Gestaltungsmöglichkeiten für Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle schaffen

- Drucksache 16/12893 -

Überweisungsvorschlag:
Innenausschuss (f)
Rechtsausschuss
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

ZP 6 Erste Beratung des von den Abgeordneten Irmingard Schewe-Gerigk, Volker Beck (Köln), Kai Gehring, weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit (ÄVFGG)

Drucksache 16/13154 -

Überweisungsvorschlag:
Innenausschuss (f)
Rechtsausschuss
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Folgende Kolleginnen und Kollegen haben ihre Reden zu Protokoll gegeben: Helmut Brandt, Gabriele Fograscher, Gisela Piltz, Dr. Barbara Höll und Irmingard Schewe-Gerigk.

Helmut Brandt (CDU/CSU):

Wir beraten heute über den Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen zur Änderung des Transsexuellengesetzes, dem ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 27. Mai 2008 vorausgeht.

In seinem Urteil hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass § 8 Abs. 1 Nr. 2 TSG mit Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG und Art. 6 Abs. 1 GG nicht vereinbar sei. Im Klartext bedeutet das, es sei verfassungswidrig, für Transsexuelle eine Personenstandsänderung nur unter dem Vorbehalt der Ehelosigkeit des Betroffenen vorzunehmen. Nach derzeit geltendem Recht müssen sich verheiratete Transsexuelle erst scheiden lassen, bevor sie von Amts wegen dem anderen Geschlecht zugeordnet werden können, selbst dann, wenn beide Ehepartner die Fortführung ihrer Ehe wünschen. Nach dem geltenden Scheidungsrecht müssen sie vor dem Scheidungsrichter lügen, um ihn von der Zerrüttung ihrer Ehe zu überzeugen. Das ist kein Zustand. Dem müssen wir entgegenwirken. Wir dürfen nicht zulassen, dass Amtshandlungen zur Farce werden.

Mit diesem Gesetzentwurf entsprechen wir voll und ganz den Forderungen des Bundesverfassungsgerichts. Verheiratete Transsexuelle, die eine Personenstandsänderung anstreben, können nun bei Erfüllung aller sonstigen Kriterien ihre Ehe fortführen, sofern sich beide Partner ausdrücklich damit einverstanden erklären. In der Konsequenz bedeutet das, dass wir damit einer sehr geringen Anzahl von Menschen die Möglichkeit einer de facto gleichgeschlechtlichen Ehe eröffnen. Lassen Sie mich dazu einige Anmerkungen machen.

Erstens - das möchte ich in aller Klarheit sagen -: Der Wegfall der Ehelosigkeit als Voraussetzung in § 8 Transsexuellgesetz präjudiziert keineswegs die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Das Prinzip, wonach eine Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden kann, bleibt durch dieses Gesetz zu Recht unberührt. Wir würden einer Abschaffung dieses Prinzips auch vehement entgegenwirken.

Es geht in diesem Gesetzentwurf darum, den betroffenen Eheleuten die Möglichkeit zu geben, ihre rechtmäßig geschlossene Ehe fortzuführen, sofern sie es denn wünschen, auch wenn einer von beiden eine Personenstandsänderung beantragt, nachdem er sich einer unwiderruflichen und im Übrigen zur Zeugungsunfähigkeit führenden Geschlechtsumwandlung unterzogen hat. Dieses Doppelkriterium wie auch die sonstigen strengen Auflagen bleiben bei der Personenstandsänderung nämlich unberührt.

Nun kann ich mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich jemand einer Hormonbehandlung und einem operativen Eingriff dieses Ausmaßes unterwirft, nur um eine nun gleichgeschlechtlich gewordene Ehe fortführen zu können und somit das oben genannte Prinzip der Ehe zwischen Mann und Frau zu unterminieren. Ich kann nur erahnen, mit wie viel Unannehmlichkeiten, ja Leid diese Behandlungen verbunden sind, sodass meiner Überzeugung nach nicht davon auszugehen ist, dass sie von den betroffenen Menschen leichtfertig in Kauf genommen würden, nur um das Gesetz zu umgehen. Ich glaube vielmehr, dass diese Tatsache dafür spricht, dass die Ehe als eine auch mir persönlich sehr wichtige Institution durch die Gesetzesänderung des Transsexuellengesetzes nicht gefährdet und nicht infrage gestellt wird. Sie wird erst recht nicht der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft gleichgestellt.

Zum vom Grundgesetz in Art. 6 Abs. 1 festgeschriebenen besonderen Schutz der Ehe gehört meiner Ansicht nach auch, dass sich der Staat nicht in rechtskräftige Ehen einmischen darf, sofern diese dem geltenden Recht und den Anliegen der Eheleute entsprechen. Diese äußerst seltenen de facto gleichgeschlechtlichen Ehen, die so manchem Sorgen bereiten könnten, wurden als Ehen zwischen Mann und Frau geschlossen und sind somit rechtens. Die Frage, die das Bundesverfassungsgericht zu entscheiden hatte, ist folgende: Darf der Staat Eheleute gegen ihren Willen zur Scheidung zwingen, wenn nach der Personenstandsänderung beide dem gleichen Geschlecht zugeordnet sind? Wir müssen in diesem Punkt dem Bundesverfassungsgericht zustimmen und dem Willen der Eheleute folgen. Täten wir das nicht, gerieten wir bei Beibehaltung des jetzigen Rechts wider Willen in die Gefahr, die Institution Ehe zu schwächen, nämlich dann, wenn wir dem Staat dieses Recht auf erzwungene Scheidung beließen. Man stelle sich einmal vor, der Staat würde sich anmaßen, eine völlig normale Ehe gegen den Willen der Beteiligten scheiden zu wollen.

Natürlich muss aber auch gleichzeitig gewährleistet sein, dass die Personenstandsänderung ein Scheidungsgrund für beide Partner sein kann. Ich kann nämlich auch jene Betroffenen verstehen, die die Personenstandsänderungen als so schwerwiegende Veränderung werten, dass sie der Ansicht sind, dass die Ehe nicht fortgeführt werden kann. Deshalb ist es unabdingbar, dass beide Partner sowohl bei der Namens- als auch bei der Personenstandsänderung beteiligt sind und bleiben. Das Recht auf persönliche Selbstbestimmung des Antragstellers darf nicht bedeuten, dass der unmittelbar betroffene Partner nicht einbezogen werden darf; im Gegenteil.

Nun einige Ausführungen zum Zustandekommen dieser Gesetzesänderung. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich als zuständiger Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion im Innenausschuss des Deutschen Bundestages mit Änderungsvorschlägen zum Transsexuellengesetz. Es ergibt sich meiner Ansicht nach noch weiterer Änderungsbedarf, der zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr berücksichtigt werden konnte. Tatsächlich hat uns das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil auferlegt, die in diesem Änderungsgesetz vorgenommenen Modifizierungen noch vor dem 1. August 2009 vorzunehmen. So war es nicht möglich, innerhalb eines Jahres legitime prozedurale Erleichterungen für die Transsexuellen sowohl bei der Vornamensänderung, der sogenannten kleinen Lösung, als auch bei der Personenstandsänderung, also der "großen Lösung", umzusetzen. Diese müssen auf die nächste Legislaturperiode vertagt werden.

Lassen Sie mich Ihnen einige dieser potenziellen zukünftigen Änderungen kurz vorstellen. Da das ursprüngliche Gesetz aus dem Jahre 1980 stammt, berücksichtigt es nicht aktuellste medizinische Erkenntnisse zur Transsexualität. So wird im Transsexuellengesetz in § 1 Abs. 1 und 3 Nr. 2 die "Unumkehrbarkeit der inneren Überzeugung" in Bezug auf die Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht zum Kriterium für eine Namensänderung gemacht, die ihrerseits eine Vorstufe zur Personenstandsänderung ist.

Heutzutage gehen Psychologen jedoch davon aus, dass von einer völligen "Unumkehrbarkeit" in Fragen der sexuellen Zugehörigkeit und Neigung im Allgemeinen nicht die Rede sein dürfe, da diese Unumkehrbarkeit nie mit völliger Sicherheit festgestellt werden könne. Somit könnten sich Ärzte um des Selbstschutzes willen weigern, ein solches Zeugnis auszustellen. Vielmehr sollte das ärztliche Attest feststellen, dass "eine fortdauernde innere Überzeugung" bezüglich der sexuellen Identität vorliege. Dieser Frage wird sich der 17. Deutsche Bundestag annehmen müssen.

Im Übrigen erschiene es mir sinnvoll, zugunsten eines ärztlichen auf ein explizit "fach"ärztliches Zeugnis zu verzichten. Somit stünde den Antragstellern frei, sich an den Arzt ihres Vertrauens zu wenden, der sie seit Jahren betreut.

Andere strittigere Punkte bedürfen noch der intensiven Prüfung. All das wird der nächste Bundestag zu beurteilen und gegebenenfalls umzusetzen haben.

Wichtig ist heute, dass wir diesem Gesetzentwurf zustimmen, denn er geht in die richtige Richtung. Zum einen bringt er das Transsexuellengesetz mit dem Grundgesetz in Einklang und trägt zum anderen den legitimen Wünschen von betroffenen Personen Rechnung.

Die CDU/CSU-Fraktion stimmt diesem Gesetzentwurf folglich zu.

Gabriele Fograscher (SPD):

Wir beraten heute drei Vorlagen zur Änderung des Transsexuellengesetzes. Anlass für notwendige Änderungen sind Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts, die einige Teile des Transsexuellenrechts als verfassungswidrig erklärt haben.

Der Gesetzgeber hat die Auflage, den verfassungswidrigen Zustand des § 8 Abs. 1 Nr. 2 TSG - Gebot der Ehelosigkeit bei Personenstandsänderungen - bis zum 1. August 2009 zu beseitigen. Dieser Auflage des Bundesverfassungsgerichts kommen wir mit dem von den Koalitionsfraktionen vorgelegten Gesetzentwurf nach, der die Streichung des § 8 Abs. 1 Nr. 2 vorsieht. Damit wird es Transsexuellen ermöglicht, eine rechtliche Anerkennung der neuen Geschlechtsidentität zu bekommen, ohne sich scheiden lassen zu müssen. Es handelt sich hierbei um eine geringe Zahl von Transsexuellen, die erst während der Ehe ihre Transsexualität entdeckt oder offenbart haben und deren Ehe an dieser tiefgreifenden Veränderung der Paarbeziehung nicht zerbrochen ist, sondern nach dem Willen beider Ehegatten fortgesetzt werden soll. Diese Änderung begrüßen wir.

Für meine Fraktion kann ich sagen: Wir hätten uns mehr gewünscht. Das Transsexuellengesetz ist fast 30 Jahre alt und entspricht weder dem Stand der Wissenschaft noch der Lebenswirklichkeit. Eine umfassende Novellierung ist notwendig.

Im Einzelnen: Die Vornamensänderung sollte erleichtert werden. Das wurde auch in dem öffentlichen Fachgespräch mit Betroffenen und Sachverständigen des Innenausschusses im Februar 2007 deutlich. Bisher muss der Antragsteller mindestens seit drei Jahren in dem anderen Geschlecht, dem er sich zugehörig fühlt, leben, und es muss mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass sich das Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nicht mehr ändert.

Zudem ist ein Vertreter des öffentlichen Interesses beim Verfahren vor dem Amtsgericht anwesend, und Gutachten von zwei Sachverständigen, die sich mit Transsexualismus auskennen, sind einzuholen. Diese hohen Hürden sind eine große psychische und finanzielle Belastung für die Antragsteller und führen dazu, dass sich die Verfahren bis zu zwei Jahre hinziehen können. Wir könnten uns vorstellen, auf den Vertreter des öffentlichen Interesses und auf die Gutachten zu verzichten, und sehen es stattdessen als ausreichend an, ein ärztliches Zeugnis vorzulegen. Eine Antragstellung auf Vornamensänderung beim Standesamt wäre für uns denkbar. Damit könnten die Kosten, auch für den Staat, und die Dauer der Verfahren wesentlich gesenkt werden.

Voraussetzung für die Personenstandsänderung ist die Vornamensänderung. Das halte ich auch weiterhin für richtig. Das Gebot der Ehelosigkeit wird durch den heute vorliegenden Gesetzentwurf bereits aufgehoben. Als problematisch sehe ich aber die Forderung nach einer dauerhaften Fortpflanzungsunfähigkeit und den zwingenden operativen Eingriff zur Angleichung der äußeren Geschlechtsmerkmale. Nach heutigem Stand der Wissenschaft kann aus der weitgehend sicheren Diagnose "Transsexualität" keine Indikation für geschlechtsumwandelnde Maßnahmen abgeleitet werden.

Zwischen 20 Prozent und 30 Prozent der Transsexuellen wollen laut Deutscher Gesellschaft für Sexualforschung keine Geschlechtsumwandlung. Deshalb entspricht die Annahme, jeder Transsexuelle strebe mit allen Mitteln die Veränderung seiner Geschlechtsmerkmale an, nicht mehr der Lebenswirklichkeit. Man kann die Zeit zwischen "kleiner Lösung" - Vornamensänderung - und "großer Lösung" - Personenstandsänderung - nicht mehr als Durchgangsstadium ansehen. Die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung stellt dazu fest, dass die Tatsache, dass ein Antragsteller für eine Vornamensänderung keine geschlechtstransformierenden operativen Eingriffe anstrebe, keinen Zweifel an der Diagnose "Transsexualität" zulasse. Zudem muss die Frage gestellt werden, ob irreversible chirurgische oder medizinische Eingriffe für eine Fortpflanzungsunfähigkeit und Geschlechtsumwandlung zur Änderung des Personenstandes nach § 8 Abs. 1 Nrn. 3 und 4 TSG vereinbar sind mit dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Ich halte diese Forderung des § 8 TSG für einen unangemessenen Eingriff des Staates in die Grundrechte von Menschen. Auch führt diese Regelung zu einer Ungleichbehandlung von Transsexuellen: Anerkannte Transsexuelle mit Geschlechtsangleichung können ihren Personenstand ändern; anerkannte Transsexuelle, die, aus welchen Gründen auch immer, keine Operation vornehmen lassen, können den Personenstand nicht ändern. Meiner Meinung nach sollte diese Ungleichbehandlung aufgehoben werden. Darum werden wir uns dann in der nächsten Legislaturperiode kümmern müssen.

Nun zu den weiteren vorliegenden Initiativen. Der Gesetzentwurf von Bündnis 90/Die Grünen will das Transsexuellengesetz durch ein Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit ersetzen. Anlass für diesen Gesetzentwurf ist die Tatsache, dass das Bundesverfassungsgericht in mehreren Entscheidungen einzelne Vorschriften des Transsexuellengesetzes als verfassungswidrig und somit nicht mehr anwendbar erklärt hat. Die Grünen wollen sowohl die Vornamensänderung als auch die Personenstandsänderung von den nach Landesrecht für das Personenstandswesen zuständigen Behörden vornehmen lassen. Für die Änderung des Vornamens habe ich bei einer solchen Regelung keine Bedenken. Bei der Änderung des Personenstandes würde ich weiterhin die Entscheidung des zuständigen Gerichts befürworten, da es sich hierbei um einen weitreichenden Akt mit größeren Rechtsfolgen handelt.

Die Linken fordern unter anderem in ihrem Antrag, dass mehrere Vornamen verschiedenen Geschlechts möglich sein sollten und dass neben den personenstandsrechtlichen Geschlechtern "männlich" und "weiblich" auch die Einträge "intersexuell" und "transgender" zugelassen werden sollen. Dies schafft meines Erachtens mehr Verwirrung und Probleme für Transsexuelle, als dass es zu tatsächlichen Erleichterungen im Alltag kommt.

Ich sehe Handlungsbedarf über die jetzt vorgelegte Änderung hinaus und hoffe, dass der nächste Deutsche Bundestag in neuer Konstellation zu Regelungen kommt, die das Leben und den Alltag der Betroffenen erleichtern.

Gisela Piltz (FDP):

Ich muss schon sagen, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen von Union und SPD, dass mich der heute von Ihnen hier vorgelegte Gesetzentwurf sehr verwundert. Das Hü und Hott Ihrer Gesetzgebung ist schon ein Trauerspiel. Ich finde es unerträglich, wie Sie mit den Betroffenen umgehen. Erst passiert gar nichts, dann wird ein Referentenentwurf erarbeitet, dann wird er wieder zurückgezogen, dann landet ein ganz anderer hier im Plenum. Für diejenigen Menschen, die endlich Rechtssicherheit haben wollen, die endlich ein verfassungsgemäßes und vor allem zeitgemäßes Transsexuellengesetz erwarten - und das völlig zu Recht -, ist das schon Umgang, der von grober Missachtung zeugt.

Als ich den heute hier vorliegenden Gesetzentwurf gelesen habe, musste ich mir erst einmal verwundert die Augen reiben: Jetzt doch nur die Umsetzung des Verfassungsgerichtsurteils? Gerade noch rechtzeitig vor Fristablauf? Das entspricht nicht dem, was als große Reform angekündigt war - und nicht nur angekündigt, sondern vor allem sehnlich erwartet. Seit vielen Jahren warten die Betroffenen auf eine Regelung, die ihre Rechte und
insbesondere ihre Würde achtet und sich dabei an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert. Die Bundesregierung hat diese berechtigten Erwartungen stets ignoriert und ist untätig geblieben. Sie hat sich mitnichten um die Betroffenen gekümmert, sondern es immer wieder darauf ankommen lassen, dass das Bundesverfassungsgericht ihr die Entscheidung abnimmt. Das ist kein verantwortungsvoller Umgang mit der Verantwortung. Das ist unerträgliche Ignoranz.

Noch im April hat die Bundesregierung dann ein Gesetz vorbereitet, das angeblich dieser großen Reform dienen sollte. Allerdings hat sie dabei erneut alle schon längst bekannten notwendigen und von den betroffenen Verbänden mit großer Sachkunde vorgetragenen Lösungsvorschläge schlichtweg ignoriert. Im Hauruckverfahren wurde ohne vorherige Beteiligung des hohen Sachverstands der Verbände ein Referentenentwurf vorgelegt, von dem man allerdings nur sagen kann, dass es ein Glück ist, dass er nicht das Licht dieses Hauses erblickt hat. Immerhin. Denn es wäre ja auch nichts Neues, dass die Bundesregierung völlig untaugliche Gesetzentwürfe wider besseres Wissen hier im Bundestag mit ihrer Koalitionsmehrheit durchpeitscht - ohne Rücksicht auf Verluste. Wenigstens das bleibt uns hier erspart. Insofern ist es tatsächlich sogar besser, heute nur die Minimallösung vorzunehmen, um wenigstens endlich der Vorgabe des Verfassungsgerichts nachzukommen. Denn das, was die Bundesregierung unter einer großen Reform versteht, wäre für die Betroffenen keine Verbesserung gewesen, sondern nur ein großer Murks.

Daher bin ich im Grunde sogar froh, dass dieser verwunderlich schmale Gesetzentwurf heute hier vorliegt. Damit werden zwar immer noch nicht die zahlreichen Probleme gelöst, damit wird zwar immer noch die schon lange erforderliche umfassende Neuregelung vertagt; aber wenigstens werden nicht die bisher bekannten völlig unzureichenden und sogar falschen Vorschläge der Bundesregierung Gesetz.

Die jetzt vorgelegte Änderung ist auch aus Sicht der FDP-Fraktion zwingend geboten, aber sie darf nicht das Ende des Themas sein. Im Gegenteil: Die eigentliche Arbeit einer umfassenden Reform muss jetzt endlich unter Einbeziehung der Verbände beginnen. Genau hier aber gibt es keinerlei Anzeichen, dass die Bundesregierung das Problem auch nur angehen will. Mit keinem Wort wird in der Gesetzesbegründung erwähnt, dass hier erst ein winziger Anfang gemacht wird, dass auf jeden Fall noch mehr folgen wird, ja folgen muss.

Aus unserer Sicht aber muss das Thema unbedingt auf der Agenda bleiben: Eine umfassende Reform des Transsexuellengesetzes, die Verfahrenserleichterungen und Entbürokratisierungsmaßnahmen vorsieht und die insbesondere endlich das Erfordernis der dauernden Fortpflanzungsunfähigkeit aufgibt, bleibt dringend notwendig. Seit dem letzten Jahr liegt dem Bundestag ein Antrag der FDP-Fraktion vor, in dem wir umfassende Vorschläge machen, die bei einer Reform des Gesetzes zwingend beachtet werden sollten. Ich kann hier nur an die Bundesregierung appellieren: Schauen Sie sich doch noch einmal unsere Vorschläge genau an. Dann hätten Sie sich und den Betroffenen im April einen unsäglichen Referentenentwurf erspart und könnten schon längst viel weiter sein. Im Gegensatz zu Ihrem untauglichen Versuch vom letzten Monat haben die Vorschläge der FDP-Fraktion vom letzten Jahr von den betroffenen Fachverbänden Zustimmung erfahren.

Zur Lösung der Probleme müssen sich endlich auch Union und SPD bekennen, damit in der nächsten Legislaturperiode ohne Hast und mit der gebotenen Sorgfalt endlich ein guter Gesetzentwurf vorgelegt und auch verabschiedet werden kann. Die Betroffenen haben jetzt lange genug darauf gewartet.

Dr. Barbara Höll (DIE LINKE):

Als am 1. Januar 1981 das Transsexuellengesetz in Kraft trat, war dies ein großer Vorteil für die Betroffenen. Zum ersten Mal wurden Transsexuelle vom Gesetzgeber anerkannt. Die Bundesrepublik hatte damit eine Vorreiterrolle übernommen.

Menschen, die sich im falschen Körper fühlen und ihren Körper ihrem für sich beanspruchten Geschlecht angleichen wollten, wurde vom Gesetzgeber eine Möglichkeit geboten in ihrem Geschlecht auch anerkannt zu werden. Transsexuelle können einen anderen geschlechtsbezogenen Vornamen annehmen. Dies wird als kleine Lösung bezeichnet. Und Transsexuelle können ihren Personenstand ändern, also ihren standesamtlichen Geschlechtseintrag. Also, Herr statt Frau, oder umgekehrt. - Dies ist die sogenannte große Lösung.

Die Vornamens- und Personenstandsänderung ist für Transsexuelle sehr wichtig; denn nur so können sie auch sicher sein, dass sie sich nicht bei einem Brief vom Amt, der Wahlbenachrichtigung oder Ähnlichem zu ihrem vorherigen Geschlecht offenbaren müssen, es also zu einem ungewollten Outing kommt.

Doch insbesondere die große Lösung ist mit erheblichen Hürden verbunden. Hier sind im Besonderen zu nennen: ein kompliziertes Gutachtersystem mit Anwartszeiten und erheblichen Kosten und die Notwendigkeit zur Fortpflanzungsunfähigkeit. Die Betroffenen empfinden die Begutachtung als entwürdigend. Der Zwang zur Fortpflanzungsunfähigkeit ist besonders kritikwürdig. Das Bundesverfassungsgericht erklärte 2005 in einer Urteilsbegründung - BverfG, BvL 3/03 vom 6. Dezember 2005 -:

"Für eine unterschiedliche personenstandsrechtliche Behandlung von Transsexuellen mit und ohne Geschlechtsumwandlung sieht die Fachliteratur deshalb keine haltbaren Gründe mehr."

Im Februar setzte auch das österreichische Verwaltungsgericht ein Signal, als es urteilte, dass schwerwiegende operative Eingriffe keine Voraussetzung für die rechtliche Änderung des Geschlechtseintrags sein dürfen.

Meine Damen und Herren der Regierungskoalition, Sie stehen unter Handlungsdruck. Das Bundesverfassungsgericht entschied im Mai 2008 über die Pflicht zur Scheidung beim Personenstandswechsel eines Transsexuellen nach der Geschlechtsangleichung. Es entschied, dass dies nicht mit Art. 6 Abs. 1 des Grundgesetzes - dem besonderen Schutz von Ehe und Familie durch den Staat - vereinbar sei. Das Bundesverfassungsgericht verpflichtete den Gesetzgeber zu einer Änderung bis zum August 2009.

Und nun legen Sie uns auf den letzten Drücker einen Gesetzentwurf vor. Dabei beschränken Sie sich nur auf die Ihnen auferlegte Neuregelung und dies wollten sie in erster Lesung nicht einmal debattieren.

Aber eine Reform des Transsexuellengesetzes tut insgesamt not. Aber den Bedürfnissen der Betroffenen wird dies nicht gerecht. Denn unangetastet bleiben das entwürdigende und langwierige Begutachtungssystem und die Pflicht zur Fortpflanzungsunfähigkeit beim Wechsel des Personenstandes.

Sie hätten zum 60. Jahrestag des Grundgesetzes die Chance zu einer Reform des Transsexuellengesetzes, die die Würde der Betroffenen achtet. Diese Chance haben Sie verpasst. Wenigstens haben Sie Abstand genommen von dem zuvor in Ihrem Hause kursierenden Entwurf, den Sie hier klammheimlich und in aller Eile zunächst durchpeitschen wollten.

Die Linke sagt: Wir brauchen keine Sondergesetze für geschlechtliche und sexuelle Minderheiten. Wir brauchen endlich eine Liberalisierung der bestehenden Gesetze und Verwaltungsvorschriften, die die Betroffenen in ihrer Würde achtet.

Wir haben einen Antrag eingebracht, der das Vornamens- und Personenstandsrecht liberalisieren würde. Dies würde auch Transgendern und Intersexuellen zugutekommen. Die Änderung des Vornamens sowie des Personenstandes soll damit allen Menschen offenstehen. Ich bin froh, dass sich auch die Grünen unseren Forderungen angeschlossen haben und hier einen Gesetzentwurf vorlegen, der sich unseren Liberalisierungsbemühungen anschließt. Die Regierungskoalition hat die Möglichkeit in dieser Legislaturperiode verpasst. Sie müssen sich jetzt vor den Betroffenen rechtfertigen.

Irmingard Schewe-Gerigk (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):


Das geltende Transsexuellengesetz ist fast 30 Jahre alt und entspricht nicht dem Stand der Wissenschaft. Es stellt für die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit unbegründete Hürden auf, die die Würde und die Selbstbestimmung von transsexuellen Menschen beeinträchtigen. Bereits fünfmal hat das Bundesverfassungsgericht einzelne Vorschriften des Gesetzes für verfassungswidrig erklärt Auch weitere Vorschriften des TSG sind verfassungsrechtlich in der Kritik.

Im Februar dieses Jahres kam aus dem Bundesinnenministerium der Entwurf für ein Transsexuellenrechtsreformgesetz. In der Begründung hieß es:

"Das Transsexuellengesetz ist seit seinem Inkrafttreten am 1. Januar 1981 nicht reformiert worden. Viele Regelungen entsprechen nicht mehr dem heutigen Kenntnisstand. Auch verschiedene Eingaben an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages in den vergangenen Jahren zeigen, dass ein großes Bedürfnis für eine Reform des Transsexuellengesetzes besteht. Aufbauend auf den Anregungen der politischen Parteien im Deutschen Bundestag, Veröffentlichungen zu diesem Thema und vorliegenden Beschlüssen des Bundesverfassungsgerichts sieht der Gesetzwurf eine umfassende Reform des Transsexuellenrechts vor."

Leider hat der Entwurf nicht gehalten, was er versprochen hat. Angesichts der massiven Kritik der Interessenverbände sowie von Expertinnen und Experten wurde dieser völlig verfehlte Reformversuch zurückgezogen. Anstatt aber die Kritik positiv aufzugreifen und den Entwurf anzureichern, legt die Große Koalition nun nur ein kleines Änderungsgesetz vor, das lediglich der Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts, nach der das Erfordernis der Ehelosigkeit nach § 8 Abs. 1 Nr. 2 TSG mit den Grundrechten unvereinbar ist, Rechnung trägt. Sie brauchten also ein ganzes Jahr, um eine einzige Vorschrift vom TSG zu streichen. Weitere Reformschritte werden hingegen auf die nächste Legislaturperiode verschoben. Wieder wird eine Chance vergeben, das Transsexuellengesetz insgesamt zu novellieren.

Nur am Rande möchte ich betonen, dass dieser Vorschlag in der Realität nichts ändert. Der § 8 Abs. 1 Nr. 2 TSG wird schon aufgrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichts nicht angewandt. Dies zeigt jedoch, wie viel Ignoranz in der Großen Koalition steckt, wie wenig die Belange und das Selbstbestimmungsrecht der transsexuellen Menschen für sie bedeuten, und schließlich, wie wenig reformfähig die beiden Regierungsparteien in den Fragen der Gesellschaftspolitik sind.

Deshalb hat sich die Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen dafür entschieden, den Entwurf eines Gesetzes über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit, ÄVFGG, in den Deutschen Bundestag einzubringen. Damit sollen die Grundrechte Transsexueller in vollem Umfang verwirklicht werden, indem die tatsächliche Vielfalt von Identitäten akzeptiert wird, anstatt transsexuelle Menschen in vorgegebene Raster zu pressen und ihnen das Leben damit zu erschweren.

Deshalb wollen wir das Verfahren für die Änderung der Vornamen deutlich vereinfachen und nur vom Geschlechtsempfinden des Antragstellers abhängig machen. Es wird nunmehr auf die bisher geforderte mindestens dreijährige Dauer des Zwangs des Zugehörigkeitsempfindens zum anderen Geschlecht sowie auf den irreversiblen Charakter dieses Empfindens verzichtet. Die Transsexualität kann nicht diagnostiziert werden; lediglich der Antragsteller selbst kann letztlich über seine geschlechtliche Identität Auskunft geben. Außerdem tastet eine Überprüfung des Ergebnisses des Sich-selbst-Begreifens von Staats wegen den Sexualbereich des Menschen an, den das Grundgesetz als Teil der Privatsphäre unter den verfassungsrechtlichen Schutz stellt.

Es wird weiter auf die Anrufung eines Gerichts verzichtet. Der Antrag ist bei den nach jeweiligem Landesrecht für das Personenstandswesen zuständigen Behörden zu stellen, sodass die Vornamensänderung im Rahmen eines Verwaltungsaktes erfolgt.

Auch das Verfahren zur Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit soll vereinfacht und beschleunigt werden. Es wird auf die verfassungsrechtlich unhaltbare Voraussetzung einer dauernden Fortpflanzungsunfähigkeit verzichtet. Ebenso wird die Personenstandsänderung nicht mehr von der deutlichen operativen Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts abhängig gemacht. Diese Kategorie ist nicht zeitgemäß und lässt sich in einer individualistischen Gesellschaft mit pluralistischen Lebensformen nicht definieren. Damit sind das subjektive, mit den bisherigen Angaben nicht übereinstimmende Geschlechtsempfinden des Antragstellers sowie die auch heute geltenden statusrechtlichen Zugangsvoraussetzungen einzige Bedingungen für eine Personenstandänderung.

Der Deutsche Bundestag hat vor 30 Jahren ein Gesetz vorbereitet, mit dem das Bundesverfassungsgericht sich schon mehrmals befassen musste. Lassen Sie uns deshalb diesmal ein Gesetz verabschieden, das die Grundrechte der transsexuellen Menschen respektiert und keine Anhaltspunkte für die Notwendigkeit einer weiteren verfassungsrechtlichen Überprüfung gibt.

Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:

Interfraktionell wird die Überweisung der Vorlagen auf den Drucksachen 16/13157, 16/12893 und 16/13154 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. Sind Sie damit einverstanden? - Das ist der Fall. Dann sind die Überweisungen so beschlossen.

Meine Kurzbeurteilung:

CDU: Glaubt, dass z.B. eine transsexuelle Frau vor Umtragung des Geschlechts ein "Mann" ist (bzw ein Transmann eine Frau) und macht das Geschlecht des Menschen weiterhin an den Genitalien fest, obwohl es längst wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die eindeutig belegen, dass das biologische Geschlecht sich nicht immer 100-Prozent-männlich oder 100-Prozent-weiblich entwickelt und Abweichungen der Geschlechtsentwicklung Teil der Natur sind.

SPD: Hält transsexuelle Menschen auch noch für Menschen, die ihr "Geschlecht umwandeln". Personenstandsänderungen sollen weiterhin an den Gerichten gemacht werden.

FDP: Verweist auf ihren Gesetzesentwurf vom letzten Jahr - die FDP drückt sich hier ungenügend klar aus, scheint aber - trotz aller Vereinfachungen, die gefordert werden - ebenso noch an "Geschlechtsidentitätsstörungen" festzuhalten, da der FDP-Entwurf weiterhin Gutachten zur Vornamens- und Personenstandsänderung vorsieht, auch wenn hier "eines" ausreichen soll. Für mich vertritt die FDP damit die Linie der DGfS (Deutsche Gesellschaft für Sexualforschzung), welche Transsexualität für eine psychische Störung hält.

Linke: Hält Geschlecht für ein soziales Konstrukt und meint, transsexuelle Menschen "fühlen" sich in ihrem Körper nicht zu Hause - tritt aber für eine grosse Reform des TSG und starke Vereinfachungen des Verfahrens ein.

Grüne: Die einzige Fraktion, die sich hier klar und deutlich dafür ausgesprochen hat einerseits das Gutachterverfahren zur Names- und Personenstandsänderung komplett abzuschaffen und das Verfahren als Verwaltungsakt an den Standesämter anzusiedeln. Damit sind die Grünen für mich die einzige Partei, die internationales Menschenrecht (Yogyakartaprinzipien, Stellungnahmen der Europäischen Union und internationale Abkommen beachtet).
 
27.05.2009
So wie es aussieht, wird es mit einer grossen Reform des Transsexuellengesetzes wohl erstmal nichts. Das lässt zumindest ein Dokument vermuten, das unter folgendem Link zu finden ist:

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/131/1613157.pdf
(Kopie, falls der Link nicht funktioniert: hier )

Es handelt sich um den "Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Transsexuellengesetzes (Transsexuellengesetz-Änderungsgesetz - TSG-ÄndG)" der Grossen Koalition (der Fraktionen der CDU/CSU und SPD). Damit wird in minimaler Lösung das umgesetzt, was das Bundesverfassungsgericht bemängelt hatte, nämlich den Scheidungszwang. Die Änderung sieht dann so aus:

Artikel 1 Änderung des Transsexuellengesetzes

Das Transsexuellengesetz vom 10. September 1980 (BGBl. I S. 1654), das zuletzt durch Artikel 11 des Gesetzes vom 17. Dezember 2008 (BGBl. I S. 2586) geändert worden ist, wird wie folgt geändert:

§8Abs. 1 Nr. 2 wird aufgehoben.

In § 9 Abs. 1 Satz 1 werden das Komma nach dem Wort „hat" gestrichen und das Wort „oder" eingefügt sowie die Wörter „oder noch verheiratet ist" gestri-chen.

Artikel 2 Inkrafttreten

Dieses Gesetz tritt am Tage nach der Verkündung in Kraft.

Berlin, den 26. Mai 2009

Volker Kauder, Dr. Peter Ramsauer und Fraktion
Dr. Peter Struck und Fraktion


Interessant sind dann auch diese Sätze:

"Die Entscheidung über weitere Änderungen im Transsexuellenrecht bleibt der nächsten Legislaturperiode vorbehalten." ... "Angesichts der weit fortgeschrittenen Legislaturperiode sind weitere Änderungen, die über die Umsetzung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts hinausgehen, nicht mehr möglich."

Dass damit, also mit den Regelungen des Transsexuellengesetzes, gegen internationales Menschenrecht verstossen wird, scheint hier niemanden zu stören. Mit Minderheiten lassen sich wohl keine Blumentöpfe gewinnen - also lassen sich auch ihre Menschenrechte weiterhin mit den Füssen treten. Wen juckt es? Niemanden? Kann nicht sein... Apropos internationale Menschenrechte - ich möchte hier einmal daran erinnern, dass es internationale, verpflichtende Abkommen gibt, an die sich auch Deutschland zu halten hat. Dazu gehört das Frauenrechts-Abkommen CEDAW. Ich zitiere hier einmal von einer Sitzung Anfang 2009 in Genf:

„Dass transsexuelle Frauen als psychisch kranke Männer bezeichnet werden, um als Frauen akzeptiert zu werden, ist ein Paradoxon. Dem muss ein Ende gesetzt werden.“

und weiter:

„[Wir fordern] die Beendigung des Gutachtervefahrens nach dem deutschen Transsexuellengesetz und die Einführung eines Antragsverfahrens, wonach jeder entscheiden kann, zu irgend einem beliebigen Zeitpunkt, welchen Geschlechtseintrag er haben möchte.“

Diese Aussagen stammen von Prof. Silvia Pimentel, Angehörige des UN-Frauenrechtskomitees, vor dem sich die Bundesregierung Anfang 2009 in den Räumen des Hochkommissars für Menschenrechte verantworten musste.

Da die Bundesregierung es nun versäumt, diesen Forderungen nachzukommen, sie aber durch die Arbeit des Vereins Aktion Transsexualität und Menschenrecht nachweislich über diese UN-Forderung informiert war, verstösst Deutschland hier bewusst gegen ein internationales Abkommen. Schade.

Ach ja, das Datum des "Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Transsexuellengesetzes" ist interessanterweise genau das selbe, wie das, an dem die FDP folgende Pressemeldung veröffentlicht hat (in Auszügen) - nämlich der 26. Mai:

"Zu den parlamentarischen Beratungen zu dem Transsexuellengesetz-Änderungsgesetz von CDU/CSU und SPD erklärt die innenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Gisela PILTZ: Nach dem Stillstand der vergangenen Jahre versucht die Koalition nun eine Reform des Transsexuellengesetzes durch die parlamentarischen Gremien zu peitschen. Einigkeit besteht darin, dass diese Reform dringend überfällig ist. Inakzeptabel ist es jedoch, diese Reform kurz vor Ende der Wahlperiode unausgereift und mangelhaft zu verabschieden. Nach Aussage der Fachverbände hat im Vorfeld eine Abstimmung mit Betroffenengruppen und Sachverständigen nicht stattgefunden. Nach ersten Einschätzungen der Verbände nimmt der Entwurf viele Forderungen der Betroffenen nicht auf oder setzt sie unzureichend um." ... "Die FDP-Bundestagsfraktion fordert daher einen neuen Anlauf zu Beginn der 17. Wahlperiode."


Also alles zurück auf null. Es hat zwar schon kafkaeske Züge, hätte man doch bereits 1978 ein vernüftiges Gesetz verabschieden können, anstatt 1980 dann ein paradoxes Transsexuellengesetz zu verabschieden, welches zwar den Sinn haben soll, Menschen in ihrem eigentlichen Geschlecht anzuerkennen (dem immer als "gefühlt" bezeichneten), aber bereits in seiner Grundidee völlig unsinnig ist, da diesen Menschen abverlangt wird, sich vor Gericht per Gutachten zu einem Geschlecht zuordnen zu lassen, dem sie ja eigentlich nicht angehören, indem sie bestätigen, dass sie z.B. verrückte Männer sind (bei transsexuellen Frauen), um dann dem "anderen Geschlecht" zugeordnet zu werden, also dem weiblichen. Wer den letzten Satz nicht verstanden hat: Macht nichts. Es ist eben nicht einfach der paradoxen Logik des TSGs zu folgen... es ist ein Gesetz, welches bis heute ein geeignetes Mittel ist um abzustreiten, dass es Frauen gibt, die als Mädchen mit Penis und Hoden geboren werden oder Männer mit Vagina und Gebärmutter - ein Gesetz, in welchem weiterhin so getan wird, als wäre die Umwandlung von Genitalien oder Geschlechtsrolle dazu geeignet das "Geschlecht zu wandeln". Dass dabei Geschlecht verfügbar gemacht werden soll, ist eben das eigentliche Menschenrechtsverbrechen - jeder Mensch ist aber, was er ist. Eine transsexuelle Frau ist z.B. eine Frau. Solange hier weiterhin Politiker das Menschenrechtsverbrechen nicht erkennen wollen, solange werden sie sich weiterhin als Mittäter bezeichnen lassen müssen. Schöne Grüsse auch an diejenigen , welche weiterhin das Geschlechtsumwandlungsmärchen (und die Geschichte von den "Geschlechtsidentitätsstörungen") als Wahrheit verkaufen wollen...

Nachtrag:

Es gibt auch erfreuliches zu berichten. Ob hier u.a. der Blick in den europäischen Raum mitentscheidend gewesen ist (ich denke hier daran, dass in Frankreich nun Transsexualität nicht mehr als geistige Störung betrachtet wird, was ja u.a. von Daniel Cohn-Bendit unterstützt wurde), oder aber die Arbeit und Argumente der Transsexuellen- und Transgendergruppen in Deutschland der letzten Monate nun ihre Früchte tragen, es gibt nun einen Gesetzes-Entwurf der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, für den man die Beteiligten (Irmingard Schewe-Gerigk, Volker Beck, Kai Gehring, Monika Lazar, Jerzy Montag, Silke Stokar von Neuforn, Hans-Christian Ströble, Wolfgang Wieland, Josef Philip Winkler,...) direkt abknutschen könnte.

Hauptmerkmal ist der komplette Verzicht auf psychiatrische Gutachten für die Vornamens- und Personenstandsänderung und die Ansiedelung des Verfahrens bei den Standesämtern. Etwas, was von vielen Gruppen so gefordert wurde, u.a. auch von ATME e.V. , dem Arbeitskreis TS NRW und TGNB / TRIQ Berlin .

Hier der Vorschlag der Grünen:

"Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit"
(und als Kopie, falls der Link nicht funktionieren sollte: hier )

Dieser Entwurf ist der erste seiner Art, der die Menschenrechtssituation transsexueller Menschen umfassend berücksichtigt (die Yogyakarta-Prinzipien und eben auch die Forderungen des UN-CEDAW-Komittees). Danke dafür. Egal wie nun die Bundestagswahlen ausfallen werden, zeichnet sich nun langsam ab, welche Fraktionen des Bundestages sich ernsthaft dafür engagieren, die Situation transsexueller Menschen zu verbessern.

Link: hib-Meldung, 27.05.2009

Update 28.05.2009, spät-abends:

Behandelt wurde das TSG bzw. die Reformforschläge (z.B. der Grünen) bei der 224. Plenarsitzung im Bundestag um 21:52 Uhr mit einer Gesamtdauer von 1:14 Minuten. Ergebnis: "Überwiesen an Innenausschuss u.a."

Download Audio

Und noch ein Fundstück:


Die CDU/CSU hat immer noch ihre Probleme damit transsexuelle Menschen in ihrem Selbst anzuerkennen. In einer Stellungnahme von Helmut Brandt zum Transsexuellengesetz heisst es zur geplanten (vom Bundesverfassungsgericht geforderten) Änderung hinsichtlich der Abschaffung des Scheidungszwangs im TSG:

"Diese äußerst seltenen de facto gleichgeschlechtlichen Ehen, die so manchem Sorgen bereiten könnten, wurden als Ehen zwischen Mann und Frau geschlossen und sind somit rechtens."


Herr Brandt, es mag zwar sein, dass sie daran glauben, dass hier eine Ehe zwischen Mann und Frau geschlossen wurde - es ist aber mitnichten so der Fall. Auch wenn eine transsexuelle Frau eine andere Frau geheiratet hat, so tat sie dies nicht als "Mann", auch wenn ihre Geburtsurkunde einmal den Eintrag "männlich" erhalten hat. Da das Geschlecht des Menschen nicht zur aus seinen Genitalien besteht, sondern aus einer Vielzahl anderer Geschlechtsmerkmale, und geschlechtliche Abweichungen, Zwischenstufen und Besonderheiten biologisch vorkommen (was ja gerne immer noch von dem ein oder anderen Menschen geleugnet wird, der lieber an Ideologien glaubt, als an die Natur des Menschen), lässt sich daraus folgen, dass auch Menschen geboren werden, die dem weiblichen Geschlecht angehören, aber einmal den Stempel "männlich" erhalten haben. Wenn nun so ein Mädchen irgendwann einmal 18 wird, dann kann es, da es den Eintrag "männlich" erhalten hatte, naturgegeben eine andere Frau heiraten. Ich würde es mir wünschen, wenn sie hier einmal bei der Realität bleiben würden, anstatt unwissenschaftliche Geschlechterideologien propagieren würden. Ja, Herr Brandt, es gibt Frauen, die haben einen Penis. Auch wenn sie das eventuell nicht wahrhaben können. Ach ja: Geschlechtsumwandlungen gibt es nur auf dem Papier, um den Geschlechtseintrag mit den biologischen Realitäten abzugleichen. Hat die CDS/CSU den Sinn des Transsexuellengesetzes überhaupt verstanden? Nein?

Link: Da
 
14.05.2009
Der durch das BMI (CDU) vorgelegte Gesetzesentwurf zum Transsexuellengesetz von April 2009 ist ja von einer grossen Mehrheit der Betroffenenorganisationen abgelehnt worden. Hier noch einmal der Entwurf und die Stellungnahme von ATME e.V.:

Entwurf des BMI
Stellungnahme ATME e.V.

So wie es wohl aussieht wird der BMI-Entwurf so nicht umgesetzt werden, mehrere Fraktionen lehnen ihn nämlich ebenso ab. Die FDP hat hier nocheinmal eine wesentliche Vereinfachung und eine Nachbesserung gefordert - denkwürdigste Aussage der FDP ist aber, dass sie weiterhin an einem (wenn auch vereinfachten) Gutachterverfahren festhalten will. Wenn man weiss, dass die FDP bereits Ende der 70er verantwortlich für das TSG gewesen ist (Innenminister war damals Gerhart Baum, und zwar vom 8. Juni 1978 bis 17. September 1982), stimmt mich folgende Aussage (gefunden auf gaybrandenburg.de) von Ende April nachdenklich:

"Künftig soll daher ein einziges Gutachten ausreichen. Damit könne das Verfahren insgesamt wesentlich verkürzt werden."

Warum die Idee der FDP, die Gutachten auf die Zahl 1 einzuschrumpfen immer noch ein Verstoss gegen Menschenrechte ist (und die FDP immer noch zu erkennen gibt, dass sie sich wenig darum bemüht haben kann, sich mit den Problematiken des bisherigen TSGs auseinanderzusetzen - insbesondere mit der Frage wie ein Mensch von Aussen per Gutachten über das Geschlecht eines Menschen verfügen kann), kann hier nachgelesen werden:

CEDAW-Alternativbericht

Zu einer anderen Partei... Die Fraktion der Linken hat nun heute einen eigenen Antrag zur Reform des Transsexuellengesetzes eingebracht. Die Meldung auf der Seite des Bundestages lautet wie folgt:

heute im Bundestag - 14.05.2009
Rechtliche Chancen für Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle schaffen

Recht/Antrag

Berlin: (hib/BOB) Die Linksfraktion hat die Bundesregierung aufgefordert, umgehend ein Gesetz vorzulegen, welches das Transsexuellengesetz in der bisherigen Form aufhebt und durch Regelungen im Namens- und Personenstandsrecht rechtliche Gestaltungsmöglichkeiten für Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle schafft. In einem Antrag (16/12893) wird Bezug auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts genommen, welches die Bundesregierung bis zum August 2009 aufgefordert habe, das Transsexuellengesetz zu verändern. Die Ehelosigkeit als Voraussetzung für einen personenstandsrechtlichen Geschlechtswechsel eines transsexuellen Menschen halte das Bundesverfassungsgericht für nicht vereinbar mit dem Grundgesetz, so die Linksfraktion.

Sie fordert deshalb unter anderem, dass eine Vornamensänderung auf Antrag vorgenommen werde. Auf die Änderung bestehe ein Rechtsanspruch. Mehrere Vornamen verschiedenen Geschlechts seien möglich. Die nach geltendem Recht für die personenstandsrechtliche Geschlechtsänderung von Transsexuellen erforderliche "dauerhafte Fortpflanzungsunfähigkeit" und das Erfordernis der operativ herzustellenden "deutlichen Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts" dürfen nach den Vorstellungen der Fraktion keine Voraussetzung mehr sein. Die operative Herstellung der Fortpflanzungsunfähigkeit oder Geschlechts angleichende Operationen seien keine Voraussetzungen mehr für eine Änderung des personenstandsrechtlichen Geschlechts. Strebe ein Menschen, der in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft oder in einer Ehe lebe, eine Personenstandsänderung an, werde eine mit Herstellung der Geschlechtsänderung entstandenen gleichgeschlechtliche Ehe in eine eingetragene Lebenspartnerschaft ungewandelt und eine verschiedengeschlechtliche eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe.


Der Antrag kann hier heruntegeladen werden: (16/12893)

So wie es aussieht, übernimmt damit die Linke einige Forderungen der Betroffenenorganisationen in Deutschland. Es bleibt spannend... Apropos spannend: Von Hertha Richter-Appelt von der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung gibt es bezüglich unserer Forderung, gemeinsam mit den Betroffenenorganisationen eine Arbeitsgruppe zu bilden um die medizinische Situation transsexueller Menschen in Deutschland zu verbessern, bislang noch keine weitere Rückmeldung. Da die DGfS ja einige Mitglieder hat, die immer noch glauben, z.B. transsexuelle Frauen wären Männer mit "Geschlechtsidentitätsstörung", anstatt die Geschlechtsidentität eines Menschen als Nicht-Störung sondern, wie auch in den internationalen Yogyakarta-Prinzipien ausgeführt, als gegeben zu akzeptieren (also auch einige die immer noch glauben, es gebe Geschlechtsumwandlungen anstatt anzuerkennen, dass eine transsexuelle Frau Frau ist und nicht durch einen genitalen Eingriff oder Hormone zur "Frau wird"), verwundert mich das mangelnde Feedback nicht. So lange in den Reihen der DGfS Vetreter der Sexologie nicht bereit sind Begriffe oder Wertkombinationen wie "Geschlechtsumwandlung, Frau-zu-Mann, Mann-zu-Frau, Wunsch dem Gegengeschlecht anzugehören" kritisch zu hinterfragen und Geschlecht differenzierter zu betrachten, wird das mit einer sinnvollen Kommunikation eben noch dauern.

Link: Yogyakarta-Prinzipien
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Aktueller Nachtrag vom 16. Mai:

Transsexualität in Frankreich keine Geisteskrankheit mehr

Paris (AFP) — Transsexualität gilt in Frankreich künftig nicht mehr als Geisteskrankheit. Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot habe kürzlich einen Erlass gekippt, durch den die Identitätsstörung bisher als psychisches Leiden eingestuft worden war, sagte eine Ministeriumssprecherin. Diese Änderung sei ein "starkes Signal", da sich Transsexuelle bisher stigmatisiert gefühlt hätten, ergänzte die Sprecherin.

Die französischen Organisatoren des internationalen Tags gegen Homophobie und Transphobie am Sonntag sprachen von einer "historische Entscheidung". Zahlreiche Prominente und Politiker forderten nach dem Beschluss Frankreichs auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf, Transsexualität nicht mehr als Geisteskrankheit einzustufen. Einem entsprechenden Aufruf der Zeitung "Le Monde" schlossen sich auch der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit und Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek an.

Geplant ist, dass Transsexualität unter einer neuen Kategorie bzw. Klassifizierung im französischen Gesundheitssystem auftaucht, damit weiterhin die notwendigen medizinischen Massnahmen möglich sind.

Wie lange wird nun Deutschland noch an transphoben Gedanken festhalten, wenn das Nachbarland einen wichtigen Schritt nach vorne gegangen ist? Wie lange wird es in Deutschland noch geschlechtliche Fremdzuordnungen geben wie z.B., dass Gerichte über Vornamen- und Personenstand entscheiden, anstatt der betroffene Mensch selbst (was einen Verstoss gegen z.B. die Yogyakarta-Prinzipien bedeutet)? Wie lange werden Menschen aus der Deutschen Sexologie noch leugnen, dass sie Fehler begehen und begangen haben, wenn sie die Geschlechtsidentität eines Menschen als Störung bezeichnen (indem sie vorhandenes Wissen über die Komplexität von Geschlecht weiter leugnen und damit bewusst biologische Fakten ausblenden)?

Mal sehen, ob sich die Entscheidung aus Frankreich auch hier auswirken wird:

Tagesordnung der 224. Sitzung des deutschen Bundestages

Donnerstag, 28.05.2009, 09.00 - ca. 02.10 Uhr

17.) Beratung Antrag FDP

Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern in Deutschland und weltweit schützen
- Drs 16/12886 -
(TOP 17, 00:30 Stunden)

26.a) Erste Beratung CDU/CSU, SPD

Transsexuellengesetz/Änd
(Transsexuellengesetz-Änderungsgesetz - TSG-ÄndG)
- Drs 16/.... -

26.b) Beratung Antrag DIE LINKE.

Transsexuellengesetz aufheben - Rechtliche Gestaltungsmöglichkeiten für Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle schaffen
- Drs 16/12893 -
(TOP 26a+b, 00:30 Stunden)

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Hier noch ein interessanter Link zum 17. Mai:

International Day Against Homophobia and Transphobia (17. Mai)

 
06.05.2009
Es gibt Worte, bei denen es sich lohnt, darüber nachzudenken, für welche Ideologien sie stehen. Eines dieser Worte ist "Geschlechtsumwandlung". Es impliziert, dass das Geschlecht eines Menschen gewandelt werden kann - sei es durch eine genitale Operation oder aber durch das Erziehen in einer bestimmten, der "anderen" Geschlechtsrolle. Beides ist meiner Ansicht nach nicht möglich, da ein Mensch ist, was er ist und es vielmehr wichtig wäre, einen Menschen genau als das zu akzeptieren (die Selbstakzeptanz eingeschlossen): Als Mensch mit einem Selbst. Einem Menschen dieses Selbst abzusprechen, in zu etwas zu erklären, was er nicht ist, ist unfein. Beispielsweise zu behaupten, eine transsexuelle Frau wäre ohne oder vor eine Genitaloperation noch ein Mann ist genauso dumm und diskriminierend, wie die Unterstellung eine transsexuelle Frau wäre ein biologischer Mann, der sich "fühlt" wie eine Frau und deswegen die Geschlechtsrolle einer Frau lebt. In beidem zeigt sich mangelnder Respekt vor dem Geschlecht transsexueller Menschen. Gerade da auch viele Betroffene scheinbar diesen mangelnden Respekt gegenüber sich selbst haben, wäre Halt und Hilfe von Aussen wichtig, am Besten bei den Stellen, bei denen es um die Diskriminierung von Menschen geht: Z.B. auch bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Was aber, wenn bei der Antidiskriminierungsstelle selbst transphobe Ideologien durchschimmern? Am 2. April 2009 wurde Band 4 der Schriftenreihe der Antidiskriminierungsstelle, die Sinus-Milieu-Studie "Diskriminierung im Alltag", der Öffentlichkeit vorgestellt. In der Studie, die nebenbei bemerkt Zahlen enthielt, nach denen 71 Prozent der Deutschen meinten, man müsste für transsexuelle Menschen nichts tun (gefühlt würde ich den Prozentwert, so erschreckend er ist, dennoch weitaus höher ansetzen), wurden in den einzelnen Befragungen transsexuelle Menschen als Menschen dargestellt, die ihr "Geschlecht wechseln" und eben durchweg der Begriff "Geschlechtsumwandlung" benutzt. Da er ein problematischer Begriff ist, hatte ich die Antidiskriminierungsstelle um eine Erklärung gebeten.

Hier einmal zum Lesen:

Sehr geehrte Frau Schicklang,

vielen Dank für Ihre Mail.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat das Institut Sinus Sociovision mit dem Erstellen einer Sinus Milieustudie beauftragt. Sie kritisieren den Gebrauch des Wortes "Geschlechtsumwandlung" in der Studie. Dieses Wort wird von Sinus Sociovision in den Fragen verwendet, bei denen die  Befragten den Begriff  der Transsexualität nicht verstanden haben. Zudem wird in einer Frage formuliert: "Transsexuelle, die ihr Geschlecht umwandeln wollen oder dies umgewandelt haben".

Wenn ich Sie richtig verstehe, kritisieren Sie an der Verwendung des Wortes "Geschlechtsumwandlung", dass mit diesem  Wort von der Natürlichkeit einer zweigeschlechtlichen Ordnung ausgegangen wird. Sie schreiben, dass dieser Begriff die "geschlechtliche Existenz transsexueller Menschen " leugnet. Sie schreiben weiter, dass der Begriff impliziert, "dass z.B. eine transsexuelle Frau ein Mann gewesen wäre" und führen weiter aus, dass das Geschlecht sich keineswegs allein an den Genitalien von Personen festmachen lässt.

Zunächst möchte ich mich bei Ihnen für den Hinweis bedanken, dass das Wort Geschlechtsumwandlung derartige Konnotationen enthält. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist sich der Sensibilität des Themas Trans- und Intersexualität bewusst und hat sich daher auch entschieden, anders als in der Gesetzesbegründung zum AGG vorgesehen, die Trans- und Intersexualität dem Merkmal "Geschlecht" und nicht dem Merkmal "sexuelle Identität" zuzuordnen. Der Antidiskriminierungsstelle des Bundes geht es also nicht darum, eine natürliche Zweigeschlechtlichkeit festschreiben zu wollen bzw. Identitäten jenseits dieser zu leugnen.Menschen werden bereits bei ihrer Geburt einem von zwei möglichen Geschlechtern zugeordnet und können später diese Zuordnung ändern wollen. Um in einem anderen Geschlecht als in dem ihnen bei ihrer Geburt zugewiesenen offiziell leben zu können, müssen sie bestimmte Veränderungen vornehmen, diesen Vorgang haben die Verfasser der Studie als "Geschlechtsumwandlung" bezeichnet. Mit diesem Begriff  sollte in der o.g. Studie ein komplexer Sachverhalt kurz gefasst werden. Ein solches Vorgehen, Sachverhalte verkürzt darzustellen, um Menschen, die nicht in ausgewählte Themen eingebunden sind dennoch befragen zu können, ist ein übliches Vorgehen beim Erstellen von Studien.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes möchte Menschen, die sich als transsexuell definieren, vor Diskriminierungen schützen. In der von Ihnen erwähnten Studie geht es vor allem darum, mehr darüber zu erfahren, welche Wahrnehmungen und Einstellungen gegenüber transsexuellen Menschen vertreten werden. Hinzu kommt, dass Anfragen und Studien, die die ADS erreichen, auf ein erschreckend hohes Maß an Diskriminierungen gegenüber transsexuellen Menschen verweisen, denen entschieden begegnet werden muss.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen die Position der ADS ein wenig näher bringen.

Mit freundlichen Grüßen
Antje Goll

Antidiskriminierungsstelle des Bundes
Referat Öffentlichkeitsarbeit und
Verwaltungsangelegenheiten
Alexanderstr. 1
10178 Berlin
www.antidiskriminierungsstelle.de


Antwort von mut23.de:

Sehr geehrte Frau Goll,

vielen Dank für Ihre Mail. Sie schreiben, dass das Wort "Geschlechtsumwandlung" gerade da verwendet wird, wo Menschen den Begriff "Transsexualität" nicht verstanden haben und verweisen später u.a. auf das juristische Geschlecht des Menschen ("später diese Zuordnung ändern wollen"). Dieser Sachverhalt ist ja genau der verwirrende und trägt meiner Meinung nach nicht zum Verständnis über transsexuelle Menschen bei. Juristische Geschlechtszuordnungen müssen nicht mit der Biologie des Menschen übereinstimmen. Ich möchte hier nicht die grundsätzliche Einteilung der Menschen in Frage stellen und gehe davon aus, dass die natürliche Geschlechterordnung tatsächlich zwei Polaritäten kennt. Diese Polaritäten sind aber im Detail eben differenziert zu betrachten, da Menschen auch im biologischen Sinne nicht in all ihren biologischen Facetten immer nur "weibliche" oder "männliche" Anteile enthalten, manchmal ist es sogar möglich, dass hier bei der Geschlechtsdifferenzierung (bereits vor der Geburt, in der 7. Schwangerschaftswoche) Uneindeutigkeiten oder sogar "Vetrauschungen" stattfinden, die dazu führen können, dass Menschen geboren werden, bei denen nicht alle biologischen Anteile auf "einer Seite" liegen müssen. So existieren Menschen, die mit weiblichen Genitalien und männlichen Chromosomensatz geboren werden, Menschen, die weibliche Ausprägungen von Kernarealen des Gehirns aufweisen, obwohl ihre Hormonwerte sich männlich entwickeln, es gibt Menschen, die eine Abweichung vom xx- oder xy-Chromosomensatz aufweisen usw.

All diese Besonderheiten sind biologisch und in der Realität existent - unabhängig der rechtlichen Zuordnung. Leider werden nun bis heute - auch in der deutschen medizinischen und juristischen Praxis - diese biologsichen Tatsachen nicht, oder nur äusserst unzureichend, beachtet und davon ausgegangen, dass Menschen, welche geschlechtliche Besonderheiten aufweisen von Aussen einem, meist genitalen, Geschlecht zugeordnet werden müssen. Die Rechtssprechung geht bis heute (eine Reform der Gesetze wie z.B. dem Transsexuellengesetz gibt es trotz Mahnungen des Bundesverfassungsgerichtes bis heute nicht) davon aus, dass die Genitalien eines Menschen geschlechtsbestimmend sind und sich sein juristisches Geschlecht nach dem zu richten hat, was dieser Mensch zwischen seinen Beinen hat.

Zwei Menschengruppen leiden bis heute darunter:

a) die Intersexuellen Menschen, die mit uneindeutigen Genitalien geboren werden

Intersexuelle Menschen, die mit uneindeutigen Genitalien geboren werden, werden bis heute (oft bereits nach der Geburt) genital zwangszugeordnet, in dem man ihnen ein "eindeutiges" Genital verpasst. Zusätzlich wird davon ausgegangen, basierend auf Theorien aus der Psychoanalyse, dass sich das Geschlecht eines Menschen anerziehen lässt (Dies geht u.a. auf Theorien eines Sexologen namens John Money zurück, der meinte man müsse ein Kind nur eindeutige Genitalien geben, dann könnte man dieses Kind ein Geschlecht anerziehen). Diese Theorien sind immer noch aktuelle Richtlinien, die z.B. im DSM (dem Manual der psychischen Störungen) wiedergegeben werden und auch in Deutschland so von vielen Sexologen so vertreten werden.

b) die transsexuellen Menschen, die mit Genitalien geboren werden, die ihrem eigentlichen Geburtsgeschlecht gegenüber stehen

Transsexuelle Frauen weisen z.B., vereinfacht ausgedrückt, ein weibliches Gehirn auf (viele Studien weisen darauf hin, dass dies ebenso mit der Geschlechtsdiffernzierung in der 7. Schwangerschaftswoche zu tun hat - eine aktuelle stammt vom Prince Henrys Institute in Australien und aus dem Jhar 2008) - was sich in der Psyche äussert - haben aber männliche Genitalien. Diesen Frauen wird bis heute, wieder davon ausgehend die Genitalien wären der einzige Indikator für das Geburtsgeschlecht eines Menschen, unterstellt sie wären als Jungs geboren, würden sich aber eine "Geschlechtsumwandlung" wünschen. Was dabei vergessen wird ist eben wiederum die Biologie und das Wissen darum, dass eben die Genitalien eben nicht der einzige Indikator für das Geburtsgeschlecht eines Menschen sind und es sich in Wirklichkeit um den Wunsch einer "Genitalkorrektur" handelt und nicht um den Wunsch einer "Geschlechtsumwandlung".

Jeder Mensch hat von Geburt an ein Geschlecht. Über dieses Geschlecht kann kein Mensch verfügen. Daher gehört es meiner Ansicht nach zu einem der grössten Fehler im Umgang sowohl mit Intersexualität als auch mit Transsexualität hier von der Wandelbarkeit der Geschlechter zu sprechen (basierend auf Theorien einiger Sexologen) und Begriffe wie "Geschlechtsumwandlung" zu verwenden. Dieser Begriff impliziert, Geschlecht wäre veränderbar - durch Operationen, welche die Genitalien eines Menschen verändern. Diese Geschlechtsumwandlungsbehauptung führt zu einem Bild über Geschlecht, unter dem sowohl intersexuelle als auch transsexuelle Menschen direkt zu leiden haben. Bei intersexuellen Menschen führt es zu genitalien Verstümmelungen und bei transsexuellen zu psychischen Missbräuchen, indem man ihnen ihr eigentliches Geburtsgeschlecht abspricht, und so tut, als wären sie das Gegenteil von dem, was sie sind um ihnen damit eine Identitätsstörung "Geschlechtsidentitätsstörung" zu unterstellen, die sie nie hatten.

Sie sehen also: Die Grausamkeiten gegenüber Menschen mit geschlechtlichen Abweichungen hat in ziemlich direkter Weise etwas mit Sprache und den verwendeten Begriffen zu tun. Bestimmte Begriffe stehen für bestimmte Ideologien - In Deutschland eben für die Ideologie, das Vorhandensein oder Fehlen eines Penis würde die Einteilung in ein Mann/Frau-Schema ermöglichen - ganz entgegen der biologischen Realitäten. Der Begriff "Geschlechtsumwandlung" kann also in meinen Augen nicht verschönert werden, indem man ihn mit schönen Erklärungen verziert, da er direkt einer Ideologie entstammt, die heute noch zu medizinischen Verbrechen führt (genitale Zwangszuweisungen und psychischer Missbrauch), welche einer aufgeklärten Gesellschaft unwürdig ist. Es sind Verbrechen, die es wert sind, dass sie von einer Antidiskriminierungsstelle als solche erkannt und bekämpft werden.

Vielen Dank,

Kim Anja Schicklang
1. Vorsitzende
Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V.


Link zur Studie:

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04.05.2009
Zum Stand der Reform des "Transsexuellengesetzes", den Vorschlägen des Bundesministeriums des Innern wird am 6. Mai bei der 93. Sitzung des Innenausschusses berichtet werden. Hier einmal als kurzer Aussschnitt aus der Mitteilung von Sebastian Edathy, MdB vom 29. April:

DEUTSCHER BUNDESTAG
16. Wahlperiode
Innenausschuss
Berlin, den 29.04.2009

Mitteilung

Die 93. Sitzung des Innenausschusses findet statt am:

Mittwoch, dem 06.05.2009, 09:15 Uhr
Paul-Löbe-Haus, Raum 2 300
10557 Berlin, Konrad-Adenauer-Str. 1
...
23 Bericht des Bundesministeriums des Innern zum Sachstand eines Entwurfs zur Reform des
Transsexuellengesetzes

Sebastian Edathy, MdB
Vorsitzender


Direktlink: Hier (pdf)

Hier nocheinmal die Stellungnahme des Vereins Aktion Transsexualität und Menschenrecht:

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27.04.2009
Ich möchte hier nun ein paar Gedanken zu den aktuellen Geschehnissen in Sachen TSG-Reform zusammenfassen - sie drehen sich um das, was sich Menschenwürde nennt. Etwas, das transsexuellen Menschen bis heute abgesprochen wird und sie sich auch gerne mal selbst absprechen...

mut23 setzt sich seit mehreren Jahren dafür ein, anzuerkennen, dass es auch Mädchen gibt, die mit Penis und Hoden geboren werden und Jungs, die mit Vagina und Gebärmutter auf die Welt kommen. Einige mögen meinen, dass dies nicht zu beweisen wäre, was dann dankend von mir damit beantwortet wird, dass der Beweis, dass es solche Menschen nicht gibt, noch viel schwerer zu führen ist, als andersherum, schliesslich gibt es zahlreiche Hinweise aus den Wissenschaften, dass dich die verschiedenen Geschlechtsmerkmale eines Menschen bereits vor der Geburt nicht immer auf einer Linie befinden müssen und das biologische Geschlecht eines Menschen weit komplexer ist, als das Vorhandensein oder Fehlen eines Penis. Dies wurde hier ja schon zu genügend ausgeführt und es mag sein, dass nicht jeder bereit ist, biologische Realitäten zu erkennen. Mein Tipp: Dann lass es. Es ist nämlich überhaupt nicht nötig dafür, wenigstens zu bemerken, dass die Verletzung der Geschlechtsidentität eines Menschen Transphobie bedeutet. Wenn es Gesetze gibt, die dies tun, sind es transphobe Gesetze, wenn es Menschen gibt, die dies tun, sind es transphobe Menschen.

Vollig unabhängig davon, wie man denn nun Transsexualität definieren möchte hat ein transsexueller Mensch eine Geschlechtsidentität. Diese Geschlechtsidentität ist Ausdruck des Selbst des transsexuellen Menschen und ist unabhängig der Vorstellung Dritter. Kein Richter, kein Psychologe, kein Familienmitglied, eben kein Dritter kann von Aussen über diese Geschlechtsidentität entscheiden. Wenn es also Regeln und Gesetze gibt, die so gestrickt sind, dass hier Dritte zu den Entscheidern über Geschlechtsidentität werden, sind diese Regeln und Gesetze Verstösse gegen die Menschenwürde. Ursprünglich, noch vor dem Entstehen des ersten Transsexuellengesetzes im Jahr 1980 wusste das auch einst das Bundesverfassungsgericht, welches ausdrücklich auf die Würde des Menschen verwies, und zwar in dem Beschluss des 1. Senates vom 11. Oktober 1978 - 1 BvR 16/72 -:

"Art. 1 Abs. 1 GG schützt die Würde des Menschen, wie er sich in seiner Individualität selbst begreift und seiner selbst bewußt wird. Hierzu gehört, daß der Mensch über sich selbst verfügen und sein Schicksal eigenverantwortlich gestalten kann. Art. 2 Abs. 1 GG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG gewährleistet die freie Entfaltung der im Menschen angelegten Fähigkeiten und Kräfte."


Diese Kernaussage, die sich um den Begriff der Menschenwürde dreht, wurde weder im 1980 geschaffenen "Transsexuellengesetz" umgesetzt, noch fand die Menschenwürde Berücksichtigung bei dem Reformentwurf des Bundesinnenministeriums vom April 2009, da hier immer noch so getan wird, als bräuchte es einen Entscheider, der bestimmen darf, welche Geschlechtsrolle ein transsexueller Mensch juristisch haben darf - nämlich in Form eines Richters, der eine Entscheidung fällt. Interessant ist, dass ein Richter somit dann zwar, wenn es nach den Vorstellungen des BMI und einiger Berufstranssexueller geht, weiterhin eine Entscheidung über das juristische Geschlecht eines transsexuellen Menschen fallen würde, über die geschlechtliche Identität eines transsexuellen Menschen entscheiden könnte er aber nie (genauso wie dies kein Mediziner oder Psychologe kann). Somit lässt sich ziemlich genau sagen, was das Kernproblem der Ideen um ein reformiertes Transsexuellengesetz ist: Es ist die Frage, inwieweit hier Regelungen erdacht werden, die im Einklang mit Art. 1 Abs. 1 GG stehen. Tun sie es nicht, dann braucht kein Mensch dieser Welt sich weiter mit den einzelnen Ausführungen solch einer Regelung beschäftigen, denn schliesslich ist die Grundlage solch einer Regelung bereits falsch.

Um so mehr wundert es, dass es transsexuelle Menschen gibt, die sich quasi selbstversklaven, in dem sie nicht grundsätzlich die Kernverletzung ihrer Geschlechtsidentität in Frage stellen, sondern meinen Kompromisse eingehen zu müssen, z.B. wenn es darum geht Stellungnahmen dazu abzugeben, wie man denn das aktuelle Transsexuellengesetz ver(schlimm)bessern könnte. Ob sie denn nun Maria Sabine Augstein heissen, Deborah Reinert/Campbell, welche in ihren Stellungnahmen zum BMI-Entwurf zum Transsexuellengesetz nicht ausdrücklich gegen eine geschlechtliche Fremdbestimmung ausgesprochen haben (wer sucht, wird ihre Stellungnahmen auch im Internet finden können, in denen eine geschlechtliche Fremdbestimmung durch deutsche Gerichte und Ärzte immer noch als gegeben hingenommen wird - z.B. hier: http://www.main-ts.de/?TS-POLITIK ), oder ob sie zu den vielen anderen gehören, die sich hier freiwillig in ihren Rechten beschneiden... ich finde es wäre Zeit, hier einmal nachzudenken, ob dabei tatsächlich gute Gesetze herauskommen können, wenn man seine Menschenwürde als transsexueller Mensch allzu bereitwillig aufopfert, auch wenn ich die gutgemeinte Absicht niemandem dieser Menschen absprechen will.

Vielleicht liegt es daran, dass wir hier in Deutschland ein Problem im Verständnis zu haben scheinen, was denn "Menschenwürde" überhaupt ist? Ohne die Frage beantworten zu können, so denke ich, ist Menschenwürde das, wenn wir sie auch im Zusammenhang mit Transsexualität ernst nehmen würden, wichtig für Gleichberechtigung und Akzeptanz. Dass es auch für alle Nicht-Betroffenen zur Pflicht gehören würde, einen Menschen, der sich selbstversklaven will, auf Grund des Selbstverständnisses der Menschenwürde daran zu hindern, zeigt ein Text von Peter Schaber, dem Präsidenten der Schweizerisch Philosophischen Gesellschaft:

"Selbstachtung im Sinne der Wahrnehmung des Rechts, ein eigenes Leben führen zu können. Dieser Anspruch auf Selbstachtung wird paradigmatisch z. B. durch die Folter verletzt. Was die Folter zu einem Paradigma der Verletzung menschlicher Würde macht, ist nicht die Tatsache, dass dem jeweiligen Opfer Schmerzen zugefügt werden, sondern dass es erniedrigt wird. Genau darin besteht die Würdeverletzung. Jemanden zu erniedrigen heißt ihn zu entwürdigen. Dabei beinhaltet die Erniedrigung eine Verletzung der Selbstachtung; jemand erniedrigt eine Person, wenn es dem Handelnden darum geht, den Willen des anderen zu brechen, ihn als eigenständiges Wesen zu negieren. Jemand wird erniedrigt, wenn er in seinem Anspruch, ein eigenständiges Wesen zu sein, verletzt wird." ... "Ein Leben in Würde ist ein Leben, in dem mein Anspruch auf Selbstachtung realisiert ist." ... "Doch die Achtung vor der Würde der Person bindet nicht nur die anderen. Es gilt zugleich, dass ich mich selbst nicht entwürdigen soll. Die Würde ist mit dem Anspruch verbunden, nicht erniedrigt zu werden und sich selbst nicht zu erniedrigen." ... "Was mich gegenüber den anderen bindet – die Menschheit in ihrer Person – bindet mich zugleich mir selbst gegenüber. Hier liegen, wie ich glaube, auch die Grenzen der Achtung vor dem authentischen Willen einer anderen Person. Wir sollten einen Willen nicht achten, der die Selbstachtung der zu achtenden Person untergräbt. Und dies selbst dann nicht, wenn dieser Wille authentisch ist. Die freiwillige, 'authentische' Selbstversklavung eines anderen verlangt mit anderen Worten keine Achtung"

"Zur Freiheit gehört es allemal, sich der Freiheit zu entledigen. Freiwillige Selbstversklavung ist nicht unverträglich mit der Idee der Freiheit, sondern mit der Idee der Würde des Menschen. Wer sich selbst versklavt, erniedrigt sich, unabhängig davon, dass er dabei zusätzlich auch noch von anderen erniedrigt wird. Unzulässig ist nicht der damit möglicherweise verbundene Aspekt der Selbstschädigung. Zur Achtung vor der Würde eines Menschen kann es durchaus gehören, einen Willen nicht zu durchkreuzen, dessen Realisierung für die betroffene Person selbst voraussehbar schlecht ist. Die Achtung vor dem authentischen Willen schließt dies ein: Der Künstler, der seine Gesundheit ruiniert, um sein Werk zu vollenden, ist nach allgemeiner Ansicht zu achten. Die Achtung vor der Würde hat ihre Grenze an der Selbstschädigung nur insofern, als diese die Würde des Menschen verletzt und jemand sich in einer erniedrigenden Weise selbst schädigt. Das ist der Grund, warum freiwillige Selbstversklavung nicht geachtet werden sollte, und dies gilt gleichermaßen für alle anderen Formen der Selbsterniedrigung." ... "Was allerdings wenn die Person selbst die mit ihrer inhärenten Würde verbundenen Ansprüche aufgeben will? Dies geschieht, wenn sich jemand z. B. freiwillig versklaven will. Tatsächlich gibt eine ganze Reihe begründeter Ansprüche bzw. Rechte, auf die wir von uns aus verzichten können. So kann ich, etwa im Fall der Eigentumsrechte meine Verfügungsgewalt über mein Geld und mein Haus anderen übertragen. Und einige glauben, dass man in bestimmten Situationen auch das Recht auf Leben aufgeben kann. Mit den Ansprüchen, die mit Würde verbunden sind, verhält es sich meiner Ansicht nach jedoch anders. 'Die Würde des Menschen ist unantastbar' nicht bloß in der anderen, sondern auch in der eigenen Person. Wer mich freiwillig darum bittet, ihn zu erniedrigen, liefert mir keinen Grund, ihn erniedrigen zu dürfen. Die Würde ist unantastbar, auch wenn jemand ihre 'Antastung' erbittet. Die Würde des anderen ist für mich absolute Pflicht. Und damit meine ich: Ihre Achtung ist an keine Bedingungen geknüpft (anders als beispielsweise die Achtung der Eigentumsrechte, die an das Wollen der anderen Personen geknüpft sind). Was mich verpflichtet, andere nicht zu erniedrigen, ist nicht ihr Wunsch oder ihr Interesse, sondern nichts anderes als ihre Würde."

"Die Achtung des authentischen Willens ist Teil der Achtung der Würde der Person. Den authentischen Willen nicht zu achten, wäre mit dem Anspruch unverträglich, ein eigenes Leben führen zu können. Der aber ist Teil des Anspruchs, ein Leben in Würde zu führen. Wer daran gehindert wird, sein eigenes Leben zu führen, wird, sofern die Hindernisse nicht dem Schutz moralischer Rechte Dritter dienen, als eigenständige Person nicht ernst genommen. Das ist entwürdigend."


Aus: "Der Anspruch auf Selbstachtung - Peter Schaber"

Wie nun ein Gesetz oder eine Regelung aussehen würde, würde die Menschenwürde transssexueller Menschen beachtet werden ist also ganz simpel: Es würde beachtet werden, was eben bereits 1978 vom Bundesverfassungsgericht richtig erkannt wurde: Eben "daß der Mensch über sich selbst verfügen und sein Schicksal eigenverantwortlich gestalten kann". Es wäre Zeit, dass eine Bundesregierung einmal über 30 Jahre nach dieser Erkenntnis dazu in der Lage wäre sich an die im Grundgesetz verankerte Menschenwürde zu halten, selbst wenn es transsexuelle Menschen gibt, die es mit ihrer eigenen Menschenwürde nicht so genau nehmen (siehe oben). Wer Menschen beim Selbstversklaven hilft, verletzt nämlich letztendlich nur seine eigene Menschenwürde. Und das wollen wir ja nicht wirklich weiter fortsetzen, oder? Also: Wann beginnst auch du die Sklavenketten zu durchtrennen?

Link: Transsexuellen-Gesetzentwurf des BMI 04/2009
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Hier nochmal was anderes... eine Überlegung, ob es einen Unterscheid zwischen weiblicher und männlicher Transphobie gibt. Mal ein Vorschlag:

männlich: "Der Mann ist ein Mann, den werde ich nie als Frau akzeptieren (hat ja ein Penis)"
weiblich: "Ich akzeptiere den Mann (trotz Penis) als Frau, schliesslich fühlt er sich ja wie eine Frau".

Beides ist Transphobie. Warum auch das zweite? Tjaa... "Finster war’s, der Mond schien helle..."
 
20.04.2009
Es wurden ja nun mehrere Transsexuellen- bzw. Transgender-Organisationen in Deutschland (u.a. Triq Berlin, DGTI, VivaTS, LSVD, Transmann, Transpeople, AK TS-NRW) vom Bundesinnenministerium dazu eingeladen, den Entwurf eines neuen "Transsexuellen"-Gesetzes aus dem Hause des BMI zu diskutieren und zu dem Entwurf Stellung zu nehmen. Schön wäre es zwar anders herum gewesen (also z.B. durch Einrichten einer Arbeitsgruppe unter Beteiligung von NGOs aus der dann ein Gesetzesentwurf hervorgeht), aber nun denn hier ist einmal die Stellungnahme von Menschenrecht und Transsexualität bzw. dem Verein Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V.

Downloads:

Stellungnahme von ATME e.V. und Menschenrecht und Transsexualität
Transsexuellen-Gesetzentwurf des BMI 04/2009

Text:

Stellungnahme

zum Entwurf des Bundesministeriums des Innern für ein Gesetz zur Reform des Transsexuellenrechts
(Transsexuellenrechtsreformgesetz – TSRRG)
vom 7.4.2009

von Menschenrecht und Transsexualität (MUT) und Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. (ATME)
vom 15.04.2009

Sehr geehrte Damen und Herren,

es erstaunt uns doch sehr, dass derart plötzlich ein Entwurf für ein neues TSG vorliegt. Es erscheint uns, dass versucht wird, mit aller Gewalt eine Gesetzesänderung noch vor dem Wahlkampf durch zu drücken. Interessant ist hier der Hinweis "Die Gesetzgebungszuständigkeit des Bundes ergibt sich aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 2 des Grundgesetzes. Das Gesetz bedarf nicht der Zustimmung des Bundesrates."

Dennoch fallen ein paar Punkte positiv ins Auge - um leider meist anschließend weh zu tun.

Wir begrüßen das Anliegen, das Leben der Transsexuellen zu erleichtern und in der Begründung zu den Neuregelungen auch Argumente einiger Betroffener zu erwähnen. Doch unterlag die Auswahl der zu befragenden "Betroffenen" und selbst ernannten "Sachverständigen" 2007 für uns nicht nachvollziehbaren Kriterien. So dass wir die Begründungen für eine Neuregelung, für welche so genannte "Betroffene" herangezogen werden, doch für sehr fragwürdig halten. Es wäre sehr schön gewesen, hier nicht nur einen internen Kreis, nach fragwürdigem Auswahlschema, zu bilden, sondern einen offenen Dialog mit allen Betroffenen zu führen, auch mit solchen, die evtl. unangenehme Forderungen stellen.

Ebenfalls positiv fällt uns auf, dass im vorliegenden Gesetzentwurf nicht mehr die Rede von einem Gutachterverfahren ist. Das Wegfallen der Gutachter ist aus menschenrechtlicher Sicht sehr zu begrüßen, nicht nur, weil die Gutachter über das Geschlecht eines Menschen verfügen konnten, sondern auch, weil es immer wieder zu demütigenden und erniedrigenden Handlungen durch Gutachter kam.

Dass die Fremdbestimmung der Geschlechtlichkeit transsexueller Menschen (und damit die Verfügung über ihr Geschlecht) dennoch nicht entfällt, da transsexuelle Menschen im Entwurf des Bundesministeriums des Innern für ein Gesetz zur Reform des Transsexuellenrechts immer noch auf wohlwollende Ärzte und Richter angewiesen sind, halten wir weiterhin für menschenrechtlich sehr bedenklich. Dazu weiter unten mehr.

Wir begrüßen den Wegfall des "Vertreters des öffentlichen Interesses", da unserer Ansicht nach bei der Änderung eines Vornamens oder Geschlechtseintrages kein öffentliches Interesse besteht, sondern hier einzig und allein ein Persönlichkeitsrecht zum Schutze und Erhaltung der persönlichen Würde und zur Möglichmachung der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit wahrgenommen wird.

Auch als positiv bewerten wir, dass "auf die bisher geforderte mindestens dreijährige Dauer des Zwangs des Zugehörigkeitsempfindens zum anderen Geschlecht verzichtet" wird und damit "einer Forderung der Betroffenen, die diese Frist unter Hinweis auf ihr Selbstbestimmungsrecht kritisiert haben, Rechnung getragen" wird. Dass dem Selbstbestimmungsrecht transsexueller Menschen jedoch an fast allen anderen Stellen des Gesetzes zur Reform des Transsexuellenrechts so wenig Rechnung getragen wird, finden wir sehr bedauerlich.

Der Entwurf eines Gesetzes zur Reform des Transsexuellenrechts enthält außerdem weitere sehr positive Änderungen, die wir aber nicht gesondert betonen möchten, da diese selbstverständlich sind - das BVG hat sie gefordert.

Fortsetzung im Download (pdf)

Aus den Stellungnahmen der anderen Organisationen (TriQ, DGTI,...) sind dann auch ein paar Kernforderungen wieder zu erkennen, bei denen - so wie es aussieht - bundesweit Einigkeit besteht: Ansiedlung des Verfahrens bei den Standesämtern (damit Abschaffen des Gutachterverfahrens) und Beendigung des Kastrationszwang. Dass das BMI hier einen Entwurf vorgelegt hat, der diese Punkte entgegen der einhelligen Ansicht der Betroffenenverbände immer noch beinhaltet ist, nunja... wie nennt man so etwas? ...ignorant?

Hier ein Link zu den anderen Stellungnahmen: Klick

 
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